Die Umsatzsteuer ist eine Steuer, die von einem Unternehmer anhand des Umsatzes bei erbrachten Leistungen an die Finanzbehörde abzuführen ist. Es ist eine indirekte Steuer, weil sie wirtschaftlich betrachtet vom Endverbraucher getragen wird, jedoch beim Unternehmer erhoben wird.
Besteuert werden dabei Lieferungen und sonstige Leistungen gegen Entgelt, die ein Unternehmer im Rahmen seines Unternehmens ausführt. Entgelt ist alles, was der Empfänger (und / oder ein Dritter) aufwenden muss, um die Leistung zu erhalten, jedoch ohne die evtl. darin enthaltene Umsatzsteuer.
Im deutschen Sprachgebrauch (ausgenommen in der Schweiz) wird seit der Harmonisierung des Steuersystems 1967 der Ausdruck "Umsatzsteuer" gleichbedeutend mit "Mehrwertsteuer" verwendet. Dies folgt aus der Tatsache, dass das Umsatzsteuersystem in jenem Jahr auf ein Allphasennetto-System umgestellt wurde und somit nur die Wertschöpfung, also der von einer Unternehmung erwirtschaftete Mehrwert mit Umsatzsteuer belastet wird. Bezahlen muss die Umsatzsteuer in voller Höhe jedoch dennoch der Endverbraucher. In der Schweiz wird die Umsatzsteuer seit ihrer Einführung im Jahre 1995, als sie die bisherige WUSt ablöste, stets nur als Mehrwertsteuer bezeichnet.
Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen und grundsätzlichen Einblick in die Umsatzsteuer. Für länderspezifische Besonderheiten siehe die Beiträge zur Umsatzsteuer (Deutschland), Umsatzsteuer (Österreich) und Umsatzsteuer (Schweiz).
In Deutschland führte der gewaltige Finanzbedarf im Ersten Weltkrieg 1916 zu einer reichseinheitlichen Stempelsteuer auf Warenlieferungen und 1918 zu einer Allphasen-Bruttoumsatzsteuer, die bis Ende 1967 beibehalten wurde. Der ursprüngliche Steuersatz von 0,5 Prozent stieg nach wiederholten Änderungen 1935 auf 2 Prozent, 1946 auf 3 Prozent und 1951 auf 4 Prozent an. 1967 wurde - im Rahmen der Harmonisierung der Umsatzbesteuerung innerhalb der Europäischen Gemeinschaft der Übergang zum System der Mehrwertbesteuerung mit Vorsteuerabzug vollzogen.
Innerhalb der Europäischen Union ist die 6. Richtlinie zum gemeinsamen Mehrwertsteuersystem vom 17. Mai 1977 eine wichtige Vorschrift zur weiteren Vereinheitlichung des Umsatzsteuerrechts. Diese Richtlinie bildet auch die Grundlage für die Berechnung der eigenen Einnahmen der Gemeinschaft aus dem Umsatzsteueraufkommen der Mitgliedstaaten. Sie enthält aus diesem Grunde umfassende Regelungen zur Abgrenzung der Umsätze und über die Bemessungsgrundlagen für die Umsatzsteuer und legt außerdem den Umfang der Steuerbefreiungen für alle Mitgliedstaaten verbindlich fest.
Mit der Vollendung des europäischen Binnenmarktes sind die Zölle und Einfuhrumsatzsteuern beim Warenverkehr innerhalb der Union fortgefallen.
Zur Berechnung der im Preis enthaltenen Umsatzsteuer, deren Steuersatz in diesem Beispiel mit 19% angenommen wird, sind die Preise zunächst auf den Nettobetrag, also das Entgelt ohne die Umsatzsteuer, herunterzurechen:
| von -> an | Preis (brutto) | Entgelt (netto) | USt (19%) |
|---|---|---|---|
| von Z an P | 15,00 € | 12,61 € | 2,39 € |
| von P an G | 60,00 € | 50,42 € | 9,58 € |
| von G an E | 75,00 € | 63,03 € | 11,97 € |
| von E an V | 100,00 € | 84,04 € | 15,96 € |
Bei der Betrachtung des E wird die Funktionsweise der Umsatzsteuer klar:
Damit ist zum einen verdeutlicht, dass bei der letzten Phase des Wertschöpfungsprozesses effektiv nur eine Steuer von 3,99 € entstanden ist und zum anderen, dass der Endverbraucher die gesamte Steuerlast wirtschaftlich trägt, da er die Umsatzsteuer nicht als Vorsteuer geltend machen kann.
Eine andere Betrachtungsweise ist, dass ein Unternehmer den in einem Abnehmer seiner Lieferungen und Leistungen enthaltenen Umsatzsteueranteilanteil (ohnehin Geld, das an das Finanzamt abzuführen ist), somit neutral entweder an einen Vorlieferanten oder an das Finanzamt zahlen kann.
Im vorstehenden Beispiel sind folgende Steuerbeträge an das Finanzamt geflossen:
Nicht zu vernachlässigen sind jedoch Kapitalbindungseffekte und -kosten!
Für die meisten EU-Mitgliedsländer sowie die meisten Staaten mit international verflochtenen Märkten stellt die USt eine Hauptfinanzierungsquelle dar. Sie ist mindestens gleichrangig mit den direkt erhobenen Steuern und gilt als das weitestgehende praktizierte moderne Finanzierungsinstrument.
Bei dem folgenden Vergleich ist es wichtig, zu beachten, dass die USt in manchen Ländern nicht auf Basis des Nettobetrages, sondern auf Basis des Bruttobetrages berechnet wird. Beispiel: Im Bundesland Rio Grande do Sul (Brasilien) beträgt der Hauptumsatzsteuersatz 17 % (2005) vom Bruttobetrag (also inkl. USt). Nach der EU-Berechnungsmethode entspricht das einer USt von 20,48 %.
Für eine vollständige, positive Analyse müssen jedoch auch die Höhe der jeweiligen Einkommenssteuern betrachtet werden! (Wird die Arbeit (direkt) oder der Konsum (indirekt) von normalen bzw. Luxusgütern besteuert?)
| Land | Steuersatz | |||||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Normalsatz | Ermäßigter Satz | Stark ermäßigter Satz | Zwischensatz | Nullsatz möglich | - | Zypern | 15 % | 8 % | 5 % | -- | ja | - | Luxemburg | 15 % | 6 % | 3 % | 12 % | -- |
| Spanien | 16 % | 7 % | 4 % | -- | -- | |||||||||||||
| Deutschland | 16 % (ab 1.1.2007 19 %) | 7 % | -- | -- | -- | |||||||||||||
| Vereinigtes Königreich | 17,5 % | 5 % | -- | -- | ja | |||||||||||||
| Estland | 18 % | 5 % | -- | -- | -- | |||||||||||||
| Lettland | 18 % | 5 % | -- | -- | -- | |||||||||||||
| Malta | 18 % | 5 % | -- | -- | ja | |||||||||||||
| Litauen | 18 % | 9 % | 5 % | -- | -- | |||||||||||||
| Slowakei | 19 % | -- | -- | -- | -- | |||||||||||||
| Tschechische Republik | 19 % | 5 % | -- | -- | -- | |||||||||||||
| Niederlande | 19 % | 6 % | -- | -- | -- | |||||||||||||
| Griechenland | 19 %(auf Inseln: 13 %) | 9 % (auf Inseln: 6 %) | 4,5 % (auf Inseln 3 %) | -- | -- | |||||||||||||
| Frankreich | 19,6 % | 5,5 % | 2,1 % | -- | -- | |||||||||||||
| Slowenien | 20 % | 8,5 % | -- | -- | -- | |||||||||||||
| Italien | 20 % | 10 % | 4 % | 6% | ja | |||||||||||||
| Österreich | 20 % | 10 % | -- | 12% | -- | |||||||||||||
| Ungarn | 20 % | 15 % | 5 % | -- | -- | |||||||||||||
| Portugal | 21 % | 12 % | 5 % | -- | -- | |||||||||||||
| Belgien | 21 % | 6 % | -- | 12 % | ja | |||||||||||||
| Irland | 21 % | 13,5 % | 4,4 % | -- | ja | |||||||||||||
| Polen | 22 % | 7 % | 3 % | -- | ja | |||||||||||||
| Finnland | 22 % | 17 % | 8 % | -- | ja | |||||||||||||
| Schweden | 25 % | 12 % | 6 % | -- | ja | |||||||||||||
| Dänemark | 25 % | -- | -- | -- | ja |
Stand: Februar 2006
| Land | Steuersatz | |
|---|---|---|
| Allgemeiner Satz | Ermäßigter Satz | |
| Andorra | 4 % | 0 % |
| Japan | 5 % | |
| Singapur | 5 % | |
| Taiwan | 5 % | |
| Schweiz | 7,6 % | 3,6 % oder 2,4 % |
| Australien | 10 % | |
| Südkorea | 10 % | |
| Argentinien | 11 % | 10,5 % oder 0 % |
| Indien | 12,5 % | 4 %, 1 % oder 0 % |
| Neuseeland | 12,5 % | |
| Südafrika | 14 % | 7 % oder 4 % |
| USA | je nach Gemeinde unterschiedlich | ??? % |
| Mexiko | 15 % | 0 % |
| Kanada | 7 % (zzgl. 0-8 % je nach Provinz) | 0 % |
| Venezuela | 15 % | 8 % |
| Sri Lanka | 15 % | |
| Bosnien und Herzegowina | 17 % | |
| China | 17 % | 6 % oder 3 % |
| Israel | 17 % | |
| Serbien | 18 % | 8 % |
| Montenegro | 18 % | 8 % |
| Türkei | 18 % | 8 % oder 1 % |
| Russland | 18 % | 10 % oder 0 % |
| Rumänien | 19 % | 9 % |
| Ukraine | 20 % | 0 % |
| Bulgarien | 20 % | |
| Kroatien | 22 % | |
| Island | 24,5 % | 14 % |
| Norwegen | 25 % | 11 % oder 7 % |
| Färöer | 25 % | 0 % |
Steuern und Abgaben | Steuerrecht
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