Als Synthese (spätlateinisch synthesis, von griechisch σύνθεσις, sýnthesis - die Zusammensetzung, Zusammenfassung, Verknüpfung) bezeichnet man den Umsatz (die Vereinigung) von zwei oder mehr Elementen (Bestandteilen) zu einer neuen Einheit. Oftmals wird mit der "Synthese" auch das Ganze selbst, d.h. das Resultat der synthetischen Tätigkeit bezeichnet. Die Synthese ist untrennbar verbunden mit dem, ihr entgegengesetzten Verfahren der Analyse. In der Naturwissenschaft ist Synthese auf Materie (z.B. Chemische Synthese von Stoffen) bezogen und in der Geisteswissenschaft abstrakt (z.B. das Zusammenstellen eines neuen Metaphers, Beispiel: „Zahn der Zeit“) zu verstehen, daher synthetisch im Sinne einer synthetisierenden Sprache: synthetischer Sprachbau. Die Philosophie versteht unter Synthese, nach Abwägung von Pro- und Kontra (Dialektik), das Erstellen einer neuen Lehräußerung oder Theorie.
Im europäisch historischen Sinne sind erste Ansätze zur Bildung von Synthesen bei Platon als Ergebnis von sokratischen Gesprächen vorhanden.
Pappos von Alexandria stellt eine Problemanalyse des Konstruktionsverfahrens für geometrische Problemlösungen dar. Die oben beschriebene Neuordnung der einzelnen Elemente führt zu logischen und wahren Sätzen der Geometrie (Euklidische Geometrie). In der neuzeitlichen Algebra wird darunter die Suche nach den hinreichenden Bedingungen für das Gleichungslösen verstanden.
Isaac Newton schloss sich dieser von Pappos v. Alexandria maßgeblich bestimmten Methodik an und versteht unter der Synthese die Ableitung von physikalischen Prinzipien aus den mechanischen Prinzipien. Auch hier wird in der analytischen Mechanik die Suche nach hinreichenden Lösungsbedingungen von Bewegungsgleichungen verstanden.
Immanuel Kant geht davon aus, dass es "synthetische" Sätze oder Urteile gibt, in die nicht analytisch erklärbare Teile einfließen und ihnen somit scheinbar Neues hinzufügen. Man spricht in diesem Zusammenhang von Erweiterungsurteilen. Die Welt könne nicht ohne unsere eigenen so genannten synthetisierenden Leistungen gedacht werden.
Eine Richtung in der Erkenntnistheorie behauptet, dass jeder Erfahrung eine transzendentale Synthese zugrunde liegt.
Bei Friedrich Hegel bezeichnet Synthese das Abwägen einer These gegenüber deren Antithese mit dem Ziel der Aufstellung einer neuen These, deren Wahrheitsgehalt die beiden Ausgangsthesen übertrifft und ihren gegenseitigen Widerspruch aufhebt. Diese Methode des Erkenntnisgewinns wird als Dialektik bezeichnet.
In der modernen Wissenschaftstheorie wird zwischen formal-synthetischen Aussagen und materiell-synthetischen Aussagen unterschieden. Erstere werden durch das Handeln mit bestimmten Symbolen und der Regeln für den Umgang mit diesen gerechtfertigt. Bei den materiell-synthetischen Aussagen wird mittels Rückgang auf die Elemente eine bestimmte ideale Form geschlossen.
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