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Der Terminus Symbol (Lateinisch symbolum, von griechisch σύμβολον „das (Kenn-)Zeichen“, „Emblem“, „Sinnbild“, „Bild“, von συν, syn– „zusammen–“ und ballein „werfen“, also „das Zusammengefügte“) wird nicht einheitlich verwendet, sondern hat in verschiedenen Zusammenhängen unterschiedliche Bedeutungen.

In der Semiotik bezeichnet es ein Zeichen, mit dem eine Bedeutung verknüpft ist. Zeichen sind wahrnehmbar - visuell, auditiv (Lautzeichen) oder auf andere Weise (z.B. Schmerz - als Signal oder Symptom). Sie verweisen auf etwas außerhalb ihrer selbst liegendes (in der Semiotik:Referent).

Symbole, wie sie in der Religion, dem Mythos oder der Kunst vorkommen, lassen sich in ihrer Bedeutung oft nicht rein rational übersetzen oder interpretieren. Sie enthalten einen sogenannten Bedeutungsüberschuss. Während die Bedeutung beispielsweise eines Verkehrszeichens feststeht bzw. genau definiert ist, übersteigt die Bedeutung eines religiösen oder mythologischen Symbols die rationale Ebene und hat darüber hinaus psychische Bedeutungen, die oft nicht eindeutig interpretierbar sind. Mit Hilfe der Tiefenpsychologie bzw. Psychoanalyse wird versucht, auch diese Symbolbedeutungen zu deuten und zu verstehen (z.B Traumsymbole).

Der Symbolbegriff


Die Vereinbarungen, was unter dem Begriff »Symbol« zu verstehen ist, sind selbst in der Semiotik (Zeichentheorie) durchaus nicht einheitlich und so sind Missverständnisse vorprogrammiert, wenn nicht im jeweiligen Diskurs vorab geklärt wird, in welchem Sinne der Symbolbegriff zu verstehen ist. Es gilt also in der jeweiligen Auseinandersetzung zu klären, ob im jeweiligen Diskurs der Begriff Symbol im Sinne von z.B. Ernst Cassirer, Jean PiagetLiteratur zu Piagets Symbol-Begriff: Hans G. Furth: Intelligenz und Erkennen. Die Grundlagen der genetischen Erkenntnistheorie Piagets., ISBN 3518077600., oder Charles S. Peirce verwendet wird, wobei die häufigste Konfliktursache wohl die Opposition Symbol vs. Zeichen zu sein scheint, weil hier ein Konkurrenzverhältnis konstruiert wird, das so nicht gegeben ist.

In der neueren Semiotik hat sich die Auffassung von Charles Sanders Peirce durchgesetzt, der als einer der »Väter« der Semiotik gilt. Bei Peirce ist der Begriff Zeichen als Überbegriff zu verstehen. Symbol ist dann eine der drei Unterkategorien | Symbol |Index | Ikon |. Besonders hervorzuheben ist hier, dass die fachspezifische Verwendung des Begriffs Symbol im Bereich verschiedener Disziplinen verschiedenes meinen kann. Während in der Kunst-Didaktik der Symbolbegriff eher von Piagets Symbolverständnis abgeleitet wird, hat sich in der Ausbildung der Kommunikations-Designer (Kommunikationsdesign, das der Semiotik näher steht) der Peirce-Symbolbegriff etabliert. Wenn also ein Kunsterzieher und ein Kommunikationsdesigner von Symbol reden, haben sie einen erheblichen Klärungsbedarf.

Dass ein Symbol nicht im Sinne einer Bedeutungs-Verdichtung zu verstehen ist, wird deutlich bei Jacques Lacans Darstellung der Symbolisierungsfunktionen. Die symbolische Ordnung wird nach Lacan über drei Register organisiert, die zueinander in einem wechselseitigen und unauflösbaren Verhältnis stehen. Es sind dies die »drei Register der symbolischen Ordnung« | Reales | Symbolisches | Imaginäres |. Lacan hat ihr Verhältnis zueinander in Form eines Knotens dargestellt. Der »Borromäische Knoten« ist ein zentrales Element in der Lehre Lacans und dient dem Verständnis dreier möglicher Organistation der Psyche im Rahmen dreier psychischer Verfasstheiten: | Neurose | Psychose | Perversion |. Nach Lacan weist zudem jede symbolische Ordnung einen nicht symbolisierbaren Rest auf, der zugleich den Überschuss und den Mangel des Systems verkörpert. Dieser nicht integrierbare Rest ist das »Symptom des Begehrens«, welches das System als Ganzes bestimmt. Der Begriff Symbol als Bezeichnung für eine Entität löst sich damit auf. Lacan hat auch eine Reihe weiterer Theoreme im Zusammenhang mit der Organistation von Zeichen | Symbol | Diskurs entwickelt, die neben der Psychoanalyse vor allem für Kultur-Disziplinen (Cultural Studies) relevant sind. Das Symptom (siehe Lacan: »Sinthome«) kann in einer kulturrelevanten Lesart als das aufgefasst werden, was als »Ästhetik« bezeichnet wird, wobei sich hier das Schweigen des »Großen Anderen« zeigt. Einstiegslektüre zu der Darstellung der Symbolierungsfunktionen nach Lacan: Peter Widmer: Subversion des Begehrens. o.A.

So gesehen erscheint jede Diskussion darüber, was ein Symbol ist, obsolet, weil Diskussionen dieser Art von einer Illusion getragen werden, die auf der Suggestivwirkung eines kopulierenden Verbs basieren: des Verbs »ist« und seiner Modifikationen.

Ursprung


Die Ursprungsbedeutung leitet sich von einem antiken Brauch ab: Ein Gast reichte seinem Gastgeber zum Abschied eine zerbrochene Tontafel oder einen Tonring. Sie dienten als Erkennungszeichen bei einem möglichen Gegenbesuch eines Mitglieds aus dem Gastgeberhaushalt bei dem ehemaligen Gast: Durch das Zusammenfügen der beiden Bruchstücke konnte sich der ehemalige Gastgeber (oder einer aus seiner Familie) als solcher zu erkennen geben. Der Ring als Symbol weist so über sich hinaus auf die Bedeutung „Ehe“.

In der Philosophie


In der Ästhetik (als einer Sparte der Philosophie) ein Erkennungszeichen, einfach in der Form, reich und tief im Sinn. Auf Denk- und Grabmälern nicht unüblich. Beispiel: Der „Lindenbaum“ im Lied „Am Brunnen vor dem Tore“ von Franz Schubert/Wilhelm Müller. Nach Dietrich Ritschl sind Symbole „Produkte bewusster, reifer Erkenntnisleistung durch Repräsentanzen in Form von Worten, Handlungen oder Gesten. Symbole vermitteln, was anders nicht artikuliert werden kann.“ (Zur Logik der Theologie, München 1984, 22). Hiergegen steht die These der Psychoanalyse, besonders Sigmund Freud, Jacques Lacan Ernest Jones, dass sich Symbole hauptsächlich über Verdrängung strukturieren.

Der Philosoph Jacques Derrida nimmt Symbole als wirkend an und schuf für das wirkende Zeichen den Begriff der Differance.

Der Literaturtheoretiker Kenneth Burke versucht, Symbole als rhetorische Strategien zu begreifen, die dazu dienen, Konflikte der individuellen Psyche in die Gesellschaft zu entlassen.

Mit der Symbolik, der Erforschung des Wesens und der Arten der Symbole, hat sich bahnbrechend Ernst Cassirer befasst.

In der Religion


  1. Alle Religionen drücken Kerngedanken in Symbolen aus, z.B. das Rad (als Symbol der ewigen Wiederkehr), das leere Grab (als Symbol der Auferstehung), der Weg (als Symbol der Lebensgeschichte oder der Lebensführung).
  2. Daneben gibt es in den christlichen Kirchen Glaubenssymbole, das sind Glaubensbekenntnisse. Dies leitet sich von einer Nebenform des griechischen Wortes sýmbolon, dem symbólaion (griechisch συμβόλαιο*), ab: der Vertrag, die Übereinkunft. Diese Symbola sind als verbindliche Glaubensurkunden zu verstehen (z.B. das Apostolikum und die Confessio Augustana). Auch eine Zahlensymbolik durchzieht das theologische Denken, deren Grundlage die Drei als Zahl der Dreieinigkeit und der theologischen Tugenden, und die Vier als Zahl der Welt bilden. Es gibt vier Tages- und Jahreszeiten, Himmelsrichtungen, Elemente, Lebensalter, vier christliche Kardinaltugenden (Glaube, Liebe, Hoffnung, Barmherzigkeit), vier Ströme des Paradieses (Euphrat, Tigris, Pison, Geon), als Männer mit Wasserkrügen z.B. am Taufbecken des Hildesheimer Doms abgebildet. In der Vierzahl kommen auch die großen Propheten und die Evangelisten vor. Drei und vier ergeben addiert sieben, multipliziert zwölf. In der Siebenzahl treten die Tugenden, die Todsünden und die freien Künste (artes liberales) auf, zu zwölfen die Monate, die Stämme Israels, die kleinen Propheten, die Jünger Jesu.

Religiöse Symbole sind konstitutive Elemente religiöser Identifikation, Sprache und Handlungen.

Paul Tillich hat darauf hingewiesen, dass alle "Religiöse Sprache" im Wesentlichen symbolisch sei, weil die Religion sich ja meist auf die Transzendenz bezieht und damit alles Vordergründige ( als die Immanenz )übersteigt.

Beispiele

Religiöse Symbole sind u. a.:

Beispiele „Religiöser Handlungen“ sind Sakramente wie Taufe und Abendmahl.

In der Mythologie


... werden, wie in der Religion, Symbole verwendet, die auf Transzendenz verweisen. Mit ihrer Erforschung befasst sich vor allem die Tiefenpsychologie in der Tradition von Carl Gustav Jung und die Vergleichende Mythologie. Auf der Arbeit Jungs beruhen z.T. auch die Forschungen von Mythologen wie Joseph Campbell, der die Symbole in Religion und Mythos als innere und geistige Wahrheiten im Gegensatz zu historischen Fakten interpretiert und zu den wichtigsten Vertretern der Vergleichenden Mythologie (Comparative Mythology) zählt. Laut Campbell enthält die Bildsprache von Mythos und Religion selbst keine absolute Wahrheit, sondern verweist auf eine Wahrheit jenseits von Bildern, Bedeutungen, Ideologien, Theologien und Konzepten. Insofern ist das mythische Symbol ein Hilfsmittel, um das Bewusstsein zu transformieren und zu erweitern im Hinblick auf Transzendenz. Es steht damit im Gegensatz zur ideologischen oder manipulativen Verwendung von Symbolen, wie sie zum Teil in Politik oder Religion zu beobachten ist.

In der Kunst


Die bildende Kunst verwendet seit den frühesten Beispielen von Höhlenmalerei bis in die Gegenwart hinein Symbole. In sakraler Kunst folgt die Symbolik dabei den Vorgaben von Religion und Theologie. Es gibt häufig eine verbindliche Ikonographie. In der Moderne tritt dagegen der individuelle und freie Umgang mit Symbolen an die Stelle traditioneller Bildprogramme.

In der Naturwissenschaft


Auch die Wissenschaft verwendet Symbole, indem Wirklichkeit in Form von symbolischer Repräsentanz abgebildet wird. Ernst Cassirer deutet den gesamten Bereich menschlicher Kultur in Form von symbolischen Formen: Auch in den Wissenschaften wird mit sinnlichen Zeichen gearbeitet, die zum Träger von geistigen Bedeutungen und damit von Sinn werden.

In der Politik


finden Symbole häufige Verwendung (z. B. in Gestalt nationaler Fahnen), siehe auch politisches Symbol

Beispiele

Beispiele für politische Symbole:

In manchen Staaten (z. B. in Frankreich), ist das Tragen von politischen oder religiösen Symbolen in öffentlichen Gebäuden verboten.

Siehe auch: Nationale Symbole, Meinungsfreiheit, Kopftuchstreit, Staatsneutralität, weltanschauliche Neutralität

In der Wirtschaft


sind Symbole zumal am Erfolg von Marken beteiligt (z. B. der "Erdal"-Frosch, "Mercedes"-Stern). Doch auch allgemeine Symbole existieren, wie das Standbild zum Zeichen des Marktfriedens - der "Roland" - in deutschen Städten (heute noch unter anderem in Bremen und Wedel, einige im Ausland).

In der Technik


sind eher Allegorien als Symbole von großer Bedeutung, vereinfachte Darstellungen als Repräsentanten real existierender Teile oder Systeme. (Aus ihnen geht hervor, um welches prinzipielle Teil es sich handelt, unabhängig davon, ob die reale Ausführung modernisiert ist, wie z.B. der Papierkorb in der Desktopeinstellung.) Doch haben einige davon auch symbolische Kraft gewonnen (die Silhouette einer Dampflokomotive, der Zirkel in der Fahne der DDR).

Im Sport


Im Wettkampf haben sich etliche Symbole durchgesetzt (z. B. die Goldmedaille bei Sieg, Silber für den zweiten, Bronze für den dritten, dem vierten bleibt nur die „blecherne“ Medaille).

Siehe auch


Quellen


Literatur


  • Winfried Nöth: Handbuch der Semiotik. o.A. ISBN 3-476-01226-3
  • Umberto Eco: Einführung in die Semiotik. o.A. ISBN 3-7705-0633-2
  • Udo Becker: Lexikon der Symbole. o.A. ISBN 3-89836-219-1
  • Manfred Lurker: Die Botschaft der Symbole. o.A. ISBN 3466203198
  • Carl Gustav Jung et al.: Der Mensch und seine Symbole. o.A. ISBN 3530565016
  • Peter Widmer: Subversion des Begehrens. o.A. ISBN 3-85132-150-2

Weblinks


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