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Dieser Artikel beschreibt Strukturalismus als Bezeichnung für Forschungsrichtungen der sozial- und der Geisteswissenschaften, besonders der Linguistik, der Literaturwissenschaft, der Psychoanalyse, der Psychologie, der Soziologie und der Anthropologie.

Der Begriff Strukturalismus bezeichnet ferner eine wichtige Strömung in Kunst und Architektur, insbesondere in den 1950er bis frühen 1970er Jahren, siehe Strukturalismus (Kunst)

Grundprinzipien


Der Strukturalismus beruht auf der Grundannahme, dass Phänomene nicht isoliert auftreten, sondern in Verbindung mit anderen Phänomenen stehen. Diese Verbindungen gilt es aufzudecken; genauer gesagt bilden die Phänomene einen strukturierten (strukturierbaren) Zusammenhang. Dabei wird die Struktur jedoch durch den Beobachter in einem Modell konstruiert. Die Struktur existiert also nicht auf der Ebene der Wirklichkeit, sondern nur auf der Ebene des Modells.

Ein Strukturalist geht in der Regel wie folgt vor:

  1. Der Bereich des Beobachtbaren wird eingeteilt in strukturell beschreibbare und strukturell nicht beschreibbare Phänomene; nur erstere sind Gegenstand strukturalistischer Analysen.
  2. Die beschreibbaren Phänomene werden segmentiert.
  3. Zwischen den Segmenten wird ein Zusammenhang (re-)konstruiert. Dabei ist unter Umständen eine den Segmenten zugrunde liegende weitere (abstraktere) Beschreibungsebene anzusetzen, auf der wieder eine Segmentierung ihrer Entität möglich ist.

Entstehung


Der Strukturalismus geht auf den Genfer Sprachwissenschaftler Ferdinand de Saussure zurück, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts Vorlesungen über Allgemeine Sprachwissenschaft hielt (Cours de linguistique générale), in denen er die Grundlage für eine neue Methode schuf. Seine Vorlesungen wurden erst posthum 1916 veröffentlicht, gelten aber wegen ihres neuartigen Ansatzes, naturwissenschaftliche Prinzipien auf einen vermeintlich geisteswissenschaftlichen Bereich wie den der Sprachwissenschaft anzuwenden, als wahrlich revolutionär und bis heute maßgebend für alle möglichen sprachwissenschaftlichen und semiotischen (zeichenwissenschaftlichen) Teildisziplinen. Die strukturalistische Methode ist in Disziplinen wie der Linguistik, der Anthropologie oder der Psychoanalyse weithin anerkannt. Dagegen waren und sind Versuche umstritten, die Methode auf alle kulturwissenschaftlichen Disziplinen auszuweiten (beispielsweise auf die Literaturwissenschaft durch Tzvetan Todorov und Roland Barthes oder auf die Filmwissenschaft durch Christian Metz). Einer der prägendsten und wichtigsten Strukturalisten des 20. Jh. ist Roman Jakobson; ihm gelingt der Spagat zwischen Linguistik und Literaturwissenschaft.

Als Beispiel für die Zweckmäßigkeit der strukturalistischen Methode sei hier die Erarbeitung des Lautschriftsystems der IPA/API (International Phonetic Association/Association phonétique internationale) genannt. Ausgangspunkt der Überlegungen war, dass sich sämtliche menschlichen Sprachäußerungen einem System unterordnen lassen, das aus einer feststellbaren Anzahl von Konsonanten (gegliedert nach Artikulationsart und -ort) und Vokalen (gegliedert nach Stellung der Sprechwerkzeuge und dem sich gleichzeitig ergebenden Atemausstoß) besteht. Hinzu kommen die sog. Halbvokale, die den Bereich einnehmen, wo die Grenze zwischen Konsonant und Vokal fließend ist. Diesen Kategorien Konsonant, Halbvokal und Vokal wurden sämtliche denkbaren Sprachlaute zugeordnet (mit den dazugehörigen, unabdingbaren diakritischen Zeichen - denn kein Mensch spricht einen Laut zweimal auf dieselbe Weise aus), und den Lauten dann lateinische, griechische u.a. Buchstaben eindeutig zugeordnet („Lautschrift“). Es wurden also gesprochene Laute für „strukturell beschreibbar“ erklärt, sie systematisch beobachtet (siehe oben, Schritt 1), sie segmentiert (Schritt 2) und ein Zusammenhang zwischen ihnen konstruiert (Konsonant–Halbvokal–Vokal-Schema mit seiner inneren Gliederung, Schritt 3).

Der Strukturalismus erhebt den provozierenden Anspruch, Sprach-, Zeichen- und Kulturphänomene mit naturwissenschaftlicher Exaktheit zu beschreiben. Dieses Verfahren wurde in der Folge auf kulturelle Phänomene aller Art übertragen (Beispiel "Mythologie"/ s.u.) und zu differenzierten Analysetechniken weiterentwickelt. In allen Fällen wird versucht, die analysierten Phänomene mit einer Art „Gitternetz“ zu erfassen (synchronische und diachronische Anordnung ihrer Symbole), in dem jedes Element durch die Merkmale, Korrelationen und Oppositionen bestimmt ist, die sich aus dem Verhältnis der Elemente untereinander ableiten lassen. Nachdem der kulturbezogene Strukturalismus totgesagt war (etwa seit 1980), wirkten die strukturalistischen Methoden v.a. in der Semiotik und Literaturtheorie fort. Beziehungen bestehen auch zur Systemtheorie und zur Psychoanalyse.

Siehe auch: Poststrukturalismus, Regulationstheorie

Strukturalismus in der Soziologie


Vor allem hat hier der französische Ethnologe Claude Lévi-Strauss mit ethnosoziologischen Materialien wichtige Beiträge zur Struktur von Familie totemischen Clan und den Mythen der Menschheit vorgelegt, dadurch deren allgemeine Untersuchbarkeit eröffnet (vergleiche auch Schwiegermutter (Soziologie)). So besteht nach Strauss in den Mythen aller Völker die durch Anordnung untereinander ("synchronisch") sichtbar werdende Gemeinsamkeit einer sechsfachen Strukturierung, die in der fernsten Vergangenheit beginnt, indem alle Mythen übereinstimmend von der Schaffung des Kosmos mit allen Lebewesen durch eine singuläre Potenz berichten (s. z.B. Anfang der biblischen "Genesis" und auch das "Goldene Zeitalter" aus dem Kulturraum der Griechen), um von dort aus in der Zeit vorwärts ("diachron") über fünf weitere Phasen mit je charakteristischen Ereignissen zur Gegenwart zu schreiten. Die Zuordnung des Mythos um die Selbstblendung des König Ödipus zu der sechsten und letzten Phase (ebenso auch der Verbannung Kains nach dem Lande "Nodh") sollte zwecks Erhellung der Bedeutung dieser weltweit identisch als tragisch überlieferten Entwicklung der Psychoanalyse und ihrer Symbol-Deutungsmethodik überreicht werden.

Als Antwort zum Strukturalismus wurde der Dekonstruktivismus vom Philosophen Jacques Derrida entwickelt.

Siehe auch


Linguistik | Sprachphilosophie | Strukturalismus

بنيوية | Strukturalismus | Structuralism | Estructuralismo | ساختارگرایی | Strukturalismi | Structuralisme | סטרוקטורליזם | Strukturalizmus | Structuralismo | Formgerðarstefna | Strutturalismo | 構造主義 | 구조주의 | Structuralistische taalkunde | Strukturalizm (językoznawstwo) | Estruturalismo | Структурализм | Štrukturalizmus | Strukturalizem | Strukturalism | Yapısalcılık | 結構主義

 

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