Dieser Artikel beschreibt Strukturalismus als Bezeichnung für Forschungsrichtungen der sozial- und der Geisteswissenschaften, besonders der Linguistik, der Literaturwissenschaft, der Psychoanalyse, der Psychologie, der Soziologie und der Anthropologie.
Der Begriff Strukturalismus bezeichnet ferner eine wichtige Strömung in Kunst und Architektur, insbesondere in den 1950er bis frühen 1970er Jahren, siehe Strukturalismus (Kunst)
Ein Strukturalist geht in der Regel wie folgt vor:
Als Beispiel für die Zweckmäßigkeit der strukturalistischen Methode sei hier die Erarbeitung des Lautschriftsystems der IPA/API (International Phonetic Association/Association phonétique internationale) genannt. Ausgangspunkt der Überlegungen war, dass sich sämtliche menschlichen Sprachäußerungen einem System unterordnen lassen, das aus einer feststellbaren Anzahl von Konsonanten (gegliedert nach Artikulationsart und -ort) und Vokalen (gegliedert nach Stellung der Sprechwerkzeuge und dem sich gleichzeitig ergebenden Atemausstoß) besteht. Hinzu kommen die sog. Halbvokale, die den Bereich einnehmen, wo die Grenze zwischen Konsonant und Vokal fließend ist. Diesen Kategorien Konsonant, Halbvokal und Vokal wurden sämtliche denkbaren Sprachlaute zugeordnet (mit den dazugehörigen, unabdingbaren diakritischen Zeichen - denn kein Mensch spricht einen Laut zweimal auf dieselbe Weise aus), und den Lauten dann lateinische, griechische u.a. Buchstaben eindeutig zugeordnet („Lautschrift“). Es wurden also gesprochene Laute für „strukturell beschreibbar“ erklärt, sie systematisch beobachtet (siehe oben, Schritt 1), sie segmentiert (Schritt 2) und ein Zusammenhang zwischen ihnen konstruiert (Konsonant–Halbvokal–Vokal-Schema mit seiner inneren Gliederung, Schritt 3).
Der Strukturalismus erhebt den provozierenden Anspruch, Sprach-, Zeichen- und Kulturphänomene mit naturwissenschaftlicher Exaktheit zu beschreiben. Dieses Verfahren wurde in der Folge auf kulturelle Phänomene aller Art übertragen (Beispiel "Mythologie"/ s.u.) und zu differenzierten Analysetechniken weiterentwickelt. In allen Fällen wird versucht, die analysierten Phänomene mit einer Art „Gitternetz“ zu erfassen (synchronische und diachronische Anordnung ihrer Symbole), in dem jedes Element durch die Merkmale, Korrelationen und Oppositionen bestimmt ist, die sich aus dem Verhältnis der Elemente untereinander ableiten lassen. Nachdem der kulturbezogene Strukturalismus totgesagt war (etwa seit 1980), wirkten die strukturalistischen Methoden v.a. in der Semiotik und Literaturtheorie fort. Beziehungen bestehen auch zur Systemtheorie und zur Psychoanalyse.
Siehe auch: Poststrukturalismus, Regulationstheorie
Als Antwort zum Strukturalismus wurde der Dekonstruktivismus vom Philosophen Jacques Derrida entwickelt.
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