Sibirien (russisch Сибирь/Sibir) ist die Bezeichnung für ein Gebiet, das den größten Teil Nordasiens bzw. des asiatischen Teils Russlands umfasst. Es umfasst rund die Hälfte des russischen Territoriums und misst 9,6 Mio. km², ist also flächenmäßig etwas größer als die gesamten USA. -04_sibirien_baikalarm_blau.JPG.JPG
Die Grenzen Sibiriens sind nicht eindeutig definiert. Die Bestimmung des Sibirischen Territoriums unterscheidet sich je nach Betrachtungsweise: geografisch, historisch, politisch.
Die aus dem Mongolischen stammende Landesbezeichnung mit der Bedeutung "Schlafendes Land" bezog sich ursprünglich auf das Khanat Sibir im heutigen Westsibirien, ein Zerfallsprodukt der Goldenen Horde. Heute wird damit außerhalb Russlands meist der gesamte asiatische Teil Russlands bezeichnet.
Dieser erstreckt sich in west-östlicher Richtung ca. 7.000 Kilometer weit vom Ural bis zu den Gebirgen der pazifischen Wasserscheide. Von Norden nach Süden umspannt er etwa 3.500 km vom Arktischen Ozean (Nordpolarmeer) bis zum Kasachischen Hügelland und der Grenze zur Mongolei und zur Volksrepublik China.
Der Ferne Osten (Dalni Wostok / Дальний Восток), von Jakutien bis zur Pazifikküste, der mit 6.179.900 km² Fläche größer ist als Sibirien, wird zwar außerhalb Russlands zumeist als Teil dieser Landschaft subsummiert, gilt jedoch in Russland selbst als eigene Region. So verstehen Einwohner Kamtschatkas oder Sachalins unter "Sibirien" eine Region, die sich mehrere tausend Kilometer westlich ihrer Heimat befindet. Für Russen beginnt Sibirien "hinter dem Ural" - in Höhe von Tjumen - und endet "kurz hinter dem Baikal" - also etwa 100 Kilometer östlich des Baikalsees, bei Ulan-Ude.
Der horizontalen Gliederung nach kann Sibirien grob in sieben Teilregion unterteilt werden: Westsibirisches Tiefland, Nordsibirisches Tiefland, Mittelsibirisches Bergland, Südsibirische Gebirge, Mitteljakutische Niederung, Ostsibirisches Tiefland und Ostsibirisches Bergland. Begrenzt wird Sibirien im Osten durch den sogenannten Fernen Osten und die große Halbinsel Kamtschatka mit ihren vielen Vulkanen.
Die größten Flüsse sind der Ob (Ob / Обь, fem.) der die riesige Ebene hinter dem Ural entwässert, der Jenissej, die Lena, der Irtysch und der Amur. Bei Irkutsk befindet sich der Baikalsee, der tiefste Süßwassersee der Erde.
In den meisten Regionen Sibiriens herrscht ein ausgeprägtes Kontinentalklima: Heiße Sommer (bis +40°C) werden von extrem kalten Wintern (bis -67°C) abgelöst. Oft wird das Land bis zu 9 Monate von einer Schneedecke bedeckt. Die Landschaft wird großteils von borealen Wäldern (Taiga) dominiert, in den arktischen Regionen herrscht baumlose Tundra vor. Dazwischen existiert mit den Waldtundra-Zonen eine Übergangsform. Im Süden geht die Taiga in Steppe über. Weite Teile Sibiriens werden von Permafrostböden (dauerhaft gefrorener Boden) eingenommen. Der Kältepol der bewohnten Welt befindet sich im ostsibirischen Oimjakon (südlich von Werchojansk).
Mit rund 23 Millionen Einwohnern ist Sibirien nur schwach besiedelt, die Bevölkerungsdichte liegt im Mittel bei nur 2,7 Menschen pro km². Die Bevölkerung konzentriert sich in einem relativ schmalen Streifen im Süden und Südwesten, wo die Transsibirische Eisenbahn wichtige Großstädte verbindet und Ackerbau möglich ist.
Nowosibirsk, Omsk, Krasnojarsk, Tjumen', Tomsk, Irkutsk, Chabarowsk, Tschita, Ulan-Ude und die fernöstliche Pazifik-Metropole Wladiwostok gehören zu den größten Städten in diesem Streifen. Wichtige Industriezentren, in denen weitere Großstädte liegen, sind der Autonome Kreis der Chanten und Mansen und der Autonome Kreis der Jamal-Nenzen, die den Schwerpunkt der Öl- und Gasindustrie darstellen sowie das südsibirische Kusnezker Kohlebecken (Kusbass) mit den Industriestädten Nowokusnezk und Kemerowo.
Den Großteil der Bevölkerung stellen die in den letzten Jahrhunderten zugewanderten Russen. Sie überwogen schon im 18. Jahrhundert die Urbevölkerung. Schon zu Zarenzeiten dienten die abgelegenen und unwirtlichen Gebiete Sibiriens und Mittelasiens zur Verbannung von politischen Gegnern und Straftätern. Schreckliche Berühmtheit erlangte der Archipel GULAG, das unter der Herrschaft Stalins aufgebaute System von Gefängnissen und Straflagern. Erst mit dem Zerfall der Sowjetunion hörten die Deportationen in diese Gebiete auf. Ab den 1920er Jahren wurde die Industrie Sibiriens forciert, was die Bevölkerungsstruktur zugunsten der Einwanderer fixierte.
Die indigenen Völker des Nordens, Sibiriens und des Russischen Fernen Ostens setzen sich aus Völkern der altaischen, der Uralischen Sprachfamilien, der paläoasiatischen Sprachen und weiteren zusammen. Die größeren sind die Tuwiner, Burjaten, Chakassen, Jakuten und Altaier. Zu den kleineren Ethnien ohne eigene Teilrepublik gehören u.a. Tschuktschen, Ewenken, Korjaken, Nenzen, Chanten und Mansen. In der Sowjetunion waren die meisten indigenen Völker Sibiriens von zwangsweiser Ansiedlung und Kollektivierung in Sowchosen betroffen.
Die stärkste Bedrohung für die indigenen Völker geht von der industriellen Erschließung von Bodenschätzen wie Öl, Gas, Kohle, Diamanten und Gold im asiatischen Teil Russlands aus. Daneben stellt der Alkoholismus ein gewaltiges Problem dar. Die Sprachen vieler kleinerer Völker befinden sich am Rande des Aussterbens, insbesondere dort, wo aufgrund industrieller Erschließung das Umfeld verloren geht, in welchem diese verwendet werden.
Russland leidet, wie viele Industrienationen, unter einem Rückgang der eigenen Bevölkerung. Zwar wachsen Ballungsgebiete wie Moskau oder Sankt Petersburg auch heute weiter, doch sehen sich gerade die Regionen wie Sibirien oder der Ferne Osten einem stärker werdenden Bevölkerungsrückgang durch Abwanderung (in größere Städte oder gar ins Ausland), stagnierende Lebenserwartung und weniger Geburten ausgesetzt. Im Grenzgebiet zu China kommt es, seitdem es für chinesische Händler leichter ist zwischen beiden Ländern zu pendeln, seit den frühern 90er Jahren zu einer verstärkten Handelstätigkeit. Schätzungen gehen von einigen hunderttausend chinesischen Einwanderern aus, die sich oft temporär aber manchmal auch für unbestimmte Zeit auf russischer Seite niederlassen.Berlin-Institut für Weltbevölkerung und globale Entwicklung Chinesen auf dem Weg nach Sibirien In: Newsletter Demos, 8.Ausgabe, 14. Mai 2004 Immer mehr der neuen Zuwanderer zieht es dabei in die grösseren Städte in Sibirien, wie z.B. nach Irkutsk.Europäisches Migrationszentrum Berlin Viktor I. Dyatlov u.a.: Die neue chinesische Diaspora und ihre Aufnahme in Irkutsk In: Migration, No. 29/30/31 Die einheimische russische Bevölkerung steht dieser Entwicklung mit Skepsis gegenüber, welche auch von offizieller Seite der russischen Politik propagiert wird. Es herrschen Befürchtungen über eine expansive Siedlungspolitik von chinesischer Seite, sowie eine Gefährdung der Sicherheit entlang der bis zu 3000km langen gemeinsamen Grenze, z.B. durch Schmuggel von Rohstoffen, Drogen, Waffen, Kriminalität und illegaler Einwanderung.The Carnegie Moscow Institut Galina Vitkovskaya: Does Chinese Migration Endanger Russian Security? In: Briefing Papers, Vol. 1, Issue 08, August 1999 By Paul Goble Tallinn, Estonia (UPI) Feb 10, 2006 Chinese Come To Russia
Heute liefert Russland bis zu 37% des in Deutschland benötigten ErdgasesEon - Sibirisches Erdgas: Eon-Ruhrgas.com, 7. Mai 2006. Dabei arbeiten deutsche (z.B. Eon und Wintershall) und russische Firmen (Gazprom) bei der Erschliessung und Nutzung eng zusammen. Das Erdgas wird über lange Leitungen durch Weissrussland und die Ukraine nach Deutschland geliefertCentrex-Gruppe : Sibirische Pipelines nach Europa: *, 7. Mai 2006. Im Jahr 2005 wurde beschlossen, den Bau einer weiteren Pipeline durch die Ostsee zu unternehmen, die sogenannte NEGP, welche auch im Zusammenhang mit dem Russisch-ukrainischen Gasstreit zu sehen ist.
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