article

Schwarze Pädagogik ist eine Bezeichnung für repressive Erziehungsmethoden aus früheren Jahrhunderten. Es handelt sich um einen grundsätzlich negativ belegten Sammelbegriff, unter dem Handlungen und Kommunikation zusammengefasst werden, die stark manipulativen oder gewalttätigen Charakter haben.

Ziele und Mittel der Schwarzen Pädagogik


Schwarze Pädagogik (Definition nach Katharina Rutschky) zielt auf die Installation eines gesellschaftlichen Über-Ichs im Kind, auf die Heranbildung einer grundsätzlichen Triebabwehr in der Psyche des Kindes, die Abhärtung für das spätere Leben und die Instrumentalisierung von Körperteilen und Sinnen zugunsten gesellschaftlich definierter Funktionen.

Unausgesprochen dient die Schwarze Pädagogik der Rationalisierung von Sadismus und der Abwehr eigener Gefühle des Erziehers oder der Bezugsperson. Die Schwarze Pädagogik bedient sich dabei der Mittel des Initiationsritus (z. B. Verinnerlichung einer Todesdrohung), der Hinzufügung von Schmerz (auch seelisch), der totalitären Überwachung des Kindes (Körperkontrolle, Verhalten, Gehorsam, Verbot der Lüge etc.), der Tabuisierung der Berührung mit Hilfe eines abstrakten Erziehungsapparates, der Versagung grundlegender Bedürfnisse und einer übertriebenen bis zwanghaften Ordnungsliebe.

Geschichtlicher Hintergrund


Im 18. Jahrhundert verbreitete Vorstellungen von der bösen Kindsnatur oder der Abrichtung zeugen von Aberglauben und dem Wunsch, Menschen wie Tiere formen zu können.

In einem Erziehungshandbuch ist zu lesen: „Diese ersten Jahre haben unter anderem auch den Vorteil, dass man da Gewalt und Zwang brauchen kann. Die Kinder vergessen mit den Jahren alles, was ihnen in der ersten Kindheit begegnet ist. Kann man da den Kindern den Willen benehmen, so erinnern sie sich hernach niemals mehr, dass sie einen Willen gehabt haben“ (J. Sulzer: Versuch von der Erziehung und Unterweisung der Kinder, 1748)

In Deutschland ist das Schlagen von Kindern verboten. Erst im Jahr 2000 wurde durch eine Gesetzesänderung das elterliche Züchtigungsrecht abgeschafft. Die Bundesfamilienministerin von 1994 bis 1998, Claudia Nolte (CDU), wollte noch an der mit Gewalt verbundenen Erziehung festhalten *, obwohl spätestens mit dem Werk Am Anfang war Erziehung (1980) von Alice Miller die schweren Schäden bei Kindern durch körperliche Gewalt nachgewiesen sind.

"Unter der „Schwarzen Pädagogik“ verstehe ich eine Erziehung, die darauf ausgerichtet ist, den Willen des Kindes zu brechen, es mit Hilfe der offenen oder verborgenen Machtausübung, Manipulation und Erpressung zum gehorsam Untertan zu machen" (A. Miller: Evas Erwachen)

Kinderbücher und Märchen


Wie die in Kinderbüchern und Märchen dargestellten Situationen bei Kindern wirken, ist aufgrund unterschiedlicher Erfahrungen umstritten. Auffallend ist allein die Tendenz, das der Lebenslauf von Missetätern oft mit deren verfrühtem gewaltsamem Ableben endet. Beispiele hierfür finden sich in manchem Klassiker:

Psychologischer Hintergrund


Relevantes Kriterium ist, ob sich an einer manipulativen Lösungsstrategie persönliche Defizite wie Gefühlsblindheit, Grausamkeit oder Gewaltbereitschaft zeigen oder sich starke negative Emotionen wie Ärger und Hass entladen, gegen die sich die kindliche Psyche altersbedingt nicht wehren kann.

Personen


Zu den Themen der streitbaren Soziologin Katharina Rutschky, die mit ihrem gleich lautenden Werk von 1977 den Begriff der Schwarzen Pädagogik prägte, gehören u.a. Erziehung, Feminismuskritik, Missbrauch.

Die Kindheitsforscherin Alice Miller kam, auch als Folge ihrer therapeutischen Tätigkeit, zur Auffassung, die eigene Kindheit aufarbeiten zu müssen, um ihre Klienten besser zu verstehen. Schwarze Pädagogik ist für sie ein Verhalten, das durch Verklärung von Generation zu Generation weitergeben wird.

Die unbewusst gebliebenen und dadurch immer noch wirkenden Annahmen aus jahrhundertealten Erziehungsmethoden stellt der Philosoph Michel Foucault dar, in dem er immer wieder von Gesellschaftsnormen als der Dressur des Menschen durch die Gesellschaft spricht.

Diskussion und Kritik


Weitgehend unumstritten ist der Begriff der Schwarzen Pädagogik, wenn es um Misshandlungen von Kindern geht. Wo immer unter dem Deckmantel der pädagogischen Beratung Anleitungen für Quälereien gegeben werden, stößt das auf breite Ablehnung.

Alice Miller bezeichnet mit dem Begriff Schwarze Pädagogik alle Verhaltensweisen, die einen ansatzweise manipulativen Charakter haben. "Jeder Klaps ist eine Demütigung" ist eine der Thesen, die von ihr mit Nachdruck vertreten werden. Kritiker betrachten solche Forderungen als "zu weitgehend". Diskussionen um den Begriff der Schwarzen Pädagogik münden daher häufig in Diskussionen um die Frage, ob ein Klaps als schädigend betrachtet werden muss oder nicht, was Alice Miller definitiv und begründet bejaht. *

Literatur


  • Schwarze Pädagogik. Quellen zur Naturgeschichte der bürgerlichen Erziehung. Herausgegeben und eingeleitet von Katharina Rutschky. 8. Aufl. München 2001. Ursprünglich erschienen 1977 in Frankfurt/M., Berlin, Wien.
  • Alice Miller: Am Anfang war Erziehung, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag 1983
  • Michel Foucault: Überwachen und Strafen, Frankfurt a.M: Suhrkamp 1976

Befürworter rigider Erziehungsmaßnahmen


Siehe auch


Pädagogik - Antipädagogik - Erziehung - Strafe - Körperstrafe

Weblinks


Geschichte der Pädagogik

Poisonous pedagogy

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Schwarze Pädagogik".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld