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Mit dem Begriff Rohkost werden Speisen bezeichnet, die ohne vorherige Hitzebehandlung verzehrt werden.

Auswahl der Nahrungsmittel


Rohkost kann vegetarisch sein, jedoch auch tierische Produkte enthalten. Entscheidendes Kriterium ist die fehlende Hitzebehandlung.

Zur vegetarischen Rohkost zählen Obst und Früchte, Gemüse, Kräuter (meist als Gewürzmittel), Nüsse & Samen, eine Reihe von Pilzen. Bei der nicht-vegetarischen Rohkost werden auch tierische Produkte wie Fisch (Matjes, Bismarckhering), Fleisch (Tatar) oder Eier roh verzehrt.

Mit dem Salat hat sich Rohkost auch als fixe Beilage der Gemischtkost durchgesetzt und ist Bestandteil vieler Menüs.

Philosophie


Rohkostanhänger sehen den Vorteil ungekochter Nahrung unter anderem darin, dass Enzyme, Spurenelemente und vor allem hitzeempfindliche Vitamine, die beim Kochen verringert werden, besser erhalten bleiben. Als weiteres Argument wird angeführt, dass auf diese Weise die sogenannte Verdauungsleukozytose, die als unnötige Belastung des Immunsystems betrachtet wird, vermieden werden kann.

Man kann davon ausgehen, dass vor der Nutzung des Feuers durch den Menschen überwiegend rohe Nahrung verzehrt wurde, was eine beträchtliche Zeitspanne innerhalb der Entwicklung der Menschheit abdeckt. Der menschliche Körper sei daher an die Verdauung roher Nahrung optimal angepasst. Auch ernähren sich alle Tierarten in der Natur von roher Kost.

Heute sind weltweit keine Kulturen oder Völker bekannt, die sich ausschließlich von rohen Speisen ernähren.

Zahlreiche Ernährungswissenschaftler wie Dr. Joel Fuhrman, Dr. Gillian McKeith und Professor Colin Campbell (Leiter der sog. China-Studie) empfehlen einen hohen Anteil roher, naturbelassener Lebensmittel. Sie sehen dies als Vorsorge gegen zahlreiche Zivilisationskrankheiten.

Verwiesen wird auch auf das hohe Lebensalter bekannter Rohköstler: Dr. Norman W. Walker (116), Dr. John Tilden (90), Dr. James Caleb Jackson (84), Dr. Linus Pauling (93), Ralph Bircher (90), Dr. Walter Sommer (99).

Reine Rohköstler haben angeblich oft eine reinere Haut (weniger Pickel, weniger Falten) und weniger Allergien, sind nicht übergewichtig, nicht so anfällig gegen Erkältungskrankheiten und Grippe. Der Mensch hat sich nach Ansicht der Rohkostanhänger die meiste Zeit im Laufe seiner Evolution roh ernährt und führt seinem Körper erst seit relativ kurzer Zeit Kochkost zu. Die vielen daraus resultierenden Zivilisations- und ernährungsbedingten Krankheiten zeigten, dass sich der Körper an diese geänderte Kost noch nicht ausreichend anpassen konnte. Unsere artnächsten Verwandten (Menschenaffen) ernähren sich durchschnittlich zu 52% von Früchten und Beeren, zu 35% von Blättern, Wildpflanzen und Sprossen, zu 7% von Wurzeln, Samen, Rinden und Gallen, zu 5% von Blüten und zu 1% von Kleingetier und Insekten. (Quelle: Prof. Jane Godall: »The Chimpanzees of Gombe«, Harvard University Press, Cambridge, S. 233)

Verschiedene Konzepte


Zu den bekanntesten Rohkost-Varianten gehören:

  • Urkost (nach Franz Konz), größtenteils vegan, betont neben der Früchterohkost wilde Kräuter und Wildgemüse (z.B. Löwenzahn, Ampfer, Brennnessel usw.).
  • Sonnenkost (nach Helmut Wandmaker), vegetarisch mit Betonung des Verzehrs von Früchten (Früchtekost) und Nahrungsergänzungsmitteln
  • Primal Diet (nach Aajonus Vonderplanitz), nicht-vegetarisch mit stark reduzierter Aufnahme von Kohlenhydraten und Betonung des Verzehrs von Fleisch, Fett, frisch gepressten Gemüsesäften, Rohmilch und Rohmilchprodukten
  • Instinctotherapie (nach Guy-Claude Burger), vegetarisch oder nicht-vegetarisch möglich. Es wird – dem Instinkt folgend – alles gegessen, was im Naturzustand gut riecht und schmeckt. Die Nahrung wird nicht gemischt, alle ursprünglichen, nicht verarbeiteten Nahrungsmittel sind erlaubt.

Kritik


  • Kritiker wenden ein, dass es Nahrungsmittel gibt, die durch Kochen leichter verdaulich oder sogar erst genießbar werden, wie zum Beispiel Reis, Kartoffeln, Gartenbohnen oder im Rohzustand giftige Pilze. Rohkost wird generell langsamer verdaut als gekochte Kost und bleibt daher länger im Magen. Typische Beschwerden von Rohköstlern sind daher Blähungen.

  • Durch Kochen werden möglicherweise in der Nahrung vorhandene Krankheitserreger wie Bakterien und Parasiten abgetötet und viele Nährstoffe leichter für den Organismus verfügbar gemacht. Auch wenn die moderne Wissenschaft schon zeigt, dass man Bakterien nicht grundsätzlich als schädlich betrachten kann und sie im Magen und Darm eine positive Rolle spielen.

  • Rohkost kann zu Zahnschäden führen durch den hohen Säuregehalt von Früchten. Insbesondere Zitrusfrüchte oder saure Äpfel greifen den Zahnschmelz an. Aus diesem Grunde betont auch die Urkost einen hohen Gemüse- und Wildkräuteranteil.

  • Kritiker wenden ein, ein kompletter Verzicht auf das Garen sei nicht nötig, da die in Rohkost enthaltenen Enzyme durch den Verdauungstrakt wie jedes andere Eiweiß aufgeschlossen und inaktiviert werden und daher in ihrer eigentlichen Enzymtätigkeit für den Körper ohnehin nicht nutzbar sind. Der Chemiker und Nobelpreisträger Artturi Virtanen entdeckte, dass pflanzliche Enzyme schon im Mund (beim Zerkauen) mit körpereigenen Enzymen interagieren.

  • Weiterhin fällt bei einigen Rohkostlehren auf, dass diese eine Ideologie mit der Ernährung verbinden und teilweise unbelegte Versprechungen machen. So nehmen reine Rohkostformen wie Urkost, Sonnenkost und Instincto für sich in Anspruch, viele Krankheiten heilen zu können, wenn man die Empfehlungen des Ernährungskonzeptes konsequent befolge, bzw. entstünden alle existierenden Krankheiten nur und ausschließlich durch falsche Ernährung. Dabei widersprechen sich die einzelnen Rohkostideologien in entscheidenden Punkten deutlich. Bei einigen Ideologien dürfen verdorbene Lebensmittel und rohes Fleisch verzehrt werden, wenn der postulierte Instinkt dies zulässt. Andere Rohkostideologien lehnen den Verzehr von Fleisch strikt und kategorisch ab. Andererseits erlauben manche Rohkostideologien den Genuss von Milch, Honig oder kalt verarbeiteten oder fermentierten Nahrungsmitteln wie Sauerkraut oder Stockfisch, wieder andere erlauben nur den Verzehr von wild gewachsenen Pflanzen aus der unmittelbaren Umgebung. Einige Ideologien erlauben nur den sortenreinen Verzehr von Nahrungsmitteln, Mischen ist nicht erlaubt, andere hingegen empfehlen Mischungen aus verschiedenen Nahrungsmitteln ausdrücklich. Teilweise wird auch der Verzehr von fremden und exotischen Früchten verboten, andere Ideologien schreiben den Verzehr von exotischen Früchten jedoch vor, sodass Früchte wie Durian oder Cassia aus Asien eingeflogen werden müssen. Weitere Teile dieser Rohkostideologien beschäftigen sich mit Ethik und Moral.

  • Ein gewisser Anteil roher Nahrungsmittel gehört zu einer gesunden Ernährung. Die reine Rohkosternährung kann zu Mangelerscheinungen führen, wenn keine bewusste und möglichst abwechslungsreiche Ernährung dem Körper zugeführt wird. Studien haben ergeben, dass die meisten Rohköstler kontinuierlich Gewicht verlieren und zwar auch dann noch, wenn sie bereits Normalgewicht erreicht haben, also nicht übergewichtig sind.

  • Die meisten Ernährungsexperten halten die langzeitige strenge Anwendung der Rohkost für eine dauerhafte gesunde Ernährung für ungeeignet.

Siehe auch


Vegetarier, Veganismus, Vollwerternährung, Steinzeiternährung, Frutarier.

Literatur


  • Norman Walker: Täglich frische Salate erhalten Ihre Gesundheit. ISBN 3442136814
  • Harvey Diamond: Fit fürs Leben. Goldmann, ISBN 3-442-135338
  • Devanando O. Weise: Harmonische Ernährung. ISBN 3980247104
  • Franz Konz: Der große Natur-Gesundheits-Konz. Universitas-Verlag, 2003, ISBN 3-800-41314-0
  • Helmut Wandmaker: Willst Du gesund sein? Vergiß den Kochtopf!, Goldmann, 1992, ISBN 3-442-13635-0
  • Guy-Claude Burger: Rohkosttherapie. Heyne, ISBN 3-453-122550
  • Leslie und Susannah Kenton: Kraftquelle Rohkost. Vitalität und Gesundheit durch naturbelassene Ernährung. 5. Auflage. München 1993, ISBN 3-453-41741-0
  • Lynelle Scott-Aitken: Lust auf Rohkost - frisch & knackig. Neuer Umschau Buchverlag, 2006, ISBN 3-86528-257-1
  • Galina Schatalova: Wir fressen uns zu Tode. Goldmann, ISBN 3442142229
  • Henning Müller-Burzler: Auf den Spuren der Methusalem-Ernährung. Gesund und allergiefrei. Windpferd, ISBN 3893854371
  • Louis Kuhne: "Die neue Heilwissenschaft". Lorber & Turm, ISBN 3799900845
  • Arjuna: "Menschennahrung". Tuchenbach, ISBN 300005197X

Weblinks


Ernährung

Raw food diet | Elävä ravinto | Raw-foodism | Witarianizm | Сыроедение | Raw

 

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