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Reziproker Altruismus beschreibt, vereinfacht ausgedrückt, die Wandlung egoistischer Verhaltensweisen in altruistische Handlungen. Man könnte dafür folgenden Leitsatz formulieren: „Ich helfe anderen, damit auch mir geholfen wird.“

Ein eingängiges Beispiel ist der Radsport: In so genannten Ausreißergruppen, die sich vom Hauptfeld abgesetzt haben, möchte jeder einzelne Rennfahrer gewinnen. Aber um siegen zu können, muss er seine Kraft für den Endspurt sparen. Dies gelingt ihm nur, indem er im Windschatten seiner Konkurrenten fährt. Folglich besteht die Gefahr, dass in der Ausreißergruppe keine Führungsarbeit geleistet wird. Damit die Gruppe überhaupt eine Chance hat, vor dem Feld ins Ziel zu kommen, müssen sich die Fahrer abwechseln. Die kräftezehrende Arbeit an der Spitze nimmt jeder Fahrer auf sich, weil er davon ausgeht, dass auch die anderen Fahrer kurze Zeit später das für ihn machen werden.

Reziproker Altruismus ist auch bei Tieren weit verbreitet. Ein bekanntes Beispiel ist das Heraufwürgen und Teilen der Blutmahlzeiten bei den Vampirfledermäusen, insbesondere beim Gemeinen Vampir. Ein weiteres Beispiel ist die gegenseitige Fellpflege bei Primaten.

Evolutionäre Stabilität erfordert gegenseitige Kontrolle und den Ausschluß (oder die Bestrafung) von nur egoistischen Nutznießern, denn letztere besäßen sonst einen reinen Vorteil aus einer Versorgung ohne Gegenleistung. Als solche besäßen sie einen Selektionsvorteil, der zum Verschwinden der Altruisten führte, auch wenn danach möglicherweise die ganze Population, da nur altruistisch organisiert überlebensfähig, unterginge.

Literatur


  • Trivers, R.L. (1971): The evolution of reciprocal altruism. Quarterly Review of Biology. 46: 35-57.
  • Trivers, R.L. (1972): Parental investment and sexual selection. In B. Campbell (Ed.), Sexual selection and the descent of man, 1871-1971 (pp. 136-179). Chicago, IL: Aldine.
  • Trivers, R.L. (1974): Parent-offspring conflict. American Zoologist. 14: 249-264.
  • Robert Axelrod: The Evolution of Cooperation, Basic Books, ISBN 0465021212

Biosoziologie | Ethische Haltung | Sozialpsychologie | Verhaltensbiologie

Reciprocal altruism

 

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