Die Radiologie ist das Teilgebiet der Medizin, das sich mit der Anwendung von Strahlen zu diagnostischen, therapeutischen und wissenschaftlichen Zwecken befasst.
Traditionell werden in der Radiologie Röntgenstrahlen verwendet. Darüber hinaus kommen andere ionisierende Strahlen, wie Gammastrahlung oder Elektronen zum Einsatz. Da ein wesentlicher Einsatzzweck die Bildgebung ist, werden allgemein bildgebende Verfahren wie die Sonografie und die Magnetresonanztomografie zur Radiologie gerechnet.
Die Radiologie gliedert sich in die Gebiete Diagnostische Radiologie und Interventionelle Radiologie. Von Bedeutung für die fachärztliche Tätigkeit sind auch Fragen des Strahlenschutzes.
Diagnostische Radiologie
Die bildgebenden Verfahren in der diagnostischen Radiologie umfassen die Projektionsradiografie und die Schnittbildverfahren: Röntgen-Computertomografie, Sonografie und Magnetresonanztomografie.
Bei all diesen Verfahren können Substanzen eingesetzt werden, die die Darstellung bzw. Abgrenzung bestimmter Strukturen erleichtern und/oder Aufschluss über die Funktion eines Systems geben. Diese Substanzen bezeichnet man als Kontrastmittel. Die Auswahl des Verfahrens und die Entscheidung, Kontrastmittel einzusetzen, richten sich nach der klinischen Fragestellung und einer Kosten/Risiko-Nutzen-Abwägung.
Radiographie
Bei den radiografischen Verfahren (auch als „konventionelles Röntgen“ bezeichnet) wird der Körper des Patienten oder ein Teil desselben aus einer Richtung mit Röntgenstrahlung durchstrahlt. Auf der Gegenseite wird die Strahlung mit geeigneten Materialien registriert und in ein Bild umgewandelt. Dieses zeigt die im Strahlengang liegenden Gewebe in der Projektion: Knochen absorbieren mehr Strahlung als Weichteile und werfen daher Schatten; luftgefüllte Gewebe wie die Lunge sind relativ durchlässig, sodass dahinter eine höhere Strahlenintensität registriert wird. Da verschiedene Strukturen sich meist im Strahlengang überlagern, ist es oft hilfreich, mehrere Bilder aus unterschiedlicher Projektionsrichtung anzufertigen.
Welche Art Sensormaterial zur Registrierung verwendet wird, hängt vom Geräte- und Aufnahmetyp ab. Bei der herkömmlichen Radiografie wird lichtempfindliches Filmmaterial analog zur Fotografie verwendet, das sich bei Strahleneinfall schwärzt und chemisch entwickelt werden muss. Fortentwicklungen dieses Prinzips erlauben anstelle der Entwicklung das digitale Auslesen eines Detektors. Um bewegte Bilder in Echtzeit zu beurteilen (Durchleuchtung) werden traditionell Röntgenbildverstärker als Sensoren verwendet. In modernen Geräten werden zur direkten digitalen Akquisition sowohl von Standbildern als auch von Echtzeit-Bewegtbildern CCDs eingesetzt. Radiologische Aufnahmen können in digitaler Form im DICOM-Format gespeichert werden.
Als Kontrastmittel in der Projektionsradiografie eignen sich unlösliche Bariumsalze als Aufschwemmung, Iodverbindungen, Luft und Kohlendioxid. Barium wird gewöhnlich für den Verdauungstrakt verwendet. Lösliche Iodverbindungen und Kohlendioxid eignen sich für die Injektion in Gefäße, Luft kann rektal zur Dickdarmdarstellung appliziert werden.
Rö-Thorax-Pneumektomie-li.jpg | CT-Angiografie-Haende.jpg
Im Folgenden sind die wichtigsten Untersuchungen aufgeführt:
- Nativ = ohne Kontrastmittel
- Röntgen Thorax: Übersichtsaufnahme von Herz, Lunge und Brustkorb
- Röntgen Skelett
- Mammografie: Röntgenuntersuchung der Brust
- Mit Kontrastmittel
- Angiographie (Darstellung der Gefäße allgemein)
- Arteriographie (Arterien)
- Phlebographie/Venographie (Venen)
- Lymphographie (Lymphgefäße)
- intravenöse Urographie (harnableitendes System, inkorrekt: i.v.-Pyelogramm)
- retrograde Pyelographie (Iod-Kontrastmittel via Harnleiter ins Nierenbecken appliziert)
- Durchleuchtung
- Kontrastmittel-Breischluckuntersuchung zur Darstellung des Ösophagus
- Kontrastmittel-Mahlzeit zur Verfolgung der Magen-Darm-Passage
- Dünndarm-Kontrastmitteluntersuchung mit Barium und Wasser (Doppelkontrast)
- Dickdarm-Kontrasteinlauf mit Barium, zusätzlich meist Gabe von Luft (Doppelkontrast)
- Kontrastuntersuchungen der Speiseröhre, Magen, Darm, Gallenwege
- Barium-Kontrastmittel (Bariumsulfat, BaSO4) werden nur im Verdauungstrakt verabreicht und dann nur, wenn sichergestellt ist, dass das Kontrastmittel nicht aus dem Verdauungstrakt treten kann. Denn wenn Barium-Kontrastmittel in den freien Körperraum tritt, verkapselt sich dieses und kann zu Entzündungen führen. Wird Barium-Kontrastmittel in die Lunge aspiriert (eingeatmet) kann das zu einer Lungenentzündung führen.
Röntgen-Computertomographie
CT-Nierentumor-rechts.jpg
Siehe
CT, Vorteile: überlagerungsfreie
Schnittbilder, ermöglicht zum Teil Funktionsbeurteilung bei Kontrastmittelanwendung (sowohl Darm mit Barium als auch Gefäße mit Iod), CT-Angiografie
Magnetresonanztomographie
knie_mr.jpg
Siehe
Magnetresonanztomografie, Vorteile: wie CT, dabei besserer Weichteilkontrast, keine ionisierenden Strahlen, aber höherer zeitlicher und apparativer Aufwand, geringere Toleranz beim Patienten, Kontrastmittel zum Beispiel
Gadoliniumverbindungen und
superparamagnetische Eisenoxid-Partikel.
Ultraschalluntersuchung
Siehe
Sonografie, das am häufigsten angewendete bildgebende Verfahren in der Medizin, Vorteile: schonend, wiederholbar, Echtzeitbeurteilung, zum Teil Funktionsbeurteilung; Nachteil: untersucherabhängig, nicht alle Gewebe und Areale zugänglich. Als Kontrastmittel werden kleinste Gasbläschen (
microbubbles) eingesetzt, die die Struktur- und Funktionsdarstellung von Gefäßen und der Leber erleichtern, außerdem Wasser und gasabsorbierende Substanzen zur verbesserten Darstellung der Oberbauchorgane.
Ausbildung
Facharzt für Radiologie
Um nach einem absolvierten
Medizinstudium in Deutschland die Bezeichnung
Facharzt für Radiologie zu erwerben, bedarf es einer fünfjährigen Weiterbildungszeit, von der ein Jahr im Stationsdienst abgeleistet werden muss. Auf die Weiterbildung anrechenbar sind:
Radiologen.jpg
Zudem ist der Nachweis einer bestimmten Anzahl selbständig durchgeführter Untersuchungen bei Kindern, Erwachsenen und in der Neuroradiologie zur Zulassung zur Facharztprüfung nötig.
Statistiken hierzu
- Am 1. Januar 2001 waren 3.718 Diagnostische Radiologen registriert, von denen 1.234 niedergelassen waren. 355 übten keine ärztliche Tätigkeit aus. Unter der alten (und jetzt wieder gültigen) Bezeichnung „Radiologe“ waren 3.638 registriert, von denen 1.231 niedergelassen waren. 1.107 übten keine ärztliche Tätigkeit aus.
- Gemeinsam mit der Nuklearmedizin betrug der Praxisüberschuss 1998 im Durchschnitt 109.000€, in den neuen Bundesländern 143.700€.
Radiologietechologe/radiologisch-technischer Assistent
Radiologietechologe sind Spezialisten für die Anwendung bildgebender Verfahren in der Medizin (Röntgen, Schnittbildverfahren, Nuklearmedizin) und für die Durchführung von Heilbehandlungen mit ionisierender Strahlung (Strahlentherapie). Sie führen Untersuchungen und Therapien nach ärztlicher Anordnung eigenverantwortlich durch.
In Österreich erfolgt im Zuge des Bologna-Prozesses die Umstellung auf eine
Ausbildung an der Hochschule mit akademischem Abschluss. Im Wintersemester 2006 startet
an der Fachhochschule Salzburg der erste Jahrgang, der im Sommer 2009 mit dem Titel Bachelor abschliessen wird.
Interventionelle Radiologie
Die
Interventionelle Radiologie umfasst
minimalinvasive therapeutische Maßnahmen, die unter permanenter Kontrolle mittels bildgebender Verfahren durchgeführt werden: zum Beispiel die Aufdehnung von Gefäßverengungen unter Durchleuchtungskontrolle (Angiographie). Weitere Maßnahmen im Rahmen der Interventionellen Radiologie sind u.a.: Tumorembolisationen (~verödungen), die Behandlung von akuten Blutungen, Beseitigung von tumorbedingten Gangstenosen im Gastrointestinaltrakt oder in den Gallenwegen, Gewebeentnahmen sowie die Behandlung von Gefäßerweiterungen (Aneurysmen). Die Interventionelle Radiologie gehört systematisch nicht zur diagnostischen Radiologie, ist aber historisch aus ihr entstanden und wird meist von Radiologen durchgeführt.
Strahlenschutz
Da die angewendeten Strahlendosen in der Röntgendiagnostik zwar sehr gering, aber doch potenziell schädlich für den Patienten und den Anwender sind, wird in der Radiologie besonderer Wert auf den
Strahlenschutz gelegt.
Literatur
- Bittner,R.C.: Leitfaden Radiologie. ISBN 3-437-41210-8; KNO 06 29 50 87
- Pickuth, Dirk: Radiologie Fakten. Uni-Med, Bremen 2002. ISBN 3-89599-310-7, KNO-NR: 11 11 20 48
- Gerhard Lechner, Martin Breitenseher u. a. (Hrsg.): Lehrbuch der radiologischen klinischen Diagnostik. Maudrich 2003. ISBN 3-85175-754-8, KNO-NR: 11 08 93 84
- Oestmann, Jörg-Wilhelm: Radiologie. Ein fallorientiertes Lehrbuch. Thieme, Stuttgart 2002. ISBN 3-13-126751-8, KNO-NR: 10 91 20 07
- Laubenberger, Theodor; Laubenberger, Jörg: Technik der medizinischen Radiologie.Diagnostik, Strahlentherapie, Strahlenschutz. Für Ärzte, Medizinstudenten und MTRA. Deutscher Ärzte-Verlag. ISBN 3-7691-1132-X, KNO-NR: 00 99 81 31
- Via medici-Buchreihe: Berufsplaner Arzt; Markus Vieten, Thieme Verlag, ISBN 3131161051
Zeitschriften
- RöFo, Fortschritte auf dem Gebiet der Röntgenstrahlen und der bildgebenden Verfahren, Organ der Deutschen und der Österreichischen Röntgengesellschaft
- Der Radiologe, Springer Verlag, ISSN: 0033-832X
Weblinks
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