Als Pseudowissenschaft (die Vorsilbe Pseudo- kommt von griech. ψεῦδος, das „Lüge, Täuschung“ bedeutet) kann im Anschluss an Karl Popper eine Lehre bezeichnet werden, deren Vertreter einerseits einen wissenschaftlichen Anspruch erheben, die aber andererseits in wesentlichen Punkten nicht den Mindestanforderungen an eine methodische und kritisch-rationale Wissenschaft genügt. Zu diesen Mindestanforderungen gehören u.a. Überprüfbarkeit, Falsifizierbarkeit der Hypothesen, aber auch das Streben nach innerer und äußerer Widerspruchsfreiheit. Für eine Grauzone, in der lediglich berechtigte Zweifel bestehen, ob eine Lehre diesen Anforderungen genügt, wurde der Begriff Parawissenschaft eingeführt.
Der Begriff Pseudowissenschaft stammt von dem Wissenschaftstheoretiker Karl Popper, der ihn um 1920 als Gegenbegriff zu einer rationalen Wissenschaft in die Diskussion einführte. Pseudowissenschaften hatten für Popper mehr mit Mythen als mit empirischer Wissenschaft zu tun. Im Anschluss an dieses Wissenschaftsverständnis wird der Begriff Pseudowissenschaft heute verschiedentlich verwendet, um bestimmte Aussagensysteme mit unklaren theoretischen Grundlagen aber wissenschaftlichem Anspruch, zu klassifizieren. Der Begriff ist allerdings nicht allgemein anerkannt und gebräuchlich.
Wenn Pseudowissenschaft als Gegenbegriff zu Wissenschaft verwendet wird, wird unter Wissenschaft stets eine korrekturbasierte, intersubjektiv überprüfbare und ergebnisoffene Methode verstanden. Die Ergebnisse dieser Methode sollen nie für endgültig erachtet werden, da stets neue Erkenntnisse für möglich zu halten sind. Pseudowissenschaften werden dagegen als Lehrgebäude verstanden, in denen Theorien dogmatisiert und durch Manipulationen gegen Kritik immunisiert werden. Anstatt Theorien auf Experimenten aufzubauen, würden in Pseudowisschenschaften einer gewünschten Theorie nachträglich experimentelle oder sonstige Belege zugeordnet. Pseudowissenschaften sind diesem Verständnis nach also nicht ergebnisoffen, sondern epistemisch geschlossen. Sie gehen von feststehenden Ergebnissen aus, die mit (evtl. ex post fabrizierten) ausgewählten Fakten unterlegt werden, um ihnen einen neutralen und objektiven Nimbus zu verleihen. Während bei der Wissenschaft nur die Methode vorgegeben ist, steht für Pseudowissenschaften das Ergebnis fest.
Popper hatte sich bereits 1919 intensiv um eine Abgrenzung zwischen Wissenschaft und Pseudowissenschaft bemüht: "I wished to distinguish between science and pseudo-science; knowing very well that science often errs, and that pseudo-science may happen to stumble on the truth." ("Ich wollte unterscheiden zwischen Wissenschaft und Pseudowissenschaft, wohlwissend, dass sich auch Wissenschaft irrt und dagegen auch eine Pseudowissenschaft durchaus über die Wahrheit stolpern kann.")Popper: Science, Pseudo-Science, and Falsifiability, in: Conjectures and Refutations, (1962), 1978, S. 33. Die Suche nach dem Unterscheidungskriterium nannte Popper das "Demarcation problem". In seiner ersten Näherung an das Phänomen der Pseudowissenschaften machte er klar, dass er nicht die Frage der Wahrheit für vorrangig gehalten habe. Auch fehlende Exaktheit oder Messbarkeit seien nicht sein Grundproblem gewesen. Er habe vielmehr intuitiv empfunden, dass es Theorien gäbe, die sich als Wissenschaften gerierten, aber tatsächlich mehr mit primitiven Mythen gemein hätten, als mit Wissenschaft. Als Beispiele nannte Popper den Marxismus, die Psychoanalyse, die Individualpsychologie oder die Astrologie. Was diese Theorien attraktiv mache, sei vor allem ihre umfassende Eklärungskraft, da sie scheinbar alles, was in ihrem Betrachtungsraum liege, auch erklären könnten. Das Studium solcher Theorien hätte den Effekt einer intellektuellen Bekehrung oder Offenbarung. Dem Leser schienen sich die Augen für neue Wahrheiten zu öffnen, die Nichteingeweihten verborgen blieben. Ungläubige erschienen als Menschen, die sich weigerten, die manifeste Wahrheit anzuerkennen. Als besonderes Charakteristikum solcher Theorien beschrieb Popper also, dass es für sie einen beständigen Strom von Verifikationen gäbe. Jeder neue Fall werde im Lichte vorhergehender "Erfahrungen" betrachtet und dadurch als weiterer Beleg für die Richtigkeit der Theorie gewertet. Dies mache deutlich, dass die scheinbare Stärke dieser Theorien - die allumfassende Erklärbarkeit - in Wahrheit ihre Schwäche sei.
Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen stellte Popper folgende sieben Thesen auf:
Zusammenfassend stellte Popper fest: dass Kriterium eines wissenschaftlichen Status einer Theorie sei ihre Falsifizierbarkeit, oder Widerlegbarkeit oder Testbarkeit.
In den Augen von Popper ist die Falsifizierbarkeit eine notwendige Bedingung jeglicher Hypothesen- und Theoriebildung. Eine Theorie, die prinzipiell nicht falsifiziert werden kann, gilt als wertlos, da sie keine unabhängig überprüfbaren Aussagen macht bzw. falsifizierbare Voraussagen trifft. Anhänger dieser Lehren könnten daher jedes analytische Ergebnis, jeden empirischen Befund als Beleg für das Zutreffen ihrer Theorie interpretieren.
Wenn Falsifikation als ein zentrales Kriterium für Wissenschaftlichkeit etabliert wird, so ist damit vor allem die Aussage verbunden, dass Hypothesen und Theorien stets prüfbar sein müssen, um durch Modifikationen und Adaption in der wissenschaftlichen Arbeit einen Erkenntnisfortschritt zu ermöglichen. Wenn Falsifikation nicht möglich ist, entsteht Abschottung, Immunisierung gegen andere Meinungen und Zementierung eines Kenntnisstandes.
Daher ist das Kriterium fehlender Falzifizierbarkeit in diesem Verständnis die Gemeinsamkeit aller Pseudowissenschaften: Es gibt für die Überprüfung ihrer Aussagen kein Experiment, dessen Fehlschlag auch die Anhänger dieser Lehre als Gegenbeweis akzeptieren würden bzw. keine Quelle mit abweichender Aussage, die nicht entweder uminterpretiert oder angezweifelt würde. Ähnlich wie Verschwörungstheorien immunisieren sich Pseudowissenschaften gegen externe Korrektive.
In der Vergangenheit konnten die falsifizierbaren Aussagen oder Lehrmeinungen der Pseudowissenschaften durch Anwendung der wissenschaftlichen Methode widerlegt werden. Wenn die Aussagen einer Lehre widerlegt werden, muss sich diese Lehre nicht notwendigerweise zu einer Pseudowissenschaft entwickeln. Ihre Anhänger haben in der Regel mehrere Möglichkeiten, mit dieser Widerlegung umzugehen:
Für die moderne Wissenschaft hat sich im 20. Jahrhundert eine eigene Meta-Disziplin ausdifferenziert, die Kriterien für eine Qualifikation von Aussagen und Lehrsätzen als wissenschaftlich aufstellt: die Wissenschaftstheorie. Während Wissenschaft Beobachtungen und Messergebnisse analysiert und interpretiert, untersucht die Wissenschaftstheorie die von der jener Methoden und Prozeduren. Die Wissenschaftstheorie ist geprägt von dem sog. Kritischen Rationalismus Karl Poppers oder Hans Alberts. Ihr Ziel ist es „keiner Instanz mehr Unfehlbarkeit und damit das Recht der Dogmatisierung bestimmter Problemlösungen“ zuzugestehen, wie Albert in seinem grundlegenden Traktat über kritische Vernunft (1968) proklamierte. Hier zeigt er, dass Letzbegründungen methodisch nicht möglich seien (sog. Münchhausen-Trilemma). Die Suche nach einer solchen Letztbegründung führt demnach entweder in einen infiniten Regress (weil jede Begründung wieder einer Begründung bedarf), in einen logischen Zirkel (also eine Selbstbegründung, nämlich eine Begründung durch Sätze, die erst noch zu beweisen wären) oder in einen Abbruch des Verfahrens (also einen mehr oder weniger willkürlichen Punkt, an dem eine Begründung für selbstverständlich erklärt wird). Aus diesem methodischen Trilemma schließt der kritische Rationalismus, dass es keine unfehlbaren Aussagen (Behauptungen, Sätze, Theorien) geben kann. An ihre Stelle setzt die Wissenschaftstheorie daher die vorläufige Hypothese, also eine Annahme, die nur solange Geltung beanspruchen kann, wie sie nicht durch eine Annahme mit höherer Erklärungskraft (also weniger Widersprüchen und höherer Kongruenz) ersetzt wird. Auch sind nach Popper (Logik der Forschung, 1935) Wahrheitsbeweise für eine Theorie oder Hypothese unmöglich. An die Stelle einer Verifikation müsse daher eine Falsifikation treten. Theorie kann demnach nur sein, was auch prinzipiell an der Erfahrung scheitern kann (s. auch sog. Induktionsproblem).
Die Wissenschaftstheorie erarbeitete eine Reihe an Kriterien, mit dem sich die methodische Güte einer Theorie oder Hypothese beschreiben lässt. Die wichtigsten dieser Forderungen sind:
Wenn Thesen und Theorien als pseudowissenschaftlich kritisiert werden, liegt dabei in der Regel dieses Wissenschaftsverständnis des kritischen Rationalismus zugrunde. Maßstab der Kritik sind also vorgenannte Wissenschaftlichkeitskriterien. Im Folgenden können daher Pseudowissenschaften charakterisiert und eingeordnet werden.
Pseudowissenschaften entsprechen also ihrem Wesen nach nicht den Kriterien methodisch reflektierter, intersubjektiver Wissenschaft. Von reiner Religion, Esoterik oder Obskurantismus unterscheidet die Pseudowissenschaft dabei, dass sie eine Subsumierbarkeit von experimentell gewonnenen Daten unter ihre zentralen Glaubenssätze behauptet und sich dadurch von einem bloß spekulativen Glauben abgrenzt (ein Beispiel wäre die Lehre vom Intelligent Design aus dem Kreationismus, die mit der Religion die Annahme eines Schöpfergottes teilt, aber wissenschaftliche Erkenntnisse unter diese unbelegte Ausgangsprämisse subsumieren möchte - etwa wenn DNA-Analysen als „Beweis“ für dessen reales Walten betrachtet werden). Von Pseudowissenschaft kann also nur gesprochen werden, wenn eine Lehre präsentiert wird, die im Konflikt zur rationalen Wissenschaft steht, wobei einzelne Elemente der Lehre wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse sind oder zumindest als solche präsentiert werden. Bei Lehren, die vollständig ohne rational-wissenschaftliche Erkenntnisse auskommen, handelt es sich dagegen um Nicht-Wissenschaft (Religion, Esoterik etc.). Dies entspricht der Definition von Pseudowissenschaft durch den schwedischen Philosophen Sven Ove Hansson. Hansson unterscheidet ein Spektrum, dass von "wissenschaftlich" über "unwissenschaftlich" zu "pseudowissenschaftlich" und "nicht-wissenschaftlich" reicht. Unwissenschaftlichkeit meint dabei den Widerspruch zu anerkannten Fakten, Nicht-Wissenschaftlichkeit den Verzicht auf jeden rational-empirischen Anspruch. In dem Teil des Spektrums, in dem ein Widerspruch zu anerkannten Theorien besteht, können sehr unterschiedliche Sachverhalte enthalten sein: Fälschungen, handwerklich unzulängliche Wissenschaft oder unorthodoxe und sogar innovative Lehrmeinungen, die sich jedoch in der etablierten Wissenschaft nicht durchsetzen können.
Wenn Pseudowissenschaften also wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse in ihrer Begriffsbildung berücksichtigen, so bleibt für sie charakteristisch, dass sie diese Erkenntnisse selektiv und nicht korrekturbasiert verwenden. Zudem schotten sie sich systematisch gegen Widerlegung und Kritik ab, zielen also nicht auf Erkenntnisgewinn, sondern auf Überzeugung ihrer Anhänger. Pseudowissenschaften fehlt genau jene Offenheit für Kritik und Aufforderung zur Widerlegung, mit welcher der kritische Rationalismus Letztbegründungen, Dogmatisierung und Unfehlbarkeitsanspruch ablehnt. Pseudowissenschaften wähnen sich im Besitz unumstößlicher Wahrheiten. Sie sind in ihrer Natur nicht dynamisch-evolutionär, sondern statisch. Sie basieren im Kern auf einem Glauben, der unverrückbar feststeht und damit für einen iterativen Erkenntnisprozeß nicht anschlußfähig ist. Pseudowissenschaften proklamieren daher häufig eine geschlossene Alternative, die die bisherigen Ergebnisse nicht schreitweise erweitern, sondern revolutionieren soll. Systemimmanenter Zweifel existiert in Pseudowissenschaften typischerweise nicht, da das Ergebnis bereits vor der Untersuchung feststeht. Skepsis gilt dann als Häresie und Abweichlertum, nicht als notwendiges Element einer inhärenten Qualitätssicherung. Kritik wird von Pseudowissenschaftlern in diesem Sinne als Versuch kategorischer Unterdrückung der "Wahrheit" verstanden und gerade nicht als Korrektiv in einem schrittweisen Erkenntnisprozess.
Folgende Merkmale sind starke Indikatoren für Pseudowissenschaftlichkeit:
Die Gründe zur Verbreitung von Pseudowissenschaft sind vielfältig.
In verschiedenen Ländern existieren Organisationen, die sich mit pseudo- und parawissenschaftlichen Theorien kritisch auseinandersetzen. In Amerika ist das etwa das „Committee for the Scientific Investigation of Claims of the Paranormal“, das 1976 gegründet wurde, in Deutschland die „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V.“ (GWUP) mit Sitz in Roßdorf. Sie gibt vierteljährlich die Zeitschrift SKEPTIKER - Zeitschrift für Wissenschaft und kritisches Denken heraus.
Nicht jede Irrlehre entwickelt sich zur Pseudowissenschaft. Dabei spielt auch eine Rolle, inwieweit ein Lehrgebäude zur Verfügung steht, das eine über das konkrete Erkenntnisinteresse hinausgehende Anschlussfähigkeit für eine bestimmte Gruppe von Menschen besitzt. Dazu zwei Beispiele aus der Medizin: Die Viersäftelehre ist eine Irrlehre aus der Medizin, deren Falsifizierung heutzutage nicht mehr angezweifelt wird. Im Gegensatz dazu haben die Anhänger der Homöopathie, deren Vorstellung von Lebenskraft und ganzheitlicher Medizin eine umfassendere Evidenz für sich beansprucht, bis heute alle Widerlegungen ihrer Hypothesen gegen wissenschaftliche Argumente immunisiert und ihre Lehre damit aus Sicht der Wissenschaft unfalsifizierbar gemacht. Homöopathen selbst vertreten freilich die Auffassung, sie hätten lediglich die Falsifizierungen widerlegt.
Das übergeordnete Lehrgebäude, in das die Homöopathie sich dabei einfügt, ist die Vorstellung einer "Alternativen Medizin", die den Menschen gegen Manipulationen der "Schulmedizin" bewahren müsse.
Pseudowissenschaften sind von Religion oder Spiritualität u. a. dadurch unterschieden, dass sie einen (uneingelösten) wissenschaftlichen Anspruch erheben; Lehren und Weltanschauungen werden üblicherweise dann nicht als Pseudowissenschaften bezeichnet, wenn ihre Betreiber keinen solchen Anspruch erheben und keine wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse per Behauptung einer angeblich höheren Autorität (z. B. per Berufung auf göttliche Offenbarungen oder Erleuchtungserlebnisse) als falsch zu erklären versuchen.
In den letzten Jahrzehnten ist ein großer Markt für pseudowissenschaftliche Literatur und Ausbildungseinrichtungen entstanden. Im Buchhandel werden viele Werke hierzu unter dem Schlagwort "Lebenshilfe" oder im Bereich Esoterik geführt. Es folgt eine Auseinandersetzung mit einigen Argumenten, die in diesem Umfeld häufig als Legitimation für Pseudowissenschaften eingesetzt werden.
Befürworter von Pseudowissenschaften verweisen gelegentlich darauf, ihre Lehre gebe dem Menschen Hilfestellung in der Bewältigung von körperlichen oder seelischen Problemen; in einem therapeutischen Zusammenhang wird auch häufig mit dem Placebo-Effekt argumentiert.
Dem wird aus wissenschaftlicher Sicht u. a. folgendes entgegengehalten:
Die Befürworter einiger Pseudowissenschaften weisen zu Recht darauf hin, dass ihre Lehre gemeinsame Wurzeln mit echten Wissenschaften haben, bzw. dass heutige Wissenschaften ihre vorangegangenen Lehren aus früheren Zeiten teilweise ablehnen.
Frühe Wissenschaft, sog. Protowissenschaft, mag dabei noch so unzulänglich sein, pseudowissenschaftlich ist sie nicht, solange sie korrekturbasiert bleibt.
Einige Beispiele für solche Argumente lauten:
In der Sache sind die ersten beiden Behauptungen richtig; Chemie und Alchemie bzw. Astronomie und Astrologie haben tatsächlich gemeinsame Wurzeln. Die dritte Behauptung jedoch ist falsch: Eine falsifizierte Lehre wird von der Wissenschaft nicht automatisch zur Pseudowissenschaft erklärt; vielmehr wird sie als Irrlehre abgelegt, wenn sie nicht von ihren Betreibern entweder zu einer tragfähigen Theorie weiterentwickelt oder durch Immunisierung zu einer Pseudowissenschaft umgewandelt wird (siehe Abschnitt "Pseudowissenschaften und Irrlehren"). Ein wesentlicher Aspekt wissenschaftlichen Arbeitens besteht darin, Irrtümer und unfalsifizierbare Aussagen als solche zu erkennen und ohne sie weiterzuarbeiten. Ein typisches Beispiel für diese Arbeitsweise ist der Fortschritt in der Physik:
Ein wichtiger Schlüssel zu dieser stetigen Weiterentwicklung war und ist die (in den Pseudowissenschaften fehlende) Falsifizierbarkeit. Das Argument der gemeinsamen Wurzeln geht also an einem der Hauptgründe der Ablehnung von Pseudowissenschaften vorbei.
Eine Gemeinsamkeit vieler Pseudowissenschaften ist die besondere Hochschätzung einer Gründerfigur und ihrer Lehren, z. B. Rudolf Steiner in der Anthroposophie und Samuel Hahnemann in der Homöopathie. Diese Hochschätzung zollen zwar auch Vertreter der seriösen Wissenschaft ihren Pionieren (z. B. Isaac Newton für seine grundlegende Arbeit auf den Gebieten der Physik und der Mathematik, Charles Darwin für seine Entdeckung der Evolution der Arten und für die erste Formulierung der Evolutionstheorie), dennoch fühlt sich die Wissenschaft nicht daran gehindert, Erkenntnisse der Begründer einer Wissenschaftsdisziplin ad acta zu legen oder geeignet zu erweitern, sobald sich diese Erkenntnisse als überholt herausstellen. Im Gegenteil: Eine Koryphäe ihres Faches zu widerlegen gilt als Ritterschlag der Wissenschaft. So wurde etwa von Anfang an intensiv nach Widerlegungen der Einsteinschen Theorien gesucht. Auch sind etwa die theologischen Spekulationen eines Isaac Newton kein Gegenstand der heutigen Physik. Im Gegensatz dazu stellen die Lehren von Samuel Hahnemann für die meisten Homöopathieanhänger auch heute noch eine verbindliche, nahezu unantastbare Grundlage dar. Bei Rudolf Steiner trägt etwa der Verweis auf den notwendigen Besitz von "Erkenntnissen höherer Welten" dazu bei, dass Aussagen und Erklärungsansätze nicht einfach intersubjektiv überprüft werden können.
Aus pseudowissenschaftlicher Sicht wird gelegentlich argumentiert, dass sich das Kriterium der Falsifizierbarkeit von dieser Regel der Falsifizierbarkeit selbst ausnehmen müsse, da es sich selbst sonst ad absurdum führen würde. Das Kriterium könne oder müsse daher aufgegeben werden. Dieses scheinbare Paradox kann man schnell aufklären, wenn man bemerkt, dass die Regel von der Falsifizierbarkeit gar keine wissenschaftliche Theorie ist, sondern eine maßgeblich auf Karl Popper zurückgehende, von den Wissenschaftlern als notwendig empfundene Voraussetzung wissenschaftlichen Arbeitens aus der Wissenschaftstheorie; eine Lehre, die nicht im Prinzip auch falsch sein könnte, hat aus wissenschaftlicher Sicht keine Erklärungskraft. Gegen Ockhams Rasiermesser sind aus pseudowissenschaftlicher Sicht ähnliche Argumente erhoben worden.
Gegen den Begriff der Pseudowissenschaft gibt es Einwände aus philosophischer und wissenschaftstheoretischer Sicht. Insbesondere werden folgende Kritikpunkte vorgebracht:
Diese Liste enthält beispielhaft eine Reihe von Lehren, die häufig als pseudowissenschaftlich bezeichnet werden. Keine dieser Lehren betrachtet sich selbst als Pseudowissenschaft. Lehren, die den Anspruch der Wissenschaftlichkeit für sich selbst nicht erheben, sind hier nicht aufgeführt.
Siehe auch: Kategorie:Pseudowissenschaft
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