Eine Prothese (v. griech.: πρό pro = vor + ϑέσις thesis = setzen, Stellung) bezeichnet in der Medizin den Ersatz von Gliedmaßen, Organen oder Organteilen durch künstlich geschaffene, funktionell ähnliche Produkte. Befindet sich die Prothese außerhalb des Körpers, spricht man von einer Exoprothese (wie z. B. bei künstlichen Gliedmaßen, Arm-, Bein-, oder Handprothese), andernfalls von einer Endoprothese oder einem Implantat. Künstliche Hüftgelenke sind beispielsweise klassische Endoprothesen, gelten aber auch als ein Implantat. Das Besondere an diesem Implantattyp ist, dass es ein geschlossenes Implantat ist und vollständig von Körpergewebe umgeben ist (daher auch die Bezeichnung "Endo-). Es gibt auch Prothesen, die sind zu einem Teil im Körpergewebe und ragen zu einem anderen Teile aus dem Körpergewebe heraus, die sogenannten offenen Implantate. Bekanntestes Beispiel ist das Zahnimplantat. Daneben gibt es offene Implantate, auf denen keine herausnehmbaren oder festsitzenden künstlichen Zähne gesetzt werden, sondern Ohrmuschelimitationen, wenn das Implantat im Ohrbereich im Schädelknochen steckt. Das gleiche gilt für Implantate, die im Gesichtsschädel stecken und an denen zum Beispiel Nasen- oder Augen-Prothesen, Epithesen, befestigt sind.
Die ersten einfachen Prothesen für Gliedmaßen gab es schon 2000 v. Chr. in Ägypten. Ab dem Mittelalter verwendete man Prothesen aus Holz oder Eisen. Für die vielen verstümmelten Opfer des Ersten und Zweiten Weltkrieges, die Gliedmaßen verloren hatten, wurden die ersten modernen Prothesen, die auch einfache Bewegungen ermöglichten, entwickelt.
Führende Chirurgen wie Ferdinand Sauerbruch oder Konrad Biesalski erfanden Prothesen wie den so genannten Sauerbruch-Arm oder die Fischer-Hand, die wegen der Kosten jedoch nur wenigen Versehrten ein Handicap-armes Leben ermöglichten.
Während mit den ersten Prothesen kaum Funktionen des ursprünglichen Organs oder Körperteils hinreichend ersetzt wurden (man denke an Glasaugen), ermöglichen heute mikroprozessorgesteuerte Arm- oder Bein-Prothesen komplexere Bewegungen und sportliche Betätigung. Meist besteht die Außenhaut heutiger Prothesen aus Silikon, welches robuster ist und der Haut mehr ähnelt als andere Stoffe, wie Holz oder Leder-Stahlprothesen. Bei Beinprothesen wird auch häufig eine Kosmetik aus in Form des Körperteils geschliffenem Schaumstoff mit übergezogenem Kosmetikstrumpf verwendet.
Die Kniegelenk-Unterschenkelkonstruktion besteht bei leichten Prothesen aus einem Rohrskelett. Dennoch kommen ältere Techniken noch zum Einsatz, in Abhängigkeit von der physischen und psychischen Befindlichkeit des Patienten. Nicht unberücksichtigt bei der Auswahl der Versorgung darf der Beruf des Patienten dabei bleiben, weil durch berufsspezifische Belastungen auch entsprechende Belastungen auf die Prothese einwirken können.
Prothesen ersetzten aber auch Sinnesorgane wie Gehörknöchelchen, Gelenke, Herzklappen und sogar das gesamte Herz. Derzeit wird daran geforscht, mittels „tissue engineering“ aus eigenem Gewebe Ersatzteile wie zum Beispiel Herzklappen zu züchten. Diese als Implantat verwendeten Prothesen fallen unter die Kategorie Endoprothese.
Zahnprothesen werden in Totalprothesen und Teilprothesen unterteilt.
Epithesen dienen den Ersatz von Weichteilgeweben (zum Beispiel Nasenteilen nach Tumoroperation).
Für Augenprothesen, siehe Glasauge.
Bevor eine dem Patienten angepasste Prothese ihre definitive Gestalt erhält, wird nach der Maßabname eine Prothese gebaut für den Zustand der Anprobe, um gegebenenfalls kleinere Änderungen durchführen zu können.
Außerdem gibt es die Immediatprothese als eine sofort angelegte Hilfsprothese. Dieses erfolgt ausschließlich im Krankenhaus. Dieses kommt wohl besonders in der Zahnmedizin vor.
Prothesen können eingeteilt werden in:
Prothesen der unteren Extremität können außerdem in Unterschenkelprothesen für Amputationen unter dem Knie und Oberschenkelprothesen für Amputationen über dem Knie, sowie Knieprothesen für Exartikulationen im Knie unterschieden werden.
Prothesen der oberen Extremität können in Oberarm- und Unterarmprothesen eingeteilt werden.
Nach dem Ersten Weltkrieg entwarf der deutsche Unternehmer Otto Bock Prothesen, die industriell hergestellt werden können. Er teilte die damaligen Holzprothesen in drei Baugruppen ein, die in Werkstätten durch Orthopädiemechaniker zusammen gefügt und an den Patienten individuell angepasst werden sollten.
Die Baugruppen waren:
Diese Einteilung gilt immer noch, auch wenn sich die Herstellung von Prothesen inzwischen zur Rohrskeletttechnologie revolutioniert hat.
Rohrskelettprothesen werden in
eingeteilt. Bei Oberschenkelprothesen kommt das Kniegelenk als Bauteil noch hinzu.
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