Verbreitungsgebiet der heutigen niederdeutschen Mundarten.PNG
Ostfälisch ist ein Großdialekt der Niedersächsischen Sprache (Plattdeutsch), der in Niedersachsen ungefähr südöstlich einer Linie Uelzen - Celle - Hannover - Stadthagen - Bückeburg (einschließlich dieser Städte), also in der südlichen Lüneburger Heide und im Raum Hannover, Hildesheim, Braunschweig und Göttingen gesprochen wird (bzw. wurde), dazu in der Magdeburger Börde und im nordöstlichen bzw. nördlichen Harz / Harzvorland in Sachsen-Anhalt, somit in einem Großteil des historischen Ostfalen.
Im Gegensatz zum Nordniedersächsischen, das im Radio und Fernsehen noch häufiger vorkommt und das noch größere zusammenhängende Sprachinseln besitzt, wird Ostfälisch nur noch von wenigen, meist älteren Menschen gesprochen, hauptsächlich im häuslichen Bereich und in Mundartgruppen.
Der Begriff Ostfälisch entstammt der Sprachwissenschaft des 19. Jahrhunderts, die sich erstmals nahezu flächendeckend mit den Dialekten in diesem Raum befasste und dabei die hier (ansatzweise) beschriebenen Gemeinsamkeiten und Eigenheiten feststellte. Da diese sich z.T. bis zu den (spärlichen) Schriftzeugnissen der altniederdeutschen Zeit zurückverfolgen lassen, wurde der seitdem untergegangene Name des östlichen Teils des ehemaligen altsächsischen Stammesherzogtums für diesen Zweck reaktiviert. — Auch wenn dieser Name seit dem Ende des 20. Jahrhunderts auch in anderen Zusammenhängen Verwendung findet (z.B. Deuregio Ostfalen → Weblinks), hat er im täglichen Leben der Region höchstens marginale Bedeutung. Das gleiche gilt für den davon abgeleiteten Namen des Dialekts: die wenigen aktiven Sprecher reden / kőr’n Platt, zur Unterscheidung von anderen Varianten dienen Umschreibungen wie unser / ûsë und euer / jûë Platt, da auch die alten Gau- und Landschaftsnamen kaum noch gebräuchlich sind (abgesehen von Namen wie Papenteich / Popp’ndîk, die bei der Schaffung der Einheitsgemeinden ab 1974 verwandt wurden).
Der Ostfale sagt mik und dik, der Nordniedersachse mi und di (jeweils für hochdeutsch ich und mich bzw. du und dich). Im Braunschweiger Land , sowie im Hildesheimer Land und anderen Regionen werden außerdem st und sp nicht wie scht und schp gesprochen. Dort "s-tolpern de Lüe ower’n s-piss’n S-tein", jenseits der Grenze zum Halberstädtischen und Richtung Magdeburg "schtolpern de Lüe ower’n schpitzen Schtein". Es gibt im Ostfälischen so schöne Wörter wie "drieschakeln" (triezen, ärgern), "täuwen/täuw'n" (warten) oder "hille" (eilig).
Die ostfälische Sprache ist für meisten Menschen aus anderen (Bundes-)Ländern schwer zu verstehen, da sie zum einen durch viele ungewöhnliche Wörter gekennzeichnet ist, diese für jede Region (s.u.) unterschiedlich sind und die Aussprache sich zum Teil von Dorf zu Dorf verändert. So gibt es für die Vokabel "aber" mindestens drei Varianten im Ostfälischen: "aver", "åver" und "obber". Aufgrund dieser Verschiedenheit lässt sich der Dialekt auch nicht einfach verschriftlichen.
Der Wortschatz des Ostfälischen wird beschrieben im Niedersächsischen Wörterbuch.
Ein weiteres Merkmal des Ostfälischen ist die resthafte Erhaltung der Vorsilbe ge- als ë- beim Partizip II (Partizip Perfekt) der Verben; da diese Vorsilbe auch im Heideostfälischen verloren gegangen ist, steht z.B. bei Celle dessen wä’n ‚gewesen‘ südlichem ëwä(s)’n * gegenüber.
Ein auffälliger Unterschied zwischen dem Ostfälischen und allen anderen niederdeutschen Dialekten ist das Ausbleiben (bzw. Rückgängigmachen) der Tondehnung in offener Silbe vor ‹-el, -en, er› in der Folgesilbe, z.B. ostfälisch Löpp’l bett’n *" target="_blank" >(‚Löffel, bisschen, Pfeffer‘) gegenüber nordniedersächsisch Läpel *," target="_blank" >Päper [ˈpɛːpɐ.
Charakteristisch für das Ostfälische (besonders im Vergleich zu anderen niederdeutschen Dialekten) ist der Lautwandel von zu Umgangssprache über, spottend herausgestellt mit Sprüchen wie "mit baad’n Baan’n in den Hildeshaama Wassa-aama" ‚mit beiden Beinen in den Hildesheimer Wassereimer‘ (ostfälisch: mê bâ’n Bân’n in’n Hilmssà Wåtà-ammà). — Zusammen mit dem ebenfalls schon für die 1920er Jahre von Theodor Lessing in Hannover konstatierten Aussprache des hochdeutschen *" target="_blank" >als /äö/ (Buchtitel Jäö → Literatur; Merksatz: Konraad, sprich ein klaares Aa! – Jäö, Vadda, jäö!), dem "s-tolpan üba’n s-pitz'n S-taan" und der Aussprache des /r/ vor stimmlosen Plosiven als [x (is doch gochkaan Themäö – ¸ist doch gar kein Thema‘) wird daraus ein neuer Dialekt auf hochdeutscher Grundlage stilisiert, obwohl es sich bestenfalls um Missingsch handelt, das in der alltäglichen Konversation Hannovers höchstens (noch) ein Nischendasein fristet (vergl. Braunschweiger Platt).
Zu den oben erwähnten "ungewöhnliche Wörtern" des Ostfälischen gehören Űtschë (‚Frosch‘, nordnieders. Pogg), Kempë (‚Eber‘, nordnieders. Äver, Ever) und Hâilëbårt/Hallëbot (‚Storch‘, nordnieders. Aadboor etc.). Es gibt aber auch auffällige Gleichungen (ererbte Gemeinsamkeiten) mit dem Englischen und/oder Norwegischen: Snåkë (‚Ringelnatter‘) – norweg. snok, engl. snake, Dråkë (‚Enterich‘) – engl. drake, Schårë (‚Elster‘) – norweg. skjor (Bokmål: skjære), Mul * (‚Maulwurf‘) – engl. mole.
Auch beim Ausgleich der Altniederdeutschen Lautoppositionen, insbesondere bei der Reduzierung der in offener Silbe unterschiedenen Vokale, bezieht das Ostfälische eine eigene Position, indem es zwar stärker vereinfacht als das Westfälische (das in seinen südlichen Dialekten keine Reduktion kennt), aber nicht so weit geht wie der Kernbereich des Nordniedersächsischen (wo von ursprünglich 8 Vokalphonemen nur noch 3 geblieben sind). Trotz der Verschiedenheit der Laute im Einzelnen haben die meisten ostfälischen Dialekte also ein gemeinsames Lautsystem. (In diesem Falle bleibt neben dem Heideostfälischen auch das Göttingisch-Grubenhagensche – das sich hierin zum ostwestfälischen stellt – außenvor).
Eastphalian language | Ostfälisch | Ostfälschet Platt | Oostfaals
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