Schwingende Saiten.svg Bei jeder natürlichen Tonerzeugung wird neben der Grundfrequenz noch eine Vielzahl höherer Töne erzeugt. Diese heißen Obertöne, Partialtöne, Teiltöne, oder Harmonische. Die Folge dieser Töne heißt Obertonreihe, Naturtonreihe oder Teiltonreihe. Die Gesamtheit von Grundton und Obertönen ergibt das Frequenzspektrum eines Tons.
Mit Hilfe der Fourieranalyse kann ein Ton in seine Teilschwingungen zerlegt werden.
Beispiel: Grundton von 440 Hz
| Frequenz | |
|---|---|
| 440 Hz | Grundton, 1. Teilton |
| 880 Hz | 1. Oberton, 2. Teilton |
| 1320 Hz | 2. Oberton, 3. Teilton |
| 1760 Hz | 3. Oberton, 4. Teilton |
| usw. |
Die Frequenzverhältnisse der Teiltöne lassen sich näherungsweise in musikalischen Intervallen ausdrücken:
| 1 | Prime |
| 2 | Oktave darüber (2. Oktavraum beginnt) |
| 3 | Quinte darüber |
| 4 | Quarte darüber (3. Oktavraum beginnt) |
| 5 | Große Terz darüber |
| 6 | Kleine Terz darüber |
| usw. |
Diese Aufstellung gilt allerdings nur bei reiner Stimmung genau. Bei gleichtemperierter Stimmung besitzen nur Töne im Oktav-Abstand ein ganzzahliges Frequenzverhältnis zueinander, d. h. Quinten, Quarten und Terzen in höheren Oktavräumen treffen die Harmonischen nicht mehr genau.
Diese Technik wird eingesetzt, um auf Lautsprechersystemen Bässe zu simulieren, die es rein technisch überhaupt nicht wiedergeben könnte. So erkennt man im Kofferradio die gespielte Tonhöhe eines Kontrabasses, obwohl die Frequenz von den kleinen Lautsprechern nicht wiedergegeben werden kann. Auch beim Telefonieren entsteht dieser Effekt: Der Grundton der menschlichen Stimme wird über das Telefon nicht übertragen, der Frequenzbereich des Telefons ist zu schmal, die Stimmübertragung beginnt erst oberhalb. Aber das Gehirn nimmt den Grundton wahr.
Dieses Phänomen wird auch traditionell im Orgelbau ausgenutzt: Bei gleichzeitigem Einsatz des 8-Fuß und des 51/3-Fuß, der eine Quinte darüber liegt, hört man den 16-Fuß, also eine Oktave unter dem 8-Fuß.
Hintergrund ist, dass das Gehör nicht nur das Obertonspektrum, sondern auch die Periode des akustischen Zeitsignals auswertet. Bei einem harmonischen Obertonspektrum bleibt aber die Periode des Zeitsignals erhalten, selbst wenn der Grundton entfernt wird.
In der menschlichen Stimme schwingt, genau wie in den meisten klangerzeugenden physikalischen Systemen, naturgegeben ein komplexes Obertonspektrum mit. In der besonderen Gesangstechnik des Obertongesangs kann man diese hohen Frequenzen zum Dominieren bringen.
Die Frequenzen der Obertöne hängen vom jeweiligen Klangerzeuger ab, es sind seine Eigenfrequenzen. Es gibt Instrumente mit harmonischen und solche mit nichtharmonischen Obertonreihen.
Bei Instrumenten mit harmonischen Obertonreihen sind die Frequenzen der Obertöne ganzzahlige Vielfache der Frequenz des Grundtons. Hierzu gehören die Chordophonen (Saiteninstrumente) und die Aerophone mit schwingender Luftsäule. In diesem Fall nennt man die Obertöne auch Harmonische. Das ist natürlich auch nur eine idealisierte Annahme. Gerade die sehr geringen Abweichungen von den idealen Harmonischen machen den Klang eines einzelnen Instrumentes unverwechselbar und lebendig.
Bei Instrumenten mit nichtharmonischen Obertonreihen stehen die Frequenzen der Teiltöne in komplizierten nicht ganzzahligen Verhältnissen zueinander. Die Obertöne der Membranophone mit runder Membran haben die Eigenfrequenzen einer Besselschen Differentialgleichung. Bei Idiophonen können sich je nach der Form des Klangkörpers ganz unterschiedliche Obertonreihen ergeben - bei den Stabspielen etwa sind es die Eigenfrequenzen der Biegeschwingung eines Balkens.
Höhere Obertöne sind bei natürlichen Tönen in der Regel leiser (pegelschwächer) als tiefere, da für ihre schnellere Schwingung mehr Energie verloren geht.
Im Allgemeinen klingen Töne umso „schärfer“, je mehr Obertöne sie haben. Reine Töne ohne Obertöne können in der Natur (akustisch) nicht, sondern nur elektronisch als Sinusschwingungen erzeugt werden. Sie klingen extrem dumpf. Ein Beispiel ist der 1000-Hertz-Ton des Fernsehtestbilds, wobei der Lautsprecher jedoch schon wieder sein eigenes, allerdings geringes, Obertonspektrum hinzufügt.
Künstlich aus Sinustönen hergestellte Obertonspektren nennt man synthetische Klänge (siehe Klangsynthese, Synthesizer).
Folgende Instrumente haben einen besonders charakteristischen Teiltonaufbau:
In der Regel werden Obertöne nicht einzeln wahrgenommen, sondern sie ergeben den Klang eines Tons. Es gibt aber auch Menschen, die unter bestimmten Bedingungen Obertöne auch ohne jegliche Hilfe deutlich wahrnehmen können. Dies gilt besonders bei sehr stabilen Tönen wie sie zum Beispiel lang anhaltenden Tönen von Orgelpfeifen.
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