Der Begriff neue Bundesländer bzw. neue Länder oder Neu-Fünf-Land ist ein umgangssprachlicher Begriff für die fünf Länder, die aufgrund des Ländereinführungsgesetzes vom 22. Juli 1990 auf Beschluss der Volkskammer der DDR aus den 15 Bezirken zum 14. Oktober 1990 gebildet wurden. Bereits am 3. Oktober 1990 war der Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland vollzogen worden.
Im einzelnen handelt es sich dabei um die Länder:
Berlin zählt nicht zu den neuen Ländern. Berlin war laut seiner Verfassung bereits vor 1990 ein Land, das jedoch bis dahin de facto nur aus West-Berlin bestand und im Zuge der deutschen Wiedervereinigung um Ost-Berlin erweitert wurde. Laut Vier-Mächte-Abkommen war West-Berlin kein integraler Bestandteil der Bundesrepublik Deutschland, es wurde jedoch von dieser als Bundesland betrachtet und (mit einigen Einschränkungen) auch so behandelt.
Länder existierten in der DDR bereits bis 1952, diese wurden jedoch im Zuge der "weiteren Vervollkommnung des sozialistischen Verwaltungsaufbaus", der in Wirklichkeit eine Abschaffung des Föderalismus und eine straffe Zentralisierung zum Ziel hatte, am 23. Juli 1952 aufgelöst und in 15 Bezirke und 217 Kreise aufgeteilt, wobei historisch gewachsene Strukturen zum Teil zerstört und der Zuschnitt der Bezirke vorwiegend nach ökonomischen Gesichtspunkten festgelegt wurde.
Zum Zeitpunkt des Beitritts zur Bundesrepublik Deutschland betrug die Bevölkerungszahl etwa 17 Millionen Menschen. Durch die allgemeine demografische Entwicklung in Deutschland und durch Abwanderung von mehr als zwei Millionen Menschen in die westdeutschen Bundesländer ging diese Anzahl auf weniger als 15 Millionen zurück.
Wegen ihrer Anzahl war zwischenzeitlich auch die Bezeichnung fünf neue Länder gebräuchlich. In den Jahren nach der Wiedervereinigung oder Wende wurden diese Gebiete – zum Teil scherzhaft – auch als Neufünfland (eine Anspielung auf Neufundland), Fünfneuland, FNL, Beitrittsländer, Beitrittsgebiet oder Anschlussgebiet bezeichnet. Die drei letztgenannten Begriffe umfassen normalerweise auch Ost-Berlin.
Inzwischen werden von vielen die Begriffe Neue Länder und Ex-DDR als leicht abwertend empfunden, da seit der Wiedervereinigung bereits ein längerer Zeitraum vergangen ist, das Wort aber immer noch die Sonderrolle des Gebietes betont.
Wesentlich häufiger werden die fünf Länder zusammenfassend als Ostdeutschland bezeichnet – was durch gewandelten Sprachgebrauch einen fast neutralen Klang bekommen hat. Gelegentlich bezeichnet man mit Ostdeutschland – angelehnt an den inzwischen im RBB aufgegangenen Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB) – nur den Nordosten, also das Gebiet der Länder Brandenburg, Berlin und zum Teil Mecklenburg-Vorpommern.
Auch der Begriff Mitteldeutschland erfährt derzeit in einigen Kreisen einen auflebenden Gebrauch – vor allem durch den Wunsch der Politiker in Sachsen und Thüringen, sich vom wirtschaftlich schwächeren Nordosten abzugrenzen. Insbesondere der Mitteldeutsche Rundfunk benutzt diese Bezeichnung, um das Sendegebiet (Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) zusammenfassend zu bezeichnen. Im Wort Mitteldeutschland schwingt allerdings in Teilen der älteren Generation die Erinnerung an die früheren (vor 1945) deutschen Ostgebiete mit, da diese Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie "Ostdeutschland" genannt wurden, während für das Gebiet der späteren DDR der Begriff "Mitteldeutschland" verwandt wurde.
In der alten Bundesrepublik gebräuchliche Bezeichnungen für die DDR waren unter anderem: SBZ (Sowjetische Besatzungszone), Zone, Dunkeldeutschland, Drüben, Ostzone, so genannte DDR.
Insgesamt lässt sich die demografische Situation in den neuen Ländern als schlecht bis katastrophal einstufen. Mehrere Faktoren treffen hier verstärkt aufeinander:
- bgcolor="#00B2EE" | Stadt | Einwohner (31.12.88) | Einwohner (31.12.00) | Einwohner (30.06.05) |
|---|---|---|---|
| Leipzig | 545.307 | 493.208 | 499.199 |
| Dresden | 518.057 | 477.807 | 489.700 |
| Chemnitz | 311.765 | 259.246 | 247.460 |
| Halle (Saale)1 | ~330.000 | 247.736 | 237.513 |
| Magdeburg | 290.579 | 231.450 | 228.515 |
| Erfurt | 220.016 | 200.564 | 202.590 |
| Rostock | 253.990 | 200.506 | 199.108 |
| Potsdam | 142.862 | 129.324 | 146.635 |
| Cottbus | 128.639 | 108.491 | 105.960 |
| Gera | 134.834 | 112.835 | 104.737 |
| Jena | 108.010 | 99.893 | 102.201 |
| Zwickau | 121.749 | 103.008 | 98.335 |
| Schwerin | 130.685 | 101.267 | 96.941 |
1incl. Halle-Neustadt.
Seit 1990 hat sich die Arbeitslosigkeit in den neuen Ländern stark erhöht und ist im Durchschnitt etwa doppelt so hoch wie in Westdeutschland. Große Teile der Industrie wurden abgewickelt, das heißt geschlossen oder privatisiert, teilweise saniert und verkauft, wozu die Treuhandanstalt beauftragt worden war. Auch in den Betrieben, die noch bestehen blieben, wurde die Zahl der Mitarbeiter zumeist erheblich gesenkt. Das Wirtschaftswachstum bleibt seit einigen Jahren hinter dem Westdeutschlands zurück. Die Preise für Wirtschafts- und Konsumgüter haben sich seit der Bildung der neuen Länder zumeist erhöht, teilweise sogar drastisch um das etwa fünf- bis zehnfache wie die Mieten, die Versicherungen, die öffentlichen Verkehrsmittel, für Restaurantbesuche und für Handwerker und Dienstleistungen.
Nach dem Beitritt der DDR zum Bundesgebiet sank die Industrieproduktion der Neuen Länder um 70 Prozent. Fast 100 Prozent des ehemaligen Volkseigentums wurden privatisiert und 95 Prozent davon gelangten in den Besitz von Eigentümern außerhalb der Neuen Länder. Das Bruttoinlandsprodukt der Neuen Länder ist unter das der DDR von 1989/90 gesunken, das Bruttosozialprodukt der DDR betrug zuletzt 1990 354 Milliarden Mark (Stand 2003). Das Leistungsbilanzdefizit der Neuen Länder - das heißt der Importüberschuss gegenüber dem Export - beträgt 2003 rund 100 Milliarden Euro. Der durchschnittliche Gewinn, den die alten Bundesländer seit dem Beitritt in den Neuen Ländern erzielten ("Vereinigungsgewinn"), beträgt nach Angaben des statistischen Bundesamts rund 100 Milliarden Euro pro Jahr, also bis 2003 etwa 1300 Milliarden Euro. Von den 190 größten deutschen Unternehmen hat keines seinen Hauptsitz in den Neuen Ländern, lediglich Zweigstellen einiger Großunternehmen existieren dort.
In vielen Städten der neuen Länder stehen nach Abwanderung viele Wohnungen leer - trotz Abriss und Rückbau, beispielsweise in Dresden etwa 20 Prozent aller Wohnungen, in Berlin etwa 100.000 Wohnungen.
Die Anzahl der in den den neuen Ländern verkehrenden Bahn- und Busverbindungen wurde zum Teil erheblich verringert, etliche Bahnlinien (insbesondere Nebenstrecken) und kleinere Bahnhöfe wurden geschlossen. Die Bus- und Bahnbenutzung ist stark zurückgegangen; in vielen kleineren Städten und in Dörfern geht dies sogar so weit, dass Busse nur noch einmal oder zweimal täglich fahren oder Verbindungen gänzlich gestrichen wurden.
Der Ausstattungsgrad der Bevölkerung in den Neuen Länder mit Autos ist seit 1990 gestiegen: Besaßen 1988 in der DDR 55 Prozent der Haushalte mindestens ein Auto, waren es 1993 bereits 67 Prozent und 1998 71 Prozent. (Zum Vergleich: In der Bundesrepublik waren es 1988 61 Prozent, 1993 74 Prozent, 1998 76 Prozent.) Die Haushalte der DDR hatten Ende der 60er Jahre erst zu 14 Prozent ein eigenes Auto, 1980 bereits 38 Prozent. (Quellen: und * )
Zur Vorgeschichte siehe Kultur in der DDR.
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