Der Begriff Monogamie entstammt der Biologie und bezeichnet im Ursprung die lebenslange exklusive Fortpflanzungsgemeinschaft zwischen zwei Individuen einer Art. Die Monogamie steht somit im Gegensatz zu polygamen Verhaltensmustern wie Polyandrie, Polygynie und Promiskuität, kann aber nicht als deren genaues Gegenteil aufgefasst werden. So kann zum Beispiel bei der Polyandrie oder der Polygynie der eine Partner wechselnde Sexualpartner haben, während der andere Partner sich diesem gegenüber monogam verhält.
Schätzungen von Anthropologen über die Häufigkeit monogamer menschlicher Gesellschaften bewegen sich zwischen zirka 20 und 50 Prozent und leiden zudem unter dem Mangel, dass sie nur die gleichsam offiziellen Verhältnisse widerspiegeln, nicht aber die tatsächlich gelebte Praxis. Gleichwohl lassen sich diese Schätzungen dahingehend interpretieren, dass streng eingehaltene Monogamie eine eher seltene Verhaltensweise in menschlichen Gesellschaften ist.
Auch für den Menschen liegen diesbezüglich erste Zahlen vor. Aus Untersuchungen von rezessiven Erbanlagen - z. B. Blutgruppen - von Eltern und Kindern wird, je nach Land und Region, ein Anteil von nicht innerhalb der Ehe gezeugten Kindern zwischen 2 % und 30 % gefunden (siehe Literatur).
Den genetischen Grundlagen von monogamem Verhalten war eine Gruppe von US-amerikanischen Neurobiologen auf der Spur, deren Ergebnisse im Juni 2004 in der angesehenen Fachzeitschrift Nature publiziert wurden (Band 429, S. 754 - 757). Die Forscher hatten zwei nahe verwandte Arten der Wühlmaus untersucht: Wiesenwühlmäuse (Microtus pennsylvanicus) und Präriewühlmäuse (Microtus ochrogaster). Wiesenwühlmaus-Männchen leben einzelgängerisch und polygam, Präriewühlmaus-Männchen hingegen leben in der Natur in einer lebenslangen Brutpflegegemeinschaft, die jedoch nicht immer sexuell exklusiv ist. Im Gehirn der Tiere konnten die Forscher einen neurophysiologischen Unterschied ausmachen: Die monogam lebenden Präriewühlmaus-Männchen hatten deutlich mehr Rezeptoren für Vasopressin als die männlichen Wiesenwühlmäuse. Bei der Paarbindung wirkt zudem das Hormon Oxytocin mit, das beim Menschen wichtige Funktionen bei der Geburt hat und vermutlich auch beim Aufbau sozialer Bindungen eine Rolle spielt.
Die Forscher isolierten das Gen, das für die Herstellung des Vasopressin-Rezeptors verantwortlich ist und schleusten dieses Gen ins Vorderhirn von Männchen der polygamen Art ein. Das Ergebnis beschrieben die Autoren zurückhaltend so: „Wir erhöhen wesentlich die Ausbildung einer Partner-Bevorzugung“ („we substantially increase partner preference formation“). Bereits ein einziges Gen könne also komplexes Sozialverhalten beeinflussen, und dies wiederum könne eine Erklärung dafür sein, dass sich das Sozialverhalten im Verlauf der Stammesgeschichte gelegentlich relativ rasch zu ändern scheint.
Einer der Autoren der Studie, Larry Young, äußerte die Hoffnung, dass man, aufbauend auf diesen Erkenntnissen, neue Ansätze zur Therapie von Bindungsstörungen wie Autismus entwickeln könne. Er wies zugleich darauf hin, dass eine Übertragung der Befunde auf menschliches Verhalten nicht möglich sei, weil die Anordnung der Vasopressin-Rezeptoren im Gehirn von Menschen nicht mit jener bei Wühlmäusen vergleichbar sei.
Monogamie ist unter Säugerarten mit zirka drei Prozent nicht weit verbreitet, aber sie wird mindestens vierzehn der rund 200 heute lebenden Primatenarten zugeschrieben. Bei den ausgeprägt monogamen Arten wie den Krallenaffen wurde ein wesentlich größeres Engagement der Männchen bei der Aufzucht der Jungen beschrieben als bei nicht monogamen Arten. Die Gibbons leben weitgehend monogam auf einem von beiden Partnern verteidigten Territorium, während die dem Menschen näher verwandten Bonobos und Schimpansen sich polygam verhalten. Auch weil die stammesgeschichtlich nächsten Verwandten des Menschen einschließlich des Gorillas und des Orang-Utans im Unterschied zu den entfernter verwandten Gibbons polygam leben und zudem keinerlei Kenntnisse über das Verhalten der letzten gemeinsamen Vorfahren von Menschenaffen und Menschen existieren, ist es unmöglich zu entscheiden, welche Form des Sozial- und Sexualverhaltens bei Menschenaffen und Menschen die stammesgeschichtlich "ursprüngliche" sein könnte. Diverse Studien deuten jedoch darauf hin, dass monogames Verhalten beim Menschen ein stark kulturell beeinflusstes Phänomen ist.
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