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In der Thermodynamik ist der kritische Punkt die Zustandsgröße eines Stoffes, die sich durch Angleichen der Dichten von flüssiger- und Gasphase, kennzeichnet. Ein Unterschied zwischen beiden Aggregatszuständen hört an diesem Punkt auf zu existieren. Im Phasendiagramm stellt der Punkt das obere Ende der Siedepunktskurve dar.

Der kritische Punkt ist durch drei Zustandsgrößen ausgezeichnet,

Da man oberhalb des kritischen Punktes Flüssigkeit und Gas nicht mehr unterscheiden kann, spricht man stattdessen von einem überkritischen Fluid bzw. einem überkritischen Zustand (selten auch superkritisch nach dem englischen supercritical). Die kritischen Zustandsgrößen können neben einer vergleichsweise aufwändigen empirischen Messung auch aus der Van-der-Waals-Gleichung abgeschätzt werden, wobei man sie hier auch zur Definition der Reduzierten Größen nutzt.

Bei Annäherung an den kritischen Punkt vermindert sich die Verdampfungswärme und verschwindet beim Erreichen ganz. Knapp unterhalb des kritischen Punktes kann man das Phänomen der kritischen Opaleszenz beobachten: Aufgrund der extrem niedrigen Verdampfungswärme wechseln Teile der Substanz ständig zwischen flüssigem und gasförmigen Zustand hin und her, was sich durch eine starke Schlierenbildung äußert.

Mikroskopisch lässt sich das Verhalten jenseits des kritischen Punkts ausgehend von der gasförmigen Phase anschaulich beschreiben: Wird ein Gas einem immer höheren Druck ausgesetzt, so verringern sich die Abstände zwischen den Gasmolekülen. Bei Drücken jenseits des kritischen Drucks ist der Abstand dann gleich dem Abstand der Moleküle in der flüssigen Phase und kein Unterschied zu dieser mehr feststellbar.

Siehe auch: Phasenübergang, Kritischer Exponent

Kritische Zustandsgrößen einiger Stoffe
Stoff kritische Temperatur
in K
kritischer Druck
in MPa
kritische Dichte
in kg/m3
Helium 5,3 0,229 690
Wasserstoff 33,3 1,297 310
Neon 44 2,72 484
Stickstoff 126,1 3,394 311
Sauerstoff 155,4 5,035 410
Fluor 144 5,96 630
Argon 151 4,85 531
Krypton 209,4 5,88 908
Xenon 289,7 6,31 1105
Chlor 417 7,69 573
Kohlenstoffdioxid 304,2 7,375 468
Propan 370 4,24 220
Ammoniak 405,6 11,595 235
Butan 425 3,78 228
Wasser 647,3 22,12 317
Ethan 305 4,87 207
Ethin (Azetylen) 308 6,4 231
Ethen (Äthylen) 282 5,04 215
Methan 190,2 4,619 163
Die hier dargestellten Messergebnisse verschiedener Gruppen unterliegen teilweise recht großen Schwankungen.

Substanz kritische Temperatur
in °C
kritischer Druck
in atm.
Luft -140 39
Ethanol (C2H6O) 216 65
Ammoniak (NH3) 130 115
Benzol (C6H6) 292 50
Kohlendioxid (CO2) 31 74
Kohlenmonoxid (CO) -141 35,9
Äther (C4H10O) 194 37
Wasserstoff (H2) -242 20
Stickstoff (N2) -149 35
Sauerstoff (O2) -118 50
Wasser (H2O) 374,1 217,8

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Experimentelle Beobachtung


Der Übergang in einen überkritischen Zustand läßt sich gut an Kohlendioxid (CO2) beobachten, das in einem dickwandigen Rohr aus Quarzglas eingeschlossen ist. Die kritische Temperatur von CO2 beträgt 31,0 °C, der kritische Druck 73,8 bar.

Bei einer Temperatur unter 31 °C ist das Rohr zum Teil mit flüssigem CO2, zum anderen Teil mit gasförmigem CO2 gefüllt. Beide Phasen sind farblos, klar durchsichtig und durch die deutlich sichtbare Flüssigkeitsoberfläche (Phasengrenzfläche) getrennt. Wird das Rohr in ein Wasserbad von etwa 35 °C getaucht, so läßt sich beim Erwärmen zunächst eine Volumenzunahme der Flüssigkeit durch thermische Ausdehnung beobachten, während das Volumen des Dampfes infolge Kompression abnimmt. Hat das CO2 die kritische Temperatur von 31°C erreicht, so bildet sich kurzzeitig ein dichter Nebel (kritische Opaleszenz), der sich nach wenigen Sekunden wieder auflöst. Das Rohr ist danach mit einer einzigen homogenen, klar durchsichtigen Phase gefüllt: überkritisches CO2. Beim Abkühlen tritt wieder kurzzeitig Nebel auf, bevor sich das CO2 in eine flüssige und eine gasförmige Phase teilt.

Entdeckung


Durch die zunehmende Verwendung von Dampfmaschinen in der Industrie im 18. Jahrhundert wurde zur gleichen Zeit auch die Untersuchung des Siedeverhaltens verschiedener Stoffe für die Wissenschaft von Interesse. So fand man schnell heraus, dass die Siedepunktstemperatur mit steigendem Druck auch ansteigt. So nahm an, dass die Koexistenz von Flüssigkeit und Gas bis zu beliebig hohen Drücken möglich ist.

Diese Annahme wurde um 1860 von dem irischen Physiker und Chemiker Thomas Andrews widerlegt. Anhand von Untersuchungen mit CO2 konnte er zeigen, dass es einen Punkt gibt, ab dem der Unterschied zwischen Gas und Flüssigkeit nicht mehr existent ist und der sich durch eine bestimmte Temperatur, einen bestimmten Druck und eine bestimmte Dichte auszeichnet. Diesen Punkt nannte er krischen Punkt. Kurz darauf gab der niederländische Physiker Johannes Diderik van der Waals eine plausible Erklärung (siehe oben) für das Verhalten von Stoffen im überkritischen Bereich.

Links :


Bilder vom Phasenübergang flüssig-gasförmig / überkritischer Zustand / gasförmig-flüssig (englische Webseite)

Thermodynamik

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