Die Atombindung (auch Elektronenpaarbindung oder kovalente Bindung, seltener Molekülverbindung) ist eine chemische Bindung und als solche bei chemischen Stoffen für den festen Zusammenhalt von Atomen verantwortlich. Durch die Atombindung entstehen entweder Moleküle (Beispiel: Kohlenstoffdioxid CO2), Komplexe oder Atomgitter (Beispiel: Siliziumdioxid SiO2), die nach außen hin neutral sind.
Atombindungen bilden sich vor allem zwischen den Atomen der Nichtmetall-Elemente (Elemente mit hoher Elektronegativität) aus, sie sind aber auch in Komplexen zu finden.
Ist die Elektronegativität von zwei Bindungspartnern gleich, wie es bei Elementmolekülen stets der Fall ist, entsteht eine unpolare, auch homopolar genannte, Atombindung. Unterscheiden sich die Bindungspartner in ihrer Elektronegativität, kann eine polare Atombindung entstehen. Ausnahmen bilden symmetrische Moleküle wie CO2
Charakteristische Eigenschaften von Molekülen mit Atombindung:
Nach Walter Kossel (1915) und Gilbert Newton Lewis (1916) sind die Elementatome bestrebt, durch chemische Bindung die im Periodensystem nächst gelegene Edelgas-Konfiguration zu erreichen, indem sie die entsprechende Zahl an Elektronen abgeben (Metalle), aufnehmen (Nichtmetalle) oder miteinander teilen. In vielen Fällen erreichen die Atome so ein Elektronenoktett, das ist eine Valenzschale mit vier Elektronenpaaren, also mit acht Elektronen. Die Oktettregel gilt meistens für die Elemente der zweiten Periode, die Alkalimetalle und die Erdalkalimetalle, und in vielen Fällen für die Halogene.
Da für Wasserstoff das nächstgelegene Edelgas das Helium ist, dieses aber als einziges Edelgas nur 2 Elektronen hat, ist für den Wasserstoff schon mit zwei Elektronen die Edelgasregel erfüllt, hier als Zwei-Elektronen-Regel.
Da nun Nichtmetall-Atome nur Elektronenakzeptoren sind, schließen sie sich bevorzugt so zusammen, dass sich ihre Valenzelektronen gegenseitig zu einem Oktett ergänzen (Ausnahme Wasserstoff: für ihn genügt ein Duplett):
Ein Nichtmetallatom kann so viele bindende Elektronenpaarungen ausbilden, wie es einsame Valenzelektronen hat. Dabei sind auch Doppelbindungen und Dreifachbindungen möglich.
Beispiele:
| Sauerstoff | Kohlenstoffdioxid | Stickstoff |
|---|---|---|
| Sauerstoff.jpg | CO2.jpg | Stickstoff.jpg |
Beispiele:
| Wasserstoffbrückenbindungen im Wasser | Bildung der koordinativen Bindung im Ammonium-Kation | Bildung der koordinativen Bindung im Diammin-Silber-I-Komplex |
|---|---|---|
| WasserHBrück.jpg | Ammonium.jpg | AgNH3.jpg |
Eine Elektronenwolke kann einzelne Elektronen (bei Radikalen), nichtbindende Elektronenpaare, Einfach-, Zweifach- oder Dreifachbindungen enthalten. Die Bindungswinkel ergeben sich aus der Anordnung dieser Kugelwolken mit möglichst großem Abstand voneinander:
| Beispiel | Blausäure HCN | Kohlensäure H2CO3 | Ammoniak NH3 |
|---|---|---|---|
| Anzahl der Kugelwolken | 2 | 3 | 4 |
| Bindungswinkel | 180° | 120° | 109°(Tetraederwinkel) |
| Abbildung | HCN.jpg | H2CO3.jpg | NH3.jpg |
Die Bindungswinkel sind idealisierte Werte. In realen Molekülen können starke Abweichungen auftreten: Beispiele: PeptidBindung.jpg
| H-F | H-Cl | H-Br | H-I |
| 92 pm | 128 pm | 141 pm | 160 pm |
Bei Bindungen zwischen gleichartigen Atomen lässt sich erkennen, dass ihr Abstand auch von der Zahl der bindenden Elektronenpaare abhängt: Je mehr bindende Elektronenpaare vorhanden sind, desto größer ist ihre Anziehung auf die Atomkerne, desto kürzer ist der Bindungsabstand.
| C-C | C=C | C≡C |
|---|---|---|
| 154 pm | 134 pm | 120 pm |
| N-N | N=N | N≡N |
| 146 pm | 125 pm | 110 pm |
Eine Delokalisation wirkt sich bei Mehrfachbindungen verlängernd auf den Atomabstand aus, da dadurch die negative Ladung zwischen den Bindungspartnern verringert wird. Einfachbindungen werden durch Delokalisation verkürzt.
Beispiele:
intramolekulare Bindungskräfte
Die Bindungsenthalpie der Atombindung ist durch die Enthalpieänderung bei der Dissoziation von Molekülen in ihre Atome in der Gasphase definiert. Sie hängt, wie die Bindungslänge (siehe oben), sowohl von der Größe der gebundenen Atome als auch von der Zahl der bindenden Elektronenpaare ab: Je größer der Radius der Bindungspartner, desto größer ist ihr Abstand und desto kleiner ist die Bindungsenergie. Bei Bindungen zwischen gleichartigen Atomen lässt sich erkennen, dass ihr Abstand auch von der Zahl der bindenden Elektronenpaare abhängt:
Beispiel:
| Bindungsinkrement | Bindungslänge in pm | Bindungsenthalpie in kJ pro mol |
|---|---|---|
| F-F | 142 | 159 |
| Cl-Cl | 199 | 242 |
| Br-Br | 228 | 193 |
| J-J | 267 | 151 |
| C-H | 108 | 413 |
| C-F | 138 | 489 |
| C-Cl | 177 | 339 |
| C-Br | 228 | 285 |
| C-C | 154 | 348 |
| C=C | 134 | 614 |
| C≡C | 120 | 839 |
Für delokalisierte Atombindungen gilt entsprechend, dass sie energieärmer als eine Mehrfachbindung, aber energiereicher als eine Einfachbindung sind. So beträgt die (CC)-Bindungsenthalpie im Benzol oder anderen Aromaten 147 kJ/mol, ein Wert genau zwischen (C-C) und (C=C)-Bindung.
Kompliziertere, wellenmechanische Vorstellungen vom Atombau erklären die Atombindung dadurch, dass sich Atome mit einfach besetzten Orbitalen einander nähern und durch Überlappung der unvollständig besetzten Atomorbitale ein vollständig besetztes Molekülorbital bilden. Das bindende Molekülorbital (sozusagen der Raum der größten Aufenthaltswahrscheinlichkeit des gemeinsamen Elektronenpaars) besitzt dabei ein niedrigeres Energieniveau als die beiden Atomorbitale vor der Knüpfung der Atombindung. Näheres dazu siehe bei Molekülorbital.
Unterscheiden sich die Bindungspartner in der Elektronegativität, ist die Elektronendichte im Molekülorbital nicht gleichmäßig verteilt. Ihr Schwerpunkt ist in Richtung des elektronegativeren Partners verschoben, da das Atom mit der größeren Elektronegativität die Elektronen näher zu sich heran zieht. Dadurch erhält dieser Bereich der Bindung eine negative Partialladung, durch δ- symbolisiert. Das andere Ende der Bindung verarmt entsprechend an negativer Ladungsdichte, es erhält eine positive Partialladung, δ+.
Beispiel: H-O-Bindung Elektronegativitäten (EN): EN(H) = 2,20, EN(O) = 3,44. Damit liegt der negative Ladungsschwerpunkt näher beim Sauerstoff:
| δ+ | δ- | |
| H | - | O |
Man nennt solche Atombindungen polare Bindungen, da Pole mit unterschiedlichen Teilladungen entstehen.
Ab einer Elektronegativitäts-Differenz von ~1.7 spricht man wieder von Ionenbindung, da eine Elektronenabgabe stattfindet.
Polare Bindungen können dazu führen, dass ein gesamtes Molekül polar ist: Es wird Dipol-Molekül genannt. Die Polarität des Moleküls hängt nicht nur von der Polarität der Bindungen sondern auch vom Molekülbau ab.
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