Die sogenannte klassische Schule der Nationalökonomie nimmt ihren Anfang 1776 mit Adam Smiths Hauptwerk An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations, und ihr gebührt der Ruhm, die Ökonomie als eigenständige Wissenschaftsdisziplin etabliert zu haben. Erst Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts wird sie von anderen Strömungen - Historische Schule der Nationalökonomie, Neoklassik, Marxismus, Keynesianismus - weitgehend abgelöst.
Die Vertreter sind dabei keineswegs immer einer Meinung, noch arbeiten sie an einem gemeinsamen Gesellschaftsentwurf. Vielmehr teilen die Verfechter der klassischen Nationalökonomie einige Grundüberzeugungen, die sie zum Ausgangspunkt ihrer jeweiligen Forschungsarbeit machen.
Die wichtigste - weil nachhaltigste - Neuerung der klassischen Schule ist zweifelsohne die konsequente Orientierung am liberalen Weltbild. So entstand die klassische Schule nicht zuletzt als Gegenmodell, ja Instrument zur Überwindung des Merkantilismus. Dem absolutistischen Staat wurde das eigenverantwortliche, selbstbestimmte Individuum gegenübergesetzt, der aktiven Handelspolitik der Freihandel und der staatlichen Lenkung der Wirtschaft die Steuerung über den Wettbewerb.
Von der Physiokratie unterscheidet die klassische Schule vor allem die Antwort auf die Frage nach der Quelle des Wohlstandes. Während die Physiokraten die Landwirtschaft als einzige Quelle des Wohlstandes ansehen, stellt Smith an deren Stelle die Arbeitskraft als solche - unabhängig vom Sektor.
Der Hauptkritikpunkt an der klassischen Lehre - insbesondere durch die Historische Schule der Nationalökonomie vorgetragen - ist der der Realitätsferne. Die Modelle und Theorien der klassischen Schule sind zwar sehr klar und liefern oft eindeutige Ergebnisse. Diese stimmen mit den beobachtbaren Vorkommnissen aber nur selten überein. Die Kritiker fordern zumindest eine Untermauerung und Überprüfung der theoretischen Ergebnisse durch empirische Untersuchungen Wilhelm G. F. Roscher. Einige Ökonomen - insbesondere Karl Knies - gehen noch einen Schritt weiter und lehnen jede Naturgesetzlichkeiten verkündende Theorienbildung als unwissenschaftlich ab. Ihrer Meinung nach, können Gesetzmäßigkeiten grundsätzlich nur den Charakter von Analogien haben - realistische Prognosen sind ihrer Meinung nach kaum möglich (siehe Deduktion).
K. Brandt: Geschichte der deutschen Volkswirtschaftslehre, Freiburg, 1992.
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