Als Kapitalismus wird eine Wirtschaftsordnung verstanden, die sich durch Privateigentum an Produktionsmitteln sowie Produktion für einen den Preis bestimmenden Markt auszeichnet. Der Begriff wurde im deutschsprachigen Raum von Werner Sombart in die wissenschaftliche Diskussion eingeführt.
Als kapitalistisch wird weiterhin eine Gesellschaft bezeichnet, wenn die durch den Markt geregelte Arbeitsteilung dominierendes und strukturierendes Prinzip dieser Gesellschaft ist. Produktionsweisen, die auf Sklaverei, bäuerlicher Subsistenzwirtschaft oder feudalen Arbeitsverpflichtungen gegründet sind, werden daher nicht als kapitalistisch bezeichnet.
Der Kapitalismus begann mit dem Fernhandel im ausgehenden Mittelalter und löste in Europa den Feudalismus und die bürgerlich-handwerkliche Stadtwirtschaft ab. Zur zunehmenden Entfaltung kam der Kapitalismus seit der Industrialisierung im 18.Jahrhundert.
Wortherkunft
Ethymologisch kommt das Wort ursprünglich von lat. capitalis (Haupt-), was wiederum von caput (Kopf) kommt. Einer Deutung zufolge bemaß sich ursprünglich das „Kapital“ nach der Größe der Viehherden, also nach der Anzahl der Köpfe in einer Rinderherde usw. Im Lateinischen machte aber "caput, capitalis" ebenfalls schon einen Bedeutungswandel durch, der im deutschen durch „Haupt-“ nachvollzogen wird. „Summa capitalis“ war die Hauptsumme in Wirtschaftsrechnungen, woraus dann „Kapital“ entstanden sein soll. In Europa erschienen die Wörter „capitaliste“ und „capitalisme“ erstmalig im 18. Jahrhundert in Frankreich. Im Deutschen wurde das Wort „Kapitalismus“ nicht, wie viele glauben, von Marx oder Engels eingeführt, sondern es tauchte erst 1902 in Werner Sombarts „Der moderne Kapitalismus“ auf und dann 1904 in Max Webers "Die protestantische Ethik und der 'Geist' des Kapitalismus".
Nähere wirtschaftswissenschaftliche Bestimmung
Der
Kapitalist bekommt durch die
Rendite seines
Eigenkapitals das
Risiko, das er mit dem Einsatz seines
Kapitals auf sich genommen hat, sowie den vorläufigen Verzicht auf das investierte Kapital abgegolten (
Opportunitätskosten, vgl. auch
Unternehmerlohn) – in durchaus unterschiedlicher Höhe (diese hängt sowohl von seinem Verhandlungsgeschick als auch von der nicht beeinflussbaren generellen Preisentwicklung auf dem
Arbeitsmarkt und
Absatzmarkt ab). Er strebt also nach der
Maximierung seiner
Eigenkapitalrendite.
Kapitalismus und Marktwirtschaft
Kapitalismus ist als Schlüsselbegriff des
Marxismus kein neutraler Begriff, der daher in den
Wirtschaftswissenschaften nicht verwendet und durch den nicht völlig deckungsgleichen und weitläufiger zu verstehenden Begriff der
Marktwirtschaft ersetzt wird. Diese Generalisierung ist aber nur als Abgrenzung von der zumeist sozialistischen
Planwirtschaft (
Zentralverwaltungswirtschaft) sinnvoll und verständlich. Ansonsten kann durchaus zwischen Marktwirtschaft und Kapitalismus unterschieden werden –
Märkte gab es bereits vor der Erfindung des Münzgeldes.
Wesentliche Elemente
Privateigentum und dezentrale Entscheidung
Durch private Eigentumsrechte an den Produktionsmitteln (Kapital) werden die Entscheidungsbefugnisse der Politik weitgehend entzogen und in Märkten dezentralisiert, da jeder Eigentümer (Kapitalist) rechtlich (nicht unbedingt tatsächlich) über seine eigene Planung verfügt.
Die privaten Produktionsmittel werden heute nur noch in seltenen Fällen direkt vom Eigentümer, sondern mehrheitlich von einer Personen- oder Kapitalgesellschaft verwaltet. Deren Geschäftsführer (Manager) entscheidet im Auftrag der übrigen Eigentümer, was nach der Prinzipal-Agent-Theorie zu Konflikten führen kann. Diese Interessenkonflikte zwischen Eigentümer und Manager sollen durch klare rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen (Corporate Governance) begrenzt werden.
Koordination durch den Markt
Die Planung des Einzelnen wird durch den Marktmechanismus koordiniert. Der
Markt ist definiert als der Ort des Handels, an dem
Angebot und
Nachfrage aufeinander treffen. Dabei bewirkt der Austausch von Angebot und Nachfrage idealtypisch eine Koordination über den
Preis, die Menge und die Art der
Güter
Aspekte kapitalistischer Ökonomien
Privatwirtschaft
Im Kapitalismus werden viele Dienstleistungen als wirtschaftliche Güter auf Märkten angeboten. Öffentliche bzw. staatliche Dienstleistungen (sogenannte
Daseinsvorsorge) als auch private unentgeltliche Leistungen unterliegen dem Druck, ebenfalls in auf Märkten gehandelte wirtschaftliche Güter umgewandelt zu werden (
Kommodifizierung). Beispiele sind soziale Dienstleistungen, Kultur- und Bildungsangebote.
Befürworter des Kapitalismus argumentieren, dass nur in dieser Wirtschaftsform ein selbstbestimmtes Leben möglich ist, da nur im Kapitalismus alle Wirtschaftsbeziehungen auf Freiwilligkeit, und nicht auf staatlichem Zwang basieren. Dieses Argument wird vor allem von Anhängern des Liberalismus vertreten.
Kritiker wenden ein, dass rein altruistische Verhaltensweisen nach Marktgesetzen unrentabel seien, am Markt tendenziell nicht bestehen könnten, und so zugunsten von Gewinnmaximierungs-Strategien verdrängt würden, ebenso wie menschliche Tätigkeiten, die keine am Markt nachgefragten und handelbaren Waren oder Dienstleistungen darstellen: Die dafür verwendete Zeit bringt keinen (finanziellen) Gewinn, während die Lebenshaltungskosten weiterhin gedeckt sein müssen. Es bestehe eine starke Tendenz zur Rationalisierung aller Lebensbereiche, die durchwegs im Hinblick auf Nutzen und Rentabilität organisiert würden. Jedermann solle das eigene Leben auf diese Weise nach den Anforderungen des Marktes gestalten, „sich gut verkaufen“. Einzelschicksale gerieten dabei oftmals in den Hintergrund. Kritiker des Kapitalismus fordern deshalb, dass die Wirtschaft für den Menschen dasein müsse, nicht umgekehrt, wie es angeblich im Kapitalismus der Fall sei.
Wirtschaftswachstum
Der Kapitalismus ist einem Wechsel von
Konjunkturen und
Krisen unterworfen, hat aber historisch betrachtet zu enormem Wirtschaftswachstum und Wohlstand für breite Bevölkerungsschichten geführt. In einzelnen Epochen, Regionen und/oder Wirtschaftsbereichen kam bzw. kommt es allerdings auch zum Rückgang der Wirtschaft. Besonders ausgeprägt war die
Weltwirtschaftskrise in den
1930er Jahren. Kritiker des Kapitalismus behaupten, dass nur die Intervention des
Staates einen
Kollaps der kapitalistischen
Ökonomien verhindere. Aus der Sicht marktwirtschaftlich orientierter Analytiker werden Krisen durch staatliche Interventionen (
Fiskalpolitik,
Geldpolitik,
Währungspolitik) überhaupt erst ausgelöst oder verstärkt.
Stabilität
Die Mehrheit der Wirtschaftswissenschaftler hält den Kapitalismus für ein stabiles System, das nur durch temporäre Wirtschaftskrisen beeinträchtigt werde. Allerdings wird ihm auch von verschiedenen Kritikern der Untergang prophezeit oder prognostiziert:
Marxistische Kritiker gehen davon aus, er werde durch
Mehrwertanhäufung und daraus resultierende
Monopolbildung unerträglich und irgendwann zwangsläufig durch eine
Revolution beendet.
Technischer Fortschritt
Hauptartikel dazu: Technischer Fortschritt
Durch die Konkurrenz der Unternehmen gibt es für die marktorientierten Produzenten den permanenten Zwang, ihre Produkte zu verbessern bzw. neue Produkte zu entwickeln, sowie Verfahren zu optimieren. Dies führt zu Investitionen in Forschung und Entwicklung (R&D, „research and development“) und in deren Folge zu immer neuen Techniken, sofern diese Absatz versprechen. Nutzen und Gefahren vieler neuer Techniken werden allerdings sehr kontrovers diskutiert, siehe zum Beispiel Kernkraft, Transrapid oder Gentechnologie. Auch sind die Folgen der allgemeinen Automatisierung und Kybernetisierung ökonomisch nicht abschätzbar. Kritiker dieser Entwicklung (Club of Rome) argumentieren, dass Wachstum (selbst ein Wachstum, das von Demokratien gelenkt werden würde) von einer bestimmten Grenze an prinzipiell der menschlichen Gesellschaft Schaden bringe, etwa wenn eine Wirtschaftsbasis (d. h. die Güterproduktion) ihrerseits die Umwelt nachhaltig zerstöre.
Wohlstand
Der Kapitalismus hat in den sogenannten
Industrienationen breiten Bevölkerungsschichten
Wohlstand gebracht. Kritiker bemängeln jedoch die ungleiche Verteilung des Wohlstands. Durch Ausgleichsmechanismen, wie sie die
Soziale Marktwirtschaft vorsieht, kann die Verteilung reguliert werden (vgl.
Ordoliberalismus). Eine ungleiche Verteilung wird jedoch nicht generell als negativ angesehen, da Kapital, das sich in einigen Händen sammele, wieder investiert werden könne, und da sie vor allem einen Zwang in Richtung auf
Leistung bedeute – im Gegensatz zu vielen vorkapitalistischen
Gesellschaften, wo
Reichtum zu Leistungsreduzierung verlockt habe, oder wo Vorstellungen eines „angemessenen Gewinns“ (wie im in
Zünften organisierten
Handwerk) den
technischen Fortschritt bremste.
Marktbeherrschung
Durch die Automatisisierung der Produktion können große Unternehmen aufgrund ihrer
Betriebsgrößenvorteile billiger produzieren und somit kleinere Unternehmen vom Markt verdrängen. Auch auf den Märkten, auf denen keine technologischen
Marktschranken existieren (z.B.
Limonade) kann ein Unternehmen (wie
Coca-Cola) durch Werbung und Markenpolitik eine dominierende Marktposition erringen. Die Entwicklung zu Monopolen findet laut Karl Marx zwangsläufig statt, er bezeichnet dies als
Zentralisation des Kapitals.
Kritiker sehen die Gefahr, dass marktbeherrschende
Oligopole und
Monopole zu überhöhten Preisen sowie einer Unterversorgung des Marktes tendieren, z. B. in der Pharmaindustrie.
Netzwerkstruktur
In kapitalistischen Ökonomien können Unternehmen und Personen freie Vereinbarungen miteinander treffen (Prinzip der
Vertragsfreiheit). Die Ökonomie reagiert auf Veränderungen in der Technik, auf Entdeckungen und auf andere neue Situationen mit Hilfe der Firmen und ihres Managements (ihrer
Akteure), die ihre Arrangements untereinander wieder neu bewerten. Demgemäß scheinen sich die Kontrollmechanismen der Ökonomie und die sie betreffenden Informationsflüsse immer wieder zu verändern. Analysen der
Netzwerke und Arrangements im Kapitalismus haben einen Grad von Ähnlichkeit zu anderen
Netzwerken, wie etwa zum Telefonsystem oder Internet gezeigt.
Beschäftigung
In einer kapitalistischen Gesellschaft erhalten viele Individuen die finanziellen Mittel für ihren Lebensunterhalt durch entlohnte
Arbeit an einem
Arbeitsplatz. Viele andere (Familienangehörige) werden indirekt über diese Erwerbsarbeit mitfinanziert. Dies kann sich umkehren, sobald menschliche Arbeitskraft zunehmend maschinisiert wird.
In den Krisen der kapitalistischen Gesellschaften kommt es häufig vor, dass Menschen keinen Arbeitsplatz finden, also niemanden, der ihr Angebot von Arbeitskraft „kauft“, etwa weil in ihrem Umfeld kein Bedarf vorhanden ist, oder weil sie nicht gewillt sind, ihre Arbeitskraft für den von den Unternehmen gebotenen Preis (das Entgelt) anzubieten.
In kapitalistischen Volkswirtschaften werden bestimmte Arbeiten, die keiner besonderen Qualifikation bedürfen, oft zu Niedriglöhnen angeboten, die als zu gering angesehen werden, um den Lebensunterhalt des Werktätigen decken zu können. Als Ausweg werden daher oft staatlich garantierte Mindestlöhne angesehen. Allerdings werden durch sie ebenso wie durch staatliche Ersatzleistungen wie Arbeitslosengeld finanzielle Anreize zum Annehmen einer schlecht bezahlten Arbeit verringert. Auch Steuerumverteilung (von 'oben' nach 'unten') kann diese Anreize schmälern. All diese Mittel widerstreben zwar der theoretischen Nullarbeitslosigkeit, werden aber oft als mehr oder weniger gerecht oder fair empfunden. Staatliche Eingriffe sind aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit und der inneren Sicherheit sogar notwendig. Sie geben eine zusätzliche Sicherheit und fangen kranke, alte und schwache Gesellschaftsmitglieder auf, auch wenn auf diese Weise eine systembedingte gewisse Arbeitslosigkeit toleriert wird.
Planung
Durch private Eigentumsrechte an den Produktionsmitteln (Kapital) werden die Entscheidungsbefugnisse dezentralisiert. Jeder Eigentümer (Kapitalist) verfügt über seine eigene Planung. Diese wird durch den Marktmechanismus koordiniert.
Kritiker bemängeln die unbekannte und ungeprüfte Planung im gesellschaftlichen Maßstab: Infolge der durch Unwissen und
Eigennutz begrenzten Horizonte der Planer gebe es keine generelle wirtschaftsweite Richtung, keine zuverlässigen wirtschaftlichen
Vorhersagen. Dem wird entgegengehalten, dass niemand besser planen könne als der Markt, und auf die Erfolge von Marktwirtschaften im Vergleich zu Zentralverwaltungswirtschaften hingewiesen.
Zusammenhang mit Demokratie und Frieden
Von Befürwortern des Kapitalismus wird die These vertreten, kapitalistische Gesellschaften tendierten langfristig zu
Rechtsstaat und
Demokratie, und sie verweisen dabei auf die demokratischen Entwicklungen in Europa, Amerika und Teilen von Asien. Eine Tatsache ist, dass Demokratien untereinander signifikant weniger Kriege führen als gegen Nichtdemokratien und als diese untereinander. Daraus wird insgesamt gefolgert, dass der Kapitalismus dem Frieden diene.
Widersprüche dazu finden sich jedoch in verschieden Wirtschafttheorien wie der von John Maynard Keynes, wonach Rüstung und Krieghandlungen konjunkturfördernd seien und der Kapitalismus daher zu Wirtschaftkriegen neige.
Theoretiker
Adam Smith
Ein bedeutender Theoretiker des Kapitalismus ist der schottische Nationalökonom und Moralphilosoph
Adam Smith mit seinem Hauptwerk „Der Wohlstand der Nationen“ (
1776). Er begründet den Eigennutz als einen wichtigen Motor für Wohlstand und gerechte Verteilung und meint, dass die Selbstregulation des Marktes durch
Gleichgewichtspreise mehr Vertrauen verdient (die „Unsichtbare Hand“). In seinem Werk „Theorie der ethischen Gefühle“ schreibt er: „
Trotz der natürlichen Selbstsucht und Raubgier der Reichen und obwohl sie nur ihre eigene Bequemlichkeit im Auge haben, obwohl der einzige Zweck, welchen sie durch die Arbeit all der Tausende, die sie beschäftigen, erreichen wollen, die Befriedigung ihrer eitlen und unersättlichen Begierden ist, trotzdem teilen sie doch mit den Armen den Ertrag aller Verbesserungen, die sie in der Landwirtschaft einführen. Von einer unsichtbaren Hand werden sie dahin geführt, beinahe die gleiche Verteilung der zum Leben notwendigen Güter zu verwirklichen, die zustande gekommen wäre, wenn die Erde zu gleichen Teilen unter alle ihre Bewohner verteilt worden wäre, und so fördern sie, ohne es zu beabsichtigen, ja ohne es zu wissen, das Interesse der Gesellschaft und gewähren die Mittel zur Vermehrung der Gattung. Als die Vorsehung die Erde unter eine geringe Zahl von Herren und Besitzern, verteilte, da hat sie diejenigen, die sie scheinbar bei ihrer Teilung übergangen hat, doch nicht vergessen und nicht ganz verlassen.“
Karl Marx und Friedrich Engels
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Der Begriff der „kapitalistischen Produktionsweise“ wurde maßgeblich von
Karl Marx und
Friedrich Engels geprägt (als Begriff benutzten sie “Kapitalismus” nicht). Jede
Ware habe einen Doppelcharakter, sie sei sowohl
Tausch- als auch
Gebrauchswert (siehe auch Waren
fetischismus). Die Vermehrung des Kapitals erfolge über die Ausbeutung fremder
Arbeitskraft als
Lohnarbeit, indem die Ware Arbeitskraft zwar einerseits grundsätzlich zu ihrem Wert bezahlt wird, dieser Wert liegt jedoch andererseits systematisch unter dem insgesamt neu geschaffenen Wert, da die Arbeiter nicht den Wert der Produktion erhalten, sondern lediglich soviel, wie sie brauchen, um sich als Arbeiter zu erhalten. Dies ist der
Wert der Arbeitskraft, welche die Arbeiter an die Kapitalisten verkaufen. Die Differenz zwischen
Neuwert (Wertschöpfung) und Wert der Arbeitskraft ist der
Mehrwert – der erzielbare Mehrwert werde aber gleichzeitig im Verhältnis zum eingesetzten
Kapital (
Profitrate) „tendenziell“ immer weniger (vgl.
Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate).
Marx meinte, angesichts dessen, wie die kapitalistische Dynamik von ihrem eigenen inneren Antagonismus voran getrieben werde, sei die letzte Grenze des Kapitalismus, der kapitalistischen, sich selbst vorantreibenden Produktivität, das Kapital selbst, das heißt, der irre Tanz ihrer bedingungslosen Produktivitätsspirale sei letztlich nichts als eine verzweifelte Flucht nach vorn, um dem ihr selbst inhärenten und sie schwächenden „Widerspruch“ zu entkommen. Dies sei unausweichlich die Stunde der kommunistischen Revolution durch das Proletariat.
Max Weber
Der
Soziologe Max Weber stellte in seinem Buch
Die protestantische Ethik und der 'Geist' des Kapitalismus die These auf, dass der Kapitalismus in Europa aus religiösen Gründen entstanden sei und eine -im geistigen Sinne- Weiterentwicklung der
Reformationsbewegung darstelle (vgl. das „protestantische Arbeitsethos“ und die
protestantische Ethik allgemein). Da dies für
Japan nicht haltbar war, untersuchte Weber die (funktional entsprechende) Rolle der
Samurai.
Joseph Schumpeter
Der Volkswirt
Joseph Schumpeter urteilte, die „Maschine Kapitalismus“ funktioniere nicht schlecht. Ihr Antrieb sei das freie Unternehmertum; gerade der Erfolg, der sich auch in Monopolen zeige, bringe es jedoch mit sich, dass der Kapitalismus seine eigene soziale Struktur, die ihn schützt und stützt, immer wieder
zerstört und neu errichtet.
Er sah ihn zunächst als Motor der gesellschaftlichen Entwicklung. Jedoch produziere er zunehmend einen Wasserkopf bürokratischer Strukturen und eine „Krise des Steuerstaats“ (indem er den
Staat zu schwächen unternehme), der dessen Ende bedeuten könne, wie auch das der
Demokratie.
Von Schumpeter stammt auch die Idee der Kreislauf-Marktwirtschaft.
Kritik am Kapitalismus
siehe Artikel
Kapitalismuskritik
Zitate
- „Ich sehe in naher Zukunft eine Krise heraufziehen. In Friedenszeiten schlägt die Geldmacht Beute aus der Nation, und in Zeiten der Feindseligkeiten konspiriert sie gegen sie. Sie ist despotischer als eine Monarchie, unverschämter als eine Autokratie, selbstsüchtiger als eine Bürokratie. Sie verleumdet all jene als Volksfeinde, die ihre Methode in Frage stellen und Licht auf ihre Verbrechen werfen. Eine Zeit der Korruption an höchsten Stellen wird folgen, und die Geldmacht des Landes wird danach streben, ihre Herrschaft zu verlängern, bis der Reichtum in den Händen von wenigen angehäuft und die Republik vernichtet ist.“ Abraham Lincoln, US-Präsident, 21. November 1864
- „Dem Kapitalismus wohnt ein Laster inne: Die ungleiche Verteilung der Güter. Dem Sozialismus hingegen wohnt eine Tugend inne: Die gleichmäßige Verteilung des Elends.“ – Sir Winston Churchill (1874–1965), britischer Journalist und später Premierminister
Siehe auch
- Das Kapital, Monopolkapitalismus, Kulturkapitalismus, Kapitalismuskritik, Organisierter Kapitalismus, Spätkapitalismus
- Kommunismus, Liberalismus, Manchesterkapitalismus, Neoliberalismus, Regulationstheorie, Globalisierung, Freiwirtschaft
- Geld, Kapital, Wert, Entfremdung
Literatur
- Milton Friedman: Kapitalismus und Freiheit ISBN 3821839600
- Georg Fülberth:Kleine Geschichte des Kapitalismus, Köln 2005, ISBN 3894383151
- Friedrich Hayek: Die Verfassung der Freiheit ISBN 3161458443
- Michael Heinrich: Kritik der politischen Ökonomie. Eine Einführung, theorie.org, 2004, *.
- Christoph Keese: Rettet den Kapitalismus, Hoffmann und Campe 2004 ISBN 3455094236
- Jürgen Kromphardt: Konzeptionen und Analysen des Kapitalismus ISBN 3825210170
- Kurz, Robert: Schwarzbuch Kapitalismus. Ein Abgesang auf die Marktwirtschaft, ISBN 3548363083, online: *.
- Marx, Karl: Das Kapital. Kritik der politische Ökonomie, Berlin: Dietz, 1962, online: *.
- Johan Norberg: Das Kapitalistische Manifest ISBN 3821839945
- Ulrich van Suntum: Die unsichtbare Hand ISBN 3540410031
- Shiro Takebayashi, Die Entstehung der Kapitalismustheorie in der Gründungsphase der deutschen Soziologie. Von der historischen Nationalökonomie zur historischen Soziologie Werner Sombarts und Max Webers. Berlin: Duncker & Humblot 2003
- Lester C. Thurow: Die Zukunft des Kapitalismus ISBN 3896232096
- Daniel Yergin, Joseph Stanislaw: Staat oder Markt ISBN 354870056X
Weblinks
- Einführung in den Kapitalismus: http://www.sociologicus.de/lexikon/lex_soz/k_n/kapitali.htm.
- Einführung in den Frühkapitalismus: http://www.sociologicus.de/lexikon/lex_soz/f_j/fruehkap.htm
- Plädoyer für den Kapitalismus: http://www.liberalismus.at/Texte/kapitalismus.php
- Zeit-Artikel von Heiner Geißler: http://www.zeit.de/2004/47/Ohnmacht_2fArbeiter
- Zeit-Reihe „Die Zukunft des Kapitalismus“ – Fegefeuer des Marktes: http://www.zeit.de/2005/30/Kapitalismusserie
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