Die Turnierform beschreibt den Aufbau eines Turniers, dessen Ziel es ist, den besten Spieler, Sportler, das beste Team etc. zu ermitteln.
Bei vielen Sportarten ist ein Vergleich der Leistungen sehr einfach, z.B. Marathonlauf: alle Teilnehmer gehen zugleich an den Start, durch die Reihenfolge des Eintreffens am Ziel ist die Reihung gegeben. Die Zeitmessung ist prinzipiell nicht einmal notwendig. Durch diesen objektiven Maßstab lassen sich sogar Leistungen, die zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten erbracht wurden, miteinander vergleichen.
Die Möglichkeit, alle Teilnehmer zugleich gegeneinander antreten zu lassen, ist jedoch vielfach nicht gegeben, auch kann die Leistung oft nicht objektiv gemessen werden, sondern nur relativ zu den Gegnern (Fußball, Tennis, Schach, Bridge, ...); und so kann der beste Spieler (die beste Mannschaft) nur durch ein Turnier bestehend aus mehreren Vergleichskämpfen ermittelt werden.
Ein ideales Turnierformat sollte folgende Eigenschaften besitzen
und zu guter letzt:
Bei einem Turnier nach dem k.o.-System (knockout, engl. etwa herausgeschlagen, auch Cup-System) treffen in jeder Spielrunde jeweils zwei Teilnehmer aufeinander. Die Sieger der Erstrundenspiele steigen in die zweite Runde auf, die Verlierer scheiden aus; die Sieger der Zweitrundenspiele steigen in die dritte Runde auf, die Verlierer scheiden wiederum aus, usf., bis zuletzt nur mehr zwei Spieler übrigbleiben, die im Finale um den Turniersieg kämpfen.
Das k.o.-System funktioniert am besten, wenn die Zahl der Teilnehmer eine Zweierpotenz darstellt, also 2, 4, 8, 16, 32, usf.; ansonsten erhalten einige Spieler in der ersten Runde ein Freilos (engl. Bye). Gleichzeitig ist das k.o.-System diejenige Turnierform, welche die Anzahl der Spiele und Spielrunden minimiert: bei 4 Teilnehmern benötigt man zwei Runden, bei 8 Teilnehmern drei Runden, bei 16 vier, bei 32 fünf usf.
Diese Turnierform erfüllt die meisten der aufgestellten Forderungen. Werden jedoch in der ersten Runde die Paarungen gelost, so kann es geschehen, dass bereits in der ersten Runde der beste Spieler auf den zweitbesten trifft und dabei jemand frühzeitig ausscheidet, der aufgrund des Leistungsvermögens bei anderer Losziehung sehr weit hätte kommen können.
Um zu vermeiden, daß bei Turnieren mit k.o.-System die Favoriten bereits sehr früh aufeinander treffen, werden die Teilnehmer gegeneinander gesetzt (Seeding). Bei einem Turnier mit 128 Teilnehmern spielt daher in der ersten Runde Spieler Nr. 1 gegen Nr. 128, Nr. 2 gegen 127, usf. Gewinnen jeweils die Favoriten, so treffen in der 2. Runde Spieler Nr. 1 auf Nr. 64, Nr. 2 auf Nr. 63 usf. Im Finale stehen einander die beiden Topfavoriten gegenüber.
Nachteile
Eine einmalige Niederlage bedeutet bereits das Ausscheiden aus dem Turnier, da aber selbst ein Weltmeister gelegentlich "Pech" haben kann, wird dem Zufall bei diesem Turnierformat ein sehr hoher Einfluss beigemessen. Das ist durchaus richtig, allerdings ist das auch eine notwendige (wenn auch unerwünschte) Konsequenz aus der Forderung nach einer möglichst geringen Anzahl an Spielen.
Bei Sportarten, in denen Unentschieden häufig vorkommen, müssen Tie-Breakers angewendet werden, um einen Sieger zu ermitteln, diese sind sehr oft umstritten (vgl. Fußball Elfmeterschießen mit oder ohne vorherige Verlängerung, mit oder ohne Golden Goal oder Silver Goal).
Das Setzen begünstigt die Favoriten, was von den übrigen Spielern als unfair empfunden wird. Ändern sich die Spielstärken der einzelnen Teilnehmer nur relativ langsam, so ergeben sich sehr viele gleiche Spielpaarungen in aufeinanderfolgenden Turnieren, und das ist für den Veranstalter wie auch für den Zuschauer unbefriedigend. Darüberhinaus hätte die Nr. 128, die stets gegen die Nr. 1 anzutreten hat, nie eine Möglichkeit sich zu verbessern.
Bei Tennis-Turnieren, z.B. in Wimbledon, wird daher eine Mischung aus Auslosen und Setzen angewendet. Es werden nur die Top-32-Spieler gesetzt: Spieler 1 wird auf Position 1, Spieler 2 auf Position 2 gesetzt, die Spieler 3 und 4 werden auf die Positionen 3 und 4 gelost, die Spieler 5 bis 8 werden auf die Positionen 5 bis 8 gelost, die Spieler 9 bis 16 auf die Positionen 9 bis 16 gelost, die Spieler 17 bis 32 auf die Positionen 17 bis 32 gelost ; alle übrigen Teilnehmer (also die Spieler 33 bis 128) werden gelost.
Des weiteren ist es für das Setzen unerlässlich, die Stärke der einzelnen Teilnehmer bereits im Vorhinein sehr genau einschätzen zu können, was wiederum sehr aufwändige und daher oft schwer nachvollziehbare Bewertungsmethoden erfordert (z.B. Elo-Zahl beim Schach, Weltrangliste beim Tennis etc.)
Ergänzungen
Bei einem Turnier nach dem k.o.-System gibt es folgende Preise: Der Sieger belegt den ersten Platz; der Verlierer des Finalspiels belegt den zweiten Platz, die Verlierer der beiden Semifinali belegen die beiden dritten Plätze.
Manchmal tragen die Verlierer der Semifinali untereinander ein Kleines Finale, das Spiel um den dritten Platz, aus.
Auf analoge Art können auch die Plätze 5 bis 8 bestimmt werden: Zuerst spielen jeweils zwei Verlierer der Viertelfinalspiele gegeneinander, sodann treffen die beiden Sieger aus diesen Partien aufeinander und spielen um die Plätze 5 und 6, während die Verlierer aus diesen Spielen eine Partie um die Plätze 7 und 8 austragen.
Prinzipiell lässt sich durch entsprechende zusätzliche Klassifikationsspiele eine durchgehende Reihung ermitteln, doch wird davon zumeist abgesehen; selbst die Durchführung eines Spiels um den dritten Platz ist keineswegs überall üblich.
Gelegentlich tragen die in der ersten Runde ausgeschiedenen Teilnehmer unter sich ein separates k.o.-Turnier aus, dieses Turnier wird engl. Consolation genannt. Die deutsche Bezeichnung Trostrunde ist nicht sehr gut gewählt, da eine Consolation ja aus mehreren Runden besteht. Es können auch mehrere Consolations gespielt werden: 1st Consolation, 2nd Consolation und Last Chance.
Die Trostrunden werden gelegentlich auch als Hoffnungslauf bezeichnet, manchmal ist es dem Gewinner dieser Runde gestattet wieder ins Hauptturnier einzutreten: dies führt im wesentlichen zum Double knock out-Format (siehe unten)
Bei internationalen Fußball-Turnieren werden manchmal in jeder Runde zwei Spiele durchgeführt, um Vorteile durch das Heimrecht auszugleichen; in diesem Fall werden die Punkte bzw. Tore der beiden Spiele addiert. Bei einem Unentschieden kann die Auswärtstorregel angewendet werden.
Um die Entscheidung nicht durch ein einziges Spiel herbeizuführen, gibt es Varianten, bei denen derjenige aufsteigt, der zuerst eine zuvor festgelegte Anzahl von Siegen erreicht. Mit anderen Worten: Man definiert den für das Aufsteigen benötigten Sieg neu; dieser ist eben erst nach mehreren Gewinnen in einzelnen Spielen erreicht. So bedeutet z.B. Best of Five, dass derjenige in die nächste Runde aufsteigt, der bei maximal fünf Begegnungen zuerst dreimal gewonnen hat - der Unterlegene kann dann nur auf maximal zwei Siege kommen. Dies wird beispielsweise beim Eishockey oder Basketball angewendet. Beim Tennis spielen die Herren Best of Five, d.h. derjenige Spieler steigt auf, der als erstes drei Sätze gewinnt; Damen spielen Best of Three.
Erlaubt eine Disziplin zwar das gleichzeitige Antreten mehrerer, jedoch nicht das gleichzeitige Antreten aller Teilnehmer (z.B. Kurzstreckenlauf, Schwimmsport, ..., aber auch Poker), so lässt sich das k.o.-System folgendermaßen variieren: Es werden mehrere Vorläufe durchgeführt; in jedem Vorlauf treten acht Läufer gegeneinander an, die besten vier qualifizieren sich für die nächste Runde. Im Finale treffen dann die jeweils besten vier aus den beiden Semifinal-Läufen aufeinander.
Weitere bekannte Wettbewerbe, die im k.-o.-System ausgetragen werden, sind die nationalen Pokalwettbewerbe, wie zum Beispiel der deutsche DFB-Pokal, der österreichische Stiegl-Cup oder der Schweizer Swisscom-Cup oder viele Wettbewerbe im Bahnradsport. In manchen Bewerben (z.B. UEFA-Cup, Championsleague-Qualifikation, manche nationalen Pokalwettbewerbe) spielen nicht alle Mannschaften bereits ab der ersten Runde mit, sodass die Teilnehmerzahl in den ersten Runden keine Zweierpotenz darstellt.
Dieses System wird z.B. in den meisten Fußball-Ligen angewendet, wo anhand eines festen Spielplans jede Mannschaft jede andere Mannschaft einmal zuhause und einmal auswärts trifft (exakte Bezeichnung: Double Round Robin, da jede Mannschaft jede andere zwei Mal trifft).
Nachteile
Wenn jeder der n Teilnehmer auf jeden der n-1 übrigen Teilnehmer trifft, so müssen n-1 Runden gespielt werden, sodass derartige Bewerbe nur über einen längeren Zeitraum hindurch abgewickelt werden können.
Es gibt kein Finale der besten zwei.
Häufig fällt die Entscheidung über den Gewinn des Titels bereits vor der letzten Spielrunde, sodass die letzten Spiele kein Interesse mehr hervorrufen.
Fällt die Entscheidung über den Titel tatsächlich erst in der letzten Spielrunde, so gibt zumeist ein sogenanntes "Fernduell" den Ausschlag und kein direkter Vergleich. Auf diese Weise entstehen "Königsmacher-Möglichkeiten", bzw. Möglichkeiten zur Collusion.
Nach Abschluss aller Spielrunden ist es möglich, dass zwei Spieler ex aequo platziert sind, sodass auch hier Tie-breakers angewendet werden müssen. In den allermeisten Fällen wird das Resultat der direkten Begegnung herangezogen; es sind allerdings die unterschiedlichsten Methoden in Gebrauch, z.B.
Schach: Verschiedene Formen der Feinwertung,
Fußball: Punkte aus direkten Begegnungen, Tordifferenz, Anzahl der erzielten Tore, Anzahl der Auswärtstore etc.
oder eigene Play-Off-Spiele, die im Anschluss an die regulären Spielrunden durchgeführt werden. Die Play-Off-Spiele werden wiederum nach dem k.o.-System abgehalten, sodass sich insgesamt ein gemischtes Turnierformat ergibt.
Es wird allerdings ausgeschlossen, dass zwei Spieler zweimal aufeinandertreffen; die Paarungen werden daher vor jeder Runde wie folgt festgelegt:
Liegen also z.B. nach einer Runde dieselben Spieler in Führung, so spielt nun der erste gegen den dritten (falls er gegen diesen noch nicht gespielt hat, daher: Gegen den bestplatzierten Spieler, gegen den er noch nicht gespielt hat), der zweite gegen den vierten usf.
Das Schweizer System liefert durchaus akkurate Resultate in den oberen Rängen (Platz 1, Platz 2), ebenso in den untersten (letzter, vorletzter), die Rangordnung im Mittelfeld ist jedoch stark zufallsabhängig.
Um einen eindeutigen Sieger zu ermitteln, benötigt man nach dem Schweizer System i.a. gleich viele Runden wie nach dem k.o.-System; es werden zumeist auch gerade so viele Runden gespielt. Im Gegensatz zum k.o.-System bedeutet eine einmalige Niederlage jedoch nicht das Ausscheiden aus dem Turnier.
Werden in einem Turnier mit n Teilnehmern n-1 Runden gespielt, so geht das Schweizer System in ein Rundenturnier "Jeder gegen jeden" über: Je mehr Runden gespielt werden, desto genauer wird zwar theoretisch die durchgehende Reihung, desto eher treten aber auch die im Zusammenhang mit dem Round Robin beschriebenen Collusionsmöglichkeiten auf.
Das Schweizer System ist besonders geeignet für Turniere mit einer sehr großen Teilnehmerzahl, wenn Rundenturniere "Jeder gegen jeden" schon allein aus Zeitgründen kaum durchführbar sind. Die Teilnehmerzahl soll zwar gerade sein (muss es aber nicht), braucht jedenfalls keine Zweierpotenz zu sein (wie es für ein k.o.-Turnier optimal wäre).
Diese Turnierform findet man speziell bei
Beim Schweizer System ist ein wiederholtes Aufeinandertreffen der gleichen Teilnehmer ausgeschlossen. Das ähnliche Dänische System unterscheidet sich vom Schweizer System dadurch, dass dieselben Paarungen mehrfach auftreten können: Es spielt also in jeder Runde der erste gegen den zweiten, der dritte gegen den vierten usf.
Siehe auch Artikel Schweizer System über spezielle Aspekte betreffend das Schachspiel
Die wesentlichen Eigenschaften des Double knock out- oder Double elimination-Formates im Gegensatz zum einfachen k.o.-System (Single knock out oder Single elimination) sind
Die Durchführung des Turniers gestaltet sich allerdings deutlich komplizierter; hier ein Beispiel für ein Turnier mit 16 Teilnehmern:
Der Turnierplan teilt sich beim Double k.o. in zwei Brackets (Winners Bracket und Losers Bracket bzw. Upper und Lower Bracket, obere bzw. untere Hälfte). Nach der ersten Runde steigen die Gewinner in die nächste Runde des Winners Bracket auf, und die Verlierer spielen in der ersten Runde des Losers Brackets weiter. Das Winners Bracket wird nach derselben Methode geführt wie ein einfaches k.o.-Turnier (aus diesem Grunde soll die Teilnehmerzahl beim Double k.o. so wie beim Single k.o. wenn möglich eine Zweierpotenz sein), ausgenommen natürlich, dass die Verlierer nicht aus dem Turnier ausscheiden, sondern im Losers Bracket weiterspielen.
Jede Runde des unteren Brackets wird in zwei Stufen gespielt:
Am Ende des Turniers trifft der Gewinner der oberen Hälfte auf den Gewinner der unteren Hälfte. Dieses Match wird vielfach als Finale gewertet. Ansonsten gilt folgende Regel: Gewinnt der Teilnehmer aus der oberen Hälfte, so ist das Turnier beendet. Gewinnt jedoch der Teilnehmer aus der unteren Hälfte, so haben beide einmal verloren und müssen ein zweites Mal gegeneinander spielen; dieses letztere Match entscheidet dann über die Plätze 1 und 2.
Bei einem Spiel nach dem Double k.o. sind die Plätze 3 und 4 durch die Reihenfolge des Ausscheidens bestimmt; ein Spiel um den dritten Platz ist daher nicht erforderlich.
Dieses Format findet häufig bei Turnieren von Rückschlagspielen wie Tennis, Badminton, Squash oder Volleyball Anwendung.
(Siehe auch englische Wikipedia: en:Double-elimination tournament)
Manchmal wird eine Kombination verschiedener Systeme verwendet. Ein Beispiel hierfür ist die Fußball-Weltmeisterschaft. Hier werden die Mannschaften in Gruppen von je vier Mannschaften aufgeteilt. Zwischen den Mannschaften einer Gruppe spielt jeder gegen jeden ("Vorrundenspiele"). Die Gruppenersten und Gruppenzweiten spielen dann im k.o.-System gegeneinander ("Ausscheidungsspiele").
Dieses Mischsystem hat den Vorteil, dass ein zu frühes Ausscheiden guter Mannschaften weitgehend vermieden werden kann, indem die Gruppensieger so spät wie möglich aufeinandertreffen. So spielen in der ersten Ausscheidungsrunde stets Gruppenerste gegen Gruppenzweite. Durch geeignetes Setzen kann man außerdem erreichen, dass zwei Mannschaften, die in der Vorrunde in derselben Gruppe gegeneinander gespielt haben, frühestens im Finale erneut aufeinander treffen. Dieses an sich wünschenswerte Kriterium wird allerdings in der Praxis nicht immer berücksichtigt, so trafen etwa bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 die Mannschaften von Brasilien und der Türkei in der Vorrunde und im Semifinale aufeinander - Brasilien gewann beide Spiele und wurde später auch Weltmeister.
Siehe auch: Modus
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