FSF-Logo.png Freie Software ist Software, deren Lizenz es ausdrücklich erlaubt, sie für jeden Zweck zu benutzen, sie zu studieren, zu verändern und in ursprünglicher oder geänderter Form weiter zu verbreiten. Der Quelltext muss hierzu vom Urheber zur Verfügung gestellt werden. Lizenzen, die diese Freiheiten nicht gewähren, werden im Gegenzug als proprietär oder unfrei bezeichnet.
Der Begriff „Frei“ bezieht sich also nicht auf den Kostenaspekt, wie das englische free in der Bedeutung gratis bzw. kostenlos vermuten lässt, sondern auf die genannten Freiheiten, die Nutzer und Programmierer an der Software haben. Richard Stallman, der Begründer der Freie-Software-Bewegung, prägte den Ausspruch: “Free as in ‘freedom’, not as in ‘free beer’” („Frei wie ‚Freiheit‘, nicht wie ‚Freibier‘“).
Freie Software ist deutlich zu unterscheiden von „Freeware“, die kostenlos ist, deren Quelltext aber meist nicht eingesehen oder gar verändert werden darf. Der Begriff Open Source Software kann aus Sicht des Anwenders als Synonym verwendet werden.
Der Begriff „Freie Software“ verbietet den Verkauf von so deklarierter Software nicht, solange dem Käufer die genannten Rechte, einschließlich der Möglichkeit zur kostenlosen Weiterverbreitung gewährt werden.
Zwischen 1960 und 1970 etablierte sich unter anderem an akademischen US-Einrichtungen (Stanford, Berkeley, Carnegie Mellon und MIT) eine „Hacker-Kultur“, für die es selbstverständlich war, ihre Software-Verbesserungen mit anderen Programmierern zu teilen. Programmierer tauschten die Software dabei frei untereinander aus und gaben häufig den entsprechenden Quelltext weiter. Insbesondere in großen Benutzergruppen wie der DEC User Group (DECUS) war das üblich. Es war auch gängige Praxis, den Quelltext der mit Computersystemen ausgelieferten Software mitzuliefern. Dadurch kamen viele Vorschläge für Verbesserungen und Fehlerkorrekturen zu den Computerherstellern zurück. Software wurde als Zugabe zu Computern gesehen, um diese nutzbar zu machen.
In den späten 1970er Jahren begannen Firmen, „Softwarelizenzen“ einzuführen, welche den Nutzen, die Weitergabe und die Möglichkeit der Veränderung der Programme einschränkte. Außerdem wurden viele Programme nicht mehr im Quelltext geliefert, sondern nur noch in maschinenlesbarer Form, was eine Veränderung nahezu unmöglich machte. Zusätzlich wurde es mit dem Aufkommen von finanzierbaren Mikrocomputern von IBM, Apple, Atari oder Commodore üblich, Software getrennt von Computer-Hardware zu verkaufen und den Quelltext vor der Konkurrenz zu verbergen, die Software wurde somit proprietär. Immer mehr Hacker wurden von den Softwarefirmen angestellt, und die bisher wahrgenommenen Freiheiten wurden stark eingeschränkt, Software wurde zu einem künstlich verknappten Gut.
In diese Zeit fiel die Arbeit von Richard Stallman am „AI Lab“ (Abteilung für Künstliche Intelligenz) des Massachusetts Institute of Technology. Als dort ebenfalls proprietäre Software in den Laboren eingeführt wurde, bemühte Stallman sich darum, durch das Programmieren alternativer Software eine Monopolstellung proprietärer Anbieter zu verhindern. Er folgte damit seinen Prinzipien einer wissenschaftlichen Zusammenarbeit, die einen freien und ungehinderten Austausch von Software vorsahen.
Im Jahre 1983 entschied sich dann die Firma AT&T, eine proprietäre Version ihres Unix auf den Markt zu bringen, UNIX System V. Da nun eine frei verfügbare Version von Unix fehlte, entschied sich Stallman, einen freien Unix-Klon zu erstellen, und kündigte im September 1983 das GNU-Projekt an, das die Schaffung des Klons zum Ziel hatte Richard Stallman: Initial Announcement auf net.unix-wizards,net.usoft, 27. September 1983. Um Lizenzen für die Software erstellen zu können, welche die Idee der Freiheit mitbringen würden, entwarf er das Copyleft-Prinzip, und wandte darauf aufbauende Lizenzen auf die geschriebene GNU-Software an. 1985 folgte die Gründung der gemeinnützigen Stiftung Free Software Foundation (FSF), die der Förderung und Entwicklung von GNU und Freier Software dienen sollte. Da aber für verschiedene Softwareprojekte verschiedene Lizenzen bestanden, fasste Stallman 1989 die einzelnen Lizenzen mit Hilfe des Rechtsprofessors Eben Moglen zu einer einzigen Lizenz zusammen, der GNU General Public License (GPL). Die GPL ist die heute meist verbreitete Lizenz für Freie Software.
Einen neuen Aufschwung erlebte die Freie Software, als Linus Torvalds 1993 den von ihm geschriebenen Linux-Kernel unter die GPL stellte. Mit der dann statt findenden rasanten Entwicklung von Linux und dessen Verbreitung wurde Freie Software von immer mehr Menschen genutzt.
1997 veröffentlichte Eric S. Raymond das Essay „The Cathedral and the Bazaar“. Die Veröffentlichung veranlasste die Firma Netscape dazu, den Quelltext des Netscape Navigators freizugeben, aus dem dann später der Webbrowser Mozilla Firefox wurde. Nach der Veröffentlichung gründeten Raymond, Bruce Perens und Tim O’Reilly die Open Source Initiative mit dem Ziel, den Begriff der „Freien Software“ durch den Begriff „Open Source“ abzulösen, da dieser weniger ideologisch belastet sei. Dies führte zu einem Streit mit Richard Stallman, der den Begriff „Open Source“ ablehnte. Bis heute sorgen die beiden Bezeichnungen immer wieder für Verwirrung und Unstimmigkeiten zwischen den jeweiligen Unterstützern.
Richard Stallman und die Free Software Foundation (FSF) definieren Software als frei, wenn ihre Lizenz folgende Freiheiten einräumt:
Für die Freiheiten eins und drei ist der Zugang zum Quellcode Voraussetzung, sonst wird das Verändern eines Programms schwierig bis unmöglich. Sind diese Bedingungen nicht erfüllt, wird die Software als proprietär oder unfrei bezeichnet.
Es gibt verschiedene Typen von Lizenzen, die die Kriterien Freier Software erfüllen:
Der Ausdruck „Freie Software“ wird allgemein als Synonym für „Open-Source-Software“ (OSS) verwendet, wenn auch die Verfechter der jeweiligen Begriffe verschiedene Schwerpunkte setzen. Obwohl weitgehende Einigkeit besteht, kritisiert die Free Software Foundation an der jüngeren Open-Source-Bewegung unter anderem, dass der Begriff „Open Source“ Unklarheiten schaffe und sich nur an technischen, nicht aber an sozialethischen Fragen orientiere.
Derzeit (Januar 2006) sind knapp 4.500 GNU-Pakete im „Free Software Directory“ eingetragen FSF/UNESCO Free Software Directory auf der Webseite der FSF, 2004, welches 1999 ebenfalls als ein Projekt der FSF startete. Einige der wichtigsten Projekte sind:
Freie Software kann, gemäß den vier Freiheiten, nahezu beliebig kopiert und weitergegeben werden. Eine Restriktion des freien Kopierens und der freien Weitergabe ist mit dem Begriff der Freien Software nicht vereinbar. Freie Software muss dabei aber nicht zwingend kostenlos sein, sondern kann auch verkauft werden. Dabei muss aber stets der Quelltext frei zur Verfügung gestellt werden. Hierbei steht also nicht mehr das Endprodukt auf dem Datenträger im Vordergrund, sondern vor allen Dingen der Dienstleistungsaspekt der Softwareentwicklung. Die Wartung und Anpassung der Software sowie Schulung und technische Unterstützung sind für die Kunden von Bedeutung. Firmen, die diese Geschäftsstrategie zum Softwarevertrieb gewählt haben, sind zum Beispiel Red Hat und Trolltech.
Gewöhnlicherweise werden Innovationen nicht durch hohe Margen, sondern durch einen breiten Absatz in den Verkehr gebracht. Freie Software wird deshalb von einigen Wirtschaftswissenschaftlern als gute Möglichkeit gesehen, qualitativ hochwertige Software ohne Lizenzkosten zu erhalten und die allgemein hohen Servicekosten konstant zu halten oder zu senken.
Freie Software unterliegt keiner Rivalität und auch nicht dem Ausschlussprinzip, ist somit ein spezifisch öffentliches Gut und kann per Definition nicht einem üblichen Marktgeschehen unterliegen. Dennoch betrachten die Herausgeber proprietärer Software sie als eine ernste Bedrohung für ihr Geschäft und versuchen deshalb, potenzielle Kunden von der Benutzung Freier Software abzuhalten. Als Argumente führen sie unter anderem garantierte, bessere Qualität proprietärer Software, besonders im Hinblick auf Benutzerfreundlichkeit, sowie bessere Dienstleistungen an. In einigen Fällen versuchten Entwickler proprietärer Software Entwicklern von Freier Software Patent- und Urheberrechtsverletzungen vorzuwerfen, um sie vom Markt zu drängen.
Viele Politiker in Deutschland sehen das (größtenteils) freie GNU/Linux als zukünftigen Ersatz für das vorherrschende proprietäre Betriebssystem Windows. Häufig wird eine Übereinstimmung von Transparenz in einer Demokratie und der Transparenz der Freien Software hergestellt.
Einige Menschen sehen in der Freie-Software-Bewegung sogar Ansätze, die Möglichkeiten zur Überwindung des Kapitalismus zeigen. In Deutschland beschäftigt sich unter anderem das Projekt Oekonux mit dieser Thematik. Andere sehen in Freier Software lediglich einen weiteren Wettbewerber innerhalb der marktwirtschaftlichen Ordnung.
Die Freiheit, die Software in andere Sprachen zu übersetzen, kommt besonders denjenigen Sprachgruppen zugute, für die eine Übersetzung nicht kommerziell interessant ist.
Zudem fließt bei Verwendung Freier Software kein Geld in fremde Länder ab, wo die Anbieter proprietärer Software ihren Firmenhauptsitz haben. Alle Mittel, die vor Ort für IT bereitstehen, können daher unmittelbar in die IT-Wirtschaft vor Ort einfließen.
Die Freiheit der Software wird vom 3. UNO-Weltgipfel zur Informationsgesellschaft (WSIS) als schützenswert anerkannt. Sie gehört zu den elementaren Forderungen der Zivilgesellschaft, mit der die „digitale Spaltung“ überwunden werden soll. Unter „digitaler Spaltung“ wird die Spaltung in Länder beziehungsweise Regionen der Erde bezeichnet, die sich die Beschaffung von Software leisten können, und solche, die dies nicht können. Teilweise gibt es auch aufgrund der wirtschaftlichen Unattraktivität in ihren Fällen keine angepasste proprietäre Software.
Ein Vorteil Freier Software liegt in der Möglichkeit, die Software ungehindert zu verändern und zu verteilen. Freie Software kann unbegrenzt an eigene Bedürfnisse angepasst und ein daraus resultierendes Produkt als Freie Software weiterverteilt werden. Hierdurch erreicht der Nutzer die Unabhängigkeit von einzelnen Projekten und Herstellern. Ebenso ist es möglich, Freie Software kommerziell zu verwerten.
Ein Nachteil Freier Software ist der Verlust der Kontrolle über ein Werk. Mit der Veröffentlichung eines Werkes besteht für jedermann Zugriff auf dieses, und es kann zu jedem Zweck verändert und benutzt werden, ohne dass der Urheber darüber informiert werden muss. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, dass Veränderungen nicht offengelegt werden, obwohl es die Lizenz erfordert. In solchen Fällen ist der Nachweis der Lizenzverletzung oftmals schwierig und mit hohem Aufwand verbunden.
Es muss beachtet werden, dass einige Vor- und Nachteile von den jeweiligen Lizenzen abhängen. So erlauben etwa einige Lizenzen Veränderungen nur, wenn diese Veränderungen wieder öffentlich zugänglich gemacht werden, während einige Lizenzen es auch erlauben, die Änderungen geschlossen zu halten.
Die Sicherheit Freier Software ist umstritten. Kritiker argumentieren oft, dass Freie Software ein Sicherheitsrisiko darstelle, da die Verfügbarkeit des Quellcodes es einem Angreifer einfacher macht, Einbruchspunkte auszunutzen. Befürworter Freier Software sehen diese Offenheit dagegen als Vorteil, da so der Quellcode von mehr und auch untereinander unabhängigen Menschen geprüft und gegebenenfalls korrigiert werden kann.
Im Laufe der Zeit wurden von verschiedenen Seiten eine Reihe von Statistiken veröffentlicht, die zu unterschiedlichen Ergebnissen kamen. Ein allgemeines Urteil lässt sich kaum fällen, da unter anderem auch der Umgang und die Veröffentlichung von Programmfehlern und Sicherheitslücken in beiden Feldern unterschiedlich gehandelt wird.
Die Vorteile, dass der Herausgeber auf den weiteren Umlauf seiner Software keinen Einfluss mehr hat und die Funktionsweise offen liegt, werfen eine Reihe von Konflikten zu den gängigen Geschäftspraktiken im Umgang mit Software auf.
Hardware-Hersteller gehen immer mehr dazu über, die Schnittstellenspezifikationen geheim zu halten, um der Konkurrenz das Kopieren von technischen Lösungsmethoden zu verwehren. Der Grund liegt im zunehmenden Wettbewerbsdruck und in der Einfachheit des Schutzes gegenüber der Patentierung. Wenn nicht öffentlich dokumentiert ist, wie die Geräte anzusteuern sind, erleidet die Hardwareunterstützung freier Betriebssysteme mittels freier Treiber einen schweren Rückschlag.
Andererseits haben die Hersteller die Benutzer größerer freier Plattformen (GNU-Projekt, Linux, X) als Kundengruppe erkannt. Viele von ihnen stellen proprietäre Treiber zur Verfügung. Diese Treiber stoßen unter den Anhängern Freier Software auf höchst geteilte Meinungen: Einige sind glücklich darüber, dass sie die Unterstützung der Hardware-Hersteller errungen haben und ihre Hardware durch ihr bevorzugtes Betriebssystem nun voll unterstützt wird, andere haben Bedenken, dass man aufgrund der proprietären Treiber nicht mehr von einem freien Betriebssystem sprechen könne.
Sollte der Hersteller keinen entsprechenden Treiber zur Verfügung gestellt haben, gibt es immer noch die Möglichkeit, den Treiber für eine andere Plattform zu verwenden und über die Schnittstellen der Zielplattform darauf zuzugreifen. Dies hat sich jedoch als eine in der Praxis zweitklassige Lösung herausgestellt, insbesondere wenn Hardware-Treiber in einer hoch privilegierten Ebene im System laufen und somit beim kleinsten Fehler komplette Abstürze verursachen können.
Eine generelle Schnittstellenfreigabe würde die Benutzer freier Softwareplattformen sicherlich entlasten. Neben der philosophischen Sichtweise ist es eine Frage der Systemstabilität, denn sollte beispielsweise ein proprietärer Linux-Netzwerkkartentreiber regelmäßig zu Abstürzen des Systems führen, wären die Linux-Entwickler dagegen machtlos und es würde von der Gnade des Herstellers abhängen, ob der Fehler behoben würde.
Die regelmäßig in den Schlagzeilen auftauchenden Softwarepatente haben auf Freie Software einen besonders schwerwiegenden Einfluss, denn es ist zum Teil rechtlich noch nicht einmal möglich, mit Freier Software die Patentauflagen zu erfüllen. Diese bestehen nämlich in einigen Fällen auf einer Gebühr pro in Umlauf gebrachte Kopie, aber Freie Software verlangt gerade, dass der Herausgeber darauf keinen Einfluss haben darf. Selbst wenn er die Lizenzgebühren zum Beispiel durch Spenden zahlen würde, müsste er eine genaue Zahl der Kopien, die im Umlauf sind, vorlegen können, womit es keine Freie Software mehr wäre.
Trusted Computing und DRM haben das Ziel, die Aktivitäten auf dem eigenen System durch Fremde aus der Ferne zu kontrollieren. Dies ist mit Freier Software nur mit Hilfe schwer zu knackender, robuster, quelloffener Kryptografie möglich und nicht durch simples Verstecken (siehe auch: Kerckhoffs-Prinzip).
Eine weitere beispielhafte Inkompatibilität tut sich mit dem Kopierschutz von DVDs auf: Der Kopierschutz ist effektiv kaum wirksam und leicht zu hintergehen, allerdings verhindert er das normale Abspielen. Es wird nun behauptet, Programme, die den Kopierschutz lösen, müssten lizenziert sein, ansonsten wäre schon das reine Abspielen in Deutschland illegal, weil ein Kopierschutz unter keinen Umständen umgangen werden dürfe. Diese Behauptung könnte jedoch als FUD angesehen werden, da das Laden in den Arbeitsspeicher nach der Rechtsprechung keinen Kopiervorgang darstellt.
Falls Hardwarehersteller wie Intel oder AMD funktionseinschränkende Verfahren in Chipsätze oder Prozessoren implementieren sollten, könnte Freie Software den vollen Funktionsumfang möglicherweise nur noch auf freier Hardware entfalten.
Siehe auch: Literatur über Freie und Open-Source-Software
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