0408 USA Olympic fencing.jpg, links) gegen Weston Seth Kelsey (USA, rechts)]] Fechten ist in erster Linie eine Kampfsportart, die sich aus einer Kampftechnik heraus entwickelt hat. Vor der Etablierung als Sportart war die Austragungsform als Duell weit verbreitet. Die historischen Ursprünge gehen auf eine Verfeinerung der Waffen und Bewegungsabläufe gegenüber Schwert- und Säbelkämpfen zurück.
Heute wird mit Fechten überwiegend das Sportfechten bezeichnet, gefochten wird mit Florett, Degen und Säbel. Theaterfechten und das studentische Mensurfechten wurden ebenfalls mit Klingenwaffen ausgeführt. Insbesondere das Theaterfechten entspricht dem Fechten, wie man es aus Filmen kennt.
Die japanische Kampfkunst Kendo wird auch Stockfechten genannt. Die Sprache ist französisch.
Mit der Verbreitung des Schießpulvers im ausgehenden Mittelalter, dem Erstarken der Infanterie, Bogen- und Armbrust-Schützen verlor der gepanzerte Ritter seine Bedeutung. Das Schwert wurde nun vorwiegend gegen leicht oder komplett ungerüstete Gegner verwendet, und es kam das Fechten mit leichten Waffen wie dem Rapier auf, für das es ab 1410 in Italien einheitliche Regeln und Lehrbücher gab. Da das Rapier nicht mehr von Rittern, sondern von Bürgern geführt wurde, entwickelte sich der Umgang damit zum ersten "Breitensport". Von Italien ausgehend erlebte dann das Rapierfechten in Frankreich seine erste Blütezeit, Gesichtsmasken machten es gefahrloser. 1570 erfand der Franzose Henri Saint Didier die meisten Fechter-Fachausdrücke, die auch heute noch verwendet werden.
In Deutschland, das sich mit den Italienern um die Urheberschaft des sportlichen Fechtens streitet, wurde es vor allem an den Universitäten betrieben, verlor aber durch die studentische Mensur (blutige "Hiebe") seinen sportlichen Charakter. Eine Förderung erfuhr das Fechten dann wieder durch die Turnerbewegung im 19. Jahrhundert. 1862 entstand der erste Fechtklub in Hannover, 1896 fanden die ersten deutschen Meisterschaften statt.
Theaterfechten oder auch Bühnenfechten ist am besten als Choreographie zu bezeichnen. Hierbei ist das Hauptziel einen optisch eindrucksvollen Kampf darzustellen. Dabei wird neben modernen Waffen auch mit historischen Fechtwaffen gefochten, zum Beispiel Langstab, Rapier und Dolch.
Heutzutage ist Sportfechten ein Kampfsport, bei dem zwei Gegner versuchen, sich gegenseitig mit einer Hieb- und/oder Stoßwaffe zu treffen. Die im Wettkampf zum Einsatz kommenden Waffen sind das Florett, der Degen und der Säbel. Florett und Degen sind reine Stoßwaffen, der Säbel ist eine Hieb- und Stichwaffe. Es wird auf einem stegartigen Boden (14m lang und 1,50 – 2m breit), der Fechtbahn (frz.: Planche) gefochten. Je nach verwendeter Waffe zählen Treffer in bestimmten Regionen am Körper des Gegners.
1920 durften in Antwerpen die Frauen erstmals im Florett-Einzel um Medaillen kämpfen. In Rom kam Mannschaft und in Atlanta 1996 Degen dazu. Schließlich wurde in Athen 2004 auch Säbel aufgenommen. Als Ausgleich für Frauen Säbel/Degen pausieren immer zwei Disziplinen, so daß immer insgesamt 10 Wettkämpfe ausgetragen werden.
Schon frühzeitig pflegten die deutschen Fechter internationale Sportbegegnungen. Die Olympiade in Tokio 1964 machte den Anfang. Die danach folgenden Weltspiele in Stoke Mandeville und die Paralympics der Behinderten wurden von den deutschen Aktiven mit immer größeren Erfolgen bestritten. Heute zählen die deutschen Rollstuhlfechter zur absoluten Weltspitze.
Fechtanfänger beginnen üblicherweise mit dem Florett. Im Schülerbereich wird mit einer sogenannten Miniwaffe gefochten. Diese ist kleiner als die normale Waffe und dadurch besser für Kinder geeignet. In diesem Bereich darf ausschließlich nur mit der Miniwaffe gefochten werden, wobei im Erwachsenenbereich die Benutzung der Miniwaffe nicht verboten ist.
Es besteht aus einer dünnen, biegsamen Klinge, einer Glocke als Handschutz sowie Griff.
Die Fechtklinge des elektrischen Floretts (E-Florett) besteht aus einer federnd gelagerten Spitze in einer Hülse. Die Klinge hat einen rechteckigen Querschnitt. Man unterteilt sie in Klingenstärke, - schwäche, -mitte, was insbesondere den Punkt angibt, der bei einer bestimmten Aktion die gegnerische Klinge abwehrt.
Die Glocke, eine runde und tellerartig geformte kleine Schale, enthält neben einem Polster einen Stecker, sowie das Kabel.
Für den Griff gibt es drei verschiedene Arten:
Trefferflaeche_Florett.png Das Florett ist eine Stoßwaffe, d.h. nur Treffer mit der Spitze zählen. Ursprünglich "nur" Übungswaffe, wurde Fechten Ende des letzten Jahrhunderts immer athletischer. Wurden ursprünglich nur gerade Stöße "gezählt" (Armstreckung, durch Beinbewegungen wie Ausfall etc. wird "Mensur" d.h. Distanz verkleinert) sind im modernen Sportfechten auch hiebähnliche Bewegungen üblich. Allerdings sind diese Treffer umstritten, da als Voraussetzung für das Erlangen des Angriffsrechts eine Bedrohung des Gegners durch einen gestreckten Arm vorliegen muss, was bei "Peitschenbewegungen" oft nicht gegeben ist. Seit der 2004 verabschiedeten Änderung im Reglement sind diese "Coupes" selten geworden. Bei "Bingos" ist die Kontaktzeit so kurz, dass sie nicht mehr als Treffer angezeigt werden können. René Roch, der diese Änderung durchsetzte, geriet dadurch in Kritik, da man die Änderungen als rückschrittlich empfand und viele Sportfechter ihren Stil dadurch ändern mussten.
Beim Florett gibt es im Gegensatz zum Degen keine Doppeltreffer.
Der Degen ist wie das Florett eine reine Stoßwaffe. Trefferflaeche_Degen.png Der ganze Körper ist gültige Trefferfläche.
Trefferflaeche_Saebel.png Der Säbel ist eine Hieb- und Stoßwaffe, d.h. Treffer können mit der (stumpfen) Klingenschärfe gesetzt werden. Die Trefferfläche ist der gesamte Oberkörper inkl. Kopf und Arm (bis zum Handgelenk), wobei allerdings der Schritt im Gegensatz zum Florett ausgeklammert ist, das heißt die Trefferfläche horizontal an der Hüfte endet.
Das Säbelfechten ist in der Regel noch schneller als mit dem Florett. Treffer fallen oft schon nach wenigen Sekunden. Wie beim Florett gibt ein Angriffsrecht. Ungültige Treffer werden nicht angezeigt, so dass z.B. bei einem Treffer auf ein Bein das Gefecht nicht unterbrochen wird.
Der Säbel ist ähnlich aufgebaut wie die beiden obigen Waffen, hat aber keine Spitze mit beweglichem Kopf als Treffersensor, sondern die Klinge läuft in einer Rundbiegung aus. Die Säbelklinge hat einen annähernd rechteckigen Querschnitt, benötigt aber keine eingeklebte Litze, sondern ist als ganze elektrisch leitend, damit gültige Treffer angezeigt werden können.
Die Säbelglocke ist anders geschnitten und eher halbkugelförmig um die Hand nach unten herumgezogen als die tellerartigen Glocken der beiden anderen Waffen.
Für den Säbel gibt es nur eine, dem französischen Griff ähnliche, Griffart.
Analog zum Florett gilt es auch im Säbelfechten das Angriffsrecht zu erlangen, bevor ein Treffer gesetzt wird. Zusätzlich ist, und das ist von allen Fechtwaffen nur beim Säbel so, kein Kreuzschritt erlaubt. Zu dieser Maßnahme wurde gegriffen, da Säbelgefechte immer schneller wurden und ein vernünftiger Kampfaufbau nicht mehr gewährleistet war.
Die Bahn ist aus einem Metallgeflecht hergestellt welches verhindern soll, dass bei einem Gefecht Bodentreffer gezählt werden. Die Matte ist 12-14 Meter lang und zwischen 1,50 - 2,00 Meter breit. Die Startlinie ist jeweils 2 m von der Mittellinie entfernt. Die Endlinie (bei deren Überschreitung es Straftreffer gibt) ist 7 m von der Mittellinie bzw. 5 m von der jeweiligen Startlinie entfernt. Bei seitlichem Verlassen darf der gegnerische Fechter einen Meter vorgehen; der schuldige Fechter hat sich so aufzustellen , dass sich die Klingenspitzen bei gestrecktem Arm nicht berühren dürfen.
Wenn ein Fechter seinen Gegner mit einer bestimmten Kraft trifft wird ein Kontakt geschlossen, der beim Meldegerät ein Licht- bzw. Tonsignal auslöst. Treffer auf der gültigen Trefferfläche werden mit einer farbigen (rot/grün), Treffer außerhalb mit einer weißen Lampe angezeigt. Der Kampfrichter (Obmann) beobachtet Fechter und Anzeigegerät, um zu entscheiden wer einen gültigen Treffer gesetzt hat.
Für die elektrische Anzeige bei Florett und Säbel wird ein elektrisch leitfähiges Material benötigt, dass die gültige Trefferfläche abdeckt. Florettfechter tragen eine Weste, die Rumpf, Säbelfechter, die Rumpf, Arme und Maske bedeckt. Der Kontakt geht über Melder, Rolle, Körperkabel zur Waffe. Degen und Florett haben an der Spitze einen Schalter, der den Stromkreis schließt.
Dabei werden die Teilnehmer zunächst in Gruppen aufgeteilt, wobei auf Meisterschaften etc. direkt Qualifizierte später dazu stoßen können. Der Erstgenannte steht immer rechts vom Obmann, "Linkser" links vom Obmann. Siehe Bild am Artikelanfang.
Während des Gefechtes darf die Bahn nicht verlassen werden. Vor Antritt erfolgt eine Begrüßung, nach Gefecht ist es üblich, sich die Hand zu reichen.
Jüngere Fechter, als 9 Jährige, sind laut Sportordnung nicht zugelassen. Zudem wird auf vielen Turnieren die Seniorenklasse noch weiter aufgeteilt:
Bei Gleichstand wird ein Vorteil ausgelost und das Gefecht um eine Minute verlängert. Ein Treffer beendet das Gefecht, nur Doppeltreffer im Degen werden nicht gewertet. Falls in der Verlängerung kein Treffer erzielt wird, erhält der Fechter mit dem Vorteil den Sieg zugesprochen. In den Altersklassen der Senioren existiert keine Vorteilsregelung. Das Gefecht wird so lange weitergeführt, bis ein Treffer fällt.
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