Die Experimentelle Archäologie ist ein Spezialgebiet der Archäologie. Sie versucht Lebensweise und Techniken der Vergangenheit zu erforschen, indem sie diese nachbildet und zur Anwendung bringt.
Ansatz
Die klassischen archäologischen und geschichtswissenschaftlichen Methoden gewinnen ihre Erkenntnisse durch Beobachtung und Interpretation von Funden und Fundstätten. Die experimentelle Archäologie versucht diese Erkenntnisse durch Erfahrungswerte zu vertiefen.
Anhand von Fundstücken, Malereien und Texten wird versucht die Arbeitstechniken der Vergangenheit zu erschließen. Diese Erkenntnisse werden dann von Archäologen und Handwerkern angewandt, um Artefakte nachzubilden, die ihren historischen Vorgängern möglichst ähnlich sind. In der Anwendung dieser Nachbildungen wird der technische Stand vergangener Epochen erfahrbar.
Zum Beispiel wurde mit dem Nachbau
mittelalterlicher Langbogen deren enorme Durchschlagskraft bewiesen. Nachbauten antiker griechischer Brennöfen verdeutlichten die Effizienz und Methodik des
antiken Töpferhandwerks.
Berühmte Beispiele
Die Reisen von
Thor Heyerdahl sind ein bekanntes Beispiel für experimentelle Archäologie. Heyerdahl baute unter anderem ein Floß (die
Kon-Tiki) und besegelte damit den
Pazifik.
Mit den Schilfbooten Ra I und Ra II versuchte er von
Afrika nach
Amerika zu reisen. Mit diesen Unternehmungen bewies er experimentell die Haltbarkeit und Seetüchtigkeit dieser frühen Schiffstypen.
Ein bekanntes bauarchäologisches Experiment ist das Erdwerk von Overton Down in Südengland. Dort wurde ein künstlicher Erdwall angelegt, in dem verschiedene Materialien eingegraben sind. Seit der Errichtung 1960 wird beobachtet wie die Erosion die Gestalt des Walls verändert und in Ausgrabungen wird der Verfall der eingebrachten Stoffe beobachtet. Als Langzeitprojekt soll Overton Down nützliche Erkenntnisse über Funderhalt und Erosion erbringen, die in zukünftigen Ausgrabungen angewandt werden sollen. Ein weiteres Beispiel ist die gleichfalls in Großbritannien gelegene Butser Ancient Farm.
Experimentalarchäologie in der Lehre
In Deutschland bieten archäologische Institute den Studierenden gelegentlich Kurse in
Bronzeguss,
Töpferei, Vasenmalerei und anderen Handwerkstechniken an. So soll ein lebendigeres Bild des Studienobjekts und ein besseres Verständnis für das Leben in der Vergangenheit entstehen. Museumspädagogisch ist der experimentalarchäologische Ansatz ebenfalls im Einsatz. Ein Beispiel soll hier das
Römermuseum in
Haltern sein. Dort kann das Marschgepäck eines
Legionärs geschultert werden, eine Erfahrung die Respekt vor den Marschleistungen der Römer aufkommen lässt.
Literatur
- Experimentelle Archäologie in Deutschland. Isensee, Oldenburg 1990, ISBN 3-920557-88-3
Weblinks
- EXARC - Zusammenschluss europäischer Institutionen zur Experimentellen Archäologoie.
- Archäologie-Online - Linksammlung zu Webseiten zum Tema Experimentelle Archäologie.
- tempora-nostra.de Beispiele mittelalterlicher Rekonstruktionen und Nachbauten von Gewändern, Schuen, Zelten und einer Schmiede
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