Elektronische Musik (früher auch Elektronenmusik genannt) bezeichnet Musik, die (nicht notwendigerweise ausschließlich) mit elektronischen Geräten erzeugt oder transformiert wurde.
Im strengen Sinn umfasst der Begriff ausschließlich Musik, deren Klangsynthese mit Hilfe elektronischer Instrumente und Komponenten (Synthesizer, Sampler, Sequenzer, Computer, Drumcomputer) stattgefunden hat. Da sich mit Hilfe elektronischer Effektgeräte Klänge teilweise extrem transformieren lassen, zählt in diesem Sinne bearbeitete Musik gelegentlich auch zur elektronischen Musik.
Die Geschichte der elektronischen Musik ist eng an die Geschichte der elektronischen Klangerzeugung (Instrumente, Apparate) gekoppelt.
Das früheste bekannte vollständig elektronische Instrument war das von Thaddeus Cahill 1897 entwickelte Teleharmonium oder Dynamophon. Es wog 200 Tonnen und war so groß wie ein Güterwaggon, was seine praktische Verwendbarkeit sehr einschränkte. Daher wird das erste 'benutzbare' elektronische Instrument dem russischen Physikprofessor Leon Theremin zugeschrieben, der 1919 das nach ihm benannte und heute noch gespielte Theremin erfand.
Eine vom Theremin inspirierte Erfindung waren die von Maurice Martenot 1928 konstruierten Ondes Martenot, welche u.a. von Olivier Messiaen in seiner Turangalîla-Symphonie benutzt wurden. Die Entwicklung des Vocoders findet anschließend in den 30er-Jahren statt. 1939 erlebte die erste Komposition der elektronischen Musik ihre Uraufführung in Seattle, Imaginary Landscape No. 1 von John Cage.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die elektronische Musik von den zeitgenössischen Komponisten aufgegriffen, die darin ein interessantes neues Medium - teilweise zur Erweiterung der Möglichkeiten traditioneller Instrumente - sahen. Einen ersten Schub erlebten die elektronische Kompositionen um 1948 mit der Entwicklung der Musique concrète und Tonbandmaschinen. Tatsächlich handelt es sich hierbei im engeren Sinne nicht um echte elektronische Musik, da nur Aufnahmen nichtelektronischen Ursprungs verarbeitet werden. Die Entwicklung einer originär elektronischen Musik beginnt mit der Verfügbarkeit der ersten einfachen analogen elektronischen Instrumente, die de facto zunächst Laborgeräte der Elektrotechnik (Sinusgeneratoren) waren, noch beschleunigt/unterstützt. Die ersten Werke der Musique concrète stammten von Pierre Schaeffer, der später mit solchen Avantgardemusikern wie Pierre Henry, Pierre Boulez und Karlheinz Stockhausen zusammen arbeitete. Stockhausen wirkte viele Jahre lang im Kölner Studio für Elektronische Musik, wo er elektronisch erzeugte Klänge mit Musik von konventionellen Orchestern kombinierte. Von großer Bedeutung ist auch die sich aus der elektronischen Musik abspaltende Computermusik.
Ron Grainer und Delia Darbyshire vom Radiophonic Workshop, der Abteilung für Spezialeffekte beim BBC, kreierten 1963 eine der ersten elektronischen Erkennungsmelodien des Fernsehens mit ihrer Musik für die Serie Doctor Who.
Die ersten Schritte der elektronischen Musik waren noch der Kunstmusik zuzurechnen, so war die erste vollständig elektronisch erzeugte Schallplatte Morton Subotnicks Silver Apples of the Moon. Rasch aber wurden diese Einflüsse auch von der Populärmusik aufgegriffen. In den späten 60er-Jahren trug Walter Carlos mit zwei bemerkenswerten Alben zur Popularisierung der elektronischen Musik bei: The well-tempered synthesizer und Switched-on Bach. Auf beiden wird Barockmusik auf Moog-Synthesizern dargeboten.
Mit fortschreitender technischer Entwicklung wurden Synthesizer immer billiger, robuster und vor allem tragbarer, so dass sie bald von Rockbands genutzt wurden. In Vorreiterrollen befanden sich solche Bands wie The United States of America, The Silver Apples und Pink Floyd. Mit Ausnahme der Silver Apples war die Musik dieser Bands nicht rein elektronisch, besaß aber einen wesentlich elektronisch geprägten Sound.
In den 70er-Jahren wurde im Jazzrock elektrisch verstärkte akustische Instrumente in Kombination mit Synthesizer durch Gruppen wie Weather Report popularisiert.
Besonders deutsche Bands wie Tangerine Dream, Neu, Cluster oder La Düsseldorf, aber auch Musiker wie Klaus Schulze, Robert Schroeder, Jean-Michel Jarre und einige Produzenten von Disco-Music nahmen sich jedoch auch einer ersten Auslotung einer rein elektronisch erzeugten Musik an. Herausragend unter ihnen waren Kraftwerk, sie leisteten Pionierarbeit für kommende Stile wie EBM, Industrial, Hip-Hop, House und Techno.
In den 80er-Jahren fand die elektronische Musik dann Eingang in die allgemeine Popmusik. Das bis dahin übliche Schlagzeug zur Rhythmus-Erzeugung wurde mehr und mehr durch den Einsatz von Drumcomputern abgelöst. Während der Einsatz von Synthesizern gegenüber den 70er-Jahren wieder zurückging, entwickelten sich mehr und mehr Musikstile, die sich besonders durch elektronische Rhythmen definierten, besonders im Bereich des New Wave (Electro Wave). Bands wie Moskwa TV, OFF, 16Bit und CCCP prägten zudem den Sound Of Frankfurt und feierten mehrere Chartserfolge.
Noch relativ unbemerkt entstand in dieser Zeit auch in Chicago durch Weiterentwicklung der Disco-Musik der sog. House-Stil (benannt nach der Diskothek Warehouse). Hierbei wurde erstmals ausschließlich elektronischer erzeugter Beat benutzt und ineinander gemischt. Hieraus entwickelte sich dann ab Mitte der 1980er ausgehend von Detroit Techno, bei dem sehr monotone Beats eingesetzt werden, insbesondere durch Mithilfe von Juan Atkins, Kevin Saunderson, Derrick May, Jeff Mills und Richie Hawtin. Seine Hochzeit erlebte Techno dann Mitte der 90er-Jahre. Ab hier entstanden zahlreiche Unterarten, wie Acid, Minimal Techno, Schranz oder Goa.
Ende der 90er-Jahre hielt die elektronische Musik dann auch letztendlich Einzug in die bis dahin oft konservativ verteidigten Bastionen des klassischen Rock. Bands wie Radiohead oder Tortoise verarbeiteten elektronische Elemente in Strukturen des klassischen Songwritings und trugen viel zur Re-Etablierung elektronischer Musik außerhalb der Techno-Szene bei.
Daneben bietet die elektronische Musik aber immer noch ein breites Experimentierfeld für Komponisten wie Asmus Tietchens, die neue Klänge entwickeln und diese mit adäquaten Strukturen zu einer einzigartigen Synthese verbinden.
Die zeitgenössische elektronische Musik bietet eine Vielfalt an unterschiedlichen Genres und zahlreichen Subgenres. Aufgeteilt wird sie je nach Musikcharakter in die in Diskotheken und Clubs zum Tanzen aufgelegte Elektronische Tanzmusik sowie so genannter Lounge- oder Ambient-Musik, die als entspannende Hintergrundmusik für Bars oder ruhige Aktivitäten zu Hause verwendet werden kann. Es gibt auch Mischformen wie beispielsweise den Trip Hop, der für beide Zwecke geeignet erscheint. Weiterhin gibt es die elektronischen Musikstücke der so genannten E-Musik, die zur sogenannten Autonomen Musik gerechnet werden, die also keinen bestimmten Zweck wie etwa Tanz und Entspannung verfolgen, sondern als reines "Musikerlebnis" gedacht sind. Elektronische Musik wird aber auch im modernen Musiktheater verwendet, sowohl in ihrer "ernsten" als auch in ihrer "populären" Variante.
Bekannte Stile sind beispielsweise: 2Step, Ambient, Big Beat, Breakbeat, Clicks & Cuts, Downbeat, Drum and Bass, Dub, EBM, Electronica, Electronic Rock, Electroclash, Electropunk, Future Pop, Garage House, Detroit Techno, Ghetto Tech, Glitch, Goa, Hardcore Techno, House, Intelligent Dance Music (IDM), Indietronic, Industrial, Jungle, Noise, Neo Pop, Schranz, Techno, Trance, Trip Hop (auch Bristol Sound genannt), Hard Techno, Speedcore, Tech House
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