Ehrenamt bezeichnet ein (öffentliches) unbezahltes Amt: traditionelles Ehrenamt, (siehe Schöffe); (Freiwilligenarbeit)... und es ist bürgerschaftliches Engagement.
Im Sinne der Sozialen Dreigliederung (Trilektik) ist das Ehrenamt wesentlich für den Dritten Sektor Zivilgesellschaft als kulturelle Ausgleichskraft zu Staat und Wirtschaft.
Die erste und damit älteste Organisation, die ehrenamtliches Engagement in Deutschland fördert und fordert, ist die Aktion Gemeinsinn e.V. in Bonn (1957 nach Kontaktaufnahmen mit einem amerikanischen Vorbild, National Advertising Council, auf einer Spezialtagung über Werbung und Ethik in der Evangelischen Akademie Bad Boll gegründet).
In Deutschland blühen viele neue Formen ehrenamtlichen Engagements auf, heute im öffentlichen Leben unverzichtbar: Jeder dritte engagiert sich ehrenamtlich (siehe Ergebnisse vom Freiwilligensurvey oder der Enquête-Kommission zum bürgerschaftlichen Engagement). Das ist aber mindestens so schwer zu definieren wie Arbeit.
Ehrenamtliche nennt man Mitarbeiter von Organisationen, kirchlichen Vereinen, sozialen Diensten oder staatlichen Organen (z.B. Gemeinden), die ihre Tätigkeit (im Gegensatz zur Erwerbsarbeit) ohne Bezahlung verrichten. Eine spezielle Form der ehrenamtlichen Tätigkeit im länderübergreifenden Sinn ist der Honorarkonsul.
Aus dem bürgerschaftlichen Engagement in der Zivilgesellschaft entstehen immer häufiger Projekte in Initiativen, Vereinen oder nichtstaatlichen Organisationen (auch engl. NGO - "non governmental organisation"). Sie ergreifen Eigeninitiative, und arbeiten meist auf ehrenamtlicher Basis regierungsunabhängig. Diese Tätigkeiten sind breit gefächert und reichen von lokalem Engagement bis hin zu globalem Engagement wie Entwicklungshilfe (zum Beispiel Bau von Solaranlagen in Kuba).
Netzwerke
Verschiedene Vereine und Verbände haben sich zu
Netzwerken zusammengeschlossen, um die Möglichkeiten und die rechtlichen Rahmenbedingungen für freiwillige Arbeit zu verbessern. Sie bieten auch Plattformen für Kommunikation und Informationsaustausch und binden Wissenschaft und Forschung ein, die sich mit Rahmenbedingungen und Wandel des Ehrenamtes im Dritten Sektor befasst und inzwischen auch eine umfangreiche Literatur zum Themenfeld hervorgebracht hat. Weiterhin gründeten sich in jüngster Zeit Projektbüros und lokale Netzwerke, die auch Beratungsangebote für Ehrenamtliche vorhalten. Eine Variante des Ehrenamtes ist beispielsweise die Arbeit in
Selbsthilfegruppen - zugleich eher ein Fall von gegenseitiger Hilfe (was in die schwierige Definition von wer hilft wem, was ist Freundschaft, was Ehrenamt... hinein reicht).
Rolle von Ehrenamt in Deutschland
Manche Dienste könnten in Deutschland ohne Ehrenamtliche kaum mehr existieren. Dazu zählen (neben Betreuung von Kindern und alten Menschen):
Tierschutz,
Berghütten,
Bewährungshilfe,
Telefonseelsorge,
Caritas und
Diakonie,
Hilfsorganisationen,
Umsonstladen, viele
Spitäler,
Altenheime wie
Grüne Damen und Herren und
Behinderteneinrichtungen,
Sport- und andere
Vereine. Die
Freiwilligen Feuerwehren, wichtigste Stütze der aktiven Gefahrenabwehr in Deutschland, bestehen ausschließlich aus ehrenamtlichen Mitgliedern. Auch den
Katastrophenschutz der Bundesrepublik Deutschland gewährleisten größtenteils ehrenamtliche Kräfte.
Da außer dem Verlust des jeweiligem Gehaltes auch noch immens hohe Kosten wie für die Ausbildung zu einem Rettungshelfer (bei Hilfsorganisationen) auftreten können, überdies bezahlte Stellen vielerorts fehlen, werden trotzdem Ämter über längere Zeit betrieben, und sogar in manchen Fällen zur Lebensaufgabe gemacht.
Das Jahr 2001 war das internationale Jahr der Freiwilligen mit zahlreichen Aktionen auf Bundes- und Landesebene. Bund, Länder aber auch Kommunen versuchen auf vielfältige Weise, die Freiwilligenarbeit bzw. das Ehrenamt zu stärken. Dies geschieht häufig durch die Gründung von Freiwilligenagenturen, die unter anderem bei der Vermittlung von Engagement behilflich sind.
Auch wenn sich in Deutschland Nester des Ehrenamts, Milieus wie Gewerkschaften und Kirchen im sehr langfristigen Trend auflösen, sind langfristige Bindungen an Ehrenämter üblich. Fachleute sehen hier Hinderungsgründe, verglichen mit den USA, wo sich öfter nur für bestimmte Projekte leichter Freiwillige finden. Beispielsweise, um als Firma an einem Wochenende eine bestimmte Schule anzustreichen. Die Definition des Ehrenamtes schließt oft auch die unbezahlte Familienarbeit mit alten Angehörigen ein und in den USA auch Teilnehmer an einem freiwilligen Jahr, die bis hin zu mehreren hundert Dollar Entschädigung bekommen können. In Deutschland gibt es ähnliches wohl auch, allein "nur" Unterkunft, Verpflegung und Versicherung plus Taschengeld sind recht viel.
Internet und Neue Medien
Auch die Arbeit vieler
Open Source- und
Open Content-Projekte wie beispielsweise der
Wikipedia wird zum größten Teil ehrenamtlich geleistet und stellt so eine neue Form von bürgerschaftlichem Engagement dar; denn es entstehen öffentliche Güter in Form von freier Software und freien Inhalten, die allen unentgeltlich zur Verfügung stehen.
Kritik
Kritisch ist der Stellenwert ehrenamtlicher Arbeit in der gesellschaftlichen Gegenwartssituation zu betrachten. Einerseits liegt die Vermutung nahe, dass unbezahlte Arbeit bei ständig steigender Verschuldung der öffentlichen Haushalte und steigenden Kosten im sozialen und Gesundheitsbereich einiges von den nicht mehr bezahlbaren Aufgaben übernehmen soll, die in den letzten Jahrzehnten in den Bereich staatlicher Fürsorge fielen.
So wurden beispielsweise Sozialleistungen für
kognitiv beeinträchtigte Personen in England mit der Begründung, die Versorgung würde durch ehrenamtliches Engagement kostengünstiger und selbständig organisiert, massiv gekürzt. Es können jedoch nicht alle sozialen Aufgaben ehrenamtlich organisiert werden, was sich in diesem Fall gezeigt hat. Eine aktuelle Entwicklung in Deutschland ist, arbeitslose Menschen, die ein Ehrenamt inne haben, aus der Arbeitslosenstatistik herauszurechnen.
Nur institionalisierte Ehrenämter haben auch Vergünstigungen wie Fahrgeld, regional Ehrenamtscards (so genannt in Hessen) für
kostenlose oder
ermässigte
Eintritte in Museen etc.
Kritik an sozialwissenschaftlicher Forschung über Ehrenamt ist die schwere Definierbarkeit. Bürger, die in Vereinen oder Verbänden engagiert sind, spenden in Deutschland häufiger und mehr als andere (s. u.) - doch viele sind ehrenamtlich außerhalb von Vereinen oder Verbänden tätig. (Stichworte:
informelles Ehrenamt, Unterschied
Freundschaft verso einseitige
Helferbeziehung....)
Es wird oft vergessen, dass Arbeitslosigkeit, einschließlich Gering(st)verdienst kraftlos und unmotiviert machen kann, zumal wo ungünstige, desintegrierende Umstände hinzu kommen.
Eine u. U. hoch dotierte Lohnarbeit kann bei Stress wie Mobbing und sonstiger Überlastung auch, erst recht, krank machen. Flapsig "für lau" zu arbeiten, klingt halbwegs zufrieden (d.n h., macht wohl "Spass", (mehr) materieller Ausgleich wäre angemessen. Auch eine Bezahlung stabilisiert an einer sinnvollen Tätigkeit und das Gefühl, unabhängig zu sein (sowie bei sonst womöglich als zu klein empfundener Pension keinem auf der Tasche zu liegen).
Wer ein Ehrenamt hat, Zeitspende, ist auch finanziell großzügiger. So eine Studie des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). Der Anteil der Spendensumme am Jahresnettoeinkommen ist indes weit unter dem Durchschnitt. Den Rahmen der Studie bildet ein vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördertes Projekt, Teilergebnisse am 18. November 2005 im WZB auf einer Fachtagung über den Aufbau einer nationalen Spendenberichterstattung.
Für aktuelle und differenzierte Angaben zum Spendenwesen wird eine ständige Spendenberichterstattung gefordert (wie in den USA, Großbritannien oder Kanada, mit verlässlichen Angaben über Spenden bis hin zu den Spendern, für eine aktive Zivilgesellschaft noch wichtiger).
Verstärktes bürgerschaftliches Engagement kann zur Stärkung des schwindenden Sozialkapitals, zum Empowerment des Individuums und zu einer neuen politisch gefärbten Kultur des "Einmischens" und Mitgestaltens in Gesellschaft, Kultur und Umwelt führen (siehe auch partizipatorische Demokratie), die einer mit dem Versprechen der staatlichen Rundumversorgung entstandenen Konsum- und Anspruchshaltung und ihrer Folgen entgegenwirkt.
Sie dienten früher dem Einstieg in eine bezahlte, laufen inzwischen oft auf ehrenamtliche Tätigkeit hinaus: "
Generation Praktikum" steht für erhebliches Ansteigen des in manchen Branchen langfristigen Trends: für viel zu viele Bewerber ist viel zu wenig bezahlte Arbeit da. Stichworte etwa: das Heer arbeitsloser Akademiker, Honorare beispielsweise für (freie)
Übersetzer,
Journalisten, in
Malerei,
Kleinverlag liegen oft in der Tiefe von Praktikantenvergütungen.
Dabei wirkt überhaupt zu praktizieren den psychischen Folgen von
Arbeitslosigkeit entgegen.
Siehe auch
Literatur
- Igel/Jachmann/Eichenhofer: Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement im Recht; Opladen 2002, ISBN 3-8100-3575-0
- Landes-Ehrenamtsagentur Hessen (sic), Stephan Würz (Hrsg.): Freiwilligenarbeit in den USA. Dokumentation der Fachexkursion im Mai 2004. ISBN 3-00-015822-7 (auch mit amerikanischen links und Literaturnachweisen) <- Link defekt??? Der hier geht
Weblinks
- http://www.gemeinsinn.de - Aktion Gemeinsinn e.V.: Ehrenamt
- http://www.katholisch.de/2627_4127.htm - katholische Kirche in Deutschland: Ehrenamt
- http://www.ehrenamt-caritas.de - Datenbank zu ehrenamtlichen Projekten der Caritas in Nordrhein-Westfalen
- http://www.ehrenamt.de.vu/ - Interessante Seite zum Ehrenamt mit sehr vielen Informationen
- http://www.jugendbeteiligung.info/ - bundesweites Netzwerk von aktiven Jugendliche für aktive Jugendliche
- http://www.b-b-e.de/ - Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement
- http://www.buergergesellschaft.de/ - "Wegweiser Bürgergesellschaft", Stiftung Mitarbeit, Bonn
- http://www.engagement-macht-stark.de/ - Die Woche des Bürgerschaftliches Engagements 2004
- http://www.freiwillig.de/ - Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement
- http://www.aktive-buergerschaft.de/ - Kompetenzzentrum für Theorie und Praxis der
- http://www.bagfa.de
Bürgergesellschaft
- http://www.buergergesellschaft.de, Wegweiser Bürgergesellschaft, Stiftung Mitarbeit, Bonn
- http://www.ehrenamt.de/ - Akademie für Ehrenamtlichkeit Deutschland
- http://www.buerger-fuer-buerger.de/ - Stiftung Bürger für Bürger
- http://www.jugendfreiwilligendienste.org/ - Jugendfreiwilligendienst
- http://www.thw.de/ - Technisches Hilfswerk
- Katastrophenschutz e.V. - Verein zur Optimierung des Katastrophenschutzes und Rettungswesens
- http://www.worldone.de.tp/ - Definitionen, Instrumente, Initiativen im Bereich Buergerschaftliches Engagement von Unternehmen, Corporate Citizenship (CC) und Corporate Social Responsibility (CSR)
International
- http://www.volunteermatch.com (Freiwilligenbörse USA)
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