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Drift ist eine langsame, meist kontinuierliche Änderung von einem Ausgangszustand zu einem neuen Zustand.

Im früheren Sprachgebrauch war „Drift“ gleichbedeutend mit

  • „Treiben“ (linguistisch verwandt) und mit
  • ziellosem „Sich treibenlassen“ oder
  • getrieben werden (beispielsweise in einen Krieg).
Das Wort bedeutet auch Mit der zunehmenden Technisierung kam es darüber hinaus zu den unten angeführten speziellen Bedeutungen:

Physik, Elektrotechnik und Telekommunikation


In der Telekommunikation bezeichnet man als Drift eine verhältnismäßig langsame Änderung eines Wertes oder einer Eigenschaft eines Systems oder einer Einrichtung. Beispielsweise gibt es die Frequenzdrift und die Drift der Ausgangsspannung. Die Drift kann in eine Richtung gehen, aber auch in Richtung des ursprünglichen Zustandes zurückführen, sie kann zyklisch sein, sie kann von Umgebungsbedingungen (Temperatur, Luftfeuchtigkeit) oder von der Bauelementealterung abhängen. Der Drift ist normalerweise unerwünscht. Insbesondere zu berücksichtigen ist Drift bei der Kalibrierung (z.B. bei der Festlegung eines Nullpunkts) von Geräten. Unerwünschte Drift verschiebt diesen Punkt. Der Effekt wird um so größer, je näher am Nullpunkt gemessen wird (z.B. bei großen Vergrößerungen oder Verstärkungen). Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Nullpunktdrift.

(Ausgangspunkt für den Abschnitt Telekommunikation ist: * )

In der Physik wird auch die Bewegung der Ladungsträger unter dem Einfluss des elektrischen Feldes als Drift bezeichnet.

Sprachdrift


In der Linguistik bezeichnet man als Drift die langsame Änderung einer Sprache beziehungsweise eines Dialektes, die bis zur Herausbildung einer eigenständigen Sprache führen kann (s. Sprachenentstehung). Obwohl die Sprachänderungen zunächst zufällig scheinen, gehen sie doch oft in eine bestimmte Richtung. Beispiele sind die Lautverschiebungen.

Eine sprachliche Änderung kann sich auch von einem bestimmten Gebiet ausbreiten und allmählich zu einer charakteristischen Erscheinung werden. So beobachten wir zur Zeit eine zunehmende Verbreitung des Wortes Lauch, anstelle des Wortes Porree. Es gibt die Tendenz, dass die deutsche Sprache mehr und mehr englische Wörter aufnimmt. Der sich entwickelnde Sprachgebrauch kennt auch eine Drift der Bedeutung einzelner Wörter in Richtung Bedeutungsverengung oder Bedeutungserweiterung.

Kontinentaldrift


Die extrem langsame Bewegung bei der Kontinentaldrift führte während der vergangenen 200 - 300 Millionen Jahre vom Superkontinent Pangäa zur heutigen Form der Kontinente. Das Auseinanderdriften der Lithosphärenplatten hält weiterhin an, kann aber wegen seiner Langsamkeit nicht unmittelbar wahrgenommen werden. Allerdings sind Erdbeben und Vulkanismus Auswirkungen der Spannungen in der Erdkruste, die die durch diese Bewegung entstehen.
Mit Methoden der globalen Geodäsie ist die Kontinentaldrift seit etwa 1990 nachweisbar (Bewegungsraten etwa 2-20 cm/Jahr, kennzeichnend für die verschiedenen „Schollen“ der Plattentektonik).

Gendrift


Durch Zufall entstandene genetische Änderungen werden an Nachfolgegenerationen weitergegeben und breiten sich durch Gendrift aus. Dabei ändert sich auch die Verteilung der Gene. Die Gendrift kann phänotypisch bemerkbar sein oder im Verborgenen stattfinden. Befürchtungen gibt es insbesondere, dass durch genetische Manipulationen entstandene Gene sich innerhalb einer Art oder über Arten hinweg durch Gendrift verbreiten.

Fahrzeugdrift


Mercedes AMG CLS 55 - Demonstration of drifting 1a.jpg | Mercedes AMG CLS 55 - Demonstration of drifting 1b.jpg

Driften bezeichnet im Allgemeinen einen Fahrzustand, bei dem sich ein Fahrzeug in einer Kurve seitlich zur eigenen Längsachse bewegt, und somit große Schräglaufwinkel an beiden Achsen gehalten werden. Im weiteren Sinne bezeichnet man auch oft schon das bloße Ausbrechen der Hinterachse als Drift.

Als Fahrtechnik dient sie zumeist nur als Demonstration gekonnter Fahrzeugbeherrschung. Dieser instabilen Fahrzustand stellt für die meisten Fahrzeugführer eine Situation dar, die nur schwer beherrschbar ist und daher oft zu Unfällen führt. Bei modernen Fahrzeugen soll das unbeabsichtigte Driften durch elektronische Fahrerassistenzsysteme vermieden werden.

Gerade im Motorsport auf losem oder glattem Untergrund mit schlechter Reifenhaftung ist es allerdings oftmals unvermeidbar, dass das Fahrzeug sich in der Kurve weit seitwärts bewegt. Der provozierte Drift ist zwar nicht die schnellste Art, eine Kurve zu durchfahren, aber gerade im Rallyesport die sicherste, da hier dem Fahrer die genaue Fahrbahnbeschaffenheit nicht bekannt ist: Der so künstlich erzeugte Zustand der Instabilität erlaubt dem Fahrer viel leichter, eventuelle Steine oder sonstige Hindernisse zu umfahren, als dies mit einer schnelleren Fahrweise "auf Traktion" möglich wäre.

Die Kurvenbahn, auf der sich das Fahrzeug beim Driften bewegt, wird dabei eher vom Gaspedal geregelt, als durch die Lenkung. Mit dem Lenkrad lenkt der Fahrer eigentlich nur gegen - das heißt, er lenkt in die Richtung, in die sich der Wagen tatsächlich bewegt, und versucht so das Fahrzeug stabil zu halten. Wenn dies nicht in einen konstanten Lenkwinkel, sondern eher eine schnelle, andauernde Hin- und Herbewegung des Lenkrads ausartet, spricht man von "Sägen".

Man unterscheidet verschiedene Drifttechniken meistens danach, wie sie eingeleitet werden:

  • Mit der Handbremse: Dies ist bei Fahrzeugen mit Frontantrieb oft die einzige Möglichkeit, einen Drift einzuleiten, wird aber unter Kennern und Könnern oftmals als Anfänger-Technik verpönt. Für enge Drehungen bei niedrigen Geschwindigkeiten ist der Einsatz der Handbremse jedoch unerlässlich. In Rallyefahrzeugen ist er fest eingeplant und die Handbremse dementsprechend als hydraulisches System ausgeführt.

  • Durch Lastwechsel: Heftiges Gaswegnehmen beim Einlenken in die Kurve erhöht die Haftung der Vorderreifen, während die Hinterräder entlastet werden und so Haftung verlieren; die Folge ist Übersteuern, je nach Fahrzeugabstimmung mehr oder weniger stark ausgeprägt.

  • Durch Gangwechsel: Dies funktioniert nur bei Fahrzeugen mit Heckantrieb. Das Motorschleppmoment wird durch einen schnellen, ruppigen Wechsel in einen niedrigeren Gang ohne Zwischengas auf die Hinterräder übertragen. Für einen kurzen Moment blockieren so die Hinterräder ähnlich wie mit der Handbremse.

  • Durch Aufschaukeln des Fahrzeugs: Man lenkt zunächst heftig von der Kurve weg, betätigt dann beim Fahrzeug ohne ABS die Bremse mit voller Gewalt, so dass die Räder blockieren, lenkt in die Kurve ein und lässt die Bremse abrupt wieder los. Die Folge ist, dass die Vorderreifen plötzlich greifen und den Wagen ins Kurveninnere ziehen, während die noch unbelasteten Hinterräder die benötigten Seitenführungskräfte nicht bereitstellen können.

  • Durch schnelles Einfahren in eine Kurve und ganz leichte Gaswegnahme: Das Fahrzeug wird im absoluten Grenzbereich der Reifenhaftung bewegt, hier genügt schon ein kleiner Lastwechsel, um die Haftung der Hinterachse zu verringern und so einen Drift zu provozieren. Durch die hohe Geschwindigkeit und das hohe das Risiko eines Unfalls sind dabei die Anforderungen an das Können des Fahrers am Höchsten.

Allen langsameren Drifts ist gemein, dass sie beim Fahrzeugen mit Heckantrieb durch volle Beschleunigung verlängert werden können (die Hinterreifen werden durch die Antriebskräfte überlastet und drehen durch). Wenn eine Seitwärtsbewegung des Wagens jedoch ausschließlich durch den Druck aufs Gaspedal ausgelöst wird, spricht man von einem Powerslide.

Driften ist inzwischen besonders in Japan und den USA als eigene Motorsportkategorie herangewachsen (bspw. die D1-GP-Serie), die sich bei den Fans großer Beliebtheit erfreut. Mittlerweile findet das Driften immer mehr Anhänger in Europa.

Flugzeugdrift


Eine Abdrift tritt auf, wenn sich ein Flugzeug durch Windeinflüsse nicht in Richtung seiner Längsachse weiterbewegt, sondern leicht versetzt. Der Driftwinkel (zwischen Kurs über Grund und Steuerkurs) hängt vom Verhältnis Eigen- zu Windgeschwindigkeit und der Windrichtung ab.

Umgekehrt wird manchmal auch der umgekehrte Winkel „Drift“ (oder „Vorhaltewinkel“) genannt - die Kurskorrektur, um auftretende Seitenwinde auszugleichen.

Dieses Flugverhalten ist nicht zu verwechseln mit dem Seitengleitflug (oder auch Slip), bei dem die Luft seitwärts über den Flügel strömt.

Seefahrt


In der Seefahrt bezeichnet man die Meeresströmung, die durch ständige Windeinwirkung hervorgerufen wird, und den Weg, den ein frei schwimmender Gegenstand zurücklegt, als Drift. Das seitliche Abkommen vom Kurs nennt sich Abdrift (auch Abtrift).

Physik | Flugsteuerung

Drift (schip) | Drift

 

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