Der Begriff Digitale Kluft, auch Digitale Spaltung (von engl. digital divide) genannt, taucht seit etwa 1996 in der öffentlichen Diskussion auf.
Der Begriff steht für die These bzw. Befürchtung,
Der Begriff Digitale Kluft wird sowohl auf die Unterschiede innerhalb einer Gesellschaft ("Wohlhabende haben mehr Möglichkeiten als Arme" oder "Junge nutzen das Internet häufiger als Alte", "Männer mehr als Frauen") als auch auf internationaler Ebene angewandt ("In Industrieländern bestehen bessere Möglichkeiten als in Entwicklungsländern"). Der Begriff der Digitalen Kluft ist zugleich eine Anlehnung an die sogenannte Wissenskluft.
Die Diskussion um diesen Begriff muss in Zusammenhang mit der seit den 90er Jahren verstärkt vertretenen These gesehen werden, nachdem die allgemeine Entwicklung auf eine Informations- oder gar Wissensgesellschaft zusteuert, in der die Zugriffsmöglichkeit auf und die Beherrschung dieser Technologien in hohem Maße für den persönlichen Erfolg einer Person entscheidend sein sollen.
Der Terminus "Digitale Spaltung" war der Anlass für den UN-Weltgipfel zur Informationsgesellschaft (WSIS) 2003 in Genf und 2005 in Tunis. Dort fand der Begriff "Digitale Spaltung" breite Akzeptanz bei den Vertretern der Zivilgesellschaft und in den offiziellen Dokumenten. Welche Relevanz die digitale Kluft besitzt, ob sie größer oder kleiner wird, ist umstritten. Die Weltbank meldete 2005, die digitale Kluft schrumpfe - bezog sich dabei aber insbesondere auf die Nutzung von Handys.
Das Konzept der Digitalen Kluft ist umstritten. Kritiker bemängeln, dass sich die Digitale Kluft nicht empirisch belegen lasse. Insbesondere werde übersehen, dass die Entwicklungschancen weniger von technischen Gegebenheiten („Anschluss ans Netz“) abhängt, als von den Fähigkeiten der Menschen, mit diesen Techniken umzugehen: Analphabeten nützt auch ein Internetanschluss wenig. Aufgrund solcher Kritik wird der Begriff „Digitale Kluft“ heute längst nicht mehr nur im technischen Sinne (Konnektivität) verstanden. So sprach UN-Generalsekretär Kofi Annan im Zusammenhang mit der Digitalen Kluft auch von einer inhaltlichen Kluft (content divide): „Vieles im Netz geht an den wirklichen Bedürfnissen der Menschen vorbei. Und 70 Prozent der weltweiten Internetseiten sind auf Englisch und verdrängen die regionalen Stimmen und Sichtweisen“, so Annan auf dem Weltgipfel in Genf.
Auch wenn auf dem WSIS-Gipfel die Existenz einer Digitalen Kluft unumstritten war, erzielten die Teilnehmerstaaten keine Einigung darüber, wie diese Kluft überwunden werden soll. Während viele arme Länder einen "Digitalen Solidaritätsfonds" forderten, lehnten ihn die meisten Industriestaaten ab. Auch die deutsche Bundesregierung vertrat auf dem Gipfel die Position, dass die Entwicklung der digitaler Infrastruktur sich von selbst entwickelt - vorausgesetzt, es gibt einen echten Wettbewerb, was in vielen Ländern nicht der Fall ist.
Viele Anhänger der FLOSS-, Open Content- und Open Access-Bewegungen bauen darauf, dass ihre Strömungen zur Minderung der digitalen Spaltung beitragen werden oder bereits beigetragen haben. So erklärt auch Wikipedia-Gründer Jimmy Wales sein Engagement für die freize Enzyklopädie damit, Menschen in armen Ländern freien Zugang zu Wissen zu ermöglichen und auf diese Weise ihre Bildungschancen verbessern zu helfen.
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