Das Telefonalphabet ist ein Mittel, um Wörter möglichst eindeutig buchstabieren zu können, auch wenn die Kommunikation durch Nebengeräusche gestört ist. Es bedient sich dazu längerer, allgemein bekannter Begriffe anstelle von Buchstaben, da sie auch verstümmelt noch zu verstehen sind (Redundanz). Beispiel: "Martha, Anton, Ida, Emil, Richard" statt "Em, A, I, E, Er" für "Maier".
Das Telefonalphabet hat sich im Laufe der Jahrzehnte mehrfach geändert und wird in jeder Sprache aus anderen Begriffen gebildet. Infolge der Verbesserung der Übertragungstechnik bei der Telekommunikation hat es an Bedeutung verloren und wird nur noch selten verwendet.
| A | Anton (Albert) | O | Otto |
|---|---|---|---|
| Ä | Ärger (Änderung) | Ö | Ökonom (Ödipus, Öse) |
| B | Berta (Bruno ...) | P | Paula (Paul) |
| C | Caesar (Citrone) | Q | Quelle |
| Ch | Charlotte | R | Richard |
| D | Dora (David) | S | Siegfried (Samuel) |
| E | Emil | Sch | Schule |
| F | Friedrich (Fritz) | T | Theodor (Toni) |
| G | Gustav | U | Ulrich |
| H | Heinrich (Heinz) | Ü | Übermut (Übel) |
| I | Ida (Isidor) | V | Viktor |
| J | Julius (Jot, Jakob) | W | Wilhelm |
| K | Kaufmann (Konrad, Karl ...) | X | Xanthippe |
| L | Ludwig | Y | Ypsilon (Ypern) |
| M | Martha (Marie) | Z | Zeppelin (Zacharias) |
| N | Nordpol (Nathan) | ||
Die Geschichte des deutschen Telefonalphabets beginnt mit dem Berliner Telefonbuch von 1890. Damals wurden den Buchstaben einfach Zahlen zugeordnet. "Maier" hat man also "Dreizehn, Eins, Neun, Fünf, Achtzehn" buchstabiert. Seit 1903 gibt es dann Namen für Buchstaben – ein Konzept, das sowohl mnemotechnisch überlegen ist als auch dem eigentlichen Zweck besser entspricht: präzise Textinformationen störungstolerant weiterzugeben. "Maier" wird ab 1903 "Marie, Albert, Isidor, Emil, Richard" buchstabiert. Von kleinen Korrekturen und Ergänzungen abgesehen tut sich in den nächsten zwanzig Jahren nicht viel, auch wenn das Militär versucht, sein eigenes, abweichendes Telefonalphabet als allgemeinen Standard durchzusetzen. Das ändert sich 1933 mit einer Postkarte von Joh. Schliemann:
An das Postamt in Rostock i/Mckl. -.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.- In Anbetracht des nationalen Umschwungs in Deutschland halte ich es für nicht mehr angebracht, die in der Buchstabiertabelle des Telefonbuchs aufgeführten jüdischen Namen wie David, Nathan, Samuel etc. noch länger beizubehalten. Ich nehme an, daß sich geeignete deutsche Namen finden lassen. Ich hoffe, in der nächsten Ausgabe des Telefonbuchs meinen Vorschlag berücksichtigt zu sehen. Unterschrift Rostock,22.3.33 Gü./Sta.
Die Karte wird einen Monat später mit dem Begleitschreiben "Anliegend wird ein Schreiben des hiesigen Teilnehmers Joh. Schliemann – 2155/56 – wegen Ausmerzen der in der Buchstabiertafel auf Seite 5 des Fernsprechbuches enthaltenen jüdischen Namen vorgelegt." an die Oberpostdirektion (OPD) Schwerin weitergeleitet.
Einen Tag später gehen die beiden Schreiben an die Oberpostdirektion Berlin – ergänzt um diese Notiz:
Die Angelegenheit landet schließlich am 31. März 1933 auf dem Schreibtisch des Beamten Neugebauer, der einer "Bereinigung" aufgeschlossener gegenübersteht. Er veranlasst den Test "nichtjüdischer" Namen und am 22. April werden die Änderungsvorschläge "Dora, Julius, Nikolaus, Siegfried und Zeppelin" veröffentlicht.
Die befürchteten Reaktionen bleiben nicht aus. Hier die Antwort des OPD auf eine Beschwerde des Reichstagsabgeordneten Jakob Sprenger:
Die im Telefonbuch von 1934 dokumentierten Änderungen sind schließlich diese:
1948 wird das Telefonalphabet offiziell "entnazifiziert" – teilweise jedenfalls. Genauer gesagt bei zwei Buchstaben: Aus "Siegfried" wird wieder "Samuel" und aus "Zeppelin" wieder "Zacharias".
Dafür heißt "Fritz" jetzt wieder "Friedrich", "Heinz" wieder "Heinrich", "Toni" wieder "Theodor", "Bruno" wieder "Berta", "Kurfürst" "Kaufmann" (seit 1950) und "Ypern" wieder "Ypsilon". Die "Öse" wurde zum "Ökonom" und das "Übel" zum "Übermut".
"Erst lesen – dann einschalten. Zur Geschichte der Gebrauchsanleitung", Clemens Schwender: 'S – wie Samuel' (Seiten 70–80). Museum für Post und Kommunikation Berlin, 1997 Zuerst veröffentlicht in: Clemens Schwender: "Wie benutze ich den Fernsprecher – Die Anleitungen zum Telefonieren im Berliner Telefonbuch 1881–1996/97", Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main 1997
Flaggenalphabet, Buchstabieralphabet, Fingeralphabet
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"Deutsches Telefonalphabet".
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