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Ein Boykott ist die organisierte Verweigerung, von einer geächteten Person, Institution oder Nation etwas zu kaufen, zu importieren oder ein anderes Geschäft zu tätigen. Insofern ist ein Boykott eine ökonomische Waffe.

Das Wort Boykott (boykottieren) geht auf Kapitän Charles Cunningham Boycott zurück, einen englischen Grundstücksverwalter in Irland, der einem durch die irische Landliga 1880 organisierten Boykott unterlag.

Geschichte


Historische Boykottaktionen in chronologischer Folge:

Ziele


Ein Boykott kann folgende Ziele verfolgen:
  • den Gegner bloßstellen
  • den Gegner ökonomisch bestrafen
  • Veränderungen oder Reformen erzielen

Boykottformen


Handelsboykott

Bei einem Handelsboykott verweigert eine Nation den Handel mit einem von ihr geächteten Staat oder dessen Wirtschaftsorgane. So hat z. B. der Iran aus Protest gegen die Veröffentlichung der umstrittenen Mohammed-Karikaturen im Februar 2006 einen Handelsboykott gegen Dänemark verhängt. Hierzu setzte der iranische Wirtschaftsminister alle Verträge und Verhandlungen mit dänischen Unternehmen aus (*).

Verbraucherboykott

Verbraucherboykotte sind auf eine langfristige Änderung der Kaufgewohnheiten ausgerichtet. Eine Form des Verbraucherboykotts ist der Ersatz durch ein gleichwertiges Produkt (z. B. Mecca Cola).

Wahlboykott

Wenn eine Wahl oder eine politische Veranstaltung boykottiert wird, z. B. die Verweigerung einer Gruppe bei der Teilnahme an einer Wahl, ist der Boykott eine Form informeller Missbilligung einer Wahl.

Olympiaboykott

Mit dem Schlagwort Olympiaboykott bezeichnet man die Entscheidung einzelner Länder oder Ländergruppen, nicht an den Olympischen Spielen teilzunehmen.

Embargo

Embargo ist Spanisch und bedeutet Beschlagnahme. Embargo ist das Gegenteil von Boykott, das heißt, dass sich in diesem Fall der Verkäufer weigert dem Käufer die Ware zu übergeben bzw. sich einfach nur weigert dem Käufer etwas zu verkaufen, oder er verbietet diesem sein Geschäft zu betreten.

Auswirkungen längerfristiger Boykotte


Ein Boykott ist eigentlich eine einmalige Angelegenheit, die einem besonderen einzelnen Unrecht entgegentreten soll. Einige Boykottmaßnahmen sind jedoch auf eine langfristige Änderung von Kaufgewohnheiten oder politischer Verhältnisse ausgerichtet.

Wenn die Boykottmaßnahme auf einen längeren Zeitabschnitt ausgedehnt wird, oder als Teil eines umfassenden Programms eingesetzt wird, um Veränderungen oder Reformen von Gesetzen oder Regierungen zu erzielen, ist ein Boykott ein Teil von gerechterem Handel oder ein bewusst entschiedener Verzicht, womit bestimmte ökonomische oder politische Bezeichnungen bevorzugt werden sollen.

Die meisten heutigen organisierten Verbraucherboykotte sind auf eine langfristige Änderung ausgerichtet und werden so zum Teil eines größeren politischen Programms. Dieses erfordert längere strukturelle Eingriffe, z.B. die Reform der Märkte oder die Verpflichtung der Regierungen zu gerechterem Handel, woraus sich z.B. der lang anhaltende Boykott südafrikanischer Unternehmen aus Protest gegen die Apartheid ergab. Solche Aktionen weiten die Bedeutung des 'Boykott'begriffs aus.

Kritik


Boykottaktionen werden für ihre Destruktivität und ihre, oft emotionale, Radikalität kritisiert. Auch wird vielen Boykotteuren Unwissenheit und Trittbrettfahrertum hinsichtlich latent vorhandener Feindseligkeiten unterstellt. Während der angespannten Phase vor dem Irak-Krieg wurden z.B. in Europa Ideen populär, die den Boykott amerikanischer Großmarken wie McDonald's oder Coca-Cola propagierten. Hierbei wurde übersehen, dass ungefähr 80% der deutschen McDonald's-Filialen sich in konzernfremden Händen befinden, und dass der Konzern weder am Krieg beteiligt war noch von ihm profitierte. Andere gingen noch weiter und forderten den Boykott alles US-Amerikanischen, wobei hier der Vorwurf des latenten Antiamerikanismus laut wurde. Auch aus volkswirtschaftlicher Sicht ist ein solcher Boykott fraglich, da man in der heutigen globalisierten Welt für einen solch konsequenten Boykott sehr mündig sein und das große Geflecht aus Konzern- und Gewinnbeteiligungen u. ä. Geschäftspraxis überblicken können muss, was praktisch nicht möglich ist.

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