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Bemannte Raumfahrt ist der Sammelbegriff für alle Weltraummissionen, bei der Menschen in Raumschiffen in den Weltraum vorstoßen und nach Ende der Mission unversehrt zur Erde zurückkehren. Zur bemannten Raumfahrt zählen auch die Langzeitaufenthalte der Raumfahrer auf der russischen Mir-Raumstation und der Internationalen Raumstation (ISS). Sind Raumfahrer gezwungen, außerhalb der schützenden Hülle ihres Raumschiffs oder Raumstation zu arbeiten (Weltraumspaziergang), so müssen sie aufwendige Raumanzüge tragen.

Länder


Derzeit gibt es drei Länder, deren Raumfahrtbehörden bemannte Raumfahrtmissionen durchführen können: Russland (Roskosmos), die USA (NASA) und seit kurzem die Volksrepublik China (CNSA). Darüber hinaus sind erste Aktivitäten privater Unternehmen zu beobachten.

Ein chronologischer Überblick ist in der Liste der bemannten Raumfahrtmissionen verzeichnet.

Stellenwert in der Berichterstattung


Bemannte Raumfahrtmissionen haben einen relativ hohen Stellenwert in den Medien und es wird daher im Vergleich zu unbemannten Missionen oft darüber berichtet. Trotzdem haben bemannte Missionen heutzutage keine höhere wissenschaftliche Bedeutung als unbemannte, ferngesteuerte Missionen. Fehlschläge und Unfälle, bei der Astronauten gefährdet oder gar getötet wurden, bleiben der Öffentlichkeit lange im Gedächtnis und sorgen für einen langanhaltenden Imageverlust der Beteiligten.

Notwendigkeit bemannter Missionen


Aufgrund des enormen technischen Aufwands wird diskutiert, ob und wann bemannte Missionen sinnvoll sind. Notwendige Lebenserhaltungssysteme und Rettungssysteme, die das Risiko für die Astronauten minimieren sollen, verursachen erhebliche Kosten. Viele Tätigkeiten, die ein Astronaut vollbringen könnte, wären mit einer teilweise ferngesteuerten Sonde ebenso möglich. Zukünftige Fortschritte in der Robotik und der autonomen Steuerung würden beispielsweise eine weiter ausgedehnte, wissenschaftliche Erforschung des Mars erlauben, ohne dass ein Mensch die Erde verlassen müsste. Andererseits können Menschen im Gegensatz zu Maschinen intelligent und intuitiv handeln. Je nach Missionsart und Missionsziel ist das wiederum ein Vorteil.

Siehe auch: Liste der Weltraumspaziergänge

Geschichte


Kalter Krieg - Wettlauf ins All

Yurigagarin-1961-04-12.jpg Im Zeitalter des Kalten Krieges begann ein zwischen den verfeindeten Großmächten USA und der Sowjetunion ein Wettlauf ins All, zuerst mit unbemannten Flügen, später mit bemannten Starts. Am 12. April 1961 umkreiste Juri Gagarin mit einer Wostok-Raumkapsel als erster Mensch die Erde. Die USA konnten wenige Wochen später, am 5. Mai 1961, im Rahmen des Mercury-Programms einen 16-minütigen suborbitalen Flug von Alan Shepard vorweisen.

1968 flogen dann mit Apollo 7 die ersten Menschen im Rahmen des Apollo-Programms ins Weltall, was schließlich in der ersten bemannten Mondlandung 1969 mit Apollo 11 gipfelte. Danach konzentrierte man sich auf den erdnahen Weltraum. Die Raumstationen Saljut, Mir und Skylab boten den Menschen im All ein bescheidenes Zuhause.

Siehe auch: Geschichte der Raumfahrt, Liste der bemannten Raumfahrtmissionen, Liste bemannter Missionen zur Raumstation Mir

Derzeitiger Stand


Internationale Raumstation (ISS)

Außer in der Volksrepublik China ist die Basis für alle gegenwärtigen Aktivitäten der staatlichen Raumfahrtagenturen die Internationale Raumstation (ISS). Bis zum Unglück der US-Raumfähre Columbia wurde die ISS von den US-Raumfähren und den russischen Sojus-Raumschiffen angeflogen. Nach dem Unglück im Februar 2003 startete zweieinhalb Jahre kein Spaceshuttle mehr, erst im Juli 2005 wurden ein neuer Flug (STS-114) gestartet. Ob die US-Raumfähren in naher Zukunft wieder regelmäßig zur ISS fliegen können, ist noch ungewiss.

Siehe auch: Liste bemannter Missionen zur Internationalen Raumstation, Liste der ISS-Expeditionen

Das veraltete Shuttle-Konzept für kommende Aufgaben

Bereits in der 1970er Jahren erfolgte die Entwicklung der US-Raumfähren, die aber in der Zwischenzeit vom technischen Konzept her als veraltet gelten. Zwar kommen sie nach dem Unglück der Columbia nochmal zum Einsatz, ein Nachfolgesystem ist aber bereits im Planungs- und Entwicklungsstadium. Im Zuge der strategischen und organisatorischen Neuausrichtung der NASA Anfang 2004 werden für die geplanten Mond- und Marsflüge andere Raumfahrzeuge benötigt, außerdem ist die weitere Zukunft der ISS ungewiss.

Siehe auch: Liste der Space-Shuttle-Missionen

Sonderweg China

Einen Sonderweg beschreitet momentan die Volksrepublik China, indem sie eine eigene Infrastruktur im Weltall aufbaut. Der 2003 durchgeführte, bemannte Raumflug wurde zwar größtenteils durch Verwendung eines modifizierten Nachbaus der russischen Sojus-Kapsel ermöglicht, die eigenen Entwicklungen und Programme stehen aber in der Zwischenzeit im Vordergrund.

Weitere Informationen zur chinesischen Raumfahrt: Chinesische Raumfahrt, Shenzhou, Langer Marsch (Rakete), Taikonaut, Chinesische Weltraumbehörde

Privat finanzierte bemannte Raumfahrt

Suborbitale Flüge einzelner Länder oder privater Firmen zählen streng genommen nicht zur bemannten Raumfahrt, da keine Umlaufbahn erreicht wird und es somit keine Weltraummissionen im eigentlichen Sinn sind. Privat finanzierte und entwickelte Raumfahrt jeglicher Art steht erst am Anfang ihrer Entwicklung, wenn auch erste Erfolge, etwa der Flug von SpaceShipOne am 21. Juni 2004, vorzuweisen sind.

Weltraumtourismus

Seit dem Jahr 2001 konnten drei Weltraumtouristen mit zur Internationalen Raumstation (ISS) fliegen. Dabei handelte es sich aber um Ausnahmen, da die Transportkapazitäten zur ISS derzeit begrenzt sind.

Zukünftige Entwicklungen


Da Russland mit seinen Sojus-Raumkapseln nur begrenzte Transportkapazitäten anbieten kann, denkt man in Europa über einen eigenen Raumtransporter nach, der der ESA mehr Unabhängigkeit verleihen würde. Die Entwicklung des anspruchsvollen Hermes-Konzepts wurde aus finanziellen und technischen Schwierigkeiten abgebrochen. Ein neuer Versuch ist der Hopper, eine Raumfähre, die ohne Zuhilfenahme zusätzlicher Raketen eine erdnahe Umlaufbahn erreichen soll. Der maßstabsgetreu verkleinerte Prototyp (Phoenix) wurde in Nordschweden im Mai 2004 erfolgreich getestet. Jedoch wird erst in Zukunft entschieden, ob der Hopper tatsächlich gebaut wird.

Siehe auch: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, EADS

Für den Ausbau der ISS oder den Anflug von Zielen, die über die erdnahe Umlaufbahn hinausgehen, sind jedoch zwingend neue Raumschiffe und Konzepte erforderlich.

Ein von US-Präsident George W. Bush im Januar 2004 verkündetes, strategisches Programm soll Menschen auf den Mond und später bis auf den Mars befördern. Allerdings wären für eine bemannte Marsmission völlig neue Raumschiffe erforderlich, die zunächst zu entwickeln sind. Ein erster Schritt dazu ist der Bau des Crew Exploration Vehicles.

Siehe auch: Bemannter Mondflug nach Apollo

Die ESA entwickelt ebenfalls ein Programm für einen bemannten Flug zum Mars, das Aurora-Programm. Es hat zum Ziel, den Erdmond und den Mars weiter zu erforschen und Vorbereitungen für einen bemannten Marsflug (geplant für das Jahr 2033) zu treffen.

Siehe auch


Weblinks


bemannte Raumfahrtmission

Bemandet rumfart | Human spaceflight | אדם בחלל | Űrrepülés | Misi luar angkasa berawak | 有人宇宙飛行 | Пилотируемый космический полёт | 飞船

 

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