Detail des Ischtar-Tors von Babylon.jpges (Pergamonmuseum, Berlin)]] Babylon (babyl. Babili, hebr. Babel בבל) war als Hauptstadt Babyloniens eine der wichtigsten Städte der Antike. Sie lag am Euphrat, etwa 90 km südlich von Bagdad im heutigen Irak (Provinz Babil). Die Ruinen der Stadt sind, unter anderem von Robert Koldewey, Anfang des 20. Jahrhunderts teilweise ausgegraben worden.
Der Name Babylon leitet sich aus dem akkadischen Wort Bab-ili ab, was Tor Gottes bedeutet. Diese Form ist aber bereits von den Akkadern bzw. Babyloniern falsch verstanden worden und geht sehr wahrscheinlich auf eine heute nicht mehr verstehbare (nicht akkadische) Urform, möglicherweise babbillum zurück. In späterer Zeit wurde dann der akkadische Name bab-ilim graecisiert, wodurch dann das uns heute bekannte Babylon entstand.
Nach dem Zerfall Sumers wurde Babylon im 18. Jahrhundert v. Chr. unter den Amoritern zu einem regionalen Machtzentrum, erlitt allerdings durch einen Feldzug der Hethiter unter Muršili I. (1531 v. Chr.) einen Rückschlag. In der Folge herrschten die Kassiten bis ca. 1160 v. Chr. in Babylon, denen die Elamiter folgten. König Nebukadnezar gelang dann schließlich die Befreiung der Stadt von der langen Fremdherrschaft der Elamiter und sogar die Eroberung der elamitischen Hauptstadt Susa, aus der viele Jahrhunderte zuvor geraubte Statuen und Götterbilder, unter anderem die Statue des Hauptgottes Marduk, zurückgeschafft wurden.
Babylon verlor mit dem Aufstieg Assyriens an Bedeutung und wurde im 7. Jahrhundert zweimal von den Assyrern zerstört. 626 v.Chr. wurde Nabopolassar zum König ausgerufen und besiegte die Assyrer, deren Hauptstadt Ninive er 612 v. Chr. mit Hilfe der Meder zerstörte. Nebukadnezar II., sein Sohn, wehrte eine Invasion der Ägypter ab und regierte über ein Gebiet von Palästina bis an den Persischen Golf. In seiner Regierungszeit stiegen Stadt und Reich zu neuer Blüte auf.
Jedoch währte diese Blütezeit nicht sehr lange. König Nabonid bestieg 550 v. Chr. den Thron Babylons. Er beging den Fehler, nicht mehr Marduk, sondern Sin, den Mondgott, als bevorzugte Gottheit des Königtums anzusehen. Dies führte dazu, dass die Bewohner Babylons den Perserkönig Cyrus II., der sich zu Marduk bekannte, bei dessen Eroberung der Stadt 539 v. Chr. als Befreier empfingen. Cyrus II. entließ dabei auch das Volk der Hebräer aus seinem erzwungenen Exil. Die Eroberung der Stadt durch die Perser kennzeichnet das endgültige Ende des Babylonischen Reiches.
Alexander der Große eroberte die Stadt nach dem Sieg bei Gaugamela und wurde als Befreier begrüßt. Alexander machte Babylon später auch zum Sitz seines Reiches, wo er dann auch am 10. Juni 323 v. Chr. verstarb. In der Zeit der Diadochen gehörte Babylon zum Seleukidenreich, verlor unter deren Herrschaft jedoch viel Macht, als die neue Hauptstadt Seleukia gebaut wurde und viele Bewohner Babylons dorthin umgesiedelt wurden. Im Laufe der Zeit, wahrscheinlich unter parthischer Herrschaft, wurde die Stadt schließlich endgültig verlassen.
Die Stadt war Zentrum Babyloniens, und ist auch durch die Hängenden Gärten der Semiramis, eines der Sieben Weltwunder der Antike, und den berühmten Turm von Babel bekannt.
Die Stadt wurde zwischen 1899 und 1917 vom deutschen Archäologen Robert Koldewey ausgegraben und erforscht. Er fand eine Stadt, deren Ruinen zwar wunderschön waren, die jedoch kaum Kunstwerke bzw. deren Überreste barg.
siehe auch: Altbabylonisches Reich, Neubabylonisches Reich
Koldewey begriff schon bald nach Beginn seiner Ausgrabungen, dass die Größenangaben von Herodot absolut übertrieben waren, auch wenn ihr Umfang von 18 Kilometern immer noch imposant erscheint. Babylon war auf beiden Seiten des Euphrat errichtet. Die Stadt war von zwei Mauerringen umgeben, die im Norden durch eine Festung noch zusätzlich geschützt wurden, die auch die Sommerresidenz des Königs war. Die eigentliche Stadt befand sich jedoch im Inneren der dritten doppelten Befestigungsmauer mit rechteckigem Grundriss. Das wichtigste der acht Tore, das sehr bekannte Ischtar-Tor kann man heute im Berliner Pergamonmuseum bewundern. Eine Prozessionsstraße führte hindurch in die Stadt, vorbei am Palast des Königs zum Marduktempel und dem Zikkurat von Etemenanki, besser bekannt als der Turm von Babel.
Der von Nabopolassar erbaute Palast hat den des assyrischen Königs Sanherib zum Vorbild. Er besaß einen quadratischen Innenhof, drei kleine Privaträume und zwei große Sääle, war also von verhältnismäßig bescheidener Größe. Nebukadnezar II. ließ drei weitere identische Gebäude errichten und sie durch Gänge mit dem ursprünglichen Komplex verbinden; eines von ihnen beinhaltete den Thronsaal des Königs.
Der Tempel des Marduk mit dem Namen Esagila befand sich im heiligen Bezirk Babylons. Das Gebäude war ähnlich wie eine Festung mit quadratischem Umriss aufgebaut. Nach dem Betreten des Tempels kamen die Priester in den Raum, in dem sich die heilige Statue Marduks befand. In dem Heiligtum wurden jedoch auch viele andere Götter verehrt, die alle Marduk dienen sollten. Neben dem Tempel ragte der zuvor bereits angesprochene Turm auf.
Die Herrscher von Babel führten Kriege gegen das Volk Israel und verschleppten große Teile des Volkes in die babylonische Gefangenschaft. Das Buch Daniel der Bibel berichtet darüber. Die Eroberung und endgültige Zerstörung Babylons wurde etwa 200 Jahre zuvor von Jesaja vorausgesagt.
In der von der Offenbarung des Johannes geprägten christlichen Symbolik gilt Babylon als gottesfeindliche Macht und Hort von Sünde und Dekadenz. Martin Luther deutete das ihm verhasste Papsttum als Hure Babylons.
In der von äthiopisch-orthodoxen Einflüssen geprägte Religion der Rastafaris wird der Begriff "Babylon" neben den biblischen Deutungen zusätzlich auch als Synonym für den Ort ihrer Gefangenschaft im kapitalistischen und imperialistischen System der Industriestaaten der westlichen Welt ("shitstem") genannt, wobei die Rastafaris nach der Rückkehr von Babylon ins gelobte Land Zion (Afrika) streben.
Georg Friedrich Händel hat 1745 in seinem Oratorium Belshazzar (deutsch: Belsazar) die Eroberung der Stadt durch Kyros und die Befreiung der Juden aus der "babylonischen Gefangenschaft" verewigt. Giuseppe Verdi vertonte 1842 in Nabucco ebenfalls eine Episode aus dem jüdischen Exil in Babylon.
Die Gefangenschaft und die spätere Rückkehr des Volkes Israel in seine Heimat wurde für die christlichen Sklaven in den USA des 19. Jahrhunderts zum Gleichnis ihrer Gefangenschaft und der Hoffnung auf Befreiung. Bekannt ist die Vertonung des Lieds By the waters of Babylon von Don McLean, eine Nachdichtung des 137. Psalms. Der Song By the Rivers of Babylon von Boney M. behandelt ebenfalls den Text des 137. Psalms. Die deutsche Vertonung Die Legende von Babylon von Bruce Low geht jedoch um den Turmbau zu Babel und hat nichts mit der Stadt Babylon zu tun. Der Song "Babylon System", komponiert von dem jamaikanischen Reggaemusiker Bob Marley und auf dem Album Survival veröffentlicht, handelt von dem westlichen "vampirischen" System, das die Menschheit unterdrückt und vor der Einheit zurückhält. Der Begriff Babylon taucht in ähnlicher Bedeutung thematisch in unzähligen weiteren Reggaeliedern auf. Auch in dem Lied "Volle Kraft voraus" von den "Söhne Mannheims" wird in der letzten Strophe "...ich kann nur existieren, wenn Babylon fällt..." die neutestamentliche Deutung Babylons als Sitz des Bösen wieder aufgenommen.
Die Verwendung des Begriffes als kritische Analogie zum kapitalistischen System lässt sich auch in weiteren "Hip-Hop" Liedern finden, wie zum Beispiel in einem weiteren Lied von den "Söhne Mannheims" mit dem Titel "Babylon System" sowie einem Lied der Gruppe Main Concept mit dem Titel "Raus aus Babylon". Die "Absolute Beginner" haben auf ihrem frühen Album "Flashnizism" auch ein Lied mit dem Titel "1-0 für Babylon" veröffentlicht. Auch der Frankfurter Rapper und Raggae-Musiker "D-Flame" lässt in seinem Lied "Babylon" verlauten, er müsse "endlich raus aus Babylon".
Ebenfalls Erwähnung findet Babel im Lied der Einstürzenden Neubauten "Der Schacht von Babel" sowie im Adversus-song "Die letzte Glocke" wo es heisst "Baut nur euer Babylon, ..."
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