Apokryphen oder apokryphe Schriften (von griechisch απόκρυφοs = "verborgen", Plural απόκρυφα) nennt man Texte, die im Entstehungsprozess der Bibel nicht in deren Kanon aufgenommen wurden: meist aus inhaltlichen Gründen oder weil sie damals nicht allgemein bekannt waren oder - selten - weil sie erst nach Abschluss des Kanons entstanden sind.
Der Begriff wurde im 2. Jahrhundert von christlichen Theologen geprägt und bedeutete anfangs nicht nur "außerkanonisch", sondern zugleich "häretisch": Er wertete die ausgegrenzten Schriften als Irrlehre oder Fälschung ab. Er wurde vor allem auf Literatur aus dem Umfeld des Gnostizismus bezogen, die ihre nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Texte mit dem Wort "apokryph" als "Geheimlehren" darstellten.
Das Judentum hat mit der Kanonisierung des Tanach (um 135) als Erstes eine Reihe von Schriften als außerkanonisch ausgegrenzt. Die protestantischen Kirchen ordnen diese den Apokryphen des Alten Testaments (AT) zu, während die katholische und orthodoxe Kirche einige davon in ihren Kanon aufgenommen haben. Bei den Apokryphen des Neuen Testaments (NT) dagegen sind die christlichen Konfessionen weitgehend einig.
Im wissenschaftlichen Sprachgebrauch werden heute allgemein außerkanonische frühchristliche Schriften unter diesen Oberbegriff gestellt, die nicht zu den Schriften der so genannten Apostolischen Väter gehören. Dieser Begriff wurde im 17. Jahrhundert für frühchristliche Schriften geprägt, von denen man eine Übereinstimmung mit der Lehre der Apostel (zur Mission berufenen Auferstehungszeugen Jesu Christi) annimmt. Einige dieser Schriften sind ebenfalls schon vor 100 entstanden, sind aber keine Evangelien oder Apokalypsen und haben eine andere Funktion für das Christentum: Sie sind lehrhaft, seelsorgerliche Briefe oder kommentieren bereits vorgegebene NT-Überlieferung.
Dabei sind die Grenzen zu den eigentlichen Apokryphen allerdings fließend. Zu diesen zählt man heute auch so genannte Agrapha: Worte, Dialoge und Episoden von und über Jesus, die sonst in der NT-Überlieferung unbekannt sind und parallel dazu - auch innerhalb von Schriften der Apostolischen Väter - überliefert wurden.
Bibelnahe nichtkanonische Texte und Bücher, die nicht hebräisch verfasst sind oder deren hebräisches Original nicht erhalten blieb, gelten als apokryphyphe Texte. Dazu gehören beispielsweise das Äthiopische und das Slawische Henochbuch.
Der Umfang des Alten Testaments unterscheidet sich in den christlichen Konfessionen: Die katholische und die orthodoxe Kirche folgten mit ihrem AT-Kanon der Septuaginta, während Martin Luther seiner Bibelübersetzung den hebräischen Tanach zu Grunde legte. Entsprechend werden im Protestantismus solche jüdische Schriften zu den Apokryphen gezählt, die auch im Judentum nicht kanonisch sind. Sie sind in der Lutherbibel als "nützliche", aber nicht "heilige" Schriften in einem Anhangsteil abgedruckt.
Die für die protestantischen Kirchen als apokryph geltenden Texte werden in der Katholischen Kirche zum Teil als deuterokanonische Schriften und in den orthodoxen Kirchen als Anaginoskomena bezeichnet. Siehe dazu auch Spätschriften des Alten Testaments.
Dazu gehören vor allem eine Reihe von Evangelien aus dem 1. bis 4. Jahrhundert, die oft als Pseudepigraph unter dem Namen eines Apostels Jesu veröffentlicht wurden. Viele dieser Texte sind nicht vollständig im Original erhalten, sondern nur in Fragmenten. Manche sind sogar nur aus Zitaten oder Erwähnungen bei den Kirchenvätern bekannt. Seit den Funden von Nag Hammadi sind jedoch einige dieser Texte in koptischen Versionen wiederentdeckt worden.
Während die historisch-kritische NT-Forschung früher oft alle Apokryphen für später und inhaltlich vom NT abhängig entstanden erklärte, hat sich dieses Bild heute durch neuere Schriftfunde differenziert:
Nicht zu den neutestamentlichen Apokryphen gezählt werden Texte, die zwar einen ähnlichen Offenbarungsanspruch erheben wie die Evangelien, aber historisch in den ersten Jahrhunderten nicht nachgewiesen sind, z.B. das Barnabasevangelium, die Offenbarungen Jakob Lorbers oder die Holy Piby .
Das Fragment enthält einen verkürzten Passionsbericht mit Petrus als Ich-Erzähler. Er beginnt mit dem Händewaschen des Pilatus und weist Herodes und den Juden die Alleinschuld an Jesu Tod zu. Jesu Auferstehung aus dem Grab geschieht hier vor vielen Zeugen und mit phantastischen Zügen. Nach der Rückkehr der Jünger nach Galiläa begegnet Jesus den drei erstberufenen Jüngern Petrus, Andreas und Levi am See Genezaret (vgl. Joh 21).
H. Köster hielt dies für die älteste Auferstehungsvision, die im Markusevangelium aus theologischen Gründen weggelassen worden sei. Martin Dibelius dagegen nahm an, der Autor habe alle kanonischen Evangelien gekannt, diese aus dem Gedächtnis nacherzählt und mit alttestamentlichen Zitaten ergänzt. Er kannte die Rechtsverhältnisse in Palästina nicht und sein Text enthält stark antijudaistische Züge, so dass Gerd Theißen (Der historische Jesus S. 62) seinen Wert für die Erklärung des Todes Jesu gering veranschlagt.
Autentische, in den Kanon nicht aufgenommene Werke(die Autoren sind meist Kirchenväter)
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