Die apikale Parodontitis (apikale Periodontitis, apikale Ostitis) ist eine Zahnentzündung an der Wurzelspitze eines Zahnes.
Nicht zu verwechseln ist diese apikale Parodontitis mit der marginalen Parodontitis - der Entzündung des Zahnhalteapparates am Zahnhals (im volksmund auch als Zahnfleischschwund oder fälschlich als Parodontose bezeichnet). Zwischen apikaler und marginaler Parodontitis besteht kein ursächlicher Zusammenhang.
Synonym für apikale Parodontitis wird die Bezeichnung apikale Ostitis verwendet. Os heißt Knochen. Mit der Endung "-itis" wird die Entzündung benannt - also Ostitis heißt Knochenentzündung. Die Bezeichnung apikale Ostitis betont also mehr die Komponente der Knochenentzündung in der Umgebung der entzündeten Wurzelspitze. Auch die deutsche Bezeichnung Wurzelspitzenentzündung ist gebräuchlich.
Extrem selten ist die apikale Parodontitis keine bakterielle Entzündung, sondern durch chemische Reizung von Wurzelfüllungen oder medikamentösen Wurzeleinlagen bedingt.
Differentialdiagnostisch ist von der Pulpitis abzugrenzen, bei der noch kein deutlicher Klopfschmerz vorliegt, wobei es alle möglichen, fließenden Übergänge gibt.
Eindeutig ist die Diagnose, wenn zusätzlich zum Klopfschmerz ein tiefer kariöser Defekt an dem Zahn zu sehen ist.
Bei bereits abgestorbener Pulpa ist typischerweise die Vitalitätsprobe negativ - also keine Reaktion auf einen Kältereiz. Die apikale Parodontitis kann aber auch noch von einer Pulpitis begleitet werden, dann ist die Vitalitätsprobe positiv.
Aber die Ergebnisse der Vitalitätsprobe sind mit Vorsicht zu genießen und lassen weite Interpretationen zu. Bei alten, sehr tiefen Füllungen kann die Vitalitätsprobe falsch negativ sein - der Patient spürt den Kältereiz nicht, obwohl der Nerv in der Tiefe ganz normal lebt. Auch falsch positiv Vitatlitätsproben kommen vor - der Patient spürt den Kältereiz, obwohl der Nerv schon eitrig zerfallen ist.
Röntgenologisch zeigt sich eine apikale Aufhellung. Weil das Röntgenbild ein Negativbild ist, sieht man eine Schwärzung in der Umgebung der Wurzelspitze, spricht aber von einer Aufhellung.
Bei starken Entzündungen tritt gelegentlich ein typisches Symptom auf: die scheinbare Zahnverlängerung. Natürlich ist der Zahn nicht wirklich länger geworden (elongiert), sondern der Zahn ist leicht aus der Alveole (Zahnfach) gehoben. Durch das entzündliche Sekret an der Wurzelspitz wird der Zahn aus der Alveole gedrückt, da die Sharpey-Fasern, die den Zahn in der Alveole verankern, dem Zahn eine gewisse vertikale Freiheit geben. Gewöhnlich ist der Zahn schon bei der geringsten Berührung durch die Zunge empfindlich. Da er jetzt auch noch "verlängert" ist, kommt der Patient mit den Antagonistenzähnen an den stark schmerzhaften Zahn. Fingerdruck oder Beißen für 30 Sekunden auf diesen schmerzhaften, "verlängerten" Zahn drücken das Sekret aus der apikalen Entzündungsregion und danach berichtet der Patient, dass der Zahn nicht mehr verlängert ist.
Diese häufigen primär chronischen Formen schlagen dann irgendwann in eine akute Entzündung um, mit dem typischen Klopfschmerz. Dieses Umschlagen einer Entzündung von chronisch zu akut bezeichnet man als Aufflammen (exazerbieren).
Die apikale Parodontitis kann auch sofort akut anfangen - primär akuter Verlauf.
Röntgenologisch sind apikale Aufhellungen erst nach mehrwöchigem Krankheitsverlauf sichtbar. Trotzdem wird bei jedem Verdacht auf eine apikale Parodontitis gleich ein Röntgenbild des verdächtigen Zahnes angefertigt (Zahnfilm). Da es sich meist um eine primär chronische apikale Parodontitis handelt, die schon einige Wochen bestand, ist meistens schon eine apikale Aufhellung zu erkennen.
Bei primär akuten Formen ist im Röntgenbild oft noch nichts oder sehr wenig an pathologischen Veränderungen zu erkennen. Meist ist dann nur ein erweiterter Periodontalspalt sichtbar - auch der ist im Röntgennegativ schwarz (so wie die Aufhellung).
Veränderungen der Knochendichte sind im gewöhnlichen Röntgenbild erst erkennbar, wenn mindesten 30% des Mineralgehaltes im Knochen abgebaut sind. Das dauert auch bei einer apikalen Ostitis einige Tage oder Wochen.
Bei geringen Beschwerden und unsicherer Aussagekraft des Röntgenbildes ist eine Wiederholungsaufnahme erst nach 3 Monaten angebracht.
Eine andere mögliche Folgeerkrankung ist die Ausbildung eines apikalen Granuloms, dass sich zu einer Wurzelzyste (radikuläre Zyste) entwickeln kann.
Da auch die Pulpitis mit einer Wurzelbehandlung geheilt wird, ist in der Praxis die genaue Differentialdiagnose zwischen Pulpitis und apikaler Parodontitis nicht so wichtig. Diese Differentialdiagnose ist mehr von akademischem Interesse.
Vor der Wurzelbehandlung reicht es also, den Zahn genau zu lokalisieren und festzustellen ob eine Pulpitis und/oder apikale Ostitis vorliegt.
Die Lokalisation des richtigen Zahnes kann manchmal erstaunlich schwierig sein. Obwohl gewöhnlich nur ein einziger Zahn erkrankt ist, geben die Patienten den Klopfschmerz an zwei benachbarten Zähnen an.
Alternativ zur Wurzelbehandlung ist auch eine Therapie durch Extraktion des Zahnes zu erwägen. Insbesondere, wenn schon stärkerer marginaler Knochenabbau, starke Zahnlockerung oder eine starke kariöse Zerstörung der Krone vorliegt.
Allerdings wurden für deutsche Kassenpatienten seit 2005 die Indikationen für Wurzelbehandlungen im Seitenzahnbereich stark eingeschränkt.
Ein weitere Indikation für eine Wurzelkappung ist, wenn der apikal entzündete Zahn während der Wurzelbehandlung nicht beschwerdefrei zu bekommen ist.
Auch ungünstige Wurzelverhältnisse (stark gekrümmte Wurzelspitzen) können ein Indikation für eine Wurzelkappung sein.
Die Wurzelkappung erfolgt entweder gleichzeitig mit dem Legen der Wurzelfüllung oder einen Tag danach oder mehrere Wochen oder Monate danach.
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"Apikale Parodontitis".
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