Dieser Artikel beschreibt die alemannische Grammatik, insbesondere solche Merkmale, welche für die alemannischen Dialekte (einschliesslich des Schweizerdeutschen) im Vergleich zum Standarddeutschen besonders charakteristisch sind.
| männlich | weiblich | sächlich | |
|---|---|---|---|
| ‹zwei› | zwe | zwo | zwöi |
| ‹drei› | drei | drei | drü |
Zum Ausdruck des Plurals der Substantive wird der Umlaut öfter verwendet als im Standarddeutschen (beispielsweise Compüter als Plural von Computer). Überdies gibt es wegen der Apokope der Endung -e mehr Fälle, in denen der Plural alleine durch den Umlaut ausgedrückt wird (beispielsweise Böim ‹Bäume›, Sääl ‹Säle›).
Der Genitiv tritt nur in abgelegenen Dialekten auf (beispielsweise im landschaftlichen Berndeutsch), und ausschliesslich in attributiver Stellung und in besitzanzeigender Funktion, beispielsweise (der) Annas Hund.
In verschiedenen Dialekten der mittleren Deutschschweiz werden Dativobjekte mit einer Partikel a oder i eingeleitet, die gleichlautend ist mit den Präpositionen an bzw. in, beispielsweise i gibe’s a/i mynere Frou ‹ich gebe es meiner Frau›.
Wie in anderen deutschen Dialekten — aber nicht im Standarddeutschen — kann eine Konstruktion aus Dativ und Possessivpronomen für die Besitzanzeige verwendet werden, beispielsweise em Adrian sy Hund ‹dem Adrian sein Hund (Adrians Hund)›.
Anders als im Standarddeutschen unterscheidet sich der unbestimmte Artikel vom Zahlwort für ‹eins›, beispielsweise e Maa ‹ein Mann› — ei Maa ‹EIN Mann›. Ebenfalls unterscheidet sich die Verwendung des bestimmten Artikels als reiner Artikel von der Verwendung als Demonstrativum, beispielsweise ds Chind ‹das Kind› — das Chind ‹DAS Kind (da)/dieses Kind›.
Im Unterschied zum Standarddeutschen wird der Artikel auch bei Eigennamen verwendet, ohne dass dies eine pejorative Bedeutung hätte, beispielsweise de(r) Thomas ‹Thomas›.
Formen des bestimmten Artikels (der Genitiv wird in vielen Dialekten nicht verwendet):
| maskulin | feminin | neutrum | plural | |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ/Akkusativ | də(r) | d — di | (d)s | d — di |
| Dativ | əm | də(r) | əm | də |
| Genitiv | (d)s | (d)ər | (d)s | (d)ər |
Formen des unbestimmten Artikels:
| maskulin | feminin | neutrum | |
|---|---|---|---|
| Nominativ/Akkusativ | ə(n) | ə | əs |
| Dativ | əm(ən)ə | (ən)əre | əm(ən)ə |
Verbindungen aus Präpositionen und Artikeln sind zahlreicher als im Standarddeutschen, beispielsweise füre Peter ‹für den Peter›, i Wald ‹in den Wald› (man beachte, dass diese Kürzungen beide auch in Dialekten verwendet werden, wo der Nominativ/Akkusativ der lautet und nicht de, so dass dort einander gegenüberstehen: i gseh der Peter ‹ich sehe den Peter› — füre Peter ‹für den Peter›).
Erhalten hat sich das auslautende -e nur in einigen Feminina, jedoch nicht als Schwa, sondern als -i, beispielsweise Chuchi ‹Küche›, Sagi ‹Säge›. Diese Feminina bilden ihren Plural auf -inə, beispielsweise Chuchine ‹Küchen›, Sagine ‹Sägen›.
Die auf -el endenden Substantive bilden den Plural durch Umstellung auf -le, beispielsweise Sägel ‹Segel (singular)› — Sägle ‹Segel (plural)›.
Adjektivendungen bei unbestimmtem Bezugswort:
| maskulin | feminin | neutrum | plural | |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ/Akkusativ | ə schönə ‹ein schöner› | ə schöni ‹eine schöne› | əs schöns ‹ein schönes› | schöni ‹schöne› |
| Dativ | əm(ən)ə schönə ‹einem schönen› | (ən)əre schönə ‹einer schönen› | əm(ən)ə schönə ‹einem schönen› | schönə ‹schönen› |
Formen bei bestimmtem Bezugswort:
| maskulin | feminin | neutrum | plural | |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ/Akkusativ | də(r) schön ‹der schöne› | di schön(i) ‹die schöne› | (d)s schöne ‹das schöne› | di schöne ‹die schönen› |
| Dativ | əm schönə ‹dem schönen› | (d)ər schönə ‹der schönen› | əm schönə ‹dem schönen› | də schönə ‹den schönen› |
Prädikative Adjektive werden in einigen höchstalemannischen Dialekten ebenfalls dekliniert, beispielsweise si isch schöni ‹sie ist schön›.
Das durch den kombinatorischen Lautwandel entstandene /i/ ist auch in der ersten Person singular erhalten geblieben, wo es im Standarddeutschen durch Analogie zu einem /e/ geworden ist, beispielsweise i(ch) nime ‹ich nehme›, i(ch) gibe ‹ich gebe›, i(ch) wirde ‹ich werde› (vgl. mit den Formen du nimmst/gibst/wirst, sie nimmt/gibt/wird, wo dieses /i/ auch im Standarddeutschen auftritt).
Das periphrastische Futur mit dem Hilfsverb werden wird im Alemannischen nicht verwendet. Stattdessen wird einfach Präsens gebraucht, oft mit der Modalpartikel de ‹dann›.
| Indikativ | Konjunktiv I | Konjunktiv II | |
|---|---|---|---|
| 1. Pers. sing. | i male | i mali | i malti |
| 2. Pers. sing. | du malsch | du malisch | du maltisch |
| 3. Pers. sing. | är malt | är mali | är malti |
| 1. Pers. plur. | mir male(t) | mir male(t)/mali(t) | mir malte(t)/malti(t) |
| 2. Pers. plur. | (d)ihr malet | (d)ihr malet/malit | (d)ihr maltet/maltit |
| 3. Pers. plur. | si male(t) | si male(t)/mali(t) | si malte(t)/malti(t) |
Die Vorsilbe ge- des Partizip Perfekt Passiv ist zu g- reduziert: gmacht ‹gemacht›, gänderet ‹geändert›. Vor einer Fortis (p, t, gg) entfällt dieses g-: trunke ‹getrunken›; vor einer Lenis (b, d, g) entfällt es in gewissen Dialekten, während es sich in anderen an die Lenis assimiliert und zusammen mit ihr eine Fortis bildet: blibe oder bblibe/plibe ‹geblieben›.
Die Reduplikation kann zwar weggelassen werden, aber sie stellt die weniger markierte Form dar.
Man vergleiche die Reduplikation mit gleichartigen Perfekt- oder Modalkonstruktionen:
| Beispiel | Übersetzung | |
|---|---|---|
| Reduplikation | si laat/loot ne nid/nöd la/lo schlaaffe/schlooffe'' | sie lässt ihn nicht schlafen |
| Perfekt | si het ne nid/nöd la/lo schlaaffe/schlooffe | sie hat ihn nicht schlafen lassen |
| Modalkonstruktion | si wot ne nid/nöd la/lo schlaaffe/schlooffe | sie will ihn nicht schlafen lassen |
Die Relativpartikel wo kann im Relativsatz die Funktion des Subjekts oder des Akkusativ-Objekts übernehmen, beispielsweise e Maa wo schlaft ‹ein Mann der schläft›, es Chind wo d’ gsehsch ‹ein Kind das du siehst›.
Hingegen kann die Relativpartikel wo nicht die Funktion eines Dativ- oder Präpositionalobjekts übernehmen. Derartige Relativsätze erfordern neben der Relativpartikel ein separates Dativ- bzw. Präpositionalobjekt, beispielsweise e Maa wo si nem zueluegt ‹ein Mann dem sie zuschaut›, ds Ändi wo mir druf warte ‹das Ende auf das wir warten›.
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"Alemannische Grammatik".
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