Die Zweite Republik bezeichnet in Spanien die Epoche von 1931 bis 1936/1939, in der eine neue demokratische Staatsform existierte, die aber die scharfen Konflikte des Landes nicht lösen konnte. Diese Situation führte in den Spanischen Bürgerkrieg, in dem die Republik vom Franco-Regime gewaltsam verdrängt wurde.
Die Geburt der Republik fand in einer Phase statt, in der sich die liberale repräsentative Demokratie in Europa in der Defensive befand. 1922 hatten die italienischen Faschisten die Macht ergreifen und 1925 das parlamentarische System endgültig ausschalten können. Die Verhältnisse in Frankreich verschlechterten sich, die Spannungen und Übergriffe nahmen zu. Noch schärfer waren die Konflikte in Österreich. Und die deutsche Weimarer Republik, die für Spanien ein verfassungspolitischer Orientierungspunkt war, sollte 1933 praktisch schon nicht mehr existieren.
Die Hispanität vertraten auch die Offiziere, die sich seit der Niederlage im Spanisch-Amerikanischen Krieg 1898 und den verlustreichen Marokko-Feldzügen zunehmend den Zuständen im Heimatland widmeten. Dabei sahen sie sich in einer Tradition, in der seit dem frühen 19. Jahrhundert die Armee immer wieder in das politische Leben eingegriffen und amtierende Regierungen durch Staatsstreiche (span. pronunciamentos) gestürzt hatte. Mittlerweile war der Anteil der Offiziere im Gesamtkorps überproportional angestiegen und die Ausrüstung des Heeres in einem Zustand, in dem sie nur noch zur Niederwerfung innerer Unruhen zu gebrauchen war.
Die dritte Säule dieser traditionellen Machtstrukturen bildete die Katholische Kirche Spaniens. Ihre im Vergleich zum restlichen Europa sehr weitreichenden Vorrechte wollte sie von Säkularisierungstendenzen unangetastet wissen. Dabei ging es auch um erhebliche Besitztümer, denn die Mitglieder des Hohen Klerus gehörten zu den größten Grundbesitzern des Landes und den einflussreichsten Personen im Bankensektor.
Außerdem war die Mitgliedschaft in anarchistischen Organisationen im Gegensatz zu sozialistischen beitragsfrei; es gab dort so gut wie keine bezahlten Funktionäre. Doch im Laufe der Jahre konnte die 1888 gegründete sozialistische Gewerkschaft UGT an Boden gewinnen. Sie blieb ihrem reformistischen Kurs treu, woran auch die Russische Revolution nichts ändern konnte. Die Anarchisten, die ihre eigenen Vorstellungen von Revolution und einer kommunistischen Gesellschaft hatten, entwickelten Anfang des 20. Jahrhunderts eine neue, den industriellen Verhältnissen angepasste Organisationsform. Inspiriert vom französischen Syndikalismus, gründeten sie die Gewerkschaft CNT. In der Entwicklung der beiden genannten Gewerkschaften hatten sich regionale Schwerpunkte gebildet, die aber während der neuen Republik ein wenig durcheinander gerieten: Die Sozialisten waren vor allem in den kastilischen Gebieten León und La Mancha, der Extremadura und Asturien stark vertreten; die Anarchisten in Valencia, Katalonien, Andalusien und Aragonien. Beide Gewerkschaften besaßen eine Mitgliederschaft, die über die Milliongrenze hinausging.
Das Agrarstatut vom September 1932 hatte zum Ziel, vor allem die südlichen Latifundien mit ihren brachliegenden Flächen der Gesellschaft nutzbar zu machen. Obwohl man sich über die Notwendigkeit einer Reform prinzipiell einig war, kam es zwischen Republikanern und Sozialisten zum Zerwürfnis darüber, wie man mit den konfiszierten Großdomänen verfahren sollte: PSOE und UGT forderten eine kollektive Bewirtschaftung, die Liberalen eine Aufteilung des Bodens unter den Bauern. Dahinter standen strategische Überlegungen: Die Liberalen strebten das Entstehen einer kleinbürgerlichen Schicht an, die Linken wollten sie verhindern. Ihnen lieferten die ökologischen Bedingungen ein zusätzliches Argument, da sie eine Einzelbewirtschaftung der Flächen ungemein erschwerten.
In der politischen Praxis vermieden es die Republikaner jedoch, die Agrarfrage wirklich zu einem zentralen politischen Thema zu machen und beschäftigten sich mehr mit den politischen Fragen, die ihre eigenen Lebensumstände berührten. In zwei Jahren wurde nur ein geringer Teil der Felder veräußert, und diese zu ungünstigen Bedingungen: Die neuen Eigentümer mussten das Land zum vollen Preis kaufen, da den Vorbesitzern Entschädigungen zugestanden wurden. Zudem weigerten sich die Banken systematisch, Kredite zu vergeben, was an sich bereits zur Stagnation in der Landwirtschaft beitrug. Zwei Drittel der nach 1931 neu hinzugekommenen Arbeitslosen stammten aus dem Agrarsektor, wo auch 40 % der Streiks stattfanden. Die Kleinbauern, die verstärkte Konkurrenz durch zusätzliche Anbieter befürchten mussten, gehörten zum Wählerreservoir der Republikaner und machten ihren Einfluss geltend, die Reform zu verschleppen. Auch für das ziemlich harte Schicksal der Pachtbauern im Norden und in Kastilien suchte man keine greifbare Regelung.
Der sozialistische Arbeitsminister Francisco Largo Caballero, der schon unter Primo de Rivera als Staatssekretär gearbeitet hatte, erließ seit Dezember 1931 zahlreiche Gesetze, um die rechtliche Situation der Lohnabhängigen im industriellen Sektor zu verbessern sowie den Ablauf von Streiks zu regeln. Dies lief wiederum der anarchosyndikalistischen Strategie völlig zuwider.
Diese Politik musste unweigerlich die Stellung der katholischen Kirche berühren, die auch in anderen zivilen Angelegenheiten immer noch ein gewichtiges Wort mitredete. Die Liberalen verachteten den Katholizismus nicht weniger als die Linken. Ein Verfassungsentwurf, welcher der Kirche einen besonderen Status eingeräumt, aber weite Teile ihrer Privilegien reduziert hätte, wurde von der Mehrheit in den Cortes als unzureichend angesehen und abgelehnt. Der Ausspruch Azañas, Spanien habe „aufgehört, katholisch zu sein“, und die von ihm tolerierte „Nacht der brennenden Konvente“, in der dutzende religiöse Einrichtungen in Brand gesteckt wurden, lösten eine Welle der Empörung und eine Regierungskrise aus. Der vermögende Hohe Klerus, der die Republik als eine Agentur Moskaus diffamierte und stets treu zu Diktatur und Monarchie gestanden hatte, gab sich ebenso unversöhnlich. Ein Lehrverbot für religiöse Orden wurde erlassen. Dies riss eine große Lücke, da weder die geistlichen Bildungsträger schnell und gleichwertig ersetzt werden konnten, noch die finanziellen Mittel dazu verfügbar waren. Der einflussreiche Jesuitenorden wurde für illegal erklärt; seine umfangreichen Besitztümer konnten aber durch Überschreibungen dem Zugriff des Staates entzogen werden.
Die ziemlich armen Ortspfarrer hatten überwiegend für die Republik gestimmt, schreckten aber wegen der harten Haltung der parlamentarischen Linken vor einer weiteren Unterstützung zurück, zumal die Arbeiterschaft sich nicht scheute, die gegenseitige Feindschaft weiter zu pflegen und bei nächster Gelegenheit Kirchen und Klöster im ganzen Land in Brand zu setzen.
Das Klima im Land verschlechterte sich rapide, eine Streikwelle erfasste das Land und die parlamentarische Rechte wandte sich nun gegen weitere Reformvorhaben der Regierung. Unter dem Einfluss der Ereignisse von Casas Viejas und den kaum spürbaren Ergebnissen der bisherigen Reformen gewannen diejenigen Flügel der linken Gewerkschaften an Zulauf, die in der Republik keine Lösung der sozialen Probleme mehr sahen. Im Jahr 1933 fanden fast doppelt so viel Streiks wie 1932 und 1934 zusammen statt. Angeführt von der FAI, forcierten die Anarchisten ihren Konfrontationskurs gegen die Republik, der von den Ordnungshütern mit skrupelloser Härte beantwortet wurde. Die FAI war 1927 gegründet worden, um die subversiven Strömungen des spanischen Anarchismus zu stärken. Mittlerweile hatte sie sehr großen Einfluss in der anarchosyndikalistischen Bewegung erlangt. Die Opposition gegen ihre militanten Aktionen führte zu einer Kontroverse innerhalb der CNT. Eine kleine Gruppe, die Treinistas, spaltete sich von der Gewerkschaft ab.
Der liberale Regierungschef Azaña gründete eine neue paramilitärische Polizeitruppe, die Guardia de Asalto (Sturmgarde), um sie gegen ihre Feinde verteidigen zu können. Ihr Oberbefehlshaber wurde General Emilio Mola. Im Oktober trat das weitreichende neue Gesetz zur Verteidigung der Republik in Kraft sowie eine neue Zensurrichtlinie, die Monarchisten und Anarchisten gleichermaßen aufbrachte.
Im September war die amtierende Regierung schließlich am Ende. Zwischen den Liberalen und den Sozialisten war es zum Bruch gekommen. Die Lage erinnerte wieder an die Zustände zu Zeiten der Diktatur. Die Unruhen irritierten die Mittelschicht, und für die Arbeiterschaft schien dieser neue bürgerliche Staat kaum besser zu sein als der vorherige.
Wahlsieger war das heterogene rechte Wahlbündnis bestehend aus der CEDA – einer Vereinigung katholizistischer Parteien –, den Monarchisten der Renovación Española, den baskischen Nationalisten, einer karlistischen Partei, und einer Fraktion der Großgrundbesitzer. Anführer der CEDA war José María Gil-Robles, ein bürgerlicher Katholik, der eine Adlige geheiratet hatte. Während seiner Flitterwochen in Deutschland hatte er angefangen, Hitler zu bewundern, wandte sich aber aufgrund der Haltung der Nationalsozialisten zur katholischen Kirche stärker Österreich zu, dessen Bundeskanzler Engelbert Dollfuß einen rechtsautoritären Ständestaat anstrebte. Die politischen Ziele Gil-Robles' waren, die CEDA zur katholischen Massenpartei heranreifen zu lassen und nach der gelungenen Machtübernahme zuerst die laizistischen Verfassungsartikel abzuschaffen. Über die Demokratie wollte man zwar die Macht erringen, mit der gewonnen Macht aber auch die Demokratie abschaffen:
Die CEDA hatte im Wahlkampf einen für rechte Parteien in Spanien ungewohnt großen propagandistischen Aufwand betrieben, der zu ihrem Sieg beitrug. Finanziert wurde der Wahlkampf von Großgrundbesitzern; ihr Geld half auch dabei, Daten über die Wähler zu sammeln.
Allerdings reichte der Anteil der CEDA an den Parlamamentsitzen nicht zur alleinigen Regierungsbildung aus. Staatspräsident Zamora weigerte sich, Gil-Robles den Auftrag zur Regierungsbildung zu erteilen, aber auch, entsprechend Azañas und Largo Caballeros Vorstoß die Cortes gleich wieder aufzulösen. So wurde der bürgerliche Partido Radical zur regierungsbildenden Partei, die darüber entscheiden konnte, von wem sie toleriert werden wollte. Sie entschied sich für die CEDA, worauf sich ein kleiner Teil der Radikalenfraktion unter Martínez Barrio abspaltete. Die katalanische Rechte (Lliga) und die Großgrundbesitzer-Partei traten ebenfalls der Regierung bei. Premierminister wurde Alejandro Lerroux. Die neue Koalition besaß eine komfortable Mehrheit und konnte frei agieren.
Die Reaktionen im Land waren heftig. Die Unruheherde wuchsen. Die Wirtschaft stagnierte. In Aragonien mit der anarchistischen Hochburg Saragossa kam es schon am 8. Dezember 1933 zum Aufstand einer CNT-Sektion. In Andalusien und Valencia (nicht aber in Katalonien) demonstrierte man seine Solidarität mit Streiks und dem obligatorischen Abbrennen der Kirchen. Zu einer landesweiten Aktion waren die Anarchisten allerdings zu schwach. Nach vier Tagen war alles vorbei. Rechte Militärs und republikanische Polizei gingen geschlossen gegen die Anarchisten vor, die die Soziale Revolution probten. Aber im März 1934 erlebte Saragossa wieder einen Generalstreik.
Wichtig war, dass nun auch die UGT, zuvor republiktreu und seit ihrem Bestehen reformistisch orientiert, einen deutlichen Schwenk nach links machte. Seit ihrem Regierungsantritt hatte sich die Zahl ihrer Mitglieder fast vervierfacht. Personifiziert wurde das neue Selbstvertrauen von Largo Caballero, dem populären Ex-Minister, der sich von den Republikanern betrogen fühlte. Aufgrund seiner Erfahrungen im Amt gab er an, dass es schier unmöglich sei, „im Rahmen der bürgerlichen Demokatie auch nur ein Quentchen Sozialismus zu verwirklichen“. Seine Mitarbeiter im Ministerium hatten all seine Anweisungen sabotiert. Das Gros der Gewerkschaftsmitglieder empfand in gleicher Weise eine Abneigung gegen die bürgerlichen Liberalen. Den Sieg der Rechten interpretierte man als Aufstieg des Faschismus, was nicht zuletzt mit Blick auf das europäische Ausland geschah. Der 65jährige Largo Caballero orientierte sich um: „Die einzige Hoffnung der Massen ist jetzt noch die soziale Revolution.“ Für die Anarchisten war dieser Kurswechsel allerdings nicht nachvollziehbar; sie lehnten ein Bündnis mit der UGT vorläufig ab.
Die Radikalisierung der sozialistischen Gewerkschaft stieß bei Teilen der mit ihr verbundenen Partei, dem PSOE, auf Widerstand. Starker Mann des PSOE war der Verleger und Bankier Indalecio Prieto, der schon zu Zeiten der Diktatur einen konträren Kurs zu seinem Intimfeind Largo Caballero vertreten hatte. Prieto war immer gut mit den Republikanern ausgekommen und sah in ihnen den natürlichen Bündnispartner für die Sozialisten. (Bei den Wahlen hatte er Manuel Azaña einen Parlamentssitz verschafft, obschon die offiziellen Beziehungen mit den Liberalen beendet waren.) Prieto war prinzipiell gegen eine Revolution und verstand den PSOE als Interessenvertreter der Arbeiter im friedlichen Konsens mit dem Bürgertum.
Währenddessen versuchte die neue Regierung, die Lage mit wirtschaftsliberalen Methoden wieder zu beleben. Zumindest auf dem Land war aber eher eine Verschlechterung der Situation zu beobachten. Manche Kollektivierungen wurden hingenommen (z. B. in den Provinzen Toledo oder Jaén), um das Fass nicht zum Überlaufen zu bringen. Ein Generalstreik im Juni 1934, an dem sich CNT und UGT beteiligt und der in 15 Provinzen stattgefunden hatte, wurde nach neun Tagen mit Hilfe durch Kompromisses beendet.
Im April erließ die neue linksliberale, mit anarchistischer Hilfe gewählte Generalitat von Katalonien neue Gesetze, mit denen sie die Kleinbauern zu schützen versuchten. Das brachte sie in Konflikt mit der Zentralregierung in Madrid, da das katalanische Gesetz ausdrücklich gegen jenes aus Madrid verstieß, das die Interessen der Verpächter in den Vordergrund rückte. Es kam zum Eklat. Lluís Companys kündigte an, in dieser Sache einen eigenen Weg einzuschlagen. Die katalanische Rechte, die an der Zentralregierung beteiligt war, zog aus dem katalanischen Parlament aus. Im Gegenzug verließ die Fraktion der in Katalonien regierenden Esquerra die Cortes.
Auch im Baskenland schuf sich die Zentralregierung Feinde. Das Baskenkand hatte mehrheitlich die CEDA gewählt. Aber die Zentralregierung wollte der Region eine neue Steuer auferlegen, die ihre historischen Sonderrechte weiter beschnitten hätte. Die von gemäßigten baskischen Nationalisten geführte Regierung im Baskenland rief baskische Sonderwahlen aus, die von Madrid verboten wurden. In der monarchistischen Zeitung A.B.C. hieß es: „Lieber Kommunisten als Basken!“. Im September 1934 verließen auch die baskischen Abgeordneten das Madrider Parlament. Spanien steckte damit erneut in einer innenpolitischen Krise.
Die Insurrektion hatte verschiedene Ausgangspunkte. In Barcelona proklamierte die Generalitat ihre Unabhängigkeit. CNT-FAI hielten sich aus allen Aufstandsplänen raus. Die Erhebung scheiterte. In Madrid, wo Largo Caballero den Aufstand koordinierte, war die UGT chancenlos. Die Stadt hatte starke Garnisonen und die Arbeiter verfügten über keinerlei Waffen. Diese waren stattdessen über Umwege in Asturien angekommen.
Die Eisenbahner und Bergarbeiter aus Gijón, Oviedo und Umgebung lieferten der Staatsmacht erbitterten Widerstand. Hier wurde die Allianza Obrera aus der Taufe gehoben, die Arbeiterallianz aus UGT, den anarchosyndikalistischen Treinistas und den wenigen Kommunisten des PCE, die sich in letzter Minute dem Aufstand angeschlossen hatten. Dies regionale Bündnis war ein Vorläufer der späteren Volksfront. In manchen Städten wurde die Soziale Revolution ausgerufen. Letztendlich aber waren die Arbeiter den Armeeeinheiten völlig unterlegen.
Um den Aufstand niederzuschlagen, setzte man das Dritte Regiment der Fremdenlegion (Tercio) ein sowie die besonders berüchtigten maurischen Einheiten (Mauro). Diese nicht-spanischen Truppenverbände waren für ihre Stärke und Grausamkeit bekannt. Sie schlugen die Arbeiter in zwölf Tagen kompromisslos nieder. Traditionsgemäß machten sie keine Gefangenen und verschonten auch Unbeteiligte nicht. Geführt wurden sie auch von Offizieren, die an dem Sanjurjo-Putsch teilgenommen hatten. Der Oberkommandierende der Aktion war Francisco Franco.
Die Präsenz der Mauren in Asturien war ein Novum in der spanischen Geschichte. Diese Region war während des 8. bis 15. Jahrhundert nie unter muslimischer Herrschaft gekommen und war vor Beginn der Reconquista eine Art Rückzugsgebiet der christlichen „Rechtgläubigkeit“. Die Vertreter der Hispanität sahen darin aber kein Problem.
Man zählte rund 3.000 Tote, hauptsächlich Aufständische. Der historische Stadtkern von Oviedo erlitt schwere Schäden. Die rechte Presse kolportierte veritable Horrorgeschichten über die angeblichen Exzesse der Arbeiter an Nonnen, Mönchen, Priester und kleinen Kindern. Sie erwiesen sich allesamt als erfunden.
Nach der Ausrufung des Kriegsrechts durch den neuen zuständigen Minister Diego Hidalgo kam es zu Willkürakten seitens der Armee. Arbeiter, die sich hatten ergeben können, wurden gruppenweise ohne irgendeine Verhandlung exekutiert. Andere wurden in speziellen Lagern gefoltert, damit sie verrieten, wo die Waffen, die man nicht hatte finden können, versteckt waren. Dies geschah unter dem Oberkommando von General Franco, nachdem Hidalgo ihn auf diesen Posten erhoben hatte. Erst spät griff die Regierung ein und beendete den Rachefeldzug.
Danach wurden Kriegsgerichte eingesetzt, die über 40.000 Menschen inhaftierten, meistens ohne konkrete Beweise. Ins Gefängnis gingen auch Manuel Azaña, Largo Caballero und Lluis Companys, wobei man allerdings nur letzterem eine aktive Teilnahme nachweisen konnte.
Im April wurde die Regierung neu gebildet. Die CEDA nahm nun fünf Ministerposten ein; Gil-Robles wurde Kriegsminister. Er nutzte das Amt, um mit General Franco etwaige Sympathisanten der Linken endgültig aus der Armee zu drängen. Um Madrid wurden erste logistische Maßnahmen getroffen, die den Putschisten im Bürgerkrieg gute Dienste leisten sollten.
Die soziale Lage wurde immer prekärer. Diejenigen, die Verbesserungen einführen wollten, hatten in der Regierung keinen Rückhalt. Mit dem Universitätsprofessor Manuel Jiménez Fernandéz hatte die CEDA einen Gemäßigten als Landwirtschaftsminister ins Kabinett beordert, der sich auf die katholische Soziallehre und die Enzykliken Leos XIII. berief. Schon die wenigen kleinen Maßnahmen, die er zugunsten der yunteros unternehmen wollte, riefen den erbitterten Widerstand der Latifundisten hervor: „Wenn ihr uns mit euren Enzykliken unser Land nehmt, werden wir Schismatiker werden“, rief ihm ein monarchistischer Cortes-Abgeordneter zu.
Der neue Finanzminister legte ein Gesetz zum Bürokratieabbau und zur Effektivierung des maroden Staatsdienstes vor, das zwar verabschiedet, faktisch aber nie umgesetzt wurde. Die Radikalenpartei und die CEDA verhedderten sich in permanente Streitereien.
Die Linken dagegen lebten wieder auf. Der Widerstand der asturischen Arbeiter hatte viele beeindruckt, die Repressalien der Regierung noch mehr abgestoßen. Largo Caballero und Azaña wurden wieder freigelassen; Companys, der den Aufstand eigentlich nicht gewollt hatte, zeigte sich unkooperativ und wurde zu 30 Jahren Haft verurteilt. Alle drei wurden von einer Woge der Sympathie getragen. Von der Basis der sozialistischen und anarchistischen Gewerkschaften ging die Forderung an die Parteiführer, eine dauerhafte Kooperation anzustreben, um dadurch endlich die Revolution möglich zu machen.
Wieder wurde eine neue Regierung gestellt, nachdem die Forderungen von Gil-Robles nach mehr Kompetenzen zu Zerwürfnissen geführt hatte. In der Zeit, als der neue Premierminister Joaquín Chapaprieta einen neuen Haushalt vorzulegen versuchte, wurde ein Finanzskandal publik, in den der Partido Radical verwickelt war. Das Ansehen der Bürgerlichen war nachhaltig beschädigt. Das nutzten die Großagrarier aus, die eine Erhöhung der Erbschaftssteuer von 1 auf 3,5 % und die Kürzung von Beamtengelder nicht hinnehmen wollten. Die Koalition zerfiel.
So sah Gil-Robles im Dezember 1935 erneut die Gelegenheit gekommen, endlich Premierminister zu werden. Doch Staatspräsident Zamora hielt betraute stattdessen den Bürgerlichen Manuel Portela Valladares mit dem Amt. Als dieser keine Mehrheit in den Cortes fand, löste Zamora sie auf und schrieb Neuwahlen aus.
Am 16. Februar 1936 endeten die Wahlen mit einer knappen, aber eindeutigen Mehrheit der Frente Popular. Daraufhin überstürzten sich die Ereignisse im Land und führten am 17. Juli zu Putsch und Bürgerkrieg.
Das Wahlmanifest der Volksfront kündigte ein Konjunkturprogramm und eine Landreform an, eine Bildungsreform und eine Finanzreform. Es sollte aber keine staatliche Arbeitslosenversicherung geben. Dementsprechend war auch keine Verstaatlichung des Bodens oder der Banken und keine Sozialisierung von Betrieben vorgesehen. Die Republikaner bestimmten den Programmentwurf maßgeblich. Die Mittelschicht sollte für den Linksblock gewonnen werden. Einer der Unterzeichner des Abkommens war Largo Caballero, der jedoch ganz andere Vorstellungen entwickelt hatte und diese mit Hilfe seiner Mitarbeiter auch öffentlich kundtat. Aber die Befürworter der Revolution von UGT, POUM und der CNT-FAI stellten den zentralen gemeinsamen Nenner des Abkommens heraus, nämlich die pauschale Amnestie und Entschädigung für alle im Zuge des Oktober-Aufstandes Inhaftierten. Eine linksrepublikanische Regierung sollte ruhig gewählt werden: die dringende Notwendigkeit einer Revolution und der Wille sie durchzuführen blieben weiterhin bestehen. Die Beteiligten machten im Vorfeld einen Proporz der Sitzverteilung aus, bei der die Republikaner und der PCE begünstigt wurden. Die stärkste Fraktion allerdings sollte der PSOE werden.
Am 16. Februar wurden die neuen Cortes gewählt. Der Lagerwahlkampf prägte das politische Klima im Land. Die CEDA intensivierte ihre Propaganda. Riesige Plakate mit dem Konterfei des „Chefs“ Gil-Robles hingen in den Straßen Spaniens. Dort hieß es: „Alle Macht dem Führer!“, „Die Führer haben niemals Unrecht!“ und „Gil-Robles fordert vom Volk das Kriegsministerium und alle Macht“.
Zwar konnte die CEDA ihren Stimmenanteil vergrößern, aber der Sieg der Volksfront war nicht zu verhindern. Bei einer Steigerung der Wahlbeteiligung um 12 Prozentpunkte siegte das linke Lager mit einem Stimmenvorsprung von 150.000 Stimmen vor den Rechten und gewann insgesamt 47,17% der Stimmen. (Viele Anarchisten nahmen nicht an den Wahlen teil, was zu zahlreichen Stimmenthaltungen in den andalusischen Provinzen führte). Das Zentrum blieb unbedeutend. Wegen der Wahlgesetzgebung war die Sitzverteilung in den Cortes freilich noch deutlicher. Von beiden Seiten gab es Proteste gegen angebliche Wählereinschüchterungen und Betrügereien.
Am 20. Februar wurde die sogenannte comisión de actas einberufen, ein Ausschuss, der sich mit Beschwerden über etwaige Unregelmäßigkeiten befasste und in dem die Frente Popular auf Grund der neuen Mehrheiten in der Überzahl war. Am Ende des Wirkens der Kommission war der Vorsprung der Frente Popular auf 392.000 Stimmen angewachsen, was nunmehr einen Anteil von 52% bedeutete. Viele rechte Parlamentarier, darunter der Monarchist Antonio Goicoechea, verloren durch unlautere Methoden ihren Sitz, so dass sich die Volksfront trotz des Protestes von Prieto eine Zweitdrittel-Mehrheit im Parlament sicherte.
Trotzdem war der Sieg der Linken nicht von der Hand zu weisen. Die CEDA und Gil-Robles waren wie vor dem Kopf gestoßen. Der Sitzanteil des Partido Radical war auf ein Minimum geschmolzen. Die CEDA stellte nach dem PSOE nur noch die zweitstärkste Fraktion. Die Partei der Monarchisten, die Renovación Española („spanische Erneuerung“) unter Goicoechea und Calvo Sotelo, hatte ebenfalls kein gutes Wahlergebnis erzielt. Doch die Niederlage brachte eine gewisse inhaltliche Veränderung. Calvo Sotelo, der ehemalige Finanzminister zu Zeiten der Diktatur, steuerte die Partei allmählich weg von der restaurativen Politik hin zu ständestaatlichen Vorstellungen. Er pflegte gute Kontakte zum faschistischen Duce-Regime, die schon bald Früchte trugen. Am 31. März 1934 hatten Goicoechea, Vertreter der Karlisten und der katalanischen Rechten ein Abkommen mit Mussolini zum Sturz der Republik getroffen. Nach der Niederlage der Nationalen Front übernahm Calvo Sotelo die Rolle von Gil-Robles und verschärfte die rhetorischen Angriffe gegen die Republik.
Der Erfolg der Volksfront brachte die Massen in Bewegung. Noch am Wahltag konnte die CNT in Valencia die Befreiung der politischen Gefangenen durchsetzen. Danach wurden überall im Lande die Verurteilten zu Tausenden wieder aus der Haft befreit (darunter Lluis Companys). Streiks mit neuen Forderungen überzogen das Land: Lohnerhöhungen, bessere Arbeitsbedingungen, keine Wächter mehr bei der Arbeit. Dazu kam es zu weiteren Solidaritätsstreiks, um die Entschlossenheit der Gewerkschaften zu demonstrieren.
Auf dem Land brach sich die revolutionäre Energie Bahn. Ohne entsprechende Erlasse aus Madrid abzuwarten, kollektivierten Agrararbeiter Ländereien, darunter diejenigen von Präsident Alcalá Zamora. Die Zivilgarde schritt oft mit Gewalt ein. In der Nähe von Alicante kamen 18 Bauern ums Leben. Kirchen und Klöster wurden in zahlreichen Orten in Brand gesetzt; Gerüchte über Verschwörungen, die von Mönchen ausgeheckt worden seien, machten die Runde.
Die republikanischen Parteien stellten alle Minister. Die Sozialisten wirkten gemäß ihrer neuen Linie an der Regierung nicht mit. Der zwischenzeitlich zum Ministerpräsidenten wiedergewählte Manuel Azaña wurde neuer Staatspräsident: Zamora hatte weder bei den Linken noch bei der Nationalen Front irgendeine Unterstützung. Bei seiner Wahl gab die Rechte weiße Zettel ab, um gegen das Verfahren als solches zu demonstrieren. Sein Nachfolger als Ministerpräsident wurde Santiago Casares Quiroga.
Dass ein Putsch sich ankündigte, war kaum noch zu ignorieren. Die UGT aber tat nichts, um die Revolution selbst in Gang zu bringen. Stattdessen kamen Prieto und Gonzáles Peña bei einem Attentat eines UGT-Militanten nur knapp mit dem Leben davon.
Auch die Anarchisten rechneten mit einem Staatsstreich der Offiziere. Sie hoben ihren Willen zum Widerstand hervor und betonten, dass ihr Einsatz nicht die Verteidigung der bürgerlichen Demokratie, sondern die lang erwartete Soziale Revolution zum Ziel haben würde. Auf dem Nationalen Kongress der CNT in Saragossa im Mai 1936, dem über 300.000 Menschen beiwohnten, wiedervereinigte sich die Gewerkschaft mit ihren dissidenten Sektionen und formulierte ihre Vorstellungen vom Comunísmo Libertario (dt. Libertärer Kommunismus). Die Diktatur des Proletariats lehnte sie indes strikt ab. Die Stimmung war euphorisch. Die internen Meinungsverschiedenheiten wurden vorläufig beigelegt. Largo Caballero wurde als Gastredner freundlich empfangen, aber auf Distanz gehalten.
Im Jahr 1934 war der zuvor unbedeutende PCE ins Rampenlicht der politischen Szene getreten. Stalin hatte den Kommunisten aller Länder eine Kooperation mit den Bürgerlichen verordnet. Die Teilnahme an der Alianza Obrera und der Volksfront hatte den Kommunisten Vorteile gebracht. Hinzu kam die revolutionäre Stimmung unter den Arbeitern und der propagandistische Rückhalt aus der Sowjetunion. Ihre Aufmerksamkeit galt den Sozialisten. Dem PCE gelang es, sich in die Reihen des PSOE einzunisten. Der Vorsitzende der Sozialistischen Jugend, Santiago Carrillo, vollzog im April 1936 die Fusion mit der Kommunistischen Jugend zur JSUC, der Vereinigung der Jungsozialisten. (Einige Monate nach Ausbruch des Bürgerkrieges trat der gesamte Verband zum PCE über). Dies war auf Vermittlung des Stellvertreters Largo Caballeros geschehn, der gute Kontakte zum PCE pflegte. Spiegelbildliches fand auf Seiten der Rechten statt, als die Jugendorganisation der CEDA sich den Faschisten anschloss.
Im Februar 1934 hatten sich in Sevilla die radikal-nationalistischen Gruppierungen Falange und JONS zur Falange Española de las JONS zusammengeschlossen. Vorbild war Italien. Eine dieser Gruppierungen war von Joan March finanziert worden. March war bürgerlicher Tabakhändler und Bankier, Vertrauter britischer Finanziers, Verfassungsrichter und Verschwörer gegen die Republik, die ihn wegen Verrates und Betrugs inhaftiert, dann aber amnestiert hatte. Geleitet wurde die Partei von José Antonio Primo de Rivera, dem Sohn des einstigen Diktators. Äußerlich näherte man sich den italienischen Italien an, entlehnte aber auch einiges von den Anarchosyndikalisten, deren schwarz-rote Fahne man kopierte.
Programmatisch gab man sich anti-bürgerlich und militant anti-sozialistisch. Hauptfeinde waren „die Marxisten“ von UGT und PSOE. Imperialistische Träume von einem neuen großen Spanien machte man zum Programm. Für die oligarchische Elite ware die F.E. de las JONS vorläufig nichts weiter als eine willkommene Hilfstruppe, um die Lage im Land zu destabilisieren. Nach dem Wahlsieg der Linkskoalition führten sie politische Attentate im ganzen Land aus. Teilweise bedienten sie sich jener gedungenen Mörder, der pistoleros, die einst sowohl von militanten Anarchisten als auch Unternehmern rekrutiert worden waren. Mit Maschinengewehren belandene Lastwagen kreisten durch die Arbeiterviertel Madrids und schossen um sich. Journalisten, Funktionäre, Polizeibeamte und Richter wurden ermordet. Der Staat vermochte weder sie zu schützen noch die Mörder zu ergreifen, obschon im März die Partei für illegal erklärt wurde. Ein Bombenattentat auf Largo Caballero misslang. Am 12. Juli wurde der Sturmgardist Leutnant José del Castillo auf offener Straße erschossen. Dieser Anschlag sollte besondere Folgen haben.
Die Unión war ein von Sanjurjo 1934 gegründeter Zirkel ranghoher Offiziere. Aus Italien flossen Gelder und Waffen an die Verschwörer. Während des Sommermanövers in Asturien 1935 wurden „erste Vorbereitungen“ für einen Putsch getroffen. Nun sah man den Zeitpunkt gekommen, die Pläne in die Tat umzusetzen. Im Kriegsministerium hatten die Konspirateure einen Kontaktmann. Sanjurjo, der seit 1934 im Exil in Portugal lebte, unternahm Reisen ins Deutsche Reich, um dort Unterstützer zu finden.
Der Regierung entging das konspirative Treiben nicht. Aber sie beschränkte sich darauf, die Verantwortlichen zu versetzen. Francisco Franco durfte auf den Kanarischen Inseln weiter kommandieren; General Manuel Goded wurde von Nordspanien auf die Balearen beordert. General Emilio Mola wurde von Nordafrika nach Navarra versetzt, wo er als "El Director" ungehindert schalten und walten konnte. Die Versetzungen konnten die Verschwörer nicht abhalten. Der Plan wurde lediglich modifiziert. Franco sollte von den Kanaren nach Spanisch-Marokko fliegen, eine Kolonie, in der die republikanischen Politiker fast überhaupt keine Macht ausübten.
Der Plan, den Putsch am 20. April durchzuführen, musste wegen der Kenntnis der Regierung abgebrochen werden. Aber die Regierung ergriff keine weiteren Gegenmaßnahmen. Stattdessen kamen zwei neue Offiziere zu den Verschwörern, die zuvor als loyal gegolten hatten: General Gonzalo Queipo de Llano und General Miguel Cabanellas. Das Koordinationszentrum ging mit Mola nach Navarra. Dort musste mit den ultra-katholizistischen Karlisten ein Kompromiss gefunden werden; schließlich strebte Mola noch immer einen säkularen Staat an. Man erreichte die Unterstützung der paramilitärischen karlistischen Verbände, die Requétes, für die regulären Armeeverbände der Unión.
Währenddessen versuchte die Regierung das Ansehen der Offiziere zu verteidigen. Am 18. März verwahrte sie sich offiziell gegen die „ungerechten Angriffe“ gegen die Militärs, als Teile der Presse über die Putsch-Absichten berichteten. (Die Linken hatten im Militär zahlreiche Informanten.) Die Regierung wollte alles tun, um die Offiziere nicht gegen sich aufzubringen. Dies hätte bedeutet, dass man im Gegenzug die Arbeiter bewaffnet und ihnen mit den Gewehren auch das Schicksal der Republik ausliefert hätte. Ministerpräsident Casares Quiroga wusste zwar von den Vorgängen, die Regierung zu stürzen, entschied sich aber gegen ein Eingreifen. Er war der Auffassung, dass er über nicht genügend Informationen verfügte und hielt einen Putsch ohnehin für aussichtslos. Auch Staatspräsident Azaña gab sich entsprechenden Warnungen gegenüber abweisend.
Am 16. Juli konnte General Mola den seit März inhaftierten Führer der Falange, José Antonio Primo de Rivera, über die Absicht der Offiziere informieren, am 18. Juli loszuschlagen. Primo de Rivera hatte noch im Mai – unter liberalen Haftbedingungen – den gewaltsamen Sturz der Republik fordern können. (Nach Ausbruch des Bürgerkrieges wurde er allerdings hingerichtet).
Zur selben Zeit führten in Madrid UGT und CNT gemeinsam einen wochenlangen Bauarbeiter-Streik durch, an dem 70.000 Menschen teilnahmen. Das bedeutete Lohnausfall (es gab keine Streikkassen) und Hunger. Die Falange überfiel gezielt die Streikenden. Die Anarchisten wollten das nicht länger hinnehmen. Sie wollten die Arbeiter endlich bewaffnet sehen.
Eine staatliche Schiedskommission kam den Lohnforderungen entgegen; die Sozialisten erklärten die Aktion für beendet. Aber die CNT-Sektion wollte unbedingt weiter machen und beriefen sich auf die bestehende Vereinbarung zwischen den Gewerkschaften. Sozialisten und Anarchisten gerieten aneinander; es gab fünf Tote.
Als die Anarchisten auf eine weitere Provokation der Falange mit einem Maschinengewehr-Angriff antworteten, bei dem drei Leibwächter José Antonio Primo de Riveras umkamen, griff die Regierung durch. Sie verhaftete die führenden Aktivisten der CNT und schloss das Bezirksbüro der Gewerkschaft. Doch die Anarchisten machten einfach weiter; sie kämpften gegen UGT-Mitglieder, die Polizei und die Falange.
Die Situation spitzte sich immer mehr zu. Führende Militärs konspirierten in der Ferne; in der Hauptstadt traten vor allem die militanten Arbeiter als Problem in Erscheinung.
Aber auch die Republikaner zeigten, dass sie imstande waren, Gewalt anzuwenden. Nach der Ermordung Leutnant Castillos antworteten Sturmgardisten und Mitglieder der Guardia Civil prompt mit einem Gegenschlag. Sie wählten Calvo Sotelo zum Opfer. In ihm sahen sie das Haupt antirepublikanischer Aktivitäten und, allerdings zu Unrecht, den Drahtzieher bei der Ermordung ihres Kameraden. Sie erschossen ihn am Morgen des 13. Juli in Madrid.
Die Beerdigungen der beiden Mordopfer wurden zu Demonstrationen der Unversöhnlichkeit. Goicoechea und Gil-Robles forderten unverholen Rache und den Kampf gegen die Regierung. Die asturischen Arbeiter fingen an, die versteckten Waffen auszugraben. Die Regierung setzte ein paar Militärs ab, schickte die Wehrpflichtigen nach Hause und verhaftete einige Falangisten erneut. Prieto warnte die Putschisten, dass sie definitiv auf Gegenwehr stoßen würden. Allein der Ministerpräsident gab sich optimistisch. Er zählte ausgerechnet auf Mola. Beweise für eine Verschwörung ließ er nicht gelten.
Mit der Ermordung Calvo Sotelos hatten die Militärs den Anlass gefunden, mit dem sie ihren Putsch rechtfertigen konnten. Am 17. Juli 1936 begann der Aufstand im marokkanischen Melilla. Er setzte sich in Tétouan fort. Jeglicher Widerstand wurde sofort gewaltsam unterdrückt. Das gleiche geschah in Ceuta. Die africanistas, die Offiziere der Kolonialarmee, machten sich daran, das Mutterland ihren Vorstellungen unterzuordnen.
Als Casares Quiroga davon hörte, sagte er nur:
Der Putsch führte jedoch nicht zum schnellen Erfolg seiner Protagonisten, sondern entwickelte sich zum Spanischen Bürgerkrieg.
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