Zwangsstörungen (engl. Obsessive compulsive disorder, OCD) sind psychische Störungen, bei denen sich den Patienten Gedanken und Handlungen aufdrängen, die als quälend empfunden werden oder umgesetzt werden müssen, auch wenn sie übertrieben oder vollkommen sinnlos sind. Die Erkrankten erkennen dies zwar meistens, können sich darüber aber nicht hinwegsetzen.
Obwohl bei den Zwangsstörungen auch Ängste eine Rolle spielen, zählen sie nicht zu den Angststörungen im engeren Sinne. Es bestehen wesentliche Unterschiede zwischen einer Zwangsstörung und einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung.
Bei Zwangsgedanken geht es meistens um angstvolle Gedanken und Überzeugungen, jemandem zu schaden, in eine peinliche Situation zu kommen oder ein Unheil anzurichten. Thematisch geht es häufig um Schuld oder Verunreinigung. Zwangshandlungen bestehen dementsprechend oft aus Kontrollhandlungen oder Reinigungshandlungen. Ein Beispiel ist der Waschzwang. Zwangsstörungen können so stark ausgeprägt sein, dass eine normale Lebensführung unmöglich ist.
Die Erkrankung beginnt meist im Jugend- oder frühen Erwachsenenalter vor dem 30. Lebensjahr, meist langsam zunehmend und sich dann stetig verschlimmernd. Ohne wirksame Therapie verläuft sie zu zwei Dritteln chronisch, zu einem Drittel schubweise mit akuten Verschlechterungen unter besonderen Belastungen.
Begleitend leiden viele Menschen an Ängsten und Depressionen. Viele andere Krankheiten werden als so genannte Zwangsspektrum-Krankheiten in die Nähe der Krankheit gebracht:
Dazu zählen u. a. Essstörungen, Tic-Störungen, das Tourette-Syndrom und die Spielsucht.
Reine Zwangsgedanken können auch in Zusammenhang mit postpartalen Depressionen und/oder postpartalen Psychosen auftreten. In der Regel fürchtet die Mutter, sie könne das Neugeborene gegen ihren Willen schädigen.
Zwangsstörungen werden dagegen in der analytisch orientierten Psychologie oftmals auch als eine partielle Rückentwicklung zum kindlichen Egozentrismus angesehen. Leider konnte die psychoanalytische Schule bei der Therapie der Zwangskrankheiten keine nennenswerten Erfolge erzielen. Der Zwangsgestörte hat allerdings durchaus einen krankhafteren Zustand als ein gesundes, egozentrisches Kind. So kennen viele Kinder Rituale, die ihnen Glück bescheren und Pech abwehren sollen - gelingt das Ritual, ist das Kind zufriedengestellt bis euphorisch und zuversichtlich. Erlangt man aber durch die Rituale keine seelische Sicherheit mehr und steigert man sogar immer weiter die Wiederholung des Rituals, damit der gefühlte Zustand lediglich nicht schlimmer wird, ist ein krankhafter Zustand erreicht. Die Zusammenhänge zwischen kindlichem Egozentrismus und Zwangsstörungen bleiben aber ungeklärt und sehr spekulativ.
Eine weitere, von Salkovskis vorgeschlagene Theorie zur Entstehung von Zwangsstörungen geht davon aus, das Zwangsstörungen durch die negative Bewertung von sich aufdrängenden Gedanken, die auch bei gesunden Menschen von Zeit zu Zeit auftreten, und deren (anschließende) Vermeidung entstehen. Die Vermeidung der auftretenden Gedanken kann kognitiv oder verhaltensmäßig geschehen: Entweder wird versucht, die Gedanken zu unterdrücken oder sie durch Handlungen zu "neutralisieren" (bspw. bei Angst vor Kontaminationen durch Händewaschen). Beide Vermeidungsreaktionen führen jedoch nicht zu den erwünschten Effekten: Die Neutralisierungshandlung führt nur kurzfristig zu einer Erleichterung, da die, das Verhalten auslösenden Gedanken, sich weiterhin aufdrängen. Jedoch hat die Person gelernt, das sie sich durch die Handlung, wenn auch nur kurzfristig, Erleichterung verschaffen kann. Das Verhalten wird somit negativ verstärkt. Gedankliches Unterdrücken, andererseits, hat einen paradoxen Effekt: Durch das aktive Unterdrücken verstärken sich die Gedanken noch.
Andere Theorien sehen einen Zusammenhang zwischen Zwangsstörungen und Ängsten.
Zur Standardtherapie der Zwangstörung (besonders in der akuten Phase) gehört auch eine medikamentöse Behandlung über längere Zeit mit Wirkstoffen, die die Aufnahme des Botenstoffs Serotonin im Gehirn verhindern - u. a. Clomipramin, Fluvoxamin, Fluoxetin. Die medikamentöse Therapie ist, ergänzend zur Verhaltenstherapie, sehr empfehlenswert und kann die Symptome deutlich reduzieren.
Bei optimaler Therapie ist eine Besserung der Beschwerden und des Verlaufs in den meisten Fällen zu erwarten. Eine vollständige Heilung ist nur selten zu erreichen, eine stabile Remission ist jedoch fast immer möglich. Das Absetzen der Medikamente führt in einer hohen Prozentzahl der Fälle zu einem Rückfall. Auch hier kann eine Verhaltenstherapie auffangen.
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