Suedafrika_1885.jpg Der Zulukrieg (1879) war ein unerklärter Krieg zwischen dem Volk der Zulu in Südafrika und dem British Empire. Nach anfänglichen Erfolgen der Zulu konnten die Briten den Krieg gewinnen und das Zulureich hörte auf, als souveräner Staat zu existieren.
Mit König Cetshwayo war 1873 ein Mann an die Spitze der Zulu getreten der die Militärmacht König Shakas (1787 - 1828) wiederhergestellt hatte. Die Briten befürchteten darüber hinaus eine Koalition dieser mächtigen Nation mit den Buren. Am 11. Dezember 1878 übergaben Kolonialvertreter deshalb ein Ultimatum an die Zulu. Die Briten forderten darin die Zahlung von Steuern und die Einstellung von Überfällen auf englische Siedler. Dazu wurde ein Vorfall herangezogen in dem zwei Zulu - Krieger zwei Mädchen aus Natal entführt hatten. Darüber hinaus verlangte das Ultimatum eine ungestörte Missionarstätigkeit im Zulugebiet und die Kontrolle über den Einsatz der Armee Cetshwayos.
Die Standardinfanteriewaffe der Briten war das Martin-Henry-Gewehr (Kaliber .45). Die Artillerie war ausgestattet mit Geschützen im Kaliber 7 Pfund und 9 Pfund und einer Raketen-Batterie. Bei der zweiten Invasion wurden einige Gatling-Kanonen eingesetzt.
Die afrikanischen Hilfstruppen der Briten wurden unter den schwarzen Einwohnern Natals angeworben. Diese waren den Zulu gegenüber traditionell feindlich eingestellt. Diese Truppen waren ähnlich wie die Zulu, mit Schild und Speer, ausgerüstet. Nur ungefähr jeder zehnte von ihnen war mit einem Gewehr ausgestattet.
Die Zulu kämpften in ihrer klassischen, durch König Shaka eingeführten, Taktik: Die impi wurden in vier Gruppen geteilt, die während der Schlacht eine Ordnung einnahmen, die die Form eines Stierkopfes hatte. Die kampfstärkste Gruppe bildete dabei den Brustkorb (Isifuba) und griff den Feind frontal an. Die zweite und dritte Gruppe bildeten die Hörner (Izimpondo), die gleichzeitig die Gegner mit einer Kreisbewegung umzingelten, um Flucht oder Rückzug zu verhindern. Die letzte Gruppe bildete die Reserve.
Zulukrieger waren mit einem großen Schild aus Kuhhaut (isihlangu) ausgerüstet. Dessen Farbe gab Aufschluss über die Zugehörigkeit zu einem Regiment. Bewaffnet waren die Zulukrieger mit großen Kriegsspeeren (isijula), später teils auch mit im Laufe des Feldzuges erbeuteten Gewehren.
Aufgrund ihren zahlenmäßigen Stärke, ihrer Moral, ihrer Führung und ihrer Beweglichkeit konnten die Zulu einen großen Teil ihrer waffentechnischen Unterlegenheit wettmachen.
Am 22. Januar 1879 erlitt ein Teil der mittlere Abteilung der Briten in der Schlacht bei Isandhlwana eine katastrophale Niederlage. Lord Chelmsford hatte vor der Schlacht die Stärke der gegnerischen Truppen völlig falsch eingeschätzt. Bei Ausbruch der Schlacht gegen Mittag des 22. Januar befand sich Chelmsford selbst, mit dem Gros seiner Truppen, zu weit entfernt, um eingreifen zu können. Den Schlachtenlärm interpretierte er fälschlicherweise als Schießübungen. So standen die etwa 1.400 zurückgelassenen Soldaten einer mehr als zehnmal so starken Zulustreitmacht gegenüber. Die regulären britischen Truppen konnten mit ihrem gezieltem Feuer den Ansturm der Zulus eine zeitlang abwehren, während die Hilfstruppen ohne Gewehre schnell die Flucht ergriffen. Die Briten zogen sich daraufhin und bei einsetzender Munitionsknappheit in Richtung des Lagers zurück, wurden aber von den Zulus teils ausflankiert, teils eingeholt und im Handgemenge Speer gegen Bajonett niedergemacht. Bei seiner Ankunft, bei Einbruch der Dunkelheit, fand Chelmsford ein Leichenfeld vor. Mehr als 1.300 britischer Soldaten waren gefallen, während etwa 3.000 Zulukrieger den Angriff mit ihrem Leben bezahlten. König Cetshwayo nutzte den Sieg aber nicht um einen Gegenangriff nach Natal zu führen.
Am gleichen Tag konnten bei Rorke's Drift 145 Briten dem Angriff von ungefähr 4.000 Zulu des uNdi Korps, unter Prinz Dabulamanzi kaMpande, standhalten. Nach zehnstündigem Kampf hatten die Zulu rd. 550 Mann verloren und zogen sich zurück. Die britischen Verluste betrugen 17 Tote und 15 Verwundete. Für diesen Kampf wurden 11 Männer mit dem Victoriakreuz, der höchsten Auszeichnung Großbritanniens für überragende Tapferkeit im Angesicht des Feindes ausgezeichnet. Dies ist die größte Anzahl von Victoriakreuzen die je für ein Gefecht verliehen wurde.
Während die mittlere Abteilung der Briten nach der Kastastrophe bei Isandhlwana nicht mehr einsatzfähig war, wurde die Küstenabteilung bei Eshowe von Zulutruppen eingeschlossen. So stand die linke Abteilung unter Evelyn Wood allein im Zululand. Am 28. März kam es zu einem Gefecht zwischen Woods Kavallerie und der Hauptarmee der Zulu bei Hlobane. Woods Kavallerie wurde geführt von Oberstleutnant Redvers Buller, dem späteren Oberbefehlshaber der Briten im Burenkrieg. In diesem Gefecht waren die Zulu siegreich und die Briten verloren fast ein Drittel ihrer eingesetzten Truppen. Am folgenden Tag wiederum besiegte Wood mit 2.000 Mann eine Zulu-Streitmacht von 25.000 Mann in der Schlacht von Kambula. Wood hatte nach der Niederlage von Hlobane bei Kambula eine befestigte Stellung bezogen. Ihm gegenüber stand die Hauptstreitmacht der Zulu unter Ntshingwayo Khoza, der schon die Schlacht bei Isandhlwana gewonnen hatte. In der Zulustreitmacht kämpften auch Regimenter, die bereits bei Isandhlwana die Briten geschlagen hatten und mit den dort erbeuteten Feuerwaffen ausgerüstet waren. Die Schlacht begann am frühen Nachmittag. Die Zulu griffen in mehreren erfolglosen Wellen bis ca. 17:00 Uhr an. Dann begann Wood mit dem Gegenangriff. Durch die Niederlage bei Kambula wurde die Moral der Sieger von Isandlwana deutlich geschwächt und die der Briten wiederhergestellt. Lord Chelmsford konnte so am 2. April ein Zulukontingent bei Gingindlovu schlagen. Die Zulu erlitten dabei schwere Verluste (1.200 Mann) wogegen die Briten 2 Tote und 52 Verwundete zu beklagen hatten. Am nächsten Tag konnten Chelmsford die eingeschlossenen Truppen von Eshowe entsetzen.
Die britische Offensive begann allerdings mit dem Tod von Prinz Napoléon Eugène Louis Bonaparte, der bei einem Erkundungsritt am 1. Juni fiel. Prinz Napoleon war nach dem Tod seines Vaters Kaiser Napoléon III. am 16. März 1874 als Napoléon IV. wirkungslos zum neuen „Kaiser der Franzosen“ und Präsidenten der Bonapartisten deklariert worden. Der Prinz nahm als Offizier der Britischen Armee freiwillig am Zulukrieg teil. In Europa wurde der Tod des letzten Anwärters auf den französischen Kaisertitel deshalb vor allem von den Anhängern der Familie Bonaparte mit Bestürzung wahrgenommen. Ungeachtet dessen führten die Briten ihre Offensive in Richtung der Hauptstadt der Zulu, Ulundi, fort, die sie Ende Juni erreichten. Währenddessen wurden Kuriere mit einem Friedensangebot an Cetshwayo geschickt. Die Bedingungen dafür wurden aber vom König abgelehnt.
Die Entscheidung fand statt am 4. Juli. In der Schlacht bei Ulundi kämpften 20.000 Zulu unter ihrem König gegen 5.317 Mann auf britischer Seite. Aber bereits nach einer halben Stunde brach der Angriff der Zulu im Feuer der technisch deutlich überlegenen Briten, die mit Artillerie und Gatlings ausgestattet waren, zusammen. So dass die Briten zum Gegenangriff übergehen konnten um die Zulu zu vernichten. Die Briten verloren ungefähr 100 Mann, wogegen die Verluste der Zulu bei rd. 1.500 lagen.
1882 kam es zwischen Anhängern und Feinden Cetshwayos zu einem Bürgerkrieg. Aus diesem Grund erlaubten die Briten seine Ausreise nach London. Seine Ankunft dort am 5. August 1882 und seine Audienzen bei Königin Viktoria errregte gewaltiges öffentliches Interesse. Cetshwayo kehrte im Januar 1883 nach Zululand zurück, nachdem er sein Einverständnis erklärt hatte, den Frieden gegenüber seinen Feinden zu wahren.
Nach dem Tod Cetshwayos (1884) bestieg sein Sohn Dinizulu den Thron. Dinizulu war aber im Gegensatz zu seinem Vater kein souveräner König mehr und konnte seine Macht nur mit Hilfe des Burenstaates Transvaal durchsetzen.
Die Zulu sind heute eine Volksguppe mit ca. fünf Millionen Menschen und leben hauptsächlich in der Provinz KwaZulu-Natal in Südafrika.
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