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Zuckerrohr
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: Commelinaähnliche (Commelinidae)
: Süßgrasartige (Poales)
: Süßgräser (Poaceae)
: Panicoideae
: Saccharum
: Zuckerrohr
Wissenschaftlicher Name Saccharum officinarum L.

Zuckerrohr (Saccharum officinarum) ist eine Pflanze aus der Familie der Süßgräser (Poaceae) und wird dort der Unterfamilie Panicoideae mit etwa 3270 weiteren Arten zugeordnet.

Beschreibung


Vom Aussehen her ähnelt es dem Bambus oder Mais oder jeder anderen einkeimblättrigen Pflanze. Die Halme können einen Durchmesser von bis zu 5 cm und eine Höhe von bis zu 4 m erreichen.

Geschichte


Seine Geschichte begann vermutlich auf Neuguinea, wo man 1928 eine nahe verwandte Wildpflanze, das Gras Saccharum robustum, entdeckte.

Bis zur Züchtung der Zuckerrübe aus der Runkelrübe war das Zuckerrohr die einzige Quelle, um Zucker zu gewinnen. Als ursprüngliche Herkunftsgebiete werden Insel-Indien, aber auch Neuguinea (und China) angegeben, die genaue genetische Herkunft ist aber noch unklar. Im Mittelmeergebiet war das Zuckerrohr schon während der Römerzeit bekannt, es erfuhr eine weitere Verbreitung durch die Mauren, Araber und reiste mit der entstehenden Plantagenwirtschaft der Spanier nach Südamerika. Die Portugiesen brachten es in die Bucht von Benin, auf die Kanaren, in die Karibik und nach Mittelamerika. Der Zuckerrohranbau in der so genannten Neuen Welt hat entscheidend zur Verschleppung schwarzafrikanischer Ethnien in die Sklaverei (10 - 15 Mio. Menschen) und zur Ausrottung ganzer Volksgruppen in Mittelamerika geführt. Heute wird Zuckerrohr weltweit angebaut und stellt etwa 55% der Zuckerproduktion. Hauptanbauländer sind Indien, Australien, Thailand, Südafrika, die karibischen Inseln wie Kuba, Jamaika und die Dominikanische Republik und natürlich Brasilien. Die Arbeitsbedingungen auf den Zuckerrohrfeldern sind teilweise katastrophal. Häufig werden Kinder und Frauen als Arbeitskräfte eingesetzt, schlechte Bezahlung ist in den Regionen des Zuckerrohranbaus ohnehin an der Tagesordnung. Entsprechend billig kann der Rohrzucker angeboten werden, in der EU ist er allerdings wegen sehr hoher Zölle trotzdem nicht konkurrenzfähig gegen den Rübenzucker.

Nutzung


Koeh-125.jpg Inhaltsstoffe des Zuckerrohrs sind Zucker (überwiegend Saccharose) mit einem Anteil von bis zu 18% und ein Wachs, das teilweise auch industriell genutzt wird.

Bei der industriellen Rohr-Zuckerfabrikation werden die faserigen Bestandteile des Zuckerrohrs (die Bagasse) als Brennstoff für die Zuckerproduktion genutzt.

Der Anbau des Zuckerrohrs geschieht über Stecklinge. Halmstücke aus dem unteren Bereich der „Zuckerrohrhalme“, die zwei bis vier Knoten aufweisen, werden je nach Technisierungsgrad entweder manuell oder maschinell reihenweise dicht hintereinander in den Boden gelegt und angehäufelt, so dass die Halmstücke leicht mit Boden überdeckt sind. Der Reihenabstand beträgt 1,2 bis 1,5 m (pro Hektar 15.000-20.000 Stecklinge). Nach kurzer Zeit (ein- bis zwei Wochen) treiben die Stecklinge aus, d. h. sie bilden Wurzeln und treiben an den Augen neue Halme (Rohre) aus. Rund 3 bis 4 Monate Wachstumszeit benötigt der Bestand bis zum Reihenschluß. Die erste Ernte, das Schneiden des Rohrs, kann 9 bis 24 Monate nach dem Auspflanzen erfolgen. Der Erntezeitpunkt richtet sich nach Zuckergehalt und Reifegrad. Die Halme werden direkt über dem Boden und in einer Höhe unter dem zuckerlosem Blattapparat abgeschnitten. Die “Halmstümpfe” schlagen wieder aus und nach weiteren 12 Monaten kann die nächste Ernte geschnitten werden. Bis zu 8 Ernten können auf einem Zuckerrohrfeld wachsen. In Indien beträgt die Nutzungsdauer z. B. 2 Schnitte, in Brasilien dagegen 5 Schnitte. Eine Zuckerrohrpflanze kann bis zu 20 Jahre alt werden.

In Brasilien wird Zuckerrohr auch dazu verwendet, einen Schnaps (den Cachaça) zu brennen, der zur Herstellung von Caipirinha benötigt wird. Der aus frischem Zuckerrohr gepresste, meist gekühlte Saft ist z.B. in Kuba oder Spanien als Guarapo ein beliebtes Getränk. In den arabischen Ländern heißt dieses Getränk قصب qaṣab, dialektal (z.B. in Ägypten und der Levante) ʾaṣab. In Kolumbien wird aus Zuckerrohr und Anis Aguardiente gebrannt. Außerdem dient aus Zuckerrohr gewonnener Alkohol als Kraftstoff für Autos (siehe Flexible Fuel Vehicle).

Zuckerrohr war berühmt für seine zahnpflegenden Eigenschaften. In alten Reiseberichten aus dem 19. Jahrhundert wurde immer wieder beschrieben, was für ausgezeichnete Zähne die Plantagenarbeiter oder Eingeborenen hätten, was auf das Kauen des Zuckerrohrs zurückgeführt wurde. Es erscheint paradox, dass eine zuckerhaltige Pflanze zahnpflegende Effekte hat – dies ist wohl auf die "Bürstenfunktion" der rauen Pflanzenteile zurückzuführen. Zudem ist das frische Rohr nicht sehr lange haltbar. Daher geriet dieser Aspekt der Pflanze wieder in Vergessenheit.

Bilder


Image:Saccharum-officinarum-harvest.JPG|Zuckerrohr-Ernte ohne Maschinen. Image:Cuba canna da zucchero.jpg|Links und rechts Zuckerrohr-Plantagen auf Kuba. Image:Sugar_cane_madeira_hg.jpg|Zuckerrohrfeld auf Madeira.

Siehe auch


Ethanol (Kraftstoff)

Literatur


  • Henry Hobhouse: Sechs Pflanzen verändern die Welt. Chinarinde, Zuckerrohr, Tee, Baumwolle, Kartoffel, Kokastrauch. Klett-Cotta, Hamburg 2001 (4. Aufl.). ISBN 3-608-91024-7 (spannend zu lesende Geschichte mit komplett anderer Perspektive)

  • Christoph Maria Merki: Zucker gegen Saccharin. Zur Geschichte der künstlichen Süßstoffe. Campus, Frankfurt a.M.-New York 1993. (Diss. Bern 1990) ISBN 3-593-34885-3 (über die Geschichte des Wettbewerbs zwischen natürlichen und künstlichen Süßungsmitteln)

Weblinks


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