Zofingen (schweizerdt. Zofige, franz. Zofingue) ist eine Stadt und der Hauptort des gleichnamigen Bezirks im Schweizer Kanton Aargau sowie eine politische Gemeinde. Sie liegt im äussersten Südwesten des Kantons im Wiggertal, an der Grenze zum Kanton Luzern, und bildet den südlichen Schwerpunkt eines Ballungsgebietes, das sich über Oftringen und Aarburg und bis nach Olten und Trimbach im Kanton Solothurn erstreckt. Die Stadt liegt nahe dem Kreuzungspunkt der wichtigsten Nord-Süd- und West-Ost-Verkehrswege der Schweiz. Mit mehr als 10'000 Einwohnern ist Zofingen die siebtgrösste Gemeinde des Kantons. Das benachbarte Mühlethal wurde am 1. Januar 2002 eingemeindet.
Zofingen 1884.jpg von 1884]] Westlich der Altstadt erstreckt sich eine flache, bis zu zwei Kilometer breite Ebene. Entlang der Bahnlinie verläuft der Altachenbach. Dieser fliesst in einem durchschnittlichen Abstand von 600 Metern parallel zur Wigger, die auch die westliche Stadtgrenze ist. Das Gebiet westlich der Altstadt ist dicht besiedelt und weist im nördlichen Teil eine ausgedehnte Industriezone auf. Das überbaute Gebiet ist mit demjenigen von Oftringen und Strengelbach zusammengewachsen, wobei das Oftringer Gemeindegebiet bis etwa zweihundert Meter an den nördlichen Rand der Altstadt heranreicht.
Die Fläche des Stadtgebiets beträgt 1107 Hektar, davon sind 480 Hektar bewaldet und 316 Hektar überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf dem 661 Meter hohen Rottannhubel an der östlichen Stadtgrenze, die tiefste Stelle liegt auf 421 Metern an der Wigger.
Nachbargemeinden sind Oftringen im Norden, Safenwil im Nordosten, Uerkheim und Bottenwil im Osten, das luzernische Wikon im Süden, Brittnau im Südwesten sowie Strengelbach im Westen.
1826 fand man am Südwesthang des Heiternhügels die Überreste eines römischen Gutshofes. Er war im späten 1. Jahrhundert n. Chr. entstanden und diente zur Lebensmittelversorgung des Legionslagers in Vindonissa. Das Herrenhaus erreichte nach zahlreichen Erweiterungen eine Länge von 120 Metern; der Zofinger Gutshof ist somit der grösste, der bis jetzt auf dem Gebiet des Kantons Aargau entdeckt worden ist. Im Jahr 259 durchbrachen die Alemannen den Obergermanisch-Rätischen Limes und zogen plündernd und mordend durch das Mittelland. Die römischen Truppen mussten sich über die Alpen zurückziehen und konnten die Invasoren erst im Jahr 270 wieder zurückdrängen. Etwa um diese Zeit wurde auch der Gutshof aufgegeben. Zwischen 401 und 406 zogen sich die Römer endgültig über die Alpen zurück.
Ein paar Jahrzehnte später begannen die Alemannen mit der Besiedlung des fast völlig entvölkerten Mittellands. Die Wortendung «-ingen» lässt darauf schliessen, dass die Siedlung Zofingen während der ersten Besiedlungsphase etwa um 500 herum entstand. Der Ortsname leitet sich vom alemannischen Begriff für «bei den Leuten des Zobo» ab. Die Siedlung wurde bald zum religiösen Zentrum der Region und um 600 entstand die erste Pfarrkirche. Bei Grabungen in den Jahren 1979 und 1980 stiess man auf zwei Steinkistengräber alemannischer Adeliger mit goldenen Beigaben aus dem 7. Jahrhundert.
Die erste urkundliche Erwähnung des Chorherrenstifts und Zofingens erfolgte im Jahr 1201. Wann genau das Stadtrecht verliehen worden war, ist nicht bekannt. Bereits in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts begann man in Zofingen mit der Prägung eigener Münzen, die sich in der heutigen Nordwestschweiz grosser Beliebtheit erfreuten. Um 1250 begann der Niedergang der Frohburger, die sich in drei Linien aufgeteilt hatten. Sie mussten im Jahr 1274 fast ihren gesamten Besitz an König Rudolf I. verkaufen. Im September 1299 erwarben die Habsburger dann auch Zofingen, die eigentliche Heimat der Frohburger. 1348 forderte die Pest in Zofingen viele Opfer. Die Juden, die man für die Verbreitung der Epidemie verantwortlich machte, wurden aus der Stadt vertrieben.
Bereits unter den Frohburgern war die Stadt vom Amt Aarburg abgetrennt worden und bildete einen eigenen Gerichtsbezirk mit niederer und hoher Gerichtsbarkeit. Unter der Herrschaft der Habsburger erlangten die Zofinger vor allem in wirtschaftlichen Bereichen immer mehr Autonomie; auch ihre Amtspersonen durften sie selbst wählen. Ende Januar 1361 fand in Zofingen ein Lehenstag statt. Sämtliche Inhaber eines Lehens in den Vorlanden mussten persönlich in der Stadt erscheinen und ihre Lehen bestätigen lassen; dies waren mehr als 900 Personen aus dem Elsass, aus Süddeutschland, dem Thurgau und dem Aargau. Beim Einfall der Gugler im Jahr 1375 kam Zofingen im Vergleich zu den Regionen weiter westlich relativ glimpflich davon.
Als die Spannungen zwischen Luzern und den Habsburgern immer mehr zunahmen, hielt Zofingen treu zu den Habsburgern und kämpfte am 9. Juli 1386 in der Schlacht bei Sempach an deren Seite. Zwölf Zofinger fielen, darunter Niklaus Thut. Der Alt-Schultheiss soll kurz vor seinem Tod das Zofinger Banner verschluckt und so vor dem Zugriff der Eidgenossen bewahrt haben. Diese Legende entstand im 16. Jahrhundert, seither wird Niklaus Thut als Stadtheld verehrt. 1388 belagerten die Berner die Stadt, konnten sie aber nicht einnehmen. Erst sechs Jahre später wurde ein Friedensvertrag zwischen Habsburg und den Eidgenossen unterzeichnet. 1393 wütete ein Brand in der Unterstadt, 1396 legte ein weiterer Brand fast die gesamte Stadt in Schutt und Asche.
1444 fanden in Zofingen nach der Schlacht bei St. Jakob an der Birs die Friedensverhandlungen zwischen Frankreich und der Eidgenossenschaft statt. Die Stadt war noch dreimal von grossen Bränden betroffen: 1423 und 1462 in der Oberstadt, 1473 in der Unterstadt; allerdings waren die Zerstörungen bei weitem nicht so gravierend wie noch 1396. Zofingen besass die niedere Gerichtsbarkeit über Bottenwil, verkaufte diese jedoch im Jahr 1496 an Bern.
Seit dem 15. Jahrhundert existierten vier Zünfte: Die Ackerleutenzunft, die Metzgernzunft, die Schützenzunft und die Gesellschaft zu Schneidern. Neu entstehende Berufsgattungen schlossen sich jeweils einem dieser vier Zünfte an, da neue Zünfte nicht mehr zugelassen wurden. Sie besassen keinen politischen Einfluss, sondern waren reine Berufsorganisationen. Der Handel und das Handwerk blühten; Zofingen war weit herum bekannt für die Zinngiesser, die Glockengiesser und die Glasmaler. Ein bedeutender Wirtschaftsfaktor waren die grossen Wälder im Besitz der Stadt; das Zofinger Holz war aufgrund der hohen Qualität sehr begehrt. Besonders hoch gewachsene Tannen wurden sogar bis nach Genua exportiert, wo sie von den Schiffsbauern zu Masten verarbeitet wurden.
1528 beschloss Bern die Einführung der Reformation und setzte diese Massnahme auch in allen Untertanengebieten durch. Sämtliche Klöster wurden aufgelöst und deren Vermögen konfisziert, auch das Zofinger Chorherrenstift war davon betroffen. Anstelle der Chorherren verwaltete nun ein von Bern eingesetzter Stiftsschaffner die umfangreichen Güter, das Gebäude diente nun auch als Schule. Die Stadt bemühte sich fast zwanzig Jahre lang vergeblich um einen Anteil am Stiftsvermögen. Die Einkünfte des Stiftes waren über zehn Mal grösser als jene der Stadt. Die südliche Stadtgrenze war zugleich Konfessionsgrenze, denn die angrenzenden luzernischen Untertanengebiete waren katholisch geblieben. Oft vergnügten sich die Einwohner Zofingens an Festen in der weit weniger sittenstrengen Nachbarschaft; wer dabei ertappt wurde, dem drohten empfindliche Strafen.
Zofingen 1715.jpg Eine grosse Pestepidemie im Jahr 1552 forderte über 800 Tote, etwa die Hälfte der damaligen Bevölkerung. 1611 und 1612 starben nochmals rund 380 Personen an der Pest. Nach dem Schweizer Bauernkrieg von 1653 fand in Zofingen das Kriegsgericht statt, bei dem über mehrere Anführer der aufständischen Bauern das Todesurteil verhängt wurde. Im Ersten Villmergerkrieg von 1656 diente Zofingen als Sammelpunkt der Berner Truppen, die jedoch bei Villmergen vernichtend geschlagen wurden. 1712, beim Zweiten Villmergerkrieg war Zofingen wiederum Aufmarschgebiet; diesmal war die Stadt jedoch auf Seiten der Sieger.
Im 17. und frühen 18. Jahrhundert wurden die Holzhäuser in der Altstadt allmählich durch barocke Steinbauten ersetzt. Reiche Stadtbürger liessen ausserhalb der Stadtmauern repräsentative Landsitze errichten. Um etwa 1640 hatte Bern begonnen, die Herstellung von Textilien gezielt zu fördern. Zofingen war wegen der Nähe zu den wichtigsten Handelsrouten besonders gut für die Ansiedlung von Manufakturen geeignet. Zuerst war die Tuchweberei vorherrschend, ab 1700 erlebten die Herstellung von Leinen und Baumwolltüchern einen Aufschwung, ab 1720 auch die Seidenbandfabrikation. Nach 1780 wurde die reine Produktion aufgrund zunehmender ausländischer Konkurrenz durch Weiterverarbeitung und Handel ergänzt.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts verbreiteten sich die Ideen der Aufklärung in der führenden Schicht. Die Forderungen nach Gleichheit und Menschenrechten, die sich nach Beginn der Französischen Revolution verbreiteten, fanden in Zofingen jedoch allgemein wenig Gehör. Dies ganz im Gegensatz zu Aarau, wo der Widerstand gegen die alte Herrschaftsordnung besonders gross war. Die Zofinger genossen unter der Herrschaft Berns nach wie vor eine besonders weit reichende Autonomie und fürchteten im Falle politischer Umwälzungen den Verlust alter Privilegien.
Die übrigen Städte des Berner Aargaus entzogen sich zu Beginn des Jahres 1798 der Kontrolle Berns und weigerten sich, Truppen zum Schutz vor den herannahenden Franzosen zu entsenden. Zofingen hingegen hielt weiterhin treu zu den «Gnädigen Herren» und bot Ende Februar das städtische Regiment auf. Doch bereits am 5. März kapitulierte Bern. Am 12. April proklamierte der französische General Guillaume Brune die Helvetische Republik. Zofingen wurde gegen den Willen der Stadtregierung dem neu geschaffenen Kanton Aargau hinzugefügt, der damals lediglich die ehemaligen Berner Untertanengebiete umfasste.
Nicht alle mochten sich mit den neuen Verhältnissen anfreunden. Anhänger der alten Ordnung versuchten mehrmals mit Petitionen einen Anschluss an den Kanton Bern zu erreichen, was die Besatzungsmacht jedoch nicht duldete. Als die französischen Truppen sich im Jahr 1802 für einige Monate zurückzogen, hatten die Berntreuen eine Zeitlang die Oberhand und ignorierten die Anweisungen aus Aarau. Die am 19. März 1803 von Napoléon Bonaparte unterzeichnete Mediationsakte beendete alle Wiedervereinigungsträume, denn Zofingen gehörte nun endgültig zum Kanton Aargau. Das Gebiet westlich der Wigger wurde dem Bezirk Zofingen angefügt.
Der Wiener Kongress bestätigte, dass Zofingen Teil des Kantons Aargau bleiben würde. Der Stadtrat suchte nach Möglichkeiten, Zofingen über den Status eines gewöhnlichen Bezirkshauptorts zu heben. Der Vorschlag, die Tagsatzungen der Eidgenossenschaft hier durchzuführen, war jedoch chancenlos. Nach und nach öffnete sich die Stadt dem Liberalismus und diente als Versammlungsort liberaler Gesellschaften. So wurde hier 1819 die Zofingia gegründet, die älteste noch bestehende Studentenverbindung der Schweiz. Zofingen entwickelte sich zu einer Hochburg der liberalen Kräfte, bis in die 1960er blieb die FDP die dominierende politische Partei; bis 2005 wurde kein einziger Vertreter einer anderen Partei zum Stadtpräsidenten gewählt.
Als Zeichen der Öffnung begann 1819 der Abbruch der mittelalterlichen Befestigungsanlagen, der 1825 abgeschlossen war. Zwanzig Jahre später waren auch die Stadttore verschwunden. Doch erst ab 1850 begann sich die Bebauung über das historische Stadtzentrum auszudehnen; zuerst entlang der Hauptstrassen in der Ebene, dann zunehmend an den östlich gelegenen Hügeln. Die Industrie siedelte sich hauptsächlich an der Wigger an.
Die Industrialisierung begann sich im Vergleich zu anderen aargauischen Städten relativ spät durchzusetzen. Hauptgrund war die geringe Wasserkraft der Wigger. 1843 gab es in Zofingen erst eine einzige Fabrik. Dank des zunehmenden Einsatzes von Dampfmaschinen erlebte die Zofinger Industrie ab 1855 eine Blütezeit, in der zahlreiche neue Unternehmen entstanden, vor allem in der Textilindustrie. Parallel dazu sank die Bedeutung der Landwirtschaft und des Handwerks; damit verbunden war auch der Niedergang der Zünfte; die letzte löste sich 1871 auf. An Stelle der Zünfte trat der 1837 gegründete Handwerker- und Gewerbeverein. Die Fabrikanten und Kaufleute schlossen sich 1855 im Handels- und Industrieverein zusammen, die erste Vereinigung dieser Art im Kanton Aargau und eine der ersten der Schweiz.
Nach der Gründung des schweizerischen Bundesstaates im Jahr 1848 war Zofingen weiterhin bestrebt, den Standortvorteil nahe des Kreuzungspunktes der wichtigsten Handelswege zu nutzen und eine grössere Rolle zu spielen. Die Stadt bewarb sich als Standort des Bundesgerichts, unterlag aber deutlich gegen Lausanne. Eine neue Chance für Prestigegewinn bot sich 1851, als ein nationales Telegrafennetz geplant wurde. Tatsächlich bekam Zofingen 1852 den Zuschlag als Standort des Telegrafenhauptamts.
Zofingen_Bahnhof_1856.jpg Ab 1853 plante und baute die Schweizerische Centralbahn (SCB) ihr Stammnetz. Die Zofinger Stadtbehörden setzten sich aktiv dafür ein, dass die Stadt der Knotenpunkt der Nord-Süd- und der Ost-West-Hauptlinien werden sollte. Für die Verbindung zwischen Zürich und Bern schlugen sie eine Streckenführung von Olten über Zofingen und Vordemwald nach Langenthal vor. Doch die SCB entschied sich stattdessen für die direkte Route von Olten über Murgenthal entlang der Aare; statt Zofingen wurde somit Olten der zentrale Knotenpunkt. Die Strecke Aarau – Olten – Zofingen – Emmenbrücke wurde am 9. Juni 1856 eröffnet. Die Verlängerungen nach Basel und Luzern folgten 1858 und 1859. Das Telegrafenhauptamt zog bereits 1857 nach Olten um.
Rund zwanzig Jahre nach der Eröffnung der Bahnlinie Basel - Luzern ergab sich für Zofingen doch noch die Möglichkeit, zu einem Bahnknotenpunkt aufzusteigen. Die Schweizerische Nationalbahn (SNB) plante eine «Volksbahn» vom Bodensee an den Genfersee, als Konkurrenz zu den «Herrenbahnen» SCB und NOB. Zofingen beteiligte sich mit 17,5 Prozent am Aktienkapital und war damit der grösste Aktionär. Der Abschnitt Konstanz - Winterthur wurde 1875 eröffnet, der Abschnitt Winterthur – Wettingen – Lenzburg – Zofingen am 6. September 1877. Geplant war eine dritte Etappe von Zofingen über Langenthal und Utzenstorf nach Lyss. Doch dazu kam es nicht mehr, denn bereits im Februar 1878 ging die SNB in Konkurs. Die Stadt litt während Jahrzehnten an den finanziellen Folgen dieses Fiaskos; die letzte Obligation wurde erst im Dezember 1943 abbezahlt.
Der Konkurs war auf zwei Faktoren zurückzuführen; eine rein nach politischen Gesichtspunkten gewählte Linienführung sowie eine Wirtschaftskrise, die bis weit in die 1880er hinein anhielt. Diese traf vor allem die Textilindustrie hart; zahlreiche traditionsreiche Unternehmen verschwanden. Gegen Ende der 1880er folgte eine zweite «Gründerzeit». Der Schwerpunkt in der Textilindustrie verschob sich von der Tuchherstellung zur Ausrüstungs- und Bekleidungsindustrie. Zugleich gewannen die chemische und die grafische Industrie immer mehr an Bedeutung.
Trotz der tief greifenden Krise machte der Ausbau der Infrastruktur grosse Fortschritte. 1876 nahm das städtische Gaswerk den Betrieb auf, 1888 folgte das Bezirksspital, 1890 die Wasserversorgung. Der Anschluss ans Elektrizitätsnetz erfolgte 1896.
Nach einer kurzen Rezession nahm die Zahl der in der Industrie Beschäftigten bis 1929 nochmals um über 50 Prozent zu, von 1500 auf 2300. Die Hälfte dieses Wachstums war auf das Unternehmen Ringier zurückzuführen. Es hatte 1833 als kleine Buchdruckerei begonnen und stieg in den 1920ern zum grössten Arbeitgeber der Stadt auf, einige Jahrzehnte später zum grössten Medienkonzern der Schweiz. Die Textilindustrie, die etwa die Hälfte aller Industriearbeitsplätze anbot, stagnierte hingegen.
1930 wurde eine katholische Pfarrkirche gebaut, damit hatten die Katholiken nach über 400 Jahren wieder ein eigenes Gotteshaus in Zofingen. Die Weltwirtschaftskrise hatte auf die Zofinger Industrie vergleichsweise geringe Auswirkungen, da die besonders betroffene Maschinenindustrie hier kaum vertreten war. Während des Zweiten Weltkriegs herrschte akuter Arbeitskräftemangel, weil viele Industriearbeiter Militärdienst leisten mussten. Von September 1943 bis August 1945 bestand in Zofingen ein Krankenlager für bis zu 180 internierte Soldaten aus verschiedenen europäischen Ländern.
Nach dem Krieg nahm die Bedeutung der Maschinen- und Apparateindustrie rasch zu. Die 1947 gegründete Müller Martini AG stieg innerhalb weniger Jahrzehnte zum weltweit grössten Hersteller von Maschinen für die Druckweiterverarbeitung auf. Mitte der 1960er arbeiteten mehr als zwei Drittel aller Beschäftigten in der Industrie. Da die Baulandreserven weitgehend erschlossen waren, wuchs die überbaute Fläche allmählich mit jener der Nachbargemeinden Oftringen und Strengelbach zusammen.
Während der 1960er versuchte der Kanton, das unaufhaltbar scheinende Wachstum in die richtigen Bahnen zu lenken: Geplant war eine polyzentrische Stadt mit dem Namen Aarolfingen (Aarau - Olten - Zofingen), die 330'000 Einwohner zählen sollte. Doch die Wirtschaftskrise der 1970er bereitete diesen Grossstadtträumen ein rasches Ende. Die Bevölkerung Zofingens ging sogar leicht zurück und die Textilindustrie brach regelrecht ein. Zahlreiche Unternehmen wurden liquidiert oder wandelten sich zu reinen Immobiliengesellschaften. Mitte der 1990er betrug der Anteil der in der Textilindustrie Beschäftigten nur noch fünf Prozent. Die wenigen verbleibenden Unternehmen überlebten, weil sie sich auf hochwertige Nischenprodukte spezialisierten.
Das zentrale Wahrzeichen ist die Stadtkirche St. Mauritius, die ehemalige Kirche des Chorherrenstiftes. Bei Renovierungsarbeiten stiess man auf die Überreste von mehreren Vorgängerbauten, die ersten Grundmauern wurden um das Jahr 600 errichtet. Die ältesten Elemente des heutigen dreiteiligen Kirchenschiffs stammen aus dem 11. Jahrhundert. Die Westseite wie auch die Ostseite mit dem Chor und der Krypta sind im Laufe der Jahrhunderte mehrfach verändert worden. An der Westseite steht der über 60 Meter hohe, im Jahr 1649 errichtete Kirchturm.
Am Kirchplatz steht der St. Urbanhof, die Lehensverwaltung des ehemaligen Klosters St. Urban; die ältesten Teile stammen aus dem 13. Jahrhundert. Östlich der Stadtkirche befindet sich der nach dem Zofinger Stadthelden Niklaus Thut benannte Platz, mit dem im Jahr 1894 von der Studentenverbindung Zofingia gestifteten Niklaus-Thut-Brunnen in der Mitte. An der Südseite des Platzes steht das Rathaus (1795), das bereits 1475 und 1606 völlig neu gebaut worden war; von den Vorgängerbauten sind der Archivturm (1482) und das angrenzende Weibelhaus (1606) erhalten geblieben.
Zofingen_Folterturm.jpg Die aus dem frühen 14. Jahrhundert stammenden Ringmauern waren im 19. Jahrhundert durch die militärtechnische Entwicklung obsolet geworden und hinderten die Stadt an der Ausdehnung. Deshalb wurden sie zwischen 1819 und 1825 abgerissen und die davor liegenden Gräben eingeebnet. An ihrer Stelle umringt heute eine Gartenanlage die Altstadt. Die Stadttore wurden zwischen 1837 und 1846 abgebrochen.
An der Hinteren Hauptgasse befindet sich die 1602 erbaute Lateinschule. In derselben Gasse ist auch das Stadthaus zu finden. Dieses ist zwar erst 1938 anstelle der abgebrochenen Spitalscheune erbaut worden, fügt sich aber dennoch gut in das Stadtbild ein; heute ist hier ein Teil der Stadtverwaltung untergebracht. Ein zweites Stadthaus befindet sich in der Vorderen Hauptgasse. Es entstand im Jahr 1930; das Erdgeschoss mit den Arkaden war zuvor Teil des alten Spitals gewesen, das sich mindestens seit 1263 an dieser Stelle befunden hatte.
Die Türme der Ringmauer sind erhalten geblieben, von zwei Ausnahmen abgesehen. Der Folterturm (oder Streckturm) befindet sich an der Westseite direkt gegenüber dem Bahnhof und diente während Jahrhunderten als Gefängnis. Der Münzturm an der Nordostseite ist Teil des Münzhofs. In diesem Gebäude waren während der Herrschaft der Habsburger die Zofinger Münzen geprägt worden, die in der ganzen Nordwestschweiz im Umlauf waren, dann jedoch durch die Berner Währung verdrängt wurden. Der Pulverturm steht an der Südostecke; er diente zur Aufbewahrung des Schiesspulvers. Der Stiftsturm an der Ostseite war der Standort der Propstei, der Verwaltung des Chorherrenstiftes. Abgebrochen hingegen wurden der Hafner- und der Hellmühleturm.
Auf der Kuppe des Heiternhügels befindet sich der so genannte Heiternplatz. Dabei handelt es sich um einen 200 Meter langen und 150 Meter breiten rechteckigen Platz, der auf allen Seiten von Linden umgeben ist. Er war 1745 eingeebnet worden und diente einst als Musterungsgelände. Heute ist er ein idealer Standort für Volksfeste und kulturelle Veranstaltungen; der Heiternplatz wird oft auch als «schönster Festplatz der Schweiz» bezeichnet.
Neben dem Heiternplatz befinden sich der «Hirschpark» und der Obstsortengarten. Der «Hirschpark» ist ein 1897 eröffneter Wildpark mit einer Fläche von 3,5 Hektar. Neben zahlreichen Hirscharten können auch Wildschweine und Mufflons beobachtet werden. Beim Obstsortengarten handelt es sich um ein 9 Hektar grosses Gelände mit über 700 Hochstamm-Obstbäumen, auf denen nicht weniger als 190 verschiedene Obstsorten wachsen. Der Garten spielt eine wichtige Rolle für den Fortbestand alter und wenig bekannter Obstsorten. Am Südwesthang des Heitern befand sich einst ein römischer Gutshof; besonders gut erhalten geblieben ist dort der Mosaikfussboden.
1609 entstand im Nordwesten, damals weit ausserhalb der Stadtmauern gelegen, das Siechenhaus. Hier wurden Personen mit ansteckenden Krankheiten versorgt, das Betreten der Stadt war ihnen nicht erlaubt. Weit im Osten an der Grenze zu Bottenwil erhebt sich auf einem Hügel die Ruine der Burg Bottenstein. Diese war im 13. Jahrhundert im Auftrag der gleichnamigen Ministerialenfamilie erbaut worden. Bereits Mitte des 15. Jahrhunderts wurde die Burg verlassen und zerfiel zu einer Ruine; heute sind nur noch die Grundmauern übrig geblieben.
| Bevölkerungsentwicklung ohne Mühlethal | |
|---|---|
| Jahr | Einwohner |
| 1764 | 1884 |
| 1803 | 1678 |
| 1850 | 3559 |
| 1900 | 4591 |
| 1930 | 5563 |
| 1950 | 7393 |
| 1960 | 8779 |
| 1970 | 9292 |
| 1980 | 8643 |
| 1990 | 8746 |
| 2000 | 8647 |
Der Anteil der ausländischen Bevölkerung liegt knapp unter dem kantonalen Durchschnitt von 19,3 Prozent. Bis 1950 stieg der Anteil langsam, aber kontinuierlich an. Zwischen 1950 und 1970 erfolgte dann eine Verdreifachung, als vor allem viele Italiener zuzogen. Noch heute bilden die Italiener die grösste Ausländergruppe (rund 4,5 % der Bevölkerung), gefolgt von Portugiesen, Bürgern der ehemaligen jugoslawischen Staaten und Deutschen.
1764 führte Bern erstmals eine Volkszählung durch; damals war Zofingen die grösste Stadt des Aargaus, 1850 war sie immerhin die zweitgrösste nach Aarau. Doch trotz eines kontinuierlichen Wachstums (mit Ausnahme der 1970er) haben seither weitere Gemeinden Zofingen überholt, da sich die Baulandreserven auf das flache, unbewaldete Drittel im Westen beschränken. Nach der Eingemeindung von Mühlethal stieg die Einwohnerzahl auf über 10'000, damit ist Zofingen nun auch statistisch gesehen eine Stadt.
Im 19. Jahrhundert galt Zofingen als reformierte Hochburg, im Jahr 1850 betrug der Anteil der Katholiken lediglich knapp drei Prozent. Dieser Anteil ist nach 1900 aufgrund der Zuwanderung aus der übrigen Schweiz und den Mittelmeerländern kontinuierlich angestiegen und beträgt heute rund ein Drittel.
Bei den bisherigen Wahlen erzielten die Parteien folgende Sitzzahlen:
| Partei | 1965 | 1969 | 1973 | 1977 | 1981 | 1985 | 1989 | 1993 | 1997 | 2001 | 2005 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| FDP | 15 | 13 | 14 | 13 | 13 | 13 | 12 | 12 | 13 | 12 | 11 |
| SP | 13 | 11 | 9 | 9 | 10 | 9 | 7 | 8 | 10 | 12 | 12 |
| SVP | 3 | 3 | 3 | 3 | 4 | 6 | 7 | 5 | 8 | 10 | 8 |
| Dynamische Mitte 1 | 6 | 6 | 6 | ||||||||
| CVP | 2 | 2 | 2 | 3 | 3 | 3 | 2 | 2 | |||
| EVP | 3 | 3 | 5 | 6 | 5 | 4 | 4 | 4 | 3 | ||
| LdU | 1 | 2 | 2 | 2 | 2 | 1 | |||||
| Freunde des ER | 4 | ||||||||||
| Freie Bürger | 3 | ||||||||||
| Aktives Zofingen | 5 | 6 | 4 | ||||||||
| Läbigs Zofige | 3 | 3 | 5 | 4 | 2 | ||||||
| Autopartei | 1 | 3 | |||||||||
| Jungliberale | 1 | 1 |
1 CVP, LdU und Parteilose, bis 2005 auch EVP
Auch auf Gemeindeebene finden sich verschiedene Elemente der direkten Demokratie. So stehen der Bevölkerung fakultative und obligatorische Referenden sowie das Initiativrecht zu.
Die sieben Stadträte der Amtsperiode 2006-2009 sind:
Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Zofingen zuständig. Die Stadt Zofingen bildet einen Friedensrichterkreis.
Mehrere international tätige Konzerne haben ihren Hauptsitz in Zofingen. Am bekanntesten ist das Verlagshaus Ringier, der grösste Printmedienkonzern der Schweiz (u. a. Blick, Schweizer Illustrierte, Tele, Glückspost, zahlreiche Beteiligungen in Osteuropa und Asien). Die Müller Martini AG ist der weltweit grösste Hersteller von Systemen für die Druck-Weiterverarbeitung. Die Siegfried AG ist ein bedeutender Fabrikationsbetrieb für pharmazeutische Wirkstoffe. Die Tally-Weijl AG ist eine Modehandelskette mit Filialen hauptsächlich in Osteuropa und im Nahen Osten.
Neben diesen Konzernen gibt es noch rund 700 kleine und mittlere Unternehmen, wobei die auf hochwertige Nischenprodukte spezialisierte Textilindustrie einen überdurchschnittlich hohen Anteil aufweist. Diese Unternehmen sind im Gewerbeverein Zofingen und im Handels- und Industrieverein Zofingen zusammengeschlossen. Trotz sinkender Erträge besitzt die Forstwirtschaft noch immer eine gewisse Bedeutung. Die Ortsbürgergemeinde Zofingen besitzt eine Waldfläche von über 14,5 km², die sich auf acht Gemeinden in den Kantonen Aargau und Luzern verteilt; sie ist damit nach dem Kanton die zweitgrösste Waldeigentümerin im Aargau.
Von nationalem Interesse ist der Bio-Marché, die bedeutendste Schweizer Bio-Messe, die seit dem Jahr 2000 jeweils im Frühsommer in Zofingen stattfindet.
Der SBB-Bahnhof befindet sich an der Haupttransitachse Basel - Luzern - Gotthard - Mailand, stündlich halten mehrere Schnell- und Regionalzüge. Seit der Eröffnung der Bahn 2000-Neubaustrecke im Dezember 2004 gibt es auch direkte Schnellzüge nach Bern, ohne Umweg über Olten. Eine weitere Bahnlinie führt von Zofingen über Suhr nach Lenzburg.
Vom Bahnhof aus verkehren Buslinien nach Aarburg, Brittnau, Murgenthal, Richenthal, St. Urban, Schöftland und Vordemwald. Der Betrieb dieser Linien wurde im Jahr 2003 neu ausgeschrieben und an die BDWM Transport vergeben. Die Übergabe hätte im Dezember 2004 erfolgen sollen, doch die bisherige Konzessionsinhaberin Postauto konnte dies mit juristischen Schritten um ein Jahr hinauszögern.
Das im Jahr 1901 eröffnete Stadtmuseum geht auf Schenkungen des Textilindustriellen Gustav Straehl und des Apothekers Hermann Fischer-Siegwart zurück; diese stellten 150'000 Franken (nach heutigem Wert ca. 6 Millionen) für den Bau eines Museums sowie ihre Privatsammlungen zur Verfügung. Durch weitere Schenkungen konnte das Museum sukzessive erweitert werden. Heute umfasst es zwei Abteilungen: Die Historische Abteilung befasst sich mit der Stadtgeschichte Zofingens sowie mit der Entwicklung der Druckindustrie und der Geschichte der Zofingia. In der Naturhistorischen Abteilung befindet sich eine umfangreiche Naturaliensammlung.
Das Alte Schützenhaus beherbergt die städtische Kunstsammlung sowie private Sammlungen. Es ist vor allem auf bildende Kunst und moderne Malerei spezialisiert, wobei bevorzugt Werke von Künstlern aus der Region gezeigt werden. Jedes Jahr findet im August in der Altstadt ein Kunstmarkt statt, an dem Künstler aus der ganzen Schweiz ihre Werke ausstellen und verkaufen.
Im Stadtsaal finden regelmässig Theateraufführungen und klassische Konzerte statt, in der «Kleinen Bühne» zusätzlich auch literarische Vorlesungen. Der Kulturverein «OX. Kultur im Ochsen» organisiert im Saal der «Genossenschaft Ochsen» Konzerte verschiedenster Stilrichtungen und fördert die regionale Rockszene. 1991 fand auf dem Heiternplatz erstmals das «Heitere Open Air» mit bekannten Pop- und Rockbands aus dem In- und Ausland statt; es hat sich zu einem Grossanlass mit 30’000 Besuchern entwickelt. In unregelmässigen Abständen wird auch ein «Classic Open Air» durchgeführt; zahlreiche Opernstars wie Plácido Domingo und Montserrat Caballé sind schon in Zofingen aufgetreten.
Einen markanten Ausbau des Bildungswesens erfuhr die Stadt im Jahr 1977 mit der Eröffnung des Bildungszentrums Zofingen (BZZ). Dort sind die Kantonsschule, die Berufsschule, die kaufmännische Handelsschule, die Heilpädagogische Sonderschule, die Erwachsenenbildung und die Berufsberatung untergebracht; die Pädagogische Fachhochschule (Institut für die Primarstufe) wird mittelfristig aus Zofingen wegziehen.
Ort in der Schweiz | Ort im Kanton Aargau | Schweizer Gemeinde
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