Ziviler Ungehorsam ist der aus Gewissensgründen und gewaltfrei vollzogene bewusste Verstoß gegen ein Gesetz, eine Pflicht oder den Befehl eines Staates oder einer anderen Macht. Im Gegensatz zu einem Streik ist er nicht rechtlich abgesichert, und der Ungehorsame nimmt bewusst in Kauf, dafür bestraft zu werden. Wer zivilen Ungehorsam ausübt, gilt nicht selten als Staatsfeind, da er eine von ihm als unrechtmäßig und unmoralisch angesehene Herrschaft über seine Aktivitäten ablehnt.
Die deutsche Übersetzung von „civil disobedience“ müsste eigentlich bürgerlicher Ungehorsam heißen (engl. civil: bürgerlich bzw. staatsbürgerlich). Thoreau, von dem der Begriff stammt, befasste sich nicht mit gewaltfreiem Widerstand, sondern mit den Gewissenskonflikten, die er als Bürger, Wähler und Steuerzahler auszutragen hatte.
Das heißt, ein Bürger verweigert seinem Staat den Gehorsam, wenn sein Gewissen ihm das diktiert. Dies betrifft besonders den Kriegsdienst und die Bezahlung von Steuern. Die Erwähnung, dass der Ungehorsam gewaltfrei sein muss, ist eigentlich überflüssig, weil jede Gewaltanwendung gegenüber einer Drittperson impliziert, dass diese Person gehorsam handeln müsste, um der Gewaltanwendung zu entgehen. Dies widerspräche dem Ziel, jeden Menschen zum Ungehorsam zu ermuntern.
Namhafte Vertreter zivilen Ungehorsams waren Mahatma Gandhi, Nelson Mandela, Martin Luther King und die Brüder Philip und Daniel Berrigan.
In dieser Tradition leisten viele Atomkraftgegner, Graswurzler, Friedensdemonstranten, Pazifisten, Globalisierungskritiker und Totalverweigerer Widerstand in Form zivilen Ungehorsams.
Bekannte Beispiele von zivilem Ungehorsam, der sich in politischen Bewegungen niederschlug, waren die Boston Tea Party, die indische Unabhängigkeitsbewegung sowie die Montagsdemonstrationen im Jahre 1989.
Mit gesellschaftlichen und technologischen Veränderungen, wie der Globalisierung, dem Internet und der Biotechnologie, verändern sich auch die Formen des Zivilen Ungehorsams. Ein Beispiel für den Umgang mit diesen Vänderungen sind Künstlergruppen wie das Critical Art Ensemble, das sich mit Themen wie Biotechnologie und Elektronischen Medien theoretisch, politisch-praktisch und künstlerisch beschäftigt, um hier Formen des Zivilen Ungehorsams zu entwickeln und zu praktizieren.
Organisationen, die zivilen Ungehorsam praktizieren, bilden ihre Aktivisten oft in Gesprächs- und Handlungstechniken aus, um auf Festnahmen oder sogar Gewaltanwendung seitens der Polizei bzw. des Militärs zu reagieren. Mahatma Gandhi, der Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung, hat für den satyagraha (Kampf gegen die britische Besatzung) folgende Regeln erlassen:
Frieden | Politischer Widerstand | Gesellschaftskritik | Gewaltfreiheit
Civil ulydighed | Civil disobedience | Civila malobeo | Desobediencia civil | Kansalaistottelemattomuus | Désobéissance civile | סרבנות | Pilietinis nepaklusnumas | Burgerlijke ongehoorzaamheid | Sivil ulydighet | Obywatelskie nieposłuszeństwo | Desobediência civil | Civil olydnad | อารยะขัดขืน | 公民抗命
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"Ziviler Ungehorsam".
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