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Eine Zitation bezeichnet vor allem in der Bibliothekswissenschaft den direkten Verweis von einer Publikation auf eine andere. Für die Form des Verweises gibt es eine Vielzahl von Systemen und Regeln für Literaturangaben, die in der Regel mindestens Autor, Titel und Jahr einer Publikation enthalten. Während beim Zitat der zitierte Wortlaut oder Sachverhalt im Mittelpunkt steht, bezieht sich die Zitation auf die konkrete Quelle. Der verwandte Ausdruck »Zitierung« bezeichnet in der Regel eher den Vorgang oder die Art und Weise des Zitierens.

Zitationen sind insbesondere in der wissenschaftlichen Literatur von Bedeutung, da an wissenschaftliche Publikationen besondere Ansprüche im Hinblick auf die Methode und Nachvollziehbarkeit des Erkenntnisgewinns und den Umgang mit Informationsquellen gestellt werden. Das Phänoment des Nicht-Zitieren von anderen Werken wird als Uncitedness bezeichnet.

Das Äquivalent zur Zitation in der Webometrie wird Sitation genannt.

Zitationsanalyse


Zur quantitativen Untersuchung wissenschaftlicher Prozesse (Szientometrie) werden Zitationen mittels der Zitationsanalysen untersucht. Dabei wurden verschiedene Gesetzmäßigkeiten festgestellt. Zur Recherche und Analyse von Zitationen gibt es spezielle Zitationsdatenbanken.

Problematik


Da davon ausgegangen wird, dass gute Arbeiten häufiger zitiert werden, wird die Anzahl der Zitationen, die ein wissenschaftlicher Beitrag erfährt, oft als Maß für seine Qualität verwendet. Diese gängige Praxis ist jedoch nicht unproblematisch, da manchmal die inhaltliche Bewertung vernachlässigt zu werden droht und rein statistische Kriterien den Ausschlag geben. Die Tatsache, dass ein bestimmter Autor oft zitiert wird, kann aber unterschiedlichste Gründe haben kann und erlaubt nicht in jedem Fall eine Aussage über die Güte seines Beitrags. Auch kann es zur Bildung so genannter Zitierzirkel kommen (Zitierst du mich, zitier’ ich dich), die das Ergebnis verfälschen (boshafterer Name: Zitierkartell, siehe »Matthäuseffekt«).

Konkrete Kritikpunkte von Zitationsanalysen

  • Der durch die Anzahl der Zitationen in wissenschaftlichen Aufsätzen gemessene Impact einer Arbeit ignoriert den Einfluss, den eine Arbeit möglicherweise in anderen Bereichen hat (z.B. in der Industrie, die ihre Ergebnisse nicht publiziert)
  • Durch den Matthäus-Effekt werden häufig zitierte Arbeiten ohne Blick auf den Inhalt wiederum häufiger zitiert. Eine Studie von M.V. Simikin und V.P. Roychowdhury deutet darauf hin, dass nur rund ein Viertel der zitierten Arbeiten von den Autoren überhaupt gelesen werden
  • Manche Zitationen werden lediglich hinzugefügt, um den Impact Factor eines Autors oder eines Journals zu steigern. Auch Publikationen werden dahingehend optimiert, einen hohe Zahl von Zitationen zu erreichen, anstatt die Qualität zu optimieren
  • Die Bedeutung von Artikeln in Fachzeitschriften und Proceedings und Monographien variiert je nach Fachgebiet deutlich. In Zitationsdatenbanken werden diese Unterschiede nicht berücksichtigt, so dass einzelne Fachgebiete unter- oder überbewertet werden.
  • Bei den meistzitierten Arbeiten handelt es sich oft um Ausnahmen, die vor allem zitiert werden, weil es üblich ist, diese Arbeiten zu zitieren. Andere Arbeiten mit ebenso großem Einfluss werden dagegen nicht mehr explizit zitiert, weil ihre Inhalte selbstverständlich geworden sind.
  • In die Berechnung des Impact-Faktors gehen nur die Arbeiten der letzten zwei Jahre ein, was vor allem in Fachgebieten, in denen das durchschnittliche Alter einer zitierten Arbeit sehr hoch ist, zu unsinnigen Ergebnissen führt. Außerdem gibt der Impact-Faktor keine Information darüber, wie oft ein Artikel im Durchschnitt im Laufe der Zeit insgesamt zitiert wird, denn die Halbwertszeit der Zitationshäufigkeit von Artikeln variiert je nach Fachzeitschrift.
  • Durch unterschiedliche Zitierweisen werden einzelne Arbeiten in Zitationsdatabanken als unterschiedliche Veröffentlichungen behandelt. So wurde beispielsweise das berühmte Paper Initial sequencing and analysis of the human genome des Humangenomprojekts von 2001 im ISI zunächst mit unterschiedlichen Autoren aufgeführt, wodurch es nicht unter den meistzitierten Arbeiten auftauchte.
  • Manche nichtenglischsprachigen Fachzeitschriften erscheinen zusätzlich in einer Englischen Ausgabe. Diese wird jedoch fälschlicherweise oft als eigenständige Zeitschrift gezählt.

Science Impact Index


Trotz der sicherlich berechtigten Kritik an einzelnen Zitationen, hat sich der Science Impact Index (SII) als Maß für die Forschungsqualität eines Wissenschaftlers als wertvolle objektive Orientierungshilfe erwiesen. Der SII ist eine Zitationsrate. Sie entspricht der Anzahl der Wissenschaftler, welche die Arbeiten eines Autors innerhalb eines Jahres in einer Zeitschrift mit Impact-Faktor (IF) zitieren. Dabei werden auch Bücher, Buchbeiträge und Veröffentlichungen in Zeitschriften ohne IF erfasst, dann nämlich, wenn Sie in IF-Zeitschriften zitiert werden. Zumindest in naturwissenschaftlichen und medizinischen Fachgebieten lässt der SII bei Wissenschaftlern, die schon wenigstens sieben Jahr lang Möglichkeiten zum Forschen hatten, eine so verlässliche Positionsbestimmung unter Fachkollegen und eine so stabile Vorhersage über die folgenden Jahre zu, wie sie durch andere Maße und Gutachter bisher nicht erreicht werden.

Siehe auch


Weblinks


Siehe auch


Literatur


  • Loet Leydesdorff: Theories of Citation?. In: Scientometrics 43(1), 1998, S. 5-25 *
  • M.V. Simkin, V.P. Roychowdhury: Read before you cite!. In: Complex Syst. 14 (2003) 269-274 *
  • Eugene Garfield: Citation indexing , Wiley 1979, ISBN 0-471-02559-3 * (PDF-file)

Zitationsanalyse

Citation

 

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