Zitadelle_Erfurt.jpg | Zugangsbrücke_und_Ravelin.jpg Die Festung Petersberg (auch Zitadelle Petersberg) ist eine fast komplett erhaltene barocke Festung in Erfurt, der Landeshauptstadt Thüringens. Sie wurde zunächst in neuitalienischen Stil hauptsächlich im 17. Jahrhundert errichtet.
Die Stadt Erfurt war seit dem frühen Mittelalter das kirchliche, politische und wirtschaftliche Zentrum Thüringens. Seit 750 gehört das um diese Zeit gegründete Bistum zur Erzdiözese Mainz. Im späten Mittelalter erkämpften sich die Bürger städtische Freiheiten, die zur Blüte der Stadt führten. Diese Rechte wurden zunächst 1483 eingeschränkt und nach Belagerung und Besetzung der Stadt 1664 weitgehend abgeschafft. Der eingesetzte kurmainzische Statthalter Johann Philipp von Schönborn ließ als sichtbares Zeichen der Herrschaft über die Stadt die Festungsanlage auf dem Territorium des mittelalterlichen Petersklosters, dem Erfurter Petersberg, errichten.
Durch den Festungsbaumeister Antonio Petrini wurden 1665-1669 zunächst die vier der Stadt zugewandten Bastionen mit dem Haupttor im neuitalienischen Stil erbaut. Bemerkenswert ist die barocke Gestaltung des Festungstores. Die vier restlichen Bastionen und drei Kasernengebäude entstanden in den Jahren 1675-1691:
Der weitere Ausbau der Festung erfolgte in den Jahren 1707-1726 durch Johann Maximilian von Welsch, der mit seiner Technik dem französischen Festungsbaumeisters Vauban folgte. Er ließ die Ravelins (Ravelin Anselm, Ravelin Lothar, Ravelin Peter und Ravelin Wilhelm) und Lünetten sowie Konterminengänge anlegen.
Auch Napoléon Bonaparte erkannte die strategische Bedeutung der Zitadelle und bestimmte sie daher zu seiner persönlichen Verfügung.
Nachdem die Stadt 1802 durch Gebietsaustausch an Preußen kam wurde die Festung weiterhin intensiv militärisch genutzt und ausgebaut.
1813 geriet die Peterskirche bei der Belagerung in Brand. Ein Großteil der Mauern und der Türme blieb jedoch erhalten. Nach 1813 erfolgte ein weiterer Ausbau der Festung im neupreußischen Stil. Die Preußen trugen die Kirche danach jedoch zum Teil ab, wandelten sie in ein Militärmagazin um und zerstörten so eines der schönsten romanischen Bauwerke Thüringens.
Außerdem wurde die Defensionskaserne errichtet.
Die nach der Entfestigung im Jahre 1873 geplante Abtragung der Anlagen unterblieb aus Geldmangel.
Nach der Wende nutzen die Verantwortlichen der Stadt Erfurt die Chance eine der größen Stadtfestungen Mitteleuropas dem Bürger zugänglich zumachen und die Festung in das Bewußtsein der Bevölkerung zurückzuholen und ihr einen gebührenden Platz im Stadtbild einzuräumen.
Nachdem seit 1964 nur einzelne Teile begehbar und viele der riesigen Mauern komplett zugewuchert waren, ließ sich die Größe der Zitadelle nur schwer erleben. Durch den Einsatz von ABM-Kräften wurden Mienengänge, Kasematten und Kaponnieren freigelegt und erlebbar gemacht. Es soll ein Rundweg am Fuße und auf der Festung begehbar gemacht werden, sodass man sowohl oben also auch unter die gesamte Festungsanlage umschreiten kann.
Die Zitadelle Petersberg ist damit das umfangreichste denkmalpflegerische Vorhaben der Landeshauptstadt.
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