Der Zionismus (von Zion) ist eine während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstandene jüdische National-Bewegung, die sich für die Entstehung eines eigenen jüdischen Staates in Palästina einsetzte. Der Begriff wurde 1890 von dem jüdischen Wiener Journalisten Nathan Birnbaum geprägt.
Der Zionismus entstand unter den Juden in der europäischen Diaspora. Er sieht sich selbst als die moderne Form des jahrtausendealten jüdischen Traumes von Freiheit und einem eigenen Staat im Land Israel, das allen Juden gemeinsam gehören und gerecht verteilt sein sollte. Diese Idee gab es in der jüdischen Gemeinschaft schon, seit das römische Reich das Land Judäa vor rund 1900 Jahren zerstörte. Ihre Ursprünge gehen bis auf die Anfänge des Volkes Israel in der Bibel zurück (vgl. Genesis 12, 3).
Der Begriff wird meist auf Theodor Herzl (1860-1904) zurückgeführt. Die Wurzeln dieser jüdischen Nationalbewegung reichen aber viel weiter zurück. Schon seit dem 12. Jahrhundert pilgerten fromme Juden Europas zu ihren heiligen Stätten im verlorenen Land (Eretz) Israel.
Moses Montefiore (1784-1885) plante bereits die Ansiedlung von Juden im „Land der Väter“: Damit reagierte er auf die systematische Diskriminierung der Juden und grausame Pogrome im Russischen Reich (Kischinjow). Er gewann reiche Juden für ein Siedlungsprojekt, kaufte Land von arabischen Großgrundbesitzern in Palästina und stellte es verfolgten Juden zur Verfügung. Dabei wurde er von Christen und russischen Juden unterstützt.
Moses Hess schrieb 1862 Rom und Jerusalem, worin er als erster jüdischer Autor den Gedanken an eine Heimkehr der Juden in das "gelobte Land" aussprach. Zugleich war er Sozialist. Damit gilt er als Vorbereiter des sozialistischen Zionismus, aus dem später die Kibbuz-Bewegung und die israelische Arbeitspartei hervorgingen.
Ende des 19. Jahrhunderts führte das Aufflammen des religiösen und rassistischen Antisemitismus zu Pogromen in Russland und Osteuropa, die sämtliche Versprechen der Aufklärung von Gleichheit und Toleranz ad absurdum führten. Als Folge kam es in ganz Europa zu einer Welle der jüdischen Emigration nach Palästina. 1882 kam die erste Gruppe junger russischer Juden dorthin und machte Wüsten sprichwörtlich zu fruchtbarem Ackerland. Dieses Projekt wurde erst durch Herzls Buch Der Judenstaat international bekannt und beachtet.
Im selben Jahr veröffentlichte Leo Pinsker sein Werk Autoemanzipation ("Selbstbefreiung"), das nach mehreren wirkungslosen Anläufen über ein eigenes Land der Juden nachdachte. Auch er reagierte damit auf den damals immer aggressiver auftretenden Antisemitismus in Europa (insb. Russland).
Doch erst Herzls Buch Der Judenstaat - Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage 1896, das im Zusammenhang mit der Dreyfus-Affäre entstand, führte das Streben nach staatlicher Organisation aus. Diese war noch nicht unbedingt mit dem Land Israel in Palästina verbunden.
1897 fand in Basel der 1. Zionistenkongress statt. Dort forderte Herzl, der bis zu seinem Tod 1904 Vorsitzender des Aktionskommitees blieb, erstmals eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina. Auf dem 6. Zionistenkongress in Basel am 26. August 1903 schlug er das britische Uganda-Programm als eine vorläufige Lösung vor, da sich die russischen Juden durch Pogrome in unmittelbarer Gefahr befanden. Er betonte, dass dieses Programm nicht das eigentliche Ziel des Zionismus, eine Heimstätte in Palästina zu errichten, berühre. Dennoch rief sein Vorschlag heftige Proteste hervor, die fast zur Spaltung der zionistischen Bewegung führten. Es kam zu einem Bündnis verschiedener Gruppen, die die Uganda betreffenden Vorschläge in der Zeit von 1903-1905 unterstützten. Daraus ging die Jewish Territorialist Organization (JTO) hervor. Das Uganda-Programm wurde jedoch auf dem 7. Zionistenkongress im Jahre 1905 endgültig fallengelassen.
Am 6. Zionistenkongreess 1903, als gleichzeitig das Pogrom von Kischinew stattfand, nahm auch Wladimir Jabotinsky teil und identifizierte sich bei dieser Gelegenheit völlig mit der Persönlichkeit Herzls und seinem politischen Programm. Jabotinsky, ab 1923 Gründer und Hauptvertreter des revisionistischen Flügels und der Jugendbewegung Betar, entwickelte sich zu einem der beredtesten Sprecher des Zionismus.
Während Herzl seine und des Kongresses Hauptaufgabe in diplomatischen Bemühungen sah, verlangte sein Nachfolger David Wolffsohn (1905-1911) bereits die praktische Umsetzung der Kolonisation Palästinas, und dies auch unabhängig von Zustimmung seitens der dafür maßgeblichen Staaten. Die "Perspektive Palästina", auch ohne eigenen Staat, hatte auch der so genannte "Kulturelle Zionismus", wie ihn Ascher Ginsberg (Ahad Ha'am) vertrat, im Auge. Erst Chaim Weizmann gelang es dann nach 1914, den Ausgleich zwischen beiden Tendenzen herbeizuführen.
Am 2. November 1917 signalisierte die britische Regierung ihre Unterstützung des Zionismus mit der Balfour-Declaration zur Schaffung einer nationalen Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk, kurz bevor 1918 Palästina als Mandat an Großbritannien übertragen (und dort dem Colonial Office untergeordnet) wurde. Die Zionisten strebten bei allen Unternehmungen internationale Zustimmung an. Auch gegenüber der arabischen Bevölkerung der Region wurde Akzeptanz angestrebt und auch erreicht.
1920 wurde die zionistische Gewerkschaft Histadrut gegründet, mit dem Ziel, die von privaten Investoren gemiedenen Branchen zu besetzen und so im Laufe der Zeit größter Arbeitgeber in Palästina werden sollte. 1923 wurde Palästina aufgeteilt. Der kleinere Teil wurde von nun an "Palästina" genannt, während aus dem größeren Teil Transjordanien (erst als Sultanat, dann als Königreich Jordanien) entstand. Seit Mitte der 1920er Jahre fand sich dann die zionistische Hachschara ("Vorbereitung" auf die Auswanderung) in Deutschland.
Ab 1935 verschlechterte sich die Situation der deutschen Juden entscheidend. Nach blutigen antisemitischen, von den Reden Goebbels' angefachten Straßenkrawallen (Juli) und den Nürnberger Gesetzen (15. September) wuchs ihre Bereitschaft zur Palästina-Emigration, obwohl konservative jüdische Verbände weiterhin zur Zurückhaltung mahnten.
Bereits 1933 trat das so genannte Ha'vara-Abkommen (»Transfer«) zwischen der Jewish Agency und dem Deutschen Reich in Kraft, das bis 1938 Bestand hatte. Es war der gezielte Versuch der NS-Politiker, die Ausbürgerung jüdischer Mitbürger zu fördern. Teils unter erheblichem, teils unter geringerem finanziellen Aufwand gelangten so Zionisten nach Palästina.
Dennoch erreichte die Zahl der Palästina-Einwanderer bis 1938 gerade 130.000 Juden. Von 1933 bis 1941 kamen nur ca. 55.000 Juden aus dem Deutschen Reich nach Palästina (was ca. 25% Anteil an der Gesamteinwanderung entsprach). Von 1933 bis 1938 wanderten sogar über 100.000 Juden in die USA, über 50.000 nach Großbritannien, über 30.000 nach Frankreich, über 60.000 nach Argentinien und über 25.000 nach Südafrika, jedoch nur ca. 33.000 nach Palästina aus. Dazu gehörten auch ca. 15.000-20.000 illegale Einwanderer, da ab 1934 die Alijah Beth ("sekundärer Aufstieg" bzw. "zweite Einwanderungswelle", das hieß illegale Einreise) begann. Palästina selbst wurde nicht nur durch die Besatzungsmacht, sondern auch durch die 1936 einsetzenden arabischen Aufstände, die dann in einen Generalstreik mündeten, zunehmend unattraktiv. Im Juli 1937 schließlich lehnte die britische Peel-Kommission die Teilung Palästinas zwischen Arabern und Juden ab.
1938, kurz nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 12. März, verschärfte sich nochmals die Situation für Juden in Reichsdeutschland. Mit der so genannten Reichskristallnacht, den Pogromen vom 9. November auf den 10. November, ging bei vielen die vielleicht letzte Hoffnung auf ein "vorübergehendes Phänomen Hitler" verloren. In Palästina nahmen 1938 die arabischen Aufstände weiter zu. Nun begannen aber auch die von der illegalen jüdischen Organisation Etzel gegen die Briten verübten Anschläge.
1939 wurde die Reichszentrale für die jüdische Auswanderung bei der Gestapo in Deutschland eingerichtet. Mit dem Einmarsch in Nachbarländer, wie Polen (1. September), waren auch die sich schon in Sicherheit wähnenden Juden wieder gefährdet. Der Einmarsch in die neutralen Niederlande am 10. Mai 1940 zwang allein ca. 20.000 jüdische Emigranten aus Deutschland zur erneuten Flucht, in Belgien dann 25.000, in Frankreich (Juni) 35.000.
1941 verschärften sich die Diskriminierungen in Deutschland, als am 9. Januar durch Polizeiverordnung das Tragen des Judensterns vorgeschrieben wurde. Mit dem Angriff auf Russland am 22. Juni begannen auch die Deportationen (Oktober). Ein Emigrationsverbot für Juden, das Himmler am 23. Oktober erließ, schnitt nun zudem die Möglichkeit ab, das Land legal zu verlassen. Es folgte die Anordnung, dass mit der Deportation der Vermögenseinzug und Verlust der Staatsangehörigkeit einherginge (November).
1941 wurde in Palästina mit dem Palmach eine jüdische "Elite-Einheit" der Hagana gegründet, derweil sich Hai Amin Al-Husseini, der Mufti von Jerusalem, in Berlin mit Hitler solidarisierte und Erwin Rommels Afrikakorps sich bereits in Libyen befand. Am 20. Januar 1942 beschloss dann die so genannte Wannsee-Konferenz die "Endlösung der Judenfrage", die in praktischer Umsetzung den gezielten und organisierten Massenmord an allen Juden im deutschen Einflussbereich (also fast ganz Europa) meinte. Sofort begannen erste Versuche, die "Endlösung" praktikabel zu gestalten, wie Erschießungen, Vergiftung mit Autoabgasen in geschlossenen Lkw etc. Sowohl das Ansinnen als auch die spätere Ausführung des Holokaust wurden offenbar recht schnell auch außerhalb Deutschlands bekannt, aber ignoriert. Trotz jüdischer Freiwilligenbrigade in der Britischen Armee (siehe auch Chana Szenes) und der Biltmore Konferenz vom (9. Mai-11. Mai) in den USA, auf der gefordert wurde, "die Tore Palästinas zu öffnen", blieben die britischen Mandatsträger angesichts der weiterhin schwelenden arabischen Unruhen bei ihrer ablehnenden Politik. Lediglich Rommel konnte vor El Alamein gestoppt werden, bevor er jüdische Siedlungen erreichte.
Im Januar 1943 kam es zum Aufstand im Warschauer Ghetto. Am 18. Februar hielt Goebbels seine Sportpalastrede (»Wollt ihr den totalen Krieg?«). Die britische Regierung deportierte die anwachsende Zahl illegaler Palästina-Einwanderer nun nach Zypern. Siedlungsdurchsuchungen und Verhaftungen häuften sich. Zionistische Zeitungen wurden verboten. 1944 vermehrten die Organisationen Etzel (Irgun) und Lechi ihre Anschläge gegen die Briten, währenddessen sich der Palmach zu einer Befreiungsexpedition in Europa fand. Etzelmitglieder wurden von der Hagana festgesetzt und teilweise den Briten ausgeliefert.
Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee Auschwitz. Am 8. Mai war der 2. Weltkrieg in Europa zu Ende. Die Alijah Beth nach Palästina verstärkte sich aber weiter – nun zunehmend mit Shoa-Überlebenden ("Bericha"), die von Hagana und Mossad geleitet wurden. Allein aus Polen, wo bereits am 4. Juli 1946 in Kielce wieder ein Pogrom stattfand, kamen 95.000 Flüchtlinge hinzu, sowie weitere Tausende aus der Sowjetunion. Allein 1945-1946 wurden von den Briten 50.000 Illegale aus Palästina als "Displaced Persons" zurück nach Deutschland (in die US-Zone) deportiert.
Ab 1946 nahmen dann Etzel-Angriffe, vor allem auf britische Eisenbahnlinien, weiter zu. Palmach-Einheiten sprengten (vom 16. Mai - 17. Mai) zehn Brücken. Im Gegenzug zu den Terroranschläge verhafteten die Mandatsträger alle zionistischen Führer (29. Juni). Irgun sprengte schließlich einen Seitenflügel des King David Hotels in Jerusalem, in dem sich das britische Hauptquartier befand (22. Juli). Die Eskalation der Unruhen zog sich dann durch das ganze Jahr 1947 - bis die Vereinten Nationen am 29. November für die Teilung Palästinas und die Gründung eines jüdischen und eines arabischen Staates stimmten.
Mit dem UN-Beschluss nahmen nun die arabischen Unruhen und Anschläge wieder zu. Der Überfall auf zwei (Egged-)Busse (30. November) gilt als Beginn des »Israelischen Unabhängigkeitskrieges« aus Palästinensischen Sicht "Al-Nakba" die Katastrophe. Das Ende des britischen Mandates wurde auf den 15. Mai gesetzt. Erste arabische Anschläge auf Jerusalem fanden statt. Am 14. Mai 1948 proklamierte David Ben Gurion in Tel Aviv den Staat Israel und erfüllte damit den zionistischen Traum eines eigenen Judenstaates. Ein Angriff der arabischen Anrainer (Jordanien, Ägypten, Irak, Syrien und Libanon) misslang. Es folgte die Anerkennung des Staates Israel durch die USA und (drei Tage darauf) durch die Sowjetunion – nun begann die legale Masseneinwanderung aus Europa. Als ersten gesetzgeberischen Akt verabschiedete die Knesset 1950 das Rückkehrgesetz, das weltweit sämtlichen Juden unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Situation die Einwanderung nach Israel ermöglicht.
Das Existenzrecht des Staates Israel wurde von seinen arabischen Nachbarn von Beginn an in Frage gestellt (siehe Nahostkonflikt). Deren Position ist im Grunde antizionistisch.
Ein diplomatischer Höhepunkt der Auseinandersetzung war im Jahre 1975 die Resolution 3379 der UN-Generalversammlung, in der Zionismus als eine Form des Rassismus bezeichnet wurde. Die Resolution wurde am 16. Dezember 1991 von der Generalversammlung mit 111 zu 25 Stimmen bei 13 Enthaltungen zurückgenommen (Resolution 4686) und von UN-Generalsekretär Kofi Annan 1998 als ein Tiefpunkt der Geschichte der Vereinten Nationen bezeichnet.
Auch in Europa gibt es Organisationen und Personen, die antizionistisch auftreten. Diese sind nicht zwangsläufig auch antisemitisch.
Zu unterscheiden sind heute:
Als Zionismus wird von sog. Antizionisten auch eine politische Strömung bezeichnet, die zu Lasten der Palästinenser eine Vergrößerung des israelischen Territoriums befürwortet. Die israelisch-palästinensische Konflikt wird in dieser Sichtweise auf den Zionismus als alleinige Ursache gesehen. Von anderen, wie dem Autor Norman Finkelstein, wird auch die Theorie vertreten, dass das Schlagwort Zionismus von israelischen Parteien dazu benutzt würde, Israel in einem Dauerkriegszustand zu halten, um damit die eigene Macht zu festigen. Er geht sogar so weit, den heutigen zionistischen Interessensgruppen eine Art Pakt mit den palästinensischen Terrororganisationen zu unterstellen.
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