Der Zinseszins ist ein Begriff aus dem Geldwesen. Er drückt aus, dass Zinsen, die aufgrund einer verzinslichen Kapitalanlage bei einem Kreditinstitut am Ende eines bestimmten Zeitraums gutgeschrieben werden, ab Beginn des darauffolgenden Zeitraums die Einlage erhöhen und somit dann selbst verzinst werden.
Das Verlangen nach Zinseszins wird als Anatozismus bezeichnet. Mit der Berechnung des Zinseszinses in Abhängigkeit vom Zinssatz sowie der Höhe und Dauer einer Kapitalanlage beschäftigt sich die Zinseszinsrechnung, ein Teilgebiet der Finanzmathematik.
Die Zinseszinsformel stellt sich wie folgt dar:
mit = Endkapital; = Anfangskapital; = Zinssatz; = Anzahl der Jahre
Die Formel leitet sich aus folgendem Zusammenhang her: Ein Sparer tätigt eine einmalige Kapitalanlage auf einem Konto eines Kreditinstituts in Höhe eines anfänglichen Kapitals. Dieses Kapital wird während einer bestimmten Anlagedauer mit Zinseszins verzinst. Die Anlagedauer bestehe aus mehreren gleich langen Zeiträumen, die mit Hilfe der Natürlichen Zahlen fortlaufend durchgezählt werden. Man sagt auch, die Zeiträume werden mit dem Index fortlaufend von bis durchnummeriert. Damit kann man die Anlagedauer als Summe aller Zeiträume formulieren :
Zu Beginn des ersten Zeitraums () liegt auf dem Konto des Sparers das anfängliche Kapital, das durch den Buchstaben mit angehängtem Indexwert dargestellt wird :
Wichtig sind die beiden verwendeten Indexwerte. Der erste Zeitraum erhält den Indexwert , während das Anfangskapital mit nummeriert wird.
Der Sparer hat sich entschieden, für die Anlagedauer nicht auf sein Kapital zuzugreifen. Dafür "belohnt" ihn das Kreditinstitut mit einer Gutschrift von Zinsen. Übliche Praxis ist nun, dass wiederholt jeweils am Ende von jedem der Zeiträume innerhalb der Anlagedauer jeweils Zinsen gutgeschrieben werden.
Es wird also z. B. für den ersten Zeitraum der Zinswert vergütet :
Die konkrete Höhe des Zinswertes im ersten Zeitraum bestimmt sich wie folgt: Das Kreditinstitut drückt die "Belohnung" des Sparers für die Überlassung des Kapitals in prozentualer Form aus, also z.B. "sechs Prozent" (6% = 6/100). Die reine Zahl, die vor dem Prozentzeichen steht, wird Zinssatz genannt. Der am Ende des ersten Zeitraums gutgeschriebene Zinswert verhält sich zum anfänglichen Kapitalwert genau so, wie sich der Zinssatz zum Wert 100 verhält. Dieser Zusammenhang stellt eine Verhältnisgleichung dar.
.
Diese Verhältnisgleichung erscheint viel theoretischer als das, was sie im praktischen Einsatz tatsächlich leistet. Sie besagt ganz einfach, dass ein z. B. mit sechs Prozent verzinstes Anfangskapital von 1.000 Euro im ersten Zeitraum einen Zinswert von genau 60 Euro "erwirtschaften" muss, damit die geforderten Verhältnisse stimmen:
.
Diese Festlegung für das Verhältnis zwischen Zinswert und Kapitalwert im ersten Zeitraum lässt sich so verallgemeinern, dass für jedes Verhältnis von Zinswert zu Kapitalwert in jedem -ten Zeitraum die Verhältnisgleichung gilt:
. Nach Umstellung erhält man für den Zinswert die Formel
.
Für positive Zinssätze gilt stets
,
weshalb dieser Term Aufzinsungsfaktor genannt wird. Bis hierhin wird deutlich, was mit "Verzinsung für einen Zeitraum" gemeint ist.
Zur Betrachtung des Zinseszinses muss erneut berücksichtigt werden, dass der Sparer für das "zur Verfügung stellen" des anfänglichen Kapitals nach Maßgabe der obigen Zinswert-Formel "belohnt" wird. Seinem Konto wird am Ende des ersten Zeitraums also folgender Zinswert gutgeschrieben :
.
Somit wächst das anfängliche Kapital bis zum Ende des ersten Zeitraums genau um diesen Zinswert . Beide zusammen bilden also den neuen Kontostand. Diese Summe nennt man auch das (vorläufige) Endkapital , das folgerichtig mit dem Indexwert versehen wird:
.
Dieses (vorläufige) Endkapital ist nun zugleich das Anfangskapital für den zweiten Zeitraum (). Es "erwirtschaftet" darin den Zinswert , der erneut hinzuaddiert wird:
.
Damit wirkt bereits während des zweiten Zeitraums der Zinseszins-Effekt: Das Anfangskapital im ersten Zeitraum wächst mit dem Aufzinsungsfaktor 1 + p/100 auf das (vorläufige) Endkapital . Auf die gleiche Weise steigt das Kapital im zweiten Zeitraum mit demselben Aufzinsungsfaktor auf das (vorläufige) Endkapital . Über beide Zeiträume hinweg betrachtet ist das anfängliche Kapital jedoch überproportional, nämlich mit dem Quadrat des Aufzinsungsfaktors, auf das (vorläufige) Endkapital angewachsen.
Verallgemeinert bedeutet dies, dass sich am Ende der Anlagedauer, also nach insgesamt Zinszeiträumen, schließlich das Endkapital durch -maliges Multiplizieren des Anfangskapitals mit dem Aufzinsungsfaktor
ergibt.
.
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