Die Zinne (v. althochdeutsch zin = Stab) ist ein pfeilerförmiges Stück Mauerwerk auf den Wällen von Burgen und frühen Festungen. Sie diente zur Deckung der Verteidiger gegen die Fernwaffen der Angreifer. Die Zinnen wurden aus dem mhd. auch Wintberge genannt, die Freiräume die zwischen ihnen liegen heißen Fenster oder Scharten.
Im Laufe des 13. Jahrhunderts begann man die Zinnen sowie die Sohle der Scharten abgewässert zu bauen. Das heißt, sie wiesen schräg nach unten oder waren nach innen und außen abgedacht. Jedoch schon seit dem 12. Jahrhundert wurden die Wehrgänge und somit auch die Zinnen mit einem hölzernen Schutzdach oder einer ganzen Galerie bedeckt, um den Verteidigern Schutz von oben zu geben. Die Zinnen verloren somit im Laufe der darauffolgenden Jahrhunderte an Bedeutung. Die Gestaltung der Schießscharten und Maschikulis nahmen parallel an Vielfalt zu.
Zinnen und Maschikulis wurden später, als sie kaum mehr militärische Bedeutung hatten, zu beliebtem Zierrat in der Architektur der frühen Neuzeit bis hin ins 19. Jahrhundert. Häufig waren diese Zierzinnen weit weniger groß als die mittelalterlichen Originale.
Die Form der Zinnen konnte sogar etwas über den Besitzer der Anlage aussagen: Im mittelalterlichen Italien bevorzugten die kaisertreuen Parteien anders als die Anhänger des Papstes etwa Schwalbenschwanzzinnen.
Burgen, Burgmauern und damit auch Zinnen haben heute keine militärische Bedeutung mehr. Bei der Zugrohrartillerie, etwa der russischen DB 20 oder der englischen L 7, wird ein Zinnenschild verwendet. Dabei ist das Rohr der Kanone/Haubitze mittig gelagert. Rechts und links erhebt sich ein Stahlschild um der Besatzung Schutz gegen etwaige Splitter- oder Schusseinwirkung zu geben. PAK-Geschütze des Zweiten Weltkrieges hatten beinahe alle einen solchen Zinnenschild. Etwa die deutsche Acht-Acht (88mm Krupp 1938) oder die russische 76 mm Kanone.