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Zeltmission ist eine Sonderform der Evangelisation. Dabei werden Zelte aufgebaut (meist für ca. eine Woche) und ein Programm für Menschen in der näheren Umgebung angeboten. Die größten Zelte der Zeltmission fassen mehr als 10.000 Menschen und werden u. a. von dem deutsch-südafrikanischen Evangelisten Reinhard Bonnke in Afrika eingesetzt.
Kennzeichen und Anliegen der Zeltmission
Die Zeltkirche ist der Versuch, kirchen- und glaubensdistanzierte Menschen an einem neutralen Ort für den christlichen Glauben zu interessieren. Charakteristisch für die Zeltmission ist eine volkstümliche Verkündigungsweise und aufgelockerte Programmgestaltung.
Die Zeltmission will allerdings nicht nur über Jesus Christus informieren, sondern auch zum Glauben einladen. Meist erfolgt im Anschluss an die Zeltpredigt ein Aufruf zur Entscheidung, auf den der Hörer auf unterschiedliche Weise reagieren kann.
Aufgrund ihrer Mobilität kann die Zeltmission außerdem sehr schnell auf die Bedürfnisse der missionierenden Gemeinden und Gemeinschaften eingehen.
Geschichte
Die Zeltmission hat ihren Ursprung in der
Erweckungsbewegung. Als eigentlicher Begründer der kontinentaleuropäischen Zeltmission gilt
Jakob Vetter. Er war innerlich beeindruckt von der sozialen und geistlichen Not des Industrieproletariats des
19. Jahrhunderts. Besonders bewegt war er von der großen Distanz, die durch die Verbürgerlichung der Kirchen in breiten Schichten der Bevölkerung zu den kirchlichen Angeboten erwachsen war. Vetter sah die tiefere Ursache dieser Entwicklung im theologischen
Liberalismus und
Rationalismus der
Kirchen. Es stellte sich ihm in diesem Zusammenhang vor allem die Frage, wie denn das „einfache Volk“ mit dem
Evangelium erreicht werden kann. In seinen Lebenserinnerungen berichtet Vetter von einer Vision
1895, die ihm Antwort auf seine Fragen gab. Er sah ein „großes Zelt“ und hörte dabei die Stimme Gottes: „Das ist der Ort, an dem du die Massen des Volkes unterbringen wirst.“ In dieser Vison sah Vetter nach eigenen Aussagen auch die gesamte Konstruktion sowie auch die Inneneinrichtung des Zeltes: „So wurde die Zeltmission von dem liebevollen Herrn geschenkt.“
Die „Deutsche Zeltmission“
1902 gründete Vetter die
Deutsche Zeltmission, die noch heute besteht und seit 1904 ihren Sitz in
Geisweid bei
Siegen hat. Die erste deutsche Zeltmission fand am
27. April 1902 auf der Anhöhe
Tersteegenruh bei
Mülheim an der Ruhr statt. Bereits 1905 erfolgte die Anschaffung eines zweiten Zeltes. Es war größer als das erste und konnte bis zu 3.000 Menschen fassen. Bereits 1907 betrieb die Deutsche Zeltmission 5 Zeltkirchen, die deutschlandweit, aber auch in den
Niederlanden und in der
Schweiz zum Einsatz kamen.
Der 1. Weltkrieg unterbrach diese Entwicklung. Erst in den 1920er Jahren wurde sie unter der Leitung des ostpreußischen Evangelisten Ernst Krupka wieder aufgenommen. 3.000 bis 4.000 Besucher pro Zeltabend waren in diesen Jahren keine Seltenheit. Der Sturz des Kaiserreichs, die große Inflation sowie die ideologischen und politischen Auseinandersetzungen jener Jahre ließ viele Menschen nach einer grundlegenden Neuorientierung suchen. Davon profitierte die Zeltmission; sie wurde allerdings von Gruppen unterschiedlicher Couleur auch angefeindet. Massive Störungen und gewalttätige Angriffe waren bei Veranstaltungen der Zeltmission in diesen Jahren an der Tagesordnung.
Der nationalsozialistische Polizeitstaat installierte zwar zunächst eine äußere Ordnung, blockierte die zeltmissionarische Arbeit dann aber durch Bespitzelung, Überwachung und eine Fülle von Auflagen.
Der 2. Weltkrieg brachte die Zeltarbeit zum völligen Erliegen. Sie wurde aber in Westdeutschland – zum Teil mit ausländischer Hilfe – ab 1947 wieder aufgebaut.
Zeltmission der Baptisten
Noch
1934 begannen die deutschen
Baptisten mit dem Aufbau einer eigenen Zeltmission, die sich hier aus der sogenannten
Wagenmission entwickelt hat. Die Wagenmission, bei der zunächst ein Pferdefuhrwerk mit einem ausgebauten Wohn- und Materialwagen zum Einsatz kam, war ursprünglich ein Zweig der baptistischen Jugendarbeit. Auch die aufkeimende Zeltmission war bei den Baptisten zunächst im Jugendsektor ihrer Missionsarbeit angesiedelt. Am
10. Mai 1934, dem
Himmelfahrtstag wurde das erste Missionszelt der Baptisten in
Goslar eingeweiht. Als erster Zeltevangelist wirkte
Franz Lüllau.
Zeltmission heute
Rund 50 Zelte, von denen die meisten zwischen 300 und 1.000 Besucher fassen, sind heute in der
Bundesrepublik Deutschland für die Zeltmission der verschiedenen evangelischen Kirchen,
Freikirchen und Gemeinschaften unterwegs. Träger der Zeltmission sind neben der schon erwähnten
landeskirchlichen „Deutschen Zeltmission“ die
Evangelisch-methodistische Kirche, der
Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (auch Baptisten genannt), der
Bund Freier Evangelischer Gemeinden, der
Jugendbund für entschiedenes Christentum / EC, die
Berliner Stadtmission und das
Missionswerk Neues Leben. Daneben gibt es noch kleinere Zeltmissionen wie die
Neulandmission Plettenberg, die der
Brüderbewegung nahe steht sowie die von Claas Aeilts gegründete
Ostfriesische Zeltmission, die sich dem
Ostfriesischen Gemeinschaftsverband verbunden weiß.
Insgesamt ist innerhalb der Bundesrepublik eine Abnahme der zeltmissionarischen Einsätze zu verzeichnen. Die Ursachen dafür sind vielschichtig. Zum einen haben viele Gemeinde die Evangelisationsarbeit in den Gemeindealltag integriert und veranstalten lieber regelmäßige Gästegottesdienste und evangelistische Glaubensgrundkurse als einmal pro Jahr mit hohem Aufwand eine Zeltmission zu organisieren. Zum anderen haben neue evangelistische Großveranstaltungen wie zum Beispiel ProChrist und JesusHouse jenen Platz eingenommen, der früher von der Zeltmission eingenommen wurde.
In der sogenannten Neulandmission, die in Gebieten mit einem hohen Anteil kirchendistanzierter Bevölkerung durchgeführt wird, sowie beim Aufbau neuer Gemeinden ist die Zeltmission nach wie vor ein wichtiges Werkzeug.
Zu den neueren Zeltevangelisten gehören auch Nichttheologen – so zum Beispiel der Physiker Werner Gitt.
Zeltevangelisten
Literatur
- Peter Scharpff: Geschichte der Evangelisation. 1964
- Jakob Vetter, Gottes Fußspuren in der Zeltmission. 1907
- Ludwig Henrichs: Etliche zu Evangelisten. 1922
- Franz Lüllau: Wir bleiben Missionare. Ein Sommer Volksmission im neuen Deutschland in Wort und Bild. Kassel 1934
- Otto Riecker: Das evangelistische Wort. 2. Auflage, 1953
Siehe auch
Weblinks
christliche Mission | Freikirche