Zellkern.png | Zellkern%28echt%29.png Als Zellkern (lat. Nucleus - Kern, auch Nukleus) bezeichnet man ein im Cytoplasma gelegenes, meist rundlich geformtes Organell der eukaryotischen Zelle. Die Linguistik bezeichnet den Silbenkern als Nukleus.
Bei Zellen von Säugern sind Durchmesser von 5-15 µm typisch. Der Zellkern ist damit das im Mikroskop am leichtesten zu erkennende Organell der Zelle. Zellkerne können durch Anfärben der DNA lichtmikrospisch hervorgehoben werden, z.B. durch die Feulgen-Färbung, durch Giemsa oder durch Fluoreszenzfarbstoffe wie DAPI. Vom Zellplasma ist der Zellkern durch die Kernhülle abgegrenzt. Durch in der Kernhülle enthaltene Kernporen findet der Stoffaustausch mit dem Zellplasma statt, gesteuert von einem Kernporenkomplex. Regulatorische Proteine gelangen aus dem Cytoplasma in den Zellkern, Transkriptionsprodukte wie die mRNA werden zur Proteinsynthese, die an den Ribosomen des Cytoplasmas stattfindet, aus dem Kern in das Plasma exportiert.Die Flüssigkeit im Kern wird auch als Karyoplasma bezeichnet.
Lichtmikroskopisch fallen in vielen Zellkernen ein oder mehrere rundliche Gebilde auf, die Kernkörperchen oder Nucleoli. Sie enthalten die Gene für ribosomale RNA. Hier werden die Untereinheiten der Ribosomen gebildet, welche durch die Kernporen ins Cytoplasma gelangen. Nucleoli enthalten im Vergleich zum Rest des Kerns nur geringe Konzentrationen von DNA, aber mehr RNA. Andere "Körperchen" des Zellkerns lassen sich nur durch spezielle Färbetechniken darstellen, etwa durch Antikörperfärbung. Die Funktion dieser Körperchen ist meistens noch wenig verstanden. Hierunter fallen etwa "Speckles" (Ansammlungen von Faktoren, die für Splicing benötigt werden), Cajal Bodies (siehe snoRNA) oder PML-bodies.
Das Vorhandensein einer Kernmatrix wurde erstmals in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts vorgeschlagen. Ihre Existenz ist jedoch weiterhin umstritten.
Das im Zellkern vorhandene Erbgut der Zelle liegt in mehrereren zu Chromatin verpackten DNA-Fäden vor, den Chromosomen, die neben der DNA auch Proteine enthalten, z.B. Histone. Neben den Histonen kommen auch andere Kernproteine, wie z.B. DNA-Polymerasen und RNA-Polymerasen, weitere Transkriptionsfaktoren sowie Ribonukleinsäuren im Kern vor.
Chromosomen nehmen während der Interphase abgegrenzte Bereiche im Zellkern ein, die Chromosomenterritorien. Deren Existenz wurde schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts vorgeschlagen, der direkte Nachweis gelang erst 1985 mit Hilfe der Fluoreszenz in situ Hybrisisierung Schardin et al.Hum. Genet. 71:281, 1985. Specific staining of human chromosomes in Chinese hamster x man hybrid cell lines demonstrates interphase chromosome territories. ManuelidisHum. Genet. 71:288, 1985. Individual interphase chromosome domains revealed by in situ hybridization. .
Die Verteilung des Chromatins und somit der Chromosomen innerhalb des Zellkerns erscheint auf den ersten Blick zufällig: Die Anordnung der Chromosomen zueinander wechselt von Kern zu Kern, Nachbarn in einem können im nächsten weit auseinanderliegen. Seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts konnten jedoch einige Ordnungsprinzipien gefunden werden. Die DNA-Replikation erfolgt während der S-Phase nicht gleichmäßig, sondern an manchen Stellen der Chromosomen früher, an anderen später. Frühe oder späte Replikation sind dabei Eigenschaften, die für alle Abschnitte der Chromosomen in einem gegebenen Zelltyp konstant sind. Es stellte sich heraus, das sich früh replizierte Bereiche vorwiegend im Inneren des Kerns befinden, während spät replizierte Bereiche vorwiegend an der Kernhülle und um die Nucleoli herum lokalisiert sind O'Keefe et al. J. Cell Biol. 116:1095, 1992. Dynamic organization of DNA replication in mammalian cell nuclei: spatially and temporally defined replication of chromosome-specific alpha-satellite DNA sequences. . Für die Anordnung der Chromosomenterritorien im Zellkern wurde beobachtet, dass Chromosomen mit hoher Gendichte bevorzugt in der Mitte des Kerns liegen während Chromosomen mit niedriger Gendichte häufiger an der Peripherie zu finden sind. Für manche Zelltypen wurde auch beschrieben, dass kleine Chromosomen eher in der Mitte liegen während große außen sind Cremer and CremerNat Rev Genet. 2:292, 2001. Chromosome territories, nuclear architecture and gene regulation in mammalian cells.. Beide Motive sind dabei miteinander vereinbar.
Siehe auch: Intron, Exon, Epigenetik, Kernmatrix, Splicing
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