Zeitz ist eine
Stadt im Südzipfel des
Bundeslandes Sachsen-Anhalt, nahe den Grenzen zu
Sachsen und
Thüringen mit rund 29.000 Einwohnern.
Geographie
Zeitz liegt an der Weißen Elster, etwa 45 km südlich von Halle (Saale) und 25 km nördlich von Gera.
Angrenzende Gemeinden sind Bergisdorf, Döbris, Droßdorf, Elsteraue, Geußnitz, Gleina, Grana, Nonnewitz, Theißen und Wittgendorf.
Geschichte
Frühmittelalter
Das Gebiet um Zeitz gehörte dem Reich der
Thüringer an. Im Jahr
531 kam es bei
Burgscheidungen (
Unstrut) zu einer Schlacht mit sächsischen und fränkischen Heeren, in deren Folge die Thüringer ihre Heimat verließen. In diesem nunmehr nahezu menschenleeren Siedlungsraum siedelten sich
slawische Bauern an. Vermutlich befand sich das Stammeszentrum des gegründeten
Kleinstammbezirkes Puonzowa an der Stelle des heutigen
Klosters Posa.
König Heinrich I. (* 876; † 936) ließ an der Stelle der heutigen Moritzburg eine Burg errichten, welche es ermöglichte, die slawische Bevölkerung zu kontrollieren.
Zeit der Bischöfe
Auf der
Synode von
Ravenna im Jahr
967 wurde Zeitz erstmalig urkundlich als
Cici erwähnt (es sind aus anderen Dokumenten mehr als 30 weitere Namensvariationen bekannt), als der Sohn Heinrich I., Kaiser
Otto I. (* 912; † 973) und Papst
Johannes XIII., zum Zweck der
Christianisierung der slawischen Bevölkerung und weiterhin zur Festigung der deutschen Herrschaft, die Gründung des
Erzbistums Magdeburg sowie des
Bistums Merseburg, des
Bistums Meißen und des
Bistums Zeitz beschlossen.
Die Vorarbeit zur Gründung des Bistums leistete seit 950 der Mönch Boso aus dem Benediktinerkloster St. Emmeram durch eine "unablässige" Missionierung der ansässigen Slawen.
Im Dezember 968 wurde Hugo I. (968-979) als erster Zeitzer Bischof geweiht, Zeitz wurde Bischofssitz.
1028-1032 wurde aufgrund des permanenten Bestrebens der Ekkehardinger mit päpstlicher Genehmigung der Bischofssitz von Zeitz nach Naumburg verlegt.
Dies änderte sich Ende des 13. Jahrhunderts, als die Bischöfe erneut Zeitz zu ihrem Wohnsitz wählten, jedoch weiterhin in Naumburg gewählt und ernannt wurden. Mit dem Tod des Bischofs Julius von Pflug 1564 wurde das Bistum, nach circa 600 Jahren Bestand, aufgelöst.
Von 968 bis 979 regierte der Markgraf Wigger. Er war der einzige Markgraf von Zeitz.
Dreißigjähriger Krieg
Im
Dreißigjährigen Krieg wurde die Burganlage mehrfach belagert und die Bischofsburg schließlich Ende
1644 durch
schwedische Truppen zerstört.
Zeit der Herzöge
Durch das Testament
Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen aus dem Jahr
1652 wurde die Aufteilung des
Königreich Sachsens (Kursachsens) unter seinen vier Söhnen festgelegt. Dadurch entstanden die
Sekundogenitur-Herzogtümer
Sachsen-Merseburg,
Sachsen-Weißenfels und
Sachsen-Zeitz. Damit entstand folgende Erbfolge, der älteste Sohn, der spätere Großvater
August des Starkens, übernahm die
Erblande, sowie die
Kurwürde und verblieb damit mit seiner Residenz in
Dresden. Der jüngste Sohn,
Moritz, übernahm
1653 zunächst die Administration über das
Stift Naumburg-Zeitz.
1656 verstarb sein Vater und er übernahm, gemäß dem Testament, die Regierung des Herzogtums Sachsen-Zeitz.
Auf den Grundmauern der zerstörten Bischofsburg wurde, unter Leitung des fürstlich-sächsischen Landbaumeisters Moritz Richter (* 1620; † 1667), später von seinem Sohn Johann Moritz Richter, die barocke Residenz "Moritzburg an der Elster" erbaut. Die Bauzeit betrug 21 Jahre, vom 19. März 1657 bis 1678.
1718 starb der einzige Sohn Herzog Moritz, Herzog Moritz Wilhelm. Damit fiel, nach nur 69 Jahren, gemäß den Auflagen des Testaments Johann Georg I., das Herzogtum Sachsen-Zeitz an das Kurhaus Dresden zurück.
Zeit der Industrialisierung
Nach den
Napoleonischen Kriegen kam auf Beschluss des
Wiener Kongresses
1815 und
16 fast das gesamte Stiftsgebiet an
Preußen.
1843 wurde die erste Dampfmaschine in Betrieb genommen, und 1855 eine Maschinenfabrik gebaut. 1859 erhielt Zeitz Anschluss an die Eisenbahn nach Gera und Weißenfels, 1872 nach Altenburg, 1873 nach Leipzig und schließlich 1879 nach Camburg.
Die Zeitzer Klavierindustrie, mit zeitweise 30 verschiedenen Fabriken, hatte einen weltweiten Bekanntheitsgrad. Namenhafte Vertreter waren Fahr, Geißler, Gerbstädt, Hoelling & Spangenberg, Hupfer & Co., Krietzsch, Oehmig-Weidlich, Schemelli & Co. und Zitza.
Auch die Zeitzer Kinderwagenindustrie ZeKiWa hatte einen erstklassigen Ruf, welcher einen weltweiten Export zur Folge hatte. Bedeutend war hier der Stellmachermeister Ernst Albert Naether.
NS-Zeit
Während der
NS-Diktatur wurde in Rehmsdorf und Gleina (beide bei Zeitz) ein
Konzentrationslager eingerichtet, dass eine Außenstelle des
Konzentrationslagers Buchenwald darstellte. Von dort wurden allein in den vier
Hydrieranlagen der
Brabag von Ende Mai bis Oktober
1944 nahezu 10.000
KZ-Häftlinge eingesetzt. Die meisten von ihnen waren ungarische
Juden, unter ihnen
Imre Kertész, der im Brabag-Werk in Zeitz arbeitete. Zivile Ingenieure der Unternehmen, die so genannten „Werksbeauftragten“, koordinierten die Arbeit der Häftlinge vor Ort. Diesem bisher weitgehend unbekannten Bereich der Verzahnung von
KZ-System und Kriegswirtschaft gehen Tobias Bütow und Franka Bindernagel in ihrem Buch "Ein KZ in der Nachbarschaft. Das Magdeburger Außenlager der
Brabag und der 'Freundeskreis Himmler'" am Beispiel der
Brabag und des Hydrierwerks in
Magdeburg gezielt nach. Der
Literaturnobelpreisträger Imre Kertész selbst schildert seine damaligen Erfahrungen in seinem autobiographischen Werk "
Roman eines Schicksallosen".
DDR-Zeit
Zeitz gehörte ab 1952 als Kreisstadt zum neu gegründeten Bezirk Halle. Bis 1989/90 bildete die Stadt einen industriellen Mittelpunkt.
Am 18. August 1976 verbrannte sich der evangelische Pfarrer
Oskar Brüsewitz öffentlich vor der Michaeliskirche und setzte damit ein weltweit wahrgenommenes Fanal gegen die Militarisierung der Jugend in den Schulen und den fehlenden Widerstand seiner Kirche. Die Selbstverbrennung löste eine DDR-weite Solidarisierung von Theologen, Gemeinden und kritischen Marxisten aus, die zu einer neuen Standortbestimmung der evangelischen Kirche in der DDR und zu einer der Wurzeln für die friedliche Revolution 1989 wurde.
Sonstiges
Zeitz, als erste Stadt in Sachsen-Anhalt, veranstaltete 2004 die 1. Landesgartenschau Sachsen-Anhalts. Dabei wurden wesentliche Sehenswürdigkeiten in Stand gesetzt bzw. Industrieruinen abgerissen.
Einwohnerentwicklung
Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 31. Dezember):
|
| 1831 bis 1933
1939 bis 1995
1997 bis 2003
* 29. Oktober
** 31. August
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Zeitz_Schloss5.jpg
Bauwerke
- Schloss Moritzburg ist die frühbarocke Residenz der Herzöge von Sachsen-Zeitz. Die Befestigungsanlagen des Vorgängerbaus, einer mittelalterlichen Bischofsburg, sind größtenteils erhalten.
- In der Schlosskirche, auch Dom St. Peter und Paul genannt, ruht Georgius Agricola. Der Bau ist frühromanischen Ursprungs (11. Jahrhundert). Vom ottonischen Vorgänger haben sich die Säulen der Krypta und weitere Reste im Kreuzgangbereich erhalten.
Museen
- Museumsbibliothek "Ernst Ortlepp", umfasst ca. 30.000 Bände Bücher aus sechs Jahrhunderten. Zu bedeutendsten Werken gehört die Meißnische Land- und Bergchronik" des Petrus Albinius, richtigerweise Peter Weiß, welche 1589 in Dresden gedruckt wurde. Diese Chronik stellt eine wichtige Quelle zum Leben Georgius Agricola dar. Weiterhin befinden sich seltene Drucke und bedeutende Handschriften des Dichter Ernst Ortlepp im Bestand.
- Deutsches Kinderwagenmuseum, ist die größte Kinderwagenausstellung Europas
Bücher rund um Zeitz
- Echo vergangener Zeiten ‒ Romantrilogie von Kurt Fröhlich ‒ Der Roman handelt von der Zeit der Reformation und des Dreißigjährien Krieges.
Sport
Der Fußballverein 1. FC Zeitz, stand 1963 in der DDR unter der Bezeichnung BSG Chemie Zeitz im Finale des FDGB-Pokal. Einer der bekanntesten Fußballer der Stadt dürfte Jörg Böhme sein, der momentan bei Borussia Mönchengladbach spielt und beim FC Schalke 04 zum Nationalspieler wurde.
Wirtschaft und Infrastruktur
Bekannt ist der Ort für die Schokoladenfabrik
Zetti (u.a.
Knusperflocken und
Bambina) und die Kinderwagen der Firma
Zekiwa. Weitere namhafte Zeitzer Firmen waren
Zitza und
Zemag, sowie die Klavierfabrik Hölling und Spangenberg.
Partnerstädte
Detmold in (
Nordrhein-Westfalen,
Deutschland)
und
Tosu (
Saga-ken,
Japan)
Persönlichkeiten
- Rudolf Agricola (1900‒1985), von 1926 bis 1933 Diplom-Handelslehrer und SPD-Stadtverordneter, nach 1948 Professor für Politökonomie in Halle, Berlin und Greifswald.
- Otto Baensch, Wasserbauingenieur, leitete u. a. die Mainkanalisierung von Frankfurt bis Mainz sowie den Bau des Nord-Ostsee-Kanals, Ehrenbürger der Stadt Zeitz
- Johann Friedrich Gottlieb Delbrück, Theologe und Erzieher der preußischen Könige Friedrich Wilhelm IV. und Wilhelm I., wirkte ab 1817 als Stiftssuperintendet in Zeitz und starb hier 1830.
- Dr. Kurt Floericke, Naturwissenschaftler, Naturfreund und Verfasser zahlreicher populärwissenschaftlicher Darstellungen
- Karl Ludwig Nitzsch, Theologe
- Ernst Zergiebel (1852‒1939), Lokalhistoriker und Herausgeber der "Chronik von Zeitz" in den Jahren 1892/94/96
- Anna Magdalena Bach, zweite Frau des Komponisten Johann Sebastian Bach, wurde am 22. September 1701 in Zeitz geboren.
- Rudolf Drößler, bekannter Sachbuchautor und Wissenschaftsjournalist, von 1991 bis 1997 Stadtschreiber und Stadtchronist
- Maximilian Mörlin evangelischer Theologe und Reformator
Weblinks
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