Als Zeitungsente (seltener auch Zeitungssage) wird umgangssprachlich eine Falschmeldung in der Zeitung bezeichnet.
Begriffsherkunft
Über die Herkunft des Begriffes kursieren vier Erklärungen.
N. T.
Sehr häufig wird behauptet, dass er sich
phonetisch aus der Abkürzung N. T. (engl.: "not testified" oder ganz einfach aus "not true") ableitet, die in einigen englischsprachigen Zeitungen hinter nicht überprüften Meldungen den unklaren Wahrheitsgehalt kennzeichnet. Die Bezeichnung entstammt dem Lateinischen ("non testatum" = nicht geprüft) und spricht sich im deutschen wie EN-TE.
Blaue Enten
Eine
Theorie der
Gebrüder Grimm führt den Ausdruck auf
Luther zurück, den sie mit den Worten zitieren: „So kömpts doch endlich dahin, das an stat des evangelii und seiner auslegung widerumb von blaw enten gepredigt wird.“ Die "blauen Enten" stehen als
Sinnbild für die
Irrlehre.
Lugende
Georg Büchmann leitet in seinen
Geflügelten Worten wie folgt her:
Luther verwendete in einer Predigt das Wort
Lugenda für eine seiner Meinung nach unglaubwürdige
Legende über
Franz von Assisi. Dieses Wort griff später
Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen auf (
Lugende in „Das wunderbarliche Vogel-Nest”,
1672). Bei
Christian Reuter („Schelmuffskys curiöse und sehr gefährliche Reisebeschreibung zu Wasser und Lande, von E. S.”,
1696) heißt es
Lüg-Ente, im Laufe der Zeit zu
Ente verkürzt.
Gallizismus donner des canards
In jüngster Zeit scheint sich die
Deutung durchzusetzen, dass die Zeitungsente im
19. Jahrhundert aus dem
französischen donner des canards („Enten geben“) in den deutschen Sprachgebrauch kam. Der Begriff steht in
Frankreich auch für
Lüge oder
Schwindel und bezieht sich wohl darauf, dass die Ente als unzuverlässige
Brüterin bekannt ist. Noch heute verweist der Titel der
Zeitung Le Canard enchaîné auf diesen Zusammenhang.
Der bedeutendste deutsche Zeitungshistoriker Martin Welke, ehemals ebenfalls ein Anhänger der "N. T."-Theorie, stieß in seiner Zeitungssammlung auf eine Karikatur von 1849 mit dem Titel Der journalistische Eiertanz. Diese zeigte einen Schreiberling mit seinen Utensilien und einer Umhängetasche, aus der zwei Enten herausschauen, die auch noch entsprechend beschriftet sind. Die Tatsache, dass Enten schon seit so langer Zeit mit dem Journalismus in Verbindung gebracht werden, überzeugte auch Welke, dass die Erklärung mit dem N. T. wohl selbst eine – wenn auch schöne – Ente ist.
Literatur
- Hollstein, Hans: Zeitungsenten. Kleine Geschichte der Falschmeldung. Heitere und ernste Spielarten vom Aprilscherz bis zur Desinformation. Stuttgart, 1991.
- Mayer, Horst Friedrich (Hg.): Die Entenmacher. Wenn Medien in die Falle tappen. Wien; München, 1998.
Verwandte Themen
- Grubenhund - Eine Ente, die bei aufmerksamem Lesen erkennbar ist aber bei oberflächlichem Überfliegen nicht auffällt.
- Nihilartikel - Erfundene Artikel in Lexika.
- Urban legend - Eine Falschmeldung, die weitererzählt wird.
- Hoax - Eine Falschmeldung, die sich per E-Mail verbreitet.
Weblinks
Täuschung | Zeitung
Avisand