Als Zeitschriftenkrise bezeichnet man im Bibliothekswesen das Problem, dass speziell seit Mitte der 1990er Jahre die Preise für Zeitschriften in den Bereichen Naturwissenschaft, Technik und Medizin (eng. Science, Technology, Medicine, kurz STM) stark anstiegen, während die Etats der Bibliotheken zur Erwerbung stagnierten oder rückläufig sind. Dies wiederum führte zu weiteren Preiserhöhungen, weil die Verlage so ihre Einnahmeverluste durch weniger Abonnements auszugleichen versuchten. Dadurch kommt es zu einem Teufelskreis, in dessen Verlauf der Zugriff von Wissenschaftlern und anderen interessierten Personen auf aktuelle Forschungsinformationen immer stärker eingeschränkt wird.
Viele Lizenzverträge gestatten den Zugriff auf die Zeitschriften nur noch Universitätsangehörigen. Bisher hatten in vielen Universitätsbibliotheken auch sonstige, an der Wissenschaft interessierten Personen Zugang zu allen Beständen. Diese Personen müssen jetzt ausgeschlossen werden (vgl. House of Commons 2004, 26). Insbesondere für sie haben die Wissenschaftsverlage das Modell Pay-Per-View vorgesehen, wo für jeden Artikel gesondert bezahlt werden muss. Die Preisvorstellungen liegen bei 25 Euro pro Artikel.
Denn in den 90er Jahren kam es in diesem Markt zu einem starken Konzentrationsprozess. Im Jahr 2003 kontrollierten 8 Zeitschriftenkonzerne 66,4% des Weltmarkts für STM-Zeitschriften. Der Marktführer Reed Elsevier allein hatte im Jahr 2003 einen Umsatz von 7,1 Mrd. Euro und einem Anteil von 28,2% am STM-Markt (vgl. House of Commons 2004, 13)
| Name | Anteil |
| Reed Elsevier | 28,2% |
| Thomson | 9,5% |
| Wolters Kluwer | 9,4% |
| Springer (ehemals BertelsmannSpringer) | 4,7% |
| John Wiley | 3,9% |
| American Chemical Society | 3,6 % |
| Blackwell Publishing | 3,6 % |
| Taylor & Francis | 3,6 % |
| Sonstige | 33,6 % |
Die WissenschaftlerInnen sind andererseits gezwungen, möglichst viele Forschungsergebnisse in Fachzeitschriften zu publizieren. Nur so können sie innerhalb ihres Fachs an Ansehen gewinnen. Bei der Entscheidung, in welcher Zeitschrift sie publizieren, richten sie sich nach dem Ansehen und dem Einfluss der Zeitschrift, nicht aber nach Marktkriterien. Andererseits ist der Zugriff auf einige wichtige Zeitschriften die Voraussetzung, um über die aktuellen Entwicklungen in einem Fach informiert zu sein und so überhaupt noch Forschung betreiben zu können (vgl. House of Commons 2004, 9ff). Diese Faktoren stärken die Positionen der Wissenschaftsverlage, die deshalb jährliche Preissteigerungen im zweistelligen Prozentbereich für Zeitschriftenabonnements durchsetzen und Kapitalrenditen von bis zu 33% einfahren konnten, was weit über dem Durchschnitt der Medienindustrie liegt. Inzwischen kostet ein Jahresabonnement einer STM-Zeitschrift bis zu 6000 Euro (vgl. Dambeck 2004).
Die Wissenschaftsverlage rechtfertigen ihre hohen Preise v.a. mit den Kosten der Peer-Review und ihrer verlegerischen Tätigkeit. Diese Argumente werden aber angezweifelt, denn die Verlage zahlen in der Regel weder den Autoren noch den an der Peer-Review beteiligten Wissenschaftlern ein Honorar. Häufig wird auch verlangt, dass Autoren ihre Artikel druckfertig nach Verlagsvorgaben einreichen (vgl. Dambeck 2004).
Ausführlicher Artikel: Open Access
Als Alternative zu dieser Entwicklung wird von einigen Beteiligten, wie etwa den Unterzeichnern der Berliner Erklärung von Oktober 2003 und dem britischen House of Commons von Juli 2004 auf das Prinzip des Open Access gesetzt. Dabei sollen einerseits in gedruckten Zeitschriften publizierte Artikel in institutionellen Eprint-Archiven, die von Hochschulen oder anderen Einrichtungen getragen werden, nochmals allgemein zugänglich veröffentlicht werden (so das 1991 von Paul Ginsparg initiierte ArXiv). Es wird dazu aufgerufen, möglichst viele freie Elektronische Zeitschriften zu gründen.
Eines der möglichen Geschäftsmodelle für solche Open-Access-Zeitschriften sieht vor, dass die Autoren bzw. ihre Institutionen für die Organisation der Peer Review und die Veröffentlichung im Internet bezahlen sollen. Insgesamt sind jedoch die Kosten einer Online-Publikation geringer als bei einer gedruckten Zeitschrift.
Es existieren bereits über 1000 Open-Access-Journals, einige davon mit sehr hohem Impact Factor. Da nach einer Studie von Lawrence in Nature online verfügbare Artikel häufiger zitiert werden als gedruckte Werke, hoffen die Befürworter von Open Access, dass dies die Autoren davon überzeugt, ihre Artikel in Open-Access-Zeitschriften zu veröffentlichen. Nach wie vor wird jedoch Artikeln in angesehenen gedruckten Zeitschriften für die Beurteilung wissenschaftlicher Leistung mehr Gewicht beigemessen.
Die Open Archives Initiative (OAI) entwickelt Standards, Schnittstellen und Software für die Archivierung und das Retrieval von Online-Publikationen.
Für die Analyse von Zitationen werden derzeit verschiedene Systeme in Analogie zum Web of Science entwickelt, darunter die SPIRES HEP Literature Database, CiteSeer und das Open Citation Project (OpCit).
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